Unvergessliche Spielerlebnisse - Teil 2

Special PC Games Redaktion
In unserem Special werfen wir einen Blick auf unvergessliche Spiele und was diese so besonders macht.
Quelle: PC Games

In unserem Special werfen wir einen Blick auf unvergessliche Spiele und was diese so besonders macht. Emotionalität und besondere Moment machen Spiele zu etwas Besonderem, etwas woran man sich gerne erinnert.

Style over Substance

Die folgende Gruppe der besonderen Spiele ist – die Überschrift suggeriert es bereits – dezent umstritten. Jedenfalls hagelte es 1989 Kritik für Jordan Mechners Prince of Persia, weil der Schwierigkeitsgrad harsch und das Spielprinzip abwechslungsarm seien. Doch heute genießt der Titel Kultstatus, weil Story, Steuerung und zeitlose Animationen für ein unnachahmliches Abenteuer-Flair sorgen. Wer einmal im Eiltempo durch den Kerker geflitzt ist und im Sekundentakt mehrere weite Abgründe durch gezielte Sprünge überwunden hat, weiß, wovon die Rede ist.

Ein vergleichbarer sprunggewaltiger Titel ist Mirror's Edge: Normalerweise sehen Fans von Spielen aus der Ego-Perspektive bereits kurze Jump&Run-Passagen als ein No-Go an, doch Entwickler DICE war das egal. Ganz im Gegenteil: Sie bastelten für ihr an die Trendsportart Parkour angelehntes Spiel eine Levelarchitektur, die sich nur durch schnelles Rennen und waghalsige Sprünge absolvieren lässt. Wer scheitert, der flucht. Wer gewinnt, der fühlt sich erhaben.

Dem Spieler wird in Gone Home schnell klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Quelle: PC Games Dem Spieler wird in Gone Home schnell klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Wer es eher bodenständig und dafür gewalttätig mag, schaut sich den Indie-Titel Hotline Miami an. Vogelperspektive, krümelige Grafik und grelles Farbdesign sprechen eigentlich für einen grandiosen Flop, aber gerade der trashige Stil in Kombination mit der blutigen Handlung und dem gnadenlosen Schwierigkeitsgrad fasziniert. Dem einen oder anderen Adventure-Kenner dürfte das Ambiente übrigens bekannt vorkommen: Bereits anno 1994 konnte man in Dreamweb einen Profikiller steuern, dessen kaltherzige Taten aufgrund der distanzierten Darstellung so intensiv wirkten. Warum? Weil die Ego-Ansicht im Kopf des Spielers tickte …

Spiel oder Erlebnis?

Besonders umstritten sind sogenannte Interactive Novels, denen einerseits mangelnde Spieltiefe vorgeworfen werden und die andererseits in den letzten fünf Jahren dramatisch in Sachen Plot-Qualität dazugelernt haben. Universell beliebt ist einzig The Walking Dead, schließlich hat grob geschätzt jeder zweite Leser die Telltale-Saga gespielt. In der Tat ist es faszinierend, wie simple Texteinblendungen à la "Clementine wird sich merken, was du gesagt hast" dem Spieler glauben machen, er würde entscheidende Aspekte der Handlung lenken. Dass sich die Unterschiede auf kleine Details und wenige Dialogzeilen beschränken, spielt keine Rolle. The Walking Dead gibt dem Spieler schlicht das Gefühl: Er IST der Protagonist.

Den Kampf in Metal Gear Solid gegen Psycho Mantis solltet ihr nur
mit ungewöhnlichen Tricks ernsthaft in Angriff nehmen. Quelle: PC Games Den Kampf in Metal Gear Solid gegen Psycho Mantis solltet ihr nur mit ungewöhnlichen Tricks ernsthaft in Angriff nehmen. Das ist euch aufgrund des Zombie-Settings immer noch zu gewalttätig? Dann spielt Gone Home – und beschwert euch nicht. Beschwert euch nicht über die fehlende Action, die mangelnden Rätsel und die kurze Spielzeit. Kauft es, installiert es, spielt es und fühlt euch eins mit Kaitlin Greenbriar, die sich um den Verbleib ihrer kleinen Schwester sorgt. Viele lieben es und viele hassen es. Aber keiner kann abstreiten, dass Gone Home aufgrund seiner authentischen Darstellung der 1990er-Jahre und einer glaubhaft konstruierten Geschichte, die jeden Unwissenden früher oder später in die Irre führt, etwas Unvergessliches darstellt.

