20 Jahre Silent Hill - Meister der Angst Seite 2

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
20 Jahre Silent Hill - Meister der Angst Seite 2
Quelle: Konami 

Das 1999 erschienene Silent Hill gilt gemeinsam mit Resident Evil als Mitbegründer des Horrorspiel-Genres. Wir verraten im großen Rückblick, warum die Serie so bahnbrechend war. Achtung, Spoiler-Warnung!

Der verdiente Erfolg

Jahre später schätzte Grafikdesigner Sato das Budget für Silent Hill auf preiswerte drei bis fünf Millionen Dollar. Er selbst opfert für das Spiel nicht nur Zeit und Energie, sondern auch seine Freizeit. Aus Angst, Verantwortungen abzugeben, bearbeitet er sämtliche Zwischensequenzen selbst. Er lebt für zweieinhalb Jahre im Entwicklerstudio und rendert die Vollbild-Filme an den 150 Unix-Rechnern seiner Kollegen, nachdem diese das Büro verlassen haben.

Bei Silent Hill kommen also viele Faktoren zusammen, die ein echtes Meisterwerk ausmachen: Aufopferung, Leidenschaft, Emotionen. Und genau das zeigt sich auch bei der ersten Präsentation des Spiels im Rahmen der Spielemesse E3 im Jahr 1998 in Atlanta, Georgia. Im Anschluss an die Spielszenen gibt es vom Publikum stehende Ovationen. Konami erhöht daraufhin den Etat und legt dem Hit-Kandidaten Metal Gear Solid in Japan eine Demoversion bei. Silent Hill wird ein Riesenerfolg und katapultiert Team Silent mit einem Schlag in den Mittelpunkt des Interesses. Ob in Deutschland, Japan oder in den Vereinigten Staaten - Silent Hill erhält Höchstwertungen und rangiert an der Spitze der Verkaufscharts. Zudem hagelt es Auszeichnungen. 2012 kürt das Time Magazine das Survival-Abenteuer gar zu einem der besten Videospiele aller Zeiten.

Silent Hill 2: Der Wahnsinn geht weiter

Kein Wunder, dass Konami Team Silent kurz nach der Fertigstellung des ersten Teils auch schon mit Silent Hill 2 beauftragt. Das Budget liegt nun schon bei sieben bis zehn Millionen Dollar. Das Studio entwirft das Spiel für die PlayStation 2, da zum Zeitpunkt des Entwicklungsstarts noch nicht ausreichend Informationen über Nintendos GameCube oder Microsofts Xbox vorliegen. Herausragender Nachfolger: Silent Hill 2 baut auf den Spielideen des Erstlings auf, arbeitet aber teils mit noch drastischeren Bildern und härteren Motiven. Quelle: Konami Herausragender Nachfolger: Silent Hill 2 baut auf den Spielideen des Erstlings auf, arbeitet aber teils mit noch drastischeren Bildern und härteren Motiven.

2001 erscheint Silent Hill 2 schließlich für PS2, Xbox und PC. Die Entwickler bauen in Sachen Ästhetik und Spieldesign auf dem Vorgänger aus: Bekannte Elemente wie der insgesamt verwitterte Look und die unheimliche Atmosphäre, aber auch das Kampfsystem und die Rätseltiefe bleiben in Silent Hill 2 erhalten. Im Vergleich zum ersten Silent Hill gibt sich der Nachfolger aber noch nachdenklicher, melancholischer und bedrückender. Dreht sich im Erstlingswerk alles um die Hoffnung, Harrys Tochter Cheryl zu finden, spielt Silent Hill 2 mit Motiven wie Einsamkeit, Frustration und Trauer.

