Spellforce 3: Soul Harvest im Test: Umfangreich, günstig und diesmal ohne nervige Bugs

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Spellforce 3: Soul Harvest im Test: Umfangreich, günstig und diesmal ohne nervige Bugs
Quelle: PC Games

Mickrig ist hier nur der Preis: Im Test glänzt das eigenständig lauffähige Add-on zu Spellforce 3 mit sattem Umfang! Aber auch aus den technischen Mängeln des Hauptspiels haben die Entwickler ihre Lehren gezogen: Die üblen Bugs sind Schnee von gestern.

Verfrüht, verbuggt und ganz schön peinlich: Für THQ Nordic wurde der Release von Spellforce 3 zum regelrechten Debakel. Ende 2017 kam der Hybride aus Echtzeit-Strategie und Rollenspiel derart holprig auf den Markt, dass wir anfangs sogar einen Test verweigerten; erst einen Berg an Patches brachte den ambitionierten Titel halbwegs in Form.

Mit Soul Harvest, der ersten Stand-alone-Erweiterung zu Spellforce 3, wollen die Entwickler nun beweisen, dass sie es besser können. Und das ist ihnen gelungen! Soul Harvest zeigt im Test keine groben Bugs, bis auf ein paar Übersetzungs- und Wegfindungsfehler konnten wir das Fantasy-Abenteuer problemlos durchspielen und die vielen neuen Inhalte genießen. Denn Soul Harvest ist mit 25 Euro zwar erstaunlich günstig, liefert aber einen stattlichen Umfang und viele kleine Verbesserungen, die das gesamte Spielerlebnis aufwerten und damit beweisen: Grimlore Games und THQ Nordic haben ihre Hausaufgaben gemacht!

Viele Missionen spielen auf schicken unterirdischen Maps. Hier stürmen wir eine Zwergenfestung. Quelle: PC Games Viele Missionen spielen auf schicken unterirdischen Maps. Hier stürmen wir eine Zwergenfestung.

Volle Story-Packung für Geduldige

Soul Harvest ist zwar eigenständig lauffähig, knüpft aber trotzdem an die Story des Hauptspiels an. Zweieinhalb Jahre nach den Reinheitskriegen aus Spellforce 3 (jetzt kaufen 19,99 € / 35,99 € )üübernehmt ihr die Rolle einer neuen Spielfigur: Diesmal schlüpft ihr in die Rolle des entehrten Generals Aerev, der von der Krone dazu abkommandiert wird, die Leitung der Wolfsgarde zu übernehmen, um einer neuen mysteriösen Bedrohung auf den Grund zu gehen. Wer das Hauptspiel nicht gespielt hat, wird dabei von Namen, Orten, Prophezeiungen und Ereignissen nur so erschlagen, Neulinge müssen sich auf einen zähen Einstieg gefasst machen.

Vor jeder Mission legen wir fest, welche Helden wir in unserer vierköpfigen Party mitnehmen. Quelle: PC Games Vor jeder Mission legen wir fest, welche Helden wir in unserer vierköpfigen Party mitnehmen. Daran ist auch die Erzählweise schuld: Die Dialoge sind zwar wieder gut vertont, laufen aber immer noch in starrer Draufsicht ab, interessante Zwischensequenzen bekommt man nie zu sehen. Noch dazu sind viele Gespräche einfach zu lang und ausgewalzt, die bedeutungsschwangeren Texte stecken voller Wiederholungen ("Staub und Steine! Tiaras Atem!"), während die Lore - so schön sie auch sein mag - pausenlos durchgekaut wird. Darunter leidet das Tempo. Sieht man darüber hinweg, erlebt aber man eine ordentliche Story, die sich in der 20 Stunden langen Kampagne gut entfaltet und neben interessanten politischen Untertönen auch ein paar gelungene Überraschungen auf Lager hat. Wer schon Spellforce 3 mochte, kommt also sicher auf seine Kosten!

