Shin Megami Tensei 5 im Test:Hardcore-JRPG mit viel Style, Seite 2
Test
Shin Megami Tensei 5 macht grafisch einen Riesen-Sprung im Vergleich zum Vorgänger. Überzeugt das JRPG aber auch mit seinen Mechaniken? Erfahrt es im Test!
Das ist auch bitter nötig, denn Shin Megami Tensei ist nicht für einen niedrigen Schwierigkeitsgrad bekannt, ganz im Gegenteil. Wer sich nicht ordentlich vorbereitet, kann selbst auf dem Schwierigkeitsgrad "Entspannt" nicht wirklich entspannen. Ein Day-One-Patch soll jedoch einen noch einfacheren Modus liefern, für diejenigen, die lediglich die Story genießen wollen.
Für alle anderen gilt: Skills analysieren, Schwächen ausnutzen, ein vielfältiges Team kreieren und grinden. Jede Menge grinden! Das geht jedoch immerhin sehr schnell von der Hand. Haben wir erst einmal die Schwächen der Gegner in einem Gebiet herausgefunden, lassen diese sich in der Regel in einer Runde ausschalten. Unsere Level-Aufstiege bewirken nicht nur, dass wir selbst stärker werden, auch können wir dann Dämonen mit höherem Level rekrutieren, die uns bei den Bosskämpfen zur Seite stehen.
In diesem Artikel
Und noch tiefer
Quelle: PC Games
Unsere Mitschüler sind ebenfalls in die zerstörte Welt geraten. Welche Rolle sie dort zu spielen haben, erfahren wir im Verlauf des Abenteuers.
Richtig kompliziert wird es, wenn wir unsere Helfer fusionieren. Nahezu alle Dämonen lassen sich miteinander kombinieren, um so eine andere Variante zu erhalten. Das Ergebnis der Fusionen ist nicht immer stärker als die Einzeldämonen aus denen wir es gebaut haben, jedoch lassen sich Skills vererben. Und hier wird es spannend: Wollen wir den idealen Kampfgefährten züchten, ist es uns möglich, Skills über Generationen hinweg zu vererben.
Hierbei achten wir auf die Werte der Monster und ob sie Potenzial in einem bestimmten Bereich haben, was die vereinzelten Elementattacken noch stärker werden lässt, und wie die Komponenten miteinander Synergien bilden. Dabei müssen wir die ein oder andere Gehirnzelle anstrengen, denn ein Fehler kann eine ganze Kette von wohlüberlegten Entscheidungen zunichtemachen. Wir raten, vor verrückten Experimenten immer zu speichern.
Wüstenstadt
Wie erwähnt rennen wir Story-technisch von Ereignis zu Ereignis. Dazwischen liegen stundenlange Passagen in der größtenteils langweilig gestalteten Welt. Klar, es handelt sich um eine zerstörte Stadt, dies ist jedoch keine Entschuldigung für eintöniges Level-Design. Nahezu jedes Gebiet ist ein ödes Sandmeer, gespickt mit zerfallenen Häusern und Brücken.
Quelle: PC Games
Die Aufmachung der Entscheidungsmomente ist oft sehr schön. Welche Option wir wählen, ist jedoch meistens egal.
Finden wir mal eine schöne, einzigartige Stelle, wirkt diese in der Wüste fast wie eine Fata Morgana. Zugegeben, der Aufbau der Welt an sich ist verschachtelt und es bereitet Spaß, Wege zu Schatzkisten zu suchen, die wir aus der Ferne erblickt haben. Da wir in der Umgebung jedoch so selten echten Highlights begegnen, hält sich der Erkundungsdrang in Grenzen.
Zumindest gibt uns die Karte einen guten Überblick auf die weitläufigen Gebiete, die wir auch schnell bereisen können, da unser Held flott über die Karte rennt und springt. Es fällt vor allem im Vergleich mit den Vorgängern auf, dass wir in Shin Megami Tensei 5 unglaublich viel Mobilität mitbringen.
Im Spiel gibt es auch ein paar wenige Dungeons. Diese sind jedoch wieder so eintönig ausgefallen wie es im Franchise leider üblich ist. Haben wir einen Raum gesehen, haben wir praktisch alle gesehen. Die Verliese kommen mit kleinen Rätseln daher, die jedoch so einfach sind, dass wir nie auch nur eine Minute lang grübeln mussten, um voranzukommen. Im besten Falle sind uns die kleinen Puzzles egal, im schlimmsten nerven sie, weil wir uns ihretwegen noch länger in den tristen Dungeons aufhalten müssen.
Quelle: PC Games
Die Animationen im Kampf sind dynamisch und cool dargestellt, wir können sie jedoch auch überspringen, um schneller voran zu kommen.
Zu dem eintönigen Level-Design kommen unspektakulär platzierte Gegner. Zwar gibt es glücklicherweise keine Zufallskämpfe mehr, jedoch sind die Feinde immer eng aneinander auf einem Platz zusammengequetscht. Dieser Anblick ist nicht nur albern, die Gegner passen auch fast nie zur Umgebung - sie sind lediglich vor Ort, um als Level-Futter zu dienen oder damit wir sie für unser Team gewinnen.
Ein echter Lichtblick ist jedoch die musikalische Untermalung der Spielwelt. Die Kämpfe werden begleitet von fetzigen Rock-Klängen, während wir beim Erkunden der Ruinen einen entspannten Jazz-Soundtrack genießen. Ein nettes Detail: Bevor wir den Befehl zum Angriff im Kampf geben, ist die Hintergrundmusik noch recht ruhig. Sobald eine Attacke trifft, setzen E-Gitarren den Grundton der Auseinandersetzung.
Hart, aber fair
Shin Megami Tensei 5 legt seinen Fokus auf den Tiefgang der rundenbasierten Kämpfe. Wo es in den meisten japanischen Rollenspielen reicht, sich ohne Sinn und Verstand bis zu einem hohen Level zu grinden, benötigen wir hier sehr viel mehr Vorbereitung. Die 45 bis 55 Stunden Spielzeit ergeben sich aus Erkundung, Vorbereitung, aber auch aus dem Sterben. Wenn wir das Pech haben und Gegner zuerst angreifen, werden wir gerne mal in nur einer Runde ausgeschaltet.
Dann müssen wir von unserem letzten Speicherpunkt neu anfangen, denn automatische Saves gibt es in der postapokalyptischen Spielwelt nicht. Was Shin Megami Tensei 5 ebenfalls nicht unbedingt einsteigerfreundlich macht: Das Fusionieren an Speicherpunkten kostet Geld, wodurch wir nicht immer so frei herumexperimentieren können, wie wir das gerne wollen. Dazu kostet selbst das Heilen an den (glücklicherweise nicht rar gesäten) Save-Punkten ebenfalls Geld.
Musste das wirklich sein? Trotz der Kritik haben wir es hier aber mit einem hochklassigen JRPG zu tun: Wer eine Challenge sucht und gleichzeitig eine spektakuläre Geschichte erleben will, ist hier genau richtig. Wer nur an der Story interessiert ist, sollte aber lieber zu einem anderen Rollenspiel greifen.
Hinweis: Ursprünglich hatten wir bei der Wertung aus Versehen eine "9" anstatt der vorgesehenen "8" eingetragen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