Zur Story: Drei Jahre nach dem Tod seiner Frau Mary erhält Hauptcharakter James Sunderland einen Brief von ihr. Er reist daraufhin in eine Kleinstadt, um den Hinweisen nachzugehen. Erneut verschwimmen die Grenzen zwischen Einbildung und Realität; speziell das Charakterdesign spiegelt das Unterbewusstsein der Hauptfigur wider. Der Pyramid Head dient als Henker für James, und der Endgegner - die gefesselte Mary - repräsentiert James' Frau während der letzten Tage im Krankenhaus.
Viele der Charaktere aus Silent Hill 3 basieren auf echten Schauspielern. Bei Detektiv Douglas Cartland etwa orientierte sich Team Silent äußerlich an Giancarlo Giannini und Ian Holm. Seinen Namen erhielt er hingegen von Douglas Fairbanks. Quelle: Konami Viele der Charaktere aus Silent Hill 3 basieren auf echten Schauspielern. Bei Detektiv Douglas Cartland etwa orientierte sich Team Silent äußerlich an Giancarlo Giannini und Ian Holm. Seinen Namen erhielt er hingegen von Douglas Fairbanks.

Masahiro Ito übernimmt ab diesem Teil das Monsterdesign der Serie. Die Kreaturen sollen noch etwas Menschliches an sich haben, dies aber bis ins Grauenhafte verzerren. Inspiration liefern diesmal Filme von David Cronenberg, Alfred Hitchcock oder David Fincher. Darüber hinaus sind auch Spiele wie Tomb Raider (1996) oder das Alone in the Dark Anschauungsmaterial. Silent Hill 2 spielt noch stärker mit euren Emotionen und schockiert mit skurrilen, gelegentlich fast schon anstößigen Szenen. Kurzum: Es ist, Pardon, ein echter Mindfuck - und noch härter und konsequenter als sein Vorgänger.

Aus technischer Sicht macht die Serie unter CGI Director Takayoshi Sato einen gewaltigen Sprung nach vorne. Vom genialen Render-Intro bis hin zu hochauflösenden Charaktermodellen und animierten Schatten - Silent Hill 2 hebt die Reihe auf eine neue Stufe. Wenig verwunderlich, dass auch der zweite Teil unter den besten Horrorspielen aller Zeiten rangiert. Der ganz große Paukenschlag des Vorgängers bleibt damals aber natürlich aus. Silent Hill 2 ist ein geniales Stück Software, tritt aber von vielen unbemerkt spielerisch auf der Stelle.

Ende mit Schrecken

Konami und Team Silent setzen die Serie schließlich im Zweijahresrhythmus fort. Schon 2003 erscheint Silent Hill 3 für die P2 und knüpft bei seiner Geschichte wieder beim ersten Teil an. Ihr geht als Harry Masons Adoptivtochter Heather auf die Suche nach dem okkulten Orden von Silent Hill und ihrer eigenen Vergangenheit. Mit nunmehr 40 statt den zuvor 50 Mitarbeitern bei Silent Hill 2 schrumpft Team Silent wieder leicht. In puncto Gameplay ist der dritte Teil mehr eine souveräne Fortsetzung als eine kleine Revolution. Letztlich führte es die Serie "nur" noch fort und spielt dabei gewohnt geschickt auf der Klaviatur der Angst. Für viele Fans bedeutet der dritte Teil einen ersten Umbruch, der schließlich mit dem bereits parallel in Entwicklung befindlichen Silent Hill 4: The Room nur ein Jahr später vollzogen wird. Silent Hill 3 beeindruckt anno 2003 mit wirklich gut umgesetzten Rendervideos und setzt diese ausgezeichnet zum Erzählen der Geschichte ein. Quelle: Konami Silent Hill 3 beeindruckt anno 2003 mit wirklich gut umgesetzten Rendervideos und setzt diese ausgezeichnet zum Erzählen der Geschichte ein.

Der vierte Teil ist das letzte unter der Federführung von Team Silent entwickelte Abenteuer. Das Studio wählt dafür einen vollkommen neuen Ansatz - Silent Hill 4: The Room sieht sich als Kritik an der Gesellschaft und dem städtischen Leben. Hauptfigur Henry Townshend ist seit fünf Tagen in seiner Wohnung eingeschlossen - ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Als dann schließlich auch noch ein Loch im Badezimmer erscheint, ist klar: Henry muss hier raus!