Gelungene Kampagne

Auch in Soul Harvest stehen ordentlich vertonte Dialoge an der Tagesordnung. Gelegentlich treffen wir auch kleine Entscheidungen, die sich aber kaum auswirken. Quelle: PC Games Auch in Soul Harvest stehen ordentlich vertonte Dialoge an der Tagesordnung. Gelegentlich treffen wir auch kleine Entscheidungen, die sich aber kaum auswirken. Das ist auch ein Verdienst des Missionsdesigns, denn in Soul Harvest haben wir meist mehr zu tun, als einfach nur eine Basis hochzuziehen und die Gegner von der Karte zu fegen. So müssen wir bei einem Angriff auf eine Zwergenfestung beispielsweise entscheiden, ob wir den frontalen Ansturm wählen oder ob wir uns lieber durch einen Seiteneingang voller Untoter kämpfen, um so hinter die feindlichen Verteidigungsstellungen zu gelangen. Auf einer anderen Map sind wir in einer wundervoll gestalteten unterirdischen Dunkelelfenstadt unterwegs (dickes Lob an die tolle Musik in dem Level!), später brechen wir in eine prachtvolle zwergische Schatzkammer ein, erledigen dabei kurze Botengänge und Quests, lösen hier und da sogar kleine Rätsel oder bestreiten Bosskämpfe. Im Vergleich zum Hauptspiel fühlt sich Soul Harvest auch etwas straffer an: Zwar gibt's zwischen den Levels immer noch längere Ladezeiten, doch die Laufwege auf den Maps fallen dafür kürzer aus und ihr müsst zwischendurch auch nicht durch die immergleiche Formerstadt latschen, um mit euren Begleitern zu plaudern.

Bildergalerie

Mehr Klassen, mehr Komfort

Fähigkeiten werden entweder mit der neuen Aktionsleiste (oben im Bild) ausgelöst oder klassischer per Ringmenü. Quelle: PC Games Fähigkeiten werden entweder mit der neuen Aktionsleiste (oben im Bild) ausgelöst oder klassischer per Ringmenü. Soul Harvest bleibt dem bewährten Genre-Mix aus Echtzeit-Strategie und Rollenspiel treu, verfeinert das Konzept aber an den richtigen Stellen. Ihr steuert wieder eine vierköpfige Heldentruppe, die ihr aus verschiedenen Charakteren und neun Klassen zusammenstellt und im Laufe des Abenteuers mit jeder Menge Waffen und Rüstungen aufmotzt. Pro Held stehen euch zwei Talentbäume zur Verfügung, neu sind dabei die Richtungen Dämonologie und Druidentum sowie spezielle Synergiefähigkeiten, die sich aus der Kombination zweier Klassen ergeben. Damit ihr die vielen Zauber und Kampftalente eurer Party diesmal besser nutzen könnt als im Hauptspiel, wurde das Interface überarbeitet: Alle Fähigkeiten wandern in eine neue Aktionsleiste, die sich wahlweise am oberen oder unteren Bildschirmrand befindet. Dort könnt ihr eure Talente etwas bequemer auswählen als früher, alternativ stehen sie aber auch im bewährten "Click and Fight"-Ringmenü bereit, das ihr per Alt-Taste über Gegnern oder Verbündeten einblenden könnt.

Die Neuzugänge: Zwerge und Dunkelelfen

Die größten Neuerungen betreffen aber nicht den Rollenspiel-, sondern den Strategiepart! So gesellen sich mit den Zwergen und Dunkelelfen gleich zwei neue spielbare Völker hinzu, die sich schön eigenständig anfühlen: Die Zwerge sind eher defensiv, verbrauchen Unmengen an Stein und produzieren ihre Truppen nur langsam, hauen dafür aber kräftig zu und bieten deutlich robustere Gebäude als etwa die Orks. Die Dunkelelfen verschlingen dagegen massenhaft Holz, sind aber in der Lage, sehr früh leichte Einheiten zu produzieren, mit denen sie ihre Feinde überrennen. Außerdem müssen sie keine spezielle Ressource abbauen, sondern sogenanntes Echo erbeuten. So heißen die Seelen besiegter Truppen, die wir mit Ernte-Einheiten direkt vom Schlachtfeld aufsammeln.

