Was dachte sich Activision bei der Wiederbelebung des Sierra-Labels? Ein Interview über Indie-Kunst, Digital-Kommerz und Verantwortung.
Die Geschichte von Sierra
Sierra war in den Achtziger- und Neunzigerjahren eine Großmacht in der Computerspiele-Branche. Wir blicken zurück auf Meilensteine wie das erste Grafik-Adventure, die Quest-Erfolgsjahre und die Geburtshilfe für Half-Life.
Mystery House, 1980
Der amerikanische Programmierer Ken Williams gründet eine Firma namens On-Line Systems, um einen FORTRAN-Compiler zu veröffentlichen. Kens Ehefrau Roberta spielt exzessiv Scott-Adams-Adventures auf dem heimischen Apple II und sinniert über Ideen für ein eigenes Abenteuerspiel. Vor allem möchte sie, dass die Textbeschreibungen jedes Raums durch eine Grafik illustriert werden. Sie überredet ihren Gatten, Mystery House zu programmieren, das erste Grafik-Adventure der Computergeschichte.
Softporn Adventure, 1981
Quelle: PC Games
Sierra ist zurück. (13)
Dieses erotische Text-Adventure ist das bizarrste Produkt der Firmengeschichte (Roberta Williams ist eine der drei unbekleideten Pooldamen auf dem Cover). Sechs Jahre später diente das Spiel als Inspiration zu Al Lowes Leisure Suit Larry.
KING'S QUEST , 1984
IBM hatte Sierra im Vorjahr kontaktiert, der Konzern war auf der Suche nach eindrucksvollen Spielen für seinen neuen Heimcomputer PC jr. Das Resultat ist King's Quest, der Auftakt zu einer langlebigen Erfolgsserie, die 2015 erneut fortgesetzt wird.
SPACE QUEST, 1986
Wie eine Rakete geht die SF-Parodie mit Antiheld Roger Wilco ab. Es ist der Startschuss für Sierra goldenes Quest-Zeitalter, in dem viele Grafikadventure-Serien munter fortgesetzt werden. Später folgen Police Quest, Hero's Quest und Larry Laffers Quest nach Liebe.
PHANTASMAGORIA, 1995
Das Horrorspiel von Roberta Williams schockt durch Sex, Gewalt und unerwartet gruselige Qualität. Die digitalisierten Videos von Phantasmagoria füllen sieben CD-ROMs. Es repräsentiert in vielerlei Hinsicht den Anfang vom Ende des alten Sierra: Im folgenden Jahr verkauft Ken Williams die Firma an das Konglomerat CUC International und tritt als CEO zurück.
HALF-LIFE, 1998
Sierra profiliert sich in den Neunzigerjahren immer stärker als Publisher der Spiele externer Entwicklungsstudios und bringt Valves Half-Life auf den Markt. Dagegen enttäuschen Eigenproduktionen wie King's Quest 8. Das inzwischen in Yosemite Entertainment umgetaufte ursprüngliche Entwicklungsstudio schließt 1999 seine Pforten.
TIME SHIFT, 2007
Das (vorerst) letzte Spiel unter dem Sierra-Label ist ein Ego-Shooter mit dem treffenden Namen Time Shift -die Zeiten ändern sich. Sierra-Eigner Vivendi Universal Games fusioniert im Folgejahr mit Activision zu einer Firma namens Activision Blizzard, die Sierra Ende 2008 dichtmacht.