Silent Hill 4: The Room legt den Fokus stärker auf Rätsel und die Erkundung der Umgebung. Komponist und Designer Akira Yamaoka übernimmt die Führung bei diesem Projekt. Seine Vision: Der sicherste Ort der Welt - die eigene Wohnung - soll sich in einen Kampf ums Überleben verwandeln. Erneut dienen beispielsweise die Werke von Stephen King, David Lynchs Mystery-Serie Twin Peaks oder auch der Psycho-Thriller Jacob's Ladder - In der Gewalt des Jenseits von Adrian Lyne als Vorlage.
Silent Hill 4: The Room spaltet die Fangemeinde: Viele Spieler schätzen den neuen Ansatz und das morbide Setting, andere wiederum vermissen den direkten Zusammenhang zu den früheren Teilen. Für Team Silent stellt das Spiel den Abschluss einer fünfjährigen Reise dar. Nach dem Ende der Produktion verlassen viele Mitarbeiter das Unternehmen. Der Künstler Kenzie LaMar, der später an Silent Hill: Homecoming mitgewirkt hat, behauptete 2011 auf seiner DeviantArt-Seite 2011, dass Konami verantwortlich für das Ende von Team Silent sei.
Silent Hill: Origins von 2007 (PSP) beziehungsweise 2008 (PS2) ist das erste Spiel der Serie, welches nicht Team Silent entwickelt hat. Es fungiert als Prequel des ersten Teils.  Quelle: Konami Silent Hill: Origins von 2007 (PSP) beziehungsweise 2008 (PS2) ist das erste Spiel der Serie, welches nicht Team Silent entwickelt hat. Es fungiert als Prequel des ersten Teils. 

Trotz Umschwung: Der Erfolg bleibt aus

Für Silent Hill beginnt ab diesem Zeitpunkt eine Findungsphase, die nie wirklich abgeschlossen wird. Das Ende 2007 für die PlayStation Portable und 2008 für die PS2 veröffentlichte Silent Hill: Origins sieht sich als Rückbezug auf den ersten Teil, wartet aber zugleich mit vielen Gameplay-Veränderungen wie einer dynamischen Kamera und der zunehmende Fokussierung auf die Kämpfe auf - ähnlich wie es Capcom bei Resident Evil 4 Die Atmosphäre blieb aber auch beim vierten Teil weiterhin eines der hervorstechendsten Merkmale. Grafikfilter und andere Effekte sorgten für viel Spannung. Quelle: Konami Die Atmosphäre blieb aber auch beim vierten Teil weiterhin eines der hervorstechendsten Merkmale. Grafikfilter und andere Effekte sorgten für viel Spannung. tat. Noch in der Entwicklungsphase schließt Climax sein Studio in Los Angeles aufgrund von technischen und konzeptionellen Problemen. Das in Großbritannien beheimatete Team von Climax Action stellt das Projekt schließlich fertig. Silent Hill: Origins entpuppt sich als solider Ableger der Serie, für den erneut Akira Yamaoka den Soundtrack liefert.

Silent Hill passt sich im Verlauf der Jahre zunehmend stärker dem westlichen Markt an. Die Serie geht weg vom Psycho-Horror und hin zum actionreichen Grusel. Das 2007 aus der Fusion von The Collective und Shiny Entertainment hervorgegangene US-Studio Double Helix Games (heute Amazon Game Studios) übernimmt die Entwicklung von Silent Hill: Homecoming. Das Spiel kommt 2008 auf den Markt und führt die Franchise noch tiefer ins Action-Genre. Mit dem Soldaten Alex Shepherd gibt es erstmals einen Kämpfer als Protagonisten. Das Gameplay ist intuitiver und handlicher als im Vorgänger, allerdings fehlt dem inzwischen sechsten Teil der Saga trotz einiger guter Ansätze die Tiefe, die frühere Ableger noch so stark ausmachten. Zwar versucht Double Helix Games, das Erbe durch unzählige Anspielungen und Easter Eggs zu bewahren, doch der Funke springt bei vielen Fans nicht über.

