Sea of Thieves: Schaffen es die Entwickler, das Ruder trotz Gegenwind nochmal herumzureißen?
Special
Seit einem knappen Jahr können Spieler in Sea of Thieves dem virtuellen Piratendasein frönen - und das feiern die Entwickler von Rare bald mit einem großen Update. Wir haben die Briten für euch besucht und herausgefunden, warum es sich lohnt, das Piraten-MMO nochmal aus der Schatzkiste zu kramen.
Landratten aufgepasst! Wer von euch hat es als Kind auch geliebt, den Holzsäbel klirren zu lassen oder Nervensägen wie die kleine Schwester über die Planke (aka Bettkante) zu schubsen? Das Leben als Freibeuter lockt mit Abenteuern und Freiheit - wer könnte dem schon widerstehen? Kleine Piraten werden allerdings irgendwann erwachsen, und oft verblasst der Kindheitstraum. Oft, aber nicht immer. Und für all diese Träumer gibt es Spiele wie Sea of Thieves (jetzt kaufen ).
Zu sagen, Microsofts Vorzeigespiel für die Xbox-Familie hätte eine bewegte Vergangenheit hinter sich, wäre eine ziemliche Untertreibung. Im Laufe der letzten vier Jahre - so lange ist die Ankündigung des Spiels mittlerweile tatsächlich her - hat sich das Piratenabenteuer ganz schön verändert. Es hat nicht nur seine Konsolenexklusivität eingebüßt, sondern auch zahlreiche neue Mechaniken, Herausforderungen und Geschichten dazugewonnen.
Gleich zu Beginn unseres Besuchs im Rare-Hauptsitz in Twycross, Großbritannien, wird klar: Die Entwickler haben keine Minute an ihrem Projekt gezweifelt - fast das komplette Studio ist mit Sea-of-Thieves-Memorabilia geschmückt. Mit dem kostenlosen Anniversary Update wollen sie ihrem Spiel nun die Krone aufsetzen: Ab dem 30. April 2019 erwarten euch heiße Arenakämpfe, Quests, die der Spielwelt Leben einhauchen und vieles mehr. Nicht schlecht für einen Titel, der einen eher unglücklichen Start hingelegt hat.
In diesem Artikel
- Seite 1 Sea of Thieves: Zu Besuch bei Rare - Seite 1
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Seite 2
Sea of Thieves: Zu Besuch bei Rare - Seite 2
- 2.1 Plötzlich heuern sogar große Streamer an
- 2.2 Der Piratenkodex gilt auch auf virtuellen Wellen
- 2.3 Auch Piraten feiern Geburtstag: Das Anniversary Update
- 2.4 So viel mehr als nur Seemannsgarn
- 2.5 Die Arena ruft!
- 2.6 PvE versus PvP: Eine geteilte Zukunft?
- 2.7 Fünf weitere Piratenspiele, die ihr kennen solltet
- Seite 3 Bildergalerie
Flaute beim Start
Wir erinnern uns: Trotz großer Aufmerksamkeit seitens Presse und Spielerschaft liefen die ersten Tage bei Sea of Thieves alles andere als optimal. Der Spieleransturm sorgte für Serverprobleme; es kam zu Login-Fehlern, verzögerten Ingame-Belohnungen und zu spät freigeschalteten Achievements. Diejenigen, die es ins Spiel schafften, waren meist ernüchtert: Wo waren die versprochenen Abenteuer? Wo die epischen Schlachten und Schatzsuchen? Stattdessen durftet ihr Hühner fangen und diese zum nächstgelegenen Außenposten bringen. Nicht gerade das, was man sich vorstellt, wenn man vom wilden Piratenleben träumt!
Quelle: Medienagentur plassma / Emily Schuhmann
Kanonen an der Hauswand: So sieht es aus, wenn sich ein Entwicklerstudio voll und ganz einem Spiel verschreibt.
Für Otto-Normalspieler fehlte bei Sea of Thieves einfach der Tiefgang. Was für den einen ein Sandkasten mit unbegrenzten Möglichkeiten ist, ist für den anderen ein großer Haufen Nichts. Keine Geschichte, die einen an der Hand nimmt, kein konkretes Ziel vor Augen - damit kommt nicht jeder klar. Und dann gibt es natürlich noch das kleine Problem, dass Sea of Thieves ohne Mitspieler nur wenig Sinn macht. Wie es bei MMOs so oft der Fall ist, sind Solisten auch hier eher fehl am Platz.