Frische Truppen

Alle Völker - darunter auch die alten Fraktionen Menschen, Elfen und Orks - haben nun Zugriff auf Lufteinheiten, mit denen sich Verteidigungen und Hindernisse umgehen lassen, außerdem haben sie mit Nahkämpfern ein leichtes Spiel. Übermächtig sind sie trotzdem nicht, Flugeinheiten lassen sich nämlich ruckzuck mit günstig produzierten Fernkämpfern kontern. Zusätzlich haben die meisten Einheiten nun eine Spezialfähigkeit, die von Hand aktiviert wird, beispielsweise könnt ihr zwergische Feuergolems an Ort und Stelle verankern und sie so zu schlagkräftigen Belagerungswaffen umfunktionieren. Auf normaler Schwierigkeitsstufe ist das zwar nie nötig, doch Profis bekommen so immerhin mehr Möglichkeiten, um ihre Truppen taktisch einzusetzen.
Links im Bild zu sehen: Alle Völker verfügen nun über neue, aber nicht übermächtige Lufteinheiten. Quelle: PC Games Links im Bild zu sehen: Alle Völker verfügen nun über neue, aber nicht übermächtige Lufteinheiten.

Sinnvolle Detailverbesserungen

Viele kleine Verbesserungen sorgen vor allem im Strategieteil für flotteres Spieltempo und mehr Komfort. Quelle: PC Games Viele kleine Verbesserungen sorgen vor allem im Strategieteil für flotteres Spieltempo und mehr Komfort. Auch an einigen grundlegenden Mechaniken haben die Entwickler herumgeschraubt. Strategielevels sind beispielsweise immer noch in Sektoren unterteilt, die ihr einnehmen und mit Außenposten besetzen müsst, allerdings fallen diesmal die Versorgungswagen weg. Stattdessen landen alle Ressourcen in einem globalen Pool und sind direkt verfügbar, das sorgt für Tempo. Auch das Interface wurde geschliffen, so gibt's nun Hilfspfeile beim Platzieren von Rohstoffgebäuden, Kasernen lassen sich in Gruppen zusammenfassen und das Baumenü ist deutlich kompakter. Auch die Gegner-KI geht in Ordnung, sie greift auch mal von zwei Seiten an oder zieht sich im Notfall zurück. Zusammen mit den spürbar kürzeren Bauzeiten und Detailverbesserungen spielt sich der Strategie-Part schneller und zackiger als im Hauptspiel!

Das gilt auch für die drei alten Völker, die überarbeitet wurden und im Multiplayer- wie auch im Skirmish-Modus voll spielbar sind. Auch die Möglichkeit, die komplette Kampagne im Koop-Modus zu erleben, ist wieder mit an Bord, bis zu drei Spieler können an einer Partie teilnehmen. Und wem das noch nicht reicht, der kann sich noch im komplexen Editor austoben. Alles in allem: ein dickes Paket zu einem fairen Preis!

Wertung und Fazit zu Spellforce 3: Soul Harvest

Wertung zu Spellforce 3: Soul Harvest (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Großer Umfang zum günstigen PreisZwei neue, solide gestaltete VölkerÜberwiegend gutes MissionsdesignNützliche Detailverbesserungen (Interface, Basisbau, usw.)Grafisch immer noch schickZum Teil sehr schöne MusikuntermalungGelungene deutsche VollvertonungKampagne im Koop spielbarLäuft ohne Hauptspiel
Oft ausufernde DialogeKämpfe geraten oft unübersichtlichKeine ordentlichen CutscenesEin paar langweilige Lückenfüller-NebenquestsHäufige, mitunter lange LadezeitenEinige Detailmängel (z.B. mehrere nicht übersetzte Texte, Einheiten verheddern sich, usw.)

Meinung

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