Silt: Tiefsee-Limbo oder prätentiöser Tauch-Unfall? - Das Indie-Game im Test

Test Christian Dörre
Silt: Tiefsee-Limbo oder prätentiöser Tauch-Unfall? - Das Indie-Game im Test
Quelle: PC Games

Auf den ersten Blick sieht Silt aus wie Playdeads Indie-Kultspiel Limbo unter Wasser, doch damit tut man dem atmosphärischen Tiefsee-Abenteuer von Spiral Circus Games Unrecht. Wir haben das künstlerische Indie-Spiel gezockt und verraten euch, warum es tatsächlich ein wenig wie Limbo ist, aber über ganz eigene Stärken und Schwächen verfügt.

Unsere Meere bedecken 71% der Erdoberfläche. Davon haben bereits 50% eine Tiefe von drei Kilometern. Doch die Tiefsee soll gerade mal zu 5% erforscht sein. Ganze zwei Drittel der dort lebenden Wesen gelten tatsächlich als unerforscht. Kein Wunder also, dass sich seit Ewigkeiten Legenden bilden, was dort unten in Dunkelheit und extremer Kälte lauern könnte. Damit spielt auch das Indie-Game Silt, das am 1. Juni 2022 für PC, Xbox Series, Nintendo Switch und Playstation 5 erscheint.

Als Taucher bewegen wir uns hier durch tiefste Finsternis, erkunden Ruinen verschollener Zivilisationen, treffen auf furchterregende Monster und alles scheint irgendwie mit einer seltsamen Maschine zusammenzuhängen. Ist das ein realistisches Abbild der Tiefsee? Nö, vermutlich nicht. Dafür ist Silt (jetzt kaufen 45,45 € ) aber ein wunderbar atmosphärisches Abenteuer, das in seinen besten Momenten (und auch optisch) an das geniale Limbo erinnert. Allerdings verhindern auch gewisse Elemente, dass der Titel von Spiral Circus Games künftig mit Playdeads Meisterwerk in einem Atemzug genannt wird.

Schöne Tiefsee

In der Tiefe lauern allerhand Gefahren. Quelle: PC Games In der Tiefe lauern allerhand Gefahren. Der bereits angesprochene Vergleich mit Limbo kommt nicht von ungefähr. Silt setzt ebenfalls auf einen beklemmenden Schwarz-Weiß-Look und das Gameplay basiert auf Knobeleien, die oftmals in Kämpfe mit gruseligen Kreaturen eingebunden sind. Der Titel ist jedoch kein Limbo-Klon, sondern geht in allen Bereichen eigene Wege.

Limbo setzt beispielsweise mehr auf den Kontrast von Schwarz und Weiß. Spielfigur, Lebewesen und Objekte sind schemenhaft zu erkennen. Silt geht den umgekehrten Weg. Figuren, Objekte und vor allem die Hintergründe sind super detailliert gestaltet. Alles wirkt, als sei es mit einem Bleistift oder einem Fineliner gezeichnet worden.

Der Stil bringt einen in den etwa drei Stunden Spielzeit immer wieder ins Staunen. Die Dunkelheit der Tiefsee mit ihren teils bizarren Kreaturen trifft auf genial gestaltete Überbleibsel einer alten Zivilisation und der tristen Urgewalt einer uralten Maschine. Silt ist ein herrlich surreales Erlebnis, bei dem sich die Designer offenbar richtig austoben konnten.

Allerdings muss man hier auch ankreiden, dass ein wenig der rote Faden fehlt. Man schreitet oder schwimmt viel mehr in Silt voran und ist immer wieder beeindruckt, ob des Designs. Es wirkt teilweise aber auch etwas wahllos. Dadurch ist Silt emotional nicht ganz so packend wie eben Limbo.
Die Bosse sind alle nicht sonderlich schwierig zu besiegen, aber sie verlangen einen besonderen Kniff. Quelle: PC Games Die Bosse sind alle nicht sonderlich schwierig zu besiegen, aber sie verlangen einen besonderen Kniff.

Das Licht des Lebens

Die Prämisse von Silt ist simpel: Wir sind ein Taucher und müssen irgendwie wieder an die Oberfläche gelangen. Dabei stellen sich uns jedoch zahlreiche Hindernisse in den Weg und wir können wohl nur wieder auftauchen, wenn wir eine riesige Maschine in Gang bringen, indem wir dort die Energie von vier besiegten Tiefseemonstern einspeisen.

Diese Story wird uns allerdings nie erklärt. In Silt wird kein Wort gesprochen. Unser Taucher ist in der Finsternis auf sich gestellt. Nur an wenigen Stellen gibt es Texteinblendungen, welche die Spielmechanik erörtern.

Das Spiel mit Licht und Dunkelheit ist äußerst atmosphärisch. Quelle: PC Games Das Spiel mit Licht und Dunkelheit ist äußerst atmosphärisch. Hilflos ist unser namenloser Taucher jedoch nicht, denn er hat eine starke Lampe dabei und er verfügt über die Fähigkeit, die Kontrolle über bestimmte Lebewesen zu übernehmen. Dafür entzieht man per Knopfdruck das Lebenslicht aus dem Taucherkörper und sendet es in den fremden Körper.

Der Strahl, um eine fremde Kreatur zu erfassen, ist jedoch in seiner Reichweite begrenzt und kann nicht durch Wände gehen. Hier muss man dann teilweise schon mal knobeln, wie man das andere Lebewesen erreicht. Haben wir die Kontrolle über eine Kreatur übernommen, treibt der Körper des Tauchers leblos im Wasser, während wir die Fähigkeiten unseres Wirts ausnutzen.

Als Raubfisch beißen wir etwa Seile durch, als Qualle teleportieren wir uns durch Hindernisse und als Zitteraal versorgen wir Maschinen mit Strom. Die Rätsel sind allesamt nicht sonderlich komplex, an der einen oder anderen Stelle wird man aber trotzdem mal kurz auf dem Schlauch stehen, bevor der berühmte Groschen fällt. Wir würden sagen, die Knobeleien sind gut ausbalanciert und machen die meiste Zeit auch Spaß.

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