Season: A Letter to the Future im Test: Rad-Tour durch die Apokalypse

Test Maci Naeem Cheema
Season: A Letter to the Future im Test: Rad-Tour durch die Apokalypse
Quelle: Scavengers Studio

Apokalypse mal anders: Mit dem Fahrrad durch eine melancholische und wunderschöne Welt radeln, Momente und Szenerien via Retro-Kamera festhalten und das am Leben sein in einer Zeit skizzieren, die kurz vor ihrem ungewissen Ende steht. Das für PC und Playstation veröffentlichte und einzigartige Abenteuer Season gefällt dank etlicher unüblicher und spannender Ideen, ob der letzte Tag der uns bekannten Welt aber auch spielerisch Spaß bereitet? Wir klären's in unserer Review!

Selbst als Fan von emotionalen Kleinabenteuern kann Season aufgrund des einseitigen und aufgeblasenen Schreibstils schnell zu viel werden, wodurch man eher abschaltet, als sich gefühlstechnisch auf die vielen Eindrücke einzulassen. Hinzu kommen die vielen technischen Probleme. Sehr nervöse Schattentexturen, starke Grafikfehler, Texturen, die schlagartig unscharf werden, regelmäßige FPS-Einbrüche und nervige Bugs, bei denen man häufig mit dem Rad in der Luft oder in Wänden hängt. Ebenso störend fanden wir, dass man beim Anpassen des eigenen Reisetagebuchs zu wenige Möglichkeiten hat. Entdeckte "Gedanken" können neben Fotografien und Audioaufnahmen festgehalten werden, ebenso gibt es vom Spiel vorgegeben Skizzen, die wir nach Belieben ins Buch kritzeln dürfen. Die lassen sich aber nur minimalistisch in ihrer Größe und Präsentation anpassen. Beim Fotomodus ist es abseits von ein paar Filtern und einer Fokuseinstellung auch nicht möglich, weiteren Einfluss auf unser gewähltes Motiv zu nehmen. 

Das ist zwar alles ganz nett und ermöglicht dank der faszinierenden und wunderschönen Welt dennoch einige wirklich hübsche Fotografien, doch wirklich kreativ austoben kann man sich nur wenig. Meistens fühlen wir uns unzufrieden mit den eigenen entworfenen Buchseiten - schade. Das liegt auch daran, dass wir zusätzlich bunte Malereien einfügen dürfen, die sich extrem mit den vom Spiel vorgegebenen Informationsseiten und dem allgemeinen Vibe des Spiels beißen.

<strong>Season: A Letter to the Future im Test</strong> (Screenshot #14) Quelle: PC Games Season: A Letter to the Future im Test (Screenshot #14)

Ein Rad-Trip durchs Tieng-Tal: Eine Frage des Geschmacks

Season ist ein sehr schwieriges Spiel, wenn es um qualitative Einordnung geht. Es kann ein emotional aufgeblasener Rad-Trip durch eine - zugegeben - hübsche Welt sein, bei der das fehlende Fingerspitzengefühl und die Monotonie beim Erkunden zum Stolpersteinweg werden. Ebenso ist es möglich, aus Estelles Geschichte einen faszinierend-melancholischen Spieleblick in unsere eigene ungewisse Zukunft zu erhaschen, bei dem die Sorge Hand in Hand mit der Lebensfreude geht. Widersprüche, die gegenübergestellt die Bedeutung des menschlichen Lebens faszinierend einfangen.

Was man am Ende von Season herausbekommt, hängt auch von der Fähigkeit ab, unbefriedigende und prätentiöse Facetten auszublenden. Denn Season ist vollgestopft mit Religions-Wirrwarr, Ritualen, Träumen und den oftmals anstrengenden Schlussfolgerungen und Gedanken eines naiven Teenagers, die nur ein kleines Antlitz der Welt erblickt hat. Das ist per se nichts Schlimmes, verstärkt jedoch das Gefühl, dass man auf der eigentlich befreienden Fahrradreise einer jungen Entdeckerin unnötig an die Hand genommen wird. Gerade in Bezug auf die Texte und Dialoge gilt leider: Weniger ist manchmal mehr. 

Ferner sorgt das eigentlich interessante, doch beschränkte Gameplay, dem es deutlich an Feinschliff und Möglichkeiten fehlt, für zu viele Momente, in denen wir uns emotional vom Schicksal der Fantasy-Welt abschotten. Wer eine runde, in sich geschlossene und fokussierte Erfahrung sucht, die zum Nachdenken anregt, der kann ähnlich leicht wie die Bevölkerung des Tieng-Tals enden: leer, und frei von jeglichen denkwürdigen Erinnerungen.

Doch, zwischen dem vielen Skizzieren, Fotografieren, Fahrradfahren, Erkunden und Aufnehmen liegt dennoch ein sehr spezieller Charme, den wir dem bildhübschen Fahrrad-Adventure nicht absprechen möchten. Wer sich für das Kurzabenteuer auf zwei Rädern entscheidet, der sollte aber der "emotionalen und ruhigen" Seite der Videospiele nicht abgeneigt sein. Season ist seit dem 31. Januar 2023 für PC und Playstation verfügbar.

<strong>Season: A Letter to the Future im Test:</strong> Rad-Tour durch die Apokalypse (#4) Quelle: Scavengers Studio Season: A Letter to the Future im Test: Rad-Tour durch die Apokalypse (#4)

Wertung zu Season: A letter to the future (PC)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Nichts für jeden Spielertyp: Season ist ein wackliger, stark emotionaler und phasenweise anstrengender R(o)ad-Trip, der dennoch einige "Magic Moments" bereithält und durch die kreative Gameplay-Ebene des Adventures, also das Skizzieren, Fotografieren und Einfangen, angenehm heraussticht.


Jetzt seid ihr gefragt: Was sagt ihr zum Fahrrad-Adventure Season: A Letter to the Future? Haben euch die Trailer zum bildhübschen Indie-Titel auch so begeistert? Und wie steht ihr nun zum fertigen Produkt? Schreibt uns eure Gedanken und Meinungen zum Spiel in die Kommentare, wir freuen uns.

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