Immerhin: Akira Yamaoka steuert auch diesmal Soundtrack und -effekte bei. In Deutschland landet die ursprüngliche Version dank der Finishing-Moves an menschlichen Gegnern und einiger allzu rabiater Zwischensequenzen auf dem Index. 2010 wird sie gar vom Amtsgericht Frankfurt am Main beschlagnahmt. Konami veröffentlicht schließlich eine geschnittene, ab 18 Jahren freigegebene Version. Das wiederum verzögert die Europa-Veröffentlichung des Spiels um mehrere Monate. Während Silent Hill: Homecoming in den USA bereits seit September 2008 auf dem Markt ist, dauert es hierzulande bis zum 26. Februar 2009, ehe es endlich erscheint.
Die Silent Hill HD Collection beinhaltet den zweiten und den dritten Teil der Serie, enttäuschte Fans jedoch mit Technikproblemen und neuen Sprechertexten. Quelle: Konami Die Silent Hill HD Collection beinhaltet den zweiten und den dritten Teil der Serie, enttäuschte Fans jedoch mit Technikproblemen und neuen Sprechertexten.

Nachfolger gesucht!

Mit dem für die Nintendo Wii und erst später für PS2 und PSP adaptierten Silent Hill: Shattered Memories möchte Konami anlässlich des zehnjährigen Serienjubiläums wieder stärker zu den Ursprüngen der Serie zurück. Entwickler Climax Studios integriert deshalb das Konzept der Anderswelten und baute so zwei unterschiedliche Gameplay-Stränge ein: Im ersten Bereich interagiert ihr aus der Ego-Perspektive mit dem Psychologen Dr. Michael Kaufmann. Hier dreht sich alles um das Absolvieren von Tests. Der zweite Schauplatz entführt euch als Harry Mason nach Silent Hill, wo ihr auf die Suche nach Cheryl geht. Shattered Memories sucht die Verbindung von Videospiel und Film und erweist sich als durchaus gelungenes Horrorspiel - trotz eines recht hohen Frustpotenzials durch die teils unpräzise Steuerung.

Seinen Abschluss findet Silent Hill schließlich 2012 mit dem vom tschechischen Studio Vatra Games entwickelten Silent Hill: Downpour. Es ruft 2007 veröffentlichte Konami das von Gamefederation Studio und Digiment entwickelte Handy-Spiel Silent Hill Mobile – in den USA bekannt unter Silent Hill: Orphan. Dabei handelte es sich um ein solides First-Person-Adventure mit Touch-Funktionalität. Quelle: silenthillmemories.net 2007 veröffentlichte Konami das von Gamefederation Studio und Digiment entwickelte Handy-Spiel Silent Hill Mobile – in den USA bekannt unter Silent Hill: Orphan. Dabei handelte es sich um ein solides First-Person-Adventure mit Touch-Funktionalität. gemischtes Feedback hervor und erntet vor allem für seine spannende Story und die solide Technik Lob. Den Erfolg früherer Teile können Shattered Memories und Downpour jedoch genauso wenig wiederholen wie die ebenfalls 2012 veröffentlichte und arg fehlerbehaftete Neuauflage Silent Hill HD Collection oder das im gleichen Jahr erschienene Hack-and-Slay-Spinoff Silent Hill: Book of Memories.

Bis heute gibt es keinen Nachfolger der erfolgreichen Horror-Serie. Das anlässlich der Gamescom 2014 veröffentlichte P.T. (kurz für "Playable Teaser") entpuppte sich zwar als Silent Hills und war als Neustart der Serie geplant, an dem unter anderem Entwicklerlegende Hideo Kojima und Regisseur Guillermo Del Toro sowie The-Walking-Dead-Star Norman Reedus in der Hauptrolle mitwirken sollten. Doch das unter der Führung von Kojima Productions entwickelte Horror-Abenteuer fiel bedauerlicherweise den Streitigkeiten zwischen Kojima und Konami zum Opfer. Im April 2015 kündigte Del Toro an, dass er nicht mehr an dem Projekt mitarbeite. Nur einen Tag später bestätigte Konami die Einstellung von Silent Hills. P.T. wurde daraufhin aus dem PSN-Store entfernt. So nimmt Silent Hill für den Moment zumindest ein trauriges Ende. Wenn wir uns etwas wünschen könnten, dann wäre es sicherlich wahlweise ein echtes Remake des ersten Teils oder eine zeitgemäße Neuinterpretation. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Silent Hill, da sind wir uns sicher, wir sehen uns eines Tages wieder!

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