Die Nische für Hartgesottene

Vor ein paar Monaten erschien mit Gods Will Be Watching ein anderes Indie-Spiel, das ebenso ungewöhnlich ist. In sieben Kapiteln kämpft ihr buchstäblich ums Überleben und müsst knallharte Entscheidungen treffen, die eure moralischen Grundwerte auf die Probe stellen. Kommt zudem noch etwas Pech hinzu, dann müsst ihr gar einzelne Teammitglieder opfern – eine Maßnahme, die der perfektionistisch veranlagte Spieler ungern sieht.

Man mag sich über den brutalen Schwierigkeitsgrad und die zweckmäßige Pixelgrafik streiten: Fakt ist, dass Gods Will Be Watching auffällt. Es behandelt unangenehme Themen, die sich um Tod und Leid drehen, und verpackt sie in eine Geschichte, in der es weder Schwarz noch Weiß gibt. Vor allem stellt sich ein ungemeines Gefühl der Befriedigung ein, wenn man sich verbissen wie erfolgreich durch eines der beinharten Kapitel gekämpft hat.

Trashige Grafik und übertriebene Blutfontänen machen Hotline Miami zu einem besonderen Actionspiel. Quelle: PC Games Trashige Grafik und übertriebene Blutfontänen machen Hotline Miami zu einem besonderen Actionspiel. Es gibt noch weitere Beispiele, die von einer ähnlichen Faszination leben und eine ganze Ecke beliebter sind: Während ihr in FTL die Crew eines Raumschiffes befehligt und in schlichter 2D-Grafik dramatische Schlachten erlebt, bei denen der kleinste Fehler zum Scheitern führt, stößt die Dark Souls-Serie an die Grenzen eines jeden erfahrenen Action-Rollenspielers. Allein die monströsen Endgegner, die zunächst unbesiegbar erscheinen, bringen jeden besonnenen Menschen zu Wutausbrüchen. Nach einem erfolgreichen Kampf fühlt man sich hingegen wie Gott persönlich.

Ebenfalls schwer und ungewöhnlich ist Antichamber: Ihr bewegt euch durch eine abstrakte Welt voller Gänge und Räume, die jeglichen physikalischen Grundsätzen strotzt und dafür alle Nase lang ihre eigenen erfindet. Der Hauptreiz besteht darin, die vom Designer Alexander Bruce ausgedachten Regeln zu verstehen und zu nutzen. So sollt ihr beispielsweise selbst herausfinden, dass zwei nebeneinander liegende Treppen euch gleichermaßen auf die falsche Fährte führen und ihr einfach kehrtmachen müsst, um wie durch Zauberhand auf ein neues Areal zu stoßen. Passend dazu neckt euch das Spiel mit Lebensweisheiten, die der zu Anfang nicht nachvollziehbaren Logik einen tieferen Sinn geben. Hinter der Exit-Tür befindet sich beispielsweise kein Ausgang, sondern eine Wand mit dem Spruch "Im Leben geht es nicht darum, zum Ende zu gelangen."

