Spec Ops: The Line - Test des erwachsenen Antikriegs-Shooters - Jetzt im Handel

Test Matti Sandqvist

Spec Ops: The Line im Test: Auf den Spuren von Apocalypse Now wagt ein deutscher Entwickler den Versuch, einen Antikriegs-Shooter auf den Markt zu bringen. Operation geglückt? Unser Test klärt's.

Spec Ops: The Line im Test von Games Aktuell! Das deutsche Entwickler-Studio Yager Games hat sich David Conrads Antikriegsroman "Herz der Finsternis" zum Vorbild genommen, mit dem Ziel, einen ernsthaften Antikriegs- Shooter zu erschaffen. Wir verraten euch im Test, ob dem Studio das hehre Vorhaben gelungen ist oder ob Spec Ops: The Line nur ein weiterer Deckungs-Shooter von der Stange ist. Dabei verraten wir Euch, was uns an Spec Ops: The Line gefallen hat und was wir an dem Shooter weniger mochten.

Spec Ops: The Line bietet übrigens auch eine Mehrspielermodus, einen speziellen Koop-Modus wollen die Entwickler kurz nach Release nachliefern. In den klassenbasierten Mehrspielergefechten treten jeweils zwei Gruppen mit bis zu vier Spielen gegeneinander an. Innovativ ist, dass ihr wie in der Kampagne Glasscheiben kaputt schießen und so Feinde unter einer Sanddüne verschütten könnt. Auch für eine Langzeitmotivation ist gesorgt: Nach jedem Match sammelt ihr Erfahrungspunkte, mit denen ihr etwa neue Ausrüstung oder Waffen freischaltet.

Das hat uns an Spec Ops: The Line gefallen

Spec Ops: The Line - Story

Hier bringen die Entwickler das übliche Gut-Böse-Klischee moderner Kriegs-Shooter Marke Call of Duty durcheinander. Die Story bleibt bis zum Ende höchst spannend und setzt den Strudel des Wahnsinns gekonnt in Szene. Insbesondere die Aufzeichnungen, die ihr in versteckten Bereichen während der Missionen findet, bringen eine ähnlich düstere Atmosphäre ins Spiel wie die Erzählerstimme von Martin Sheen in Apocalypse Now. Die Amerikaner schicken eine Elite-Kompanie in das von einem Sandsturm verwüstete Dubai, um die letzten Überlebenden zu bergen. Doch der Kontakt zur Einheit bricht ab und erst nach sechs Monaten empfängt man ein mysteriöses Funksignal.

Captain Walker und zwei seiner Delta-Force-Kameraden sollen der Sache auf den Grund gehen und die Stadt nach der 33. Bataillon und seinem Anführer, Colonel Konrad, durchkämmen. Schnell stellt sich heraus, dass nichts ist, wie es scheint. Statt gegen marodierende Räuberbanden oder Terroristen zu kämpfen, müsst ihr in der Haut von Captain Walker jene Amerikaner aufs Korn nehmen, die ihr eigentlich retten sollt.

Technisch präsentiert sich Spec Ops: The Line in guter Qualität und leistet sich wenig Blöße. Quelle: 2K Games Technisch präsentiert sich Spec Ops: The Line in guter Qualität und leistet sich wenig Blöße. Spec Ops: The Line - Spielmechanik

Obwohl die Spielmechanik Shooter-Standardkost ist, funktioniert sie gut. Ihr steuert Captain Walker aus der Verfolgerperspektive, auf Knopfdruck verschanzt ihr euch hinter einer Deckung, habt drei unterschiedliche Granaten zur Hand und könnt zudem euren beiden Begleitern Angriffsbefehle geben. Mal dürft ihr auch die Umgebung ausnutzen, indem ihr etwa Glasdecken kaputtschießt und so die Fieslinge in den Tod stürzen lässt. Bereits im normalen Schwierigkeitsgrad sind die Kämpfe beinhart: Es wimmelt nur so vor Feinden, eure Munitionsvorräte sind stets knapp bemessen und Captain Walker ist kein Superheld, sondern hält allerhöchstens ein paar Treffer aus. Obendrauf hat Yager eine smarte Gegner-KI in das Spiel eingebaut, die euch von der Flanke angreift, euch mit Sperrfeuer hinter eine Deckung zwingt oder Granaten genau zur richtigen Zeit einsetzt.