Allerdings verging vielen Spielern nach dem Release schon viel früher die Lust: Rare präsentierte bei der Charaktererstellung ein Piraten-Roulette mit zufällig generierten Avataren - ein echter Editor mit zahlreichen Reglern und Optionen fehlte. Ein merkwürdiges System für ein Spiel, dessen horizontales Fortschrittssystem auf kosmetischen Gegenständen fußt. Das eigene Schiff schick zu machen, hat natürlich was, aber das eigene Alter Ego sollte ebenfalls Individualität bieten. Die Folge: Zahlreiche Spieler berichteten in Online-Foren von stundenlangem Charakterwürfeln und der damit einhergehenden Unlust, überhaupt in See zu stechen.
Vom Schiffsjungen zur Piratenlegende
Tatsache ist: Sea of Thieves kann unglaublich viel Spaß machen. Die bunte, comichafte Grafik und das hervorragende Audiodesign wecken die Sehnsucht nach Seeluft und langen Nächten voller gelallter Lieder und Gelächter. In einer Gruppe mit Gleichgesinnten wird die Kontrolle der
Quelle: Medienagentur plassma / Emily Schuhmann
Für die Entwickler stand von Anfang an fest, dass sie in engem Kontakt mit der Community stehen wollen. Deshalb bauten sie schon früh ein Studioset für Entwicklertagebücher und Videoansprachen. Design Director Mike Chapman fühlt sich in der Rare-eigenen Taverne sichtlich wohl.
Schaluppe oder der größeren Galeone zum Kunstwerk: Jeder Spieler ist ein Rädchen, das perfekt ins nächste greift. Anker lichten, Segel hissen und stets den Horizont nach Inseln und fremden Segeln absuchen - das sorgt für reichlich Freibeuter-Flair. Ihr selbst schreibt in Sea of Thieves die Geschichte. Und manchmal handelt sie eben auch davon, wie ihr bei voller Fahrt versehentlich vom Boot gesprungen und von einem Hai gefressen worden seid.
Die Tierwelt ist euch in diesem Spiel ohnehin nicht wohlgesinnt. Vor allem die leicht zu übersehenden Giftschlangen können ein großes Ärgernis sein. Und dann wären da natürlich noch die Skelette: Die nette Variante der knochigen Gesellen ist und bleibt tot und macht die Welt lebendiger. Beispielsweise ein Kerl mit Anker am Fuß, der sich am Strand einer Insel sonnt. Da fragt man sich als Spieler: Was hat der arme Tropf verbrochen? Wie kommt es, dass er an Land und nicht unten im Meer liegt? Die andere Art Skelett hat den Tod indes so liebgewonnen, dass sie ihn mit euch teilen will. Trefft ihr auf ein solches Exemplar und ist euch euer Leben lieb, dann solltet ihr entweder gut zu Fuß oder geübt im Umgang mit Waffen sein. Auf dem Weg zur Piratenlegende findet ihr also Kisten voller Gold, durchsegelt die Weltmeere, fangt Federvieh, kreuzt die Donnerbüchsen und Säbel mit allerlei Halunken und begegnet vielleicht sogar dem mächtigen Kraken. Das war einmal alles, was Sea of Thieves zu bieten hatte.
Riesenhaie, Skelettschiffe und jede Menge Nebel
Die Betonung liegt auf "war", denn die Entwickler bei Rare haben in den letzten Monaten auf ihre Spieler gehört und sogar Entscheidungen getroffen, die ihren ursprünglichen Ideen widersprechen. Beispiel gefällig? "Jedes Segel am Horizont ist eine Crew aus echten Spielern." Mit diesem Slogan wurde anfangs massiv geworben - KI-Gegner sollten sich nicht in Geschichten und Gefechte auf hoher See einmischen. Mit dem kostenlosen Cursed-Sails-Update von Ende Juli 2018 änderte sich das, und die Skelettschiffe begannen ihre Kaperfahrten.
Die anderen - ebenfalls allesamt kostenlosen - Mini-Erweiterungen The Hungering Deep, Shrouded Spoils und Forsaken Shores erfrischten mit kurzen Kampagnen, neuen Mechaniken, neuen Gegnern und sogar neuen Arealen. Anfangs sah das Spiel auf jedem Bildschirm ungefähr gleich aus. Doch mit jedem Content-Update erweiterte Rare die Welt ein kleines bisschen, sie wurde vielfältiger. Sturm, Regen, Nebel, Blitze, Tentakel, kochendes Meer und nicht enden wollende Zahnreihen im klaffenden Maul der Megalodons: Mit etwas Pech könnt ihr in Sea of Thieves mittlerweile regelrechte Albtraumszenarien erleben, die mit Piratenidylle so gar nichts mehr zu tun haben. Das lockt natürlich Schaulustige an.