Ein Epos auf dem Bildschirm

Euch ist das alles zu "Indie"? Keine Bange, jetzt kommen die Vielspieler zum Zuge, die ihre Nächte lieber vor dem Monitor anstatt im kuscheligen Bett verbringen. Für die ist eine Welt wie in The Elder Scrolls: Skyrim gerade mal ausreichend genug, um ihren unersättlichen
Entdeckerdrang zu stillen. Freilich kichern alteingesessene Fans über die "Winzigkeit" der verschneiten Berglandschaft, wenn sie an die 161.600 Quadratkilometer des Vorläufers Daggerfall denken. Zwar wurde nur ein Bruchteil der Landschaft per Hand designt, während der Großteil aus einem schnöden Algorithmus entsprang, aber allein die schiere Größe sorgt selbst heute noch für Staunen.

Epische Rollenspielreihen sind oft etwas Besonderes: Ultima fand von der vierten bis zur siebten Episode in der gleichen Welt statt, die von Mal zu Mal detaillierter gestaltet wurde. Die stetige Weiterentwicklung sorgt sowohl für ein wohlig-bekanntes Gefühl als auch für neue Faszination. Man fühlt sich wie im realen Leben heimisch, wenn man alte Gesichter wiedersieht und Anekdoten über die eigene Person lauscht. Zudem unterscheidet sich die Ultima-Serie in spielerischer Hinsicht von der Konkurrenz, weil sie den Fokus nicht aufs Bekämpfen irgendwelcher obskuren Bösewichter legt. So müsst ihr in Quest of the Avatar primär Tugenden wie Ehrlichkeit oder Demut frönen, um als wahrer Held zu gelten.

Wer The Secret of Monkey Island gespielt und die Schwertkämpfe vergessen hat, leidet unter Amnesie. Quelle: PC Games Wer The Secret of Monkey Island gespielt und die Schwertkämpfe vergessen hat, leidet unter Amnesie. Während sich Ultima im Laufe der Jahre zum Epos entwickelte, war Biowares Mass Effect-Saga von Anfang an als ein solches konzipiert. Nicht nur, dass die Serie drei Teile umspannt und ihr stets die Spielstände mit euren wichtigsten Entscheidungen übernehmen könnt: Allein für den Hauptcharakter Shepard ließ Bioware sämtliche Dialoge sowohl von einem Mann als auch einer Frau sprechen – nur damit der Spieler selbst entscheiden darf, welchem Geschlecht sein Held angehört. Damit kombiniert Mass Effect zwei schwer vereinbare Besonderheiten: Die Erzählung einer akribisch ausgearbeiteten Geschichte und die Identifikation des Spielers mit seinem Alter Ego.

Allgemein ist Bioware bekannt für seine ausufernden Spielwelten und bis ins letzte Detail ausgeklügelten Handlungsabläufe. Letzteres ist ein Aspekt, der in der heutigen Zeit eine immer wichtigere Rolle einnimmt und bei Gelingen viel Lob seitens der Spieler einbringt. Deshalb gewinnt das inzwischen 15 Jahre alte Planescape: Torment immer mehr an Gewicht, weil es bereits zu seiner Zeit eine ungeheuer dichte Geschichte erzählte. Ganz zu schweigen von der eher bösartig-chaotischen Gesinnung des namenlosen Protagonisten, die man selbst in einem modernen Spiel als mutig bezeichnen würde.

Natürlich gibt es nicht nur epische Rollenspiele: In X-COM: UFO Defense mobilisiert ihr in Echtzeit Basen auf der ganzen Welt und wechselt für jeden Konflikt, den ihr mit der außerirdischen Bedrohung bestreitet, in ein rundenbasiertes Taktikspiel. Kaum ein anderes Spiel vermittelt derart gut das Gefühl eines allumfassenden Kampfes zwischen Mensch und Aliens, der zugleich nach kurzer Eingewöhnungszeit auch für weniger versierte Strategen spaßig ist.

Der Klassiker von 1994 blieb jedenfalls in den Köpfen einer Spielergemeinde hängen, die sich seither einen würdigen Nachfolger wünschte. Zum Glück gehört das vor zwei Jahren veröffentliche XCOM: Enemy Unkown zu den kompetenteren Remakes und sorgte für ein ähnlich positives Echo wie seinerzeit das Original.

Bildergalerie

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