Innerhalb der rund acht Stunden langen Kampagne erlebt ihr viele ähnlich ablaufende Spielpassagen. Immerhin sorgen neue Waffen wie Sniper- Gewehre oder Granatwerfer für die nötige Abwechslung. Außerdem gibt es Situationen, in denen ihr all eure Schießeisen verloren habt und euch trotzdem ganz alleine gegen eine große Übermacht durchsetzen müsst. Passend zum Wüstenszenario müsst ihr euch zudem auch mal in einem Sandsturm mit Scharen von Gegnern herumschlagen.

Spec Ops: The Line - Präsentation

Neben der Story macht Spec Ops: The Line die Grausamkeit des Krieges auch innerhalb der Levels greifbar. In einer Mission benutzt ihr eine Waffe, die wie Napalm die Soldaten bei lebendigem Leib verbrennt. Wie in Call of Duty lenkt ihr dafür eine Drohne und tötet kaltblütig Soldaten von einem Monitor aus. Anschließend jedoch müsst ihr durch das Gebiet laufen und seht mit eigenen Augen, dass neben den Bewaffneten viele Zivilisten im Sterben liegen. Es dürfte nur wenige Menschen geben, die nach so einer Szene noch Spaß am virtuellen Töten haben. Das Spiel lässt überhaupt selten eine Heldenstimmung aufkommen. Stattdessen kommentiert euer Alter Ego das Kriegsgeschehen zunehmend zynisch. Im krassen Gegensatz zur deprimierenden Grundstimmung steht die musikalische Gute-Laune-Untermalung.

In actionreichen Hauskampfpassagen hört ihr etwa Martha & The Vandellas Sechzigerjahre-Hit "Nowhere to Run" oder Deep Purples Evergreen "Hush". Zeitgleich müsst ihr aber dafür sorgen, dass kein Feind lebend das Gebäude verlässt. Doch die Entwickler gehen noch einen Schritt weiter: Wenn ihr verletzte Gegner exekutiert, werdet ihr dafür mit Extramunition belohnt. Oft müsst ihr auf diese grausame Methode zurückgreifen, damit ihr genug Kugeln für den nächsten Kampf habt. Ihr merkt: Das Spiel überschreitet moralische Grenzen und ist deshalb nur für Erwachsene gedacht. Die Gewalt hat jedoch stets eine selbstkritische Note, die aus Spec Ops: The Line einen echten Antikriegs-Shooter macht.

Spec Ops: The Line Quelle: 2K Games Die Gegner-KI ist in Spec Ops: The Line ist sehr gewitzt. Das hat uns an Spec Ops: The Line nicht gefallen

Spec Ops: The Line - Keine Innovationen und fehlende Checkpoints

Von der Spielmechanik her ist Spec Ops: The Line jedoch ein Shooter in Reinform ohne große Innovationen. Nervig ist aber, dass die Checkpoints manchmal recht unfair gesetzt sind und ihr deshalb nach eurem Ableben mehr als eine Schießerei wiederholen müsst.

Bildergalerie

Wertung zu Spec Ops: The Line (X360)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Spannende Story in einem frischen SettingIntelligente Gegner sorgen für harte KämpfeGenialer Soundtrack
Checkpoints unfair gesetztSpielmechanik aus diversen anderen Shootern bekannt
Fazit

Gelungene Gratwanderung zwischen Bombast-Action und nachdenklichen Momenten – ein wirklich erwachsener Shooter!

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