Scorn in der Vorschau: Ein fleischgewordener Albtraum - mit Video!
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Während der letztwöchigen Inside Xbox sorgte Scorn für ordentlich Aufmerksamkeit. Durch seinen verstörenden, teils schon ekelhaften Trailer stach der Schocker aus der Masse an Neuankündigungen hervor und weckte Hoffnungen auf ein frisches Horror-Erlebnis. Dabei ist Scorn mittlerweile über drei Jahre alt und war zwischenzeitlich sogar schon spielbar! Wir haben euch einmal alle wichtigen Infos zu dem Grusel-Abenteuer zusammengetragen.
Am 7. Mai strahle Microsoft die neueste Ausgabe von Inside Xbox aus. In der monatlichen Online-Show werden aktuelle und neue Gaming-Projekte vorgestellt, auf die sich Spieler in den kommenden Wochen und Monaten freuen dürfen. Diesmal waren das unter anderem große Namen wie Assassin's Creed: Valhalla, Vampire: The Masquerade - Bloodlines 2 oder Dirt 5. Der heimliche Star der Show war allerdings ein anderer: das Horror-Adventure Scorn. Mit seiner verstörenden Atmosphäre im Stile von H.R. Giger begeistere der Titel Grusel-Fans weltweit. Auf Youtube hat der Trailer mittlerweile entsprechend über eine halbe Million Aufrufe. Für uns Grund genug, uns den Titel mal etwas näher anzuschauen.
- Wir haben zusätzlich ein Interview mit dem Scorn Game Director Ljubomir Peklar geführt, in dem ihr weitere Infos zum Horrorspiel bekommt.
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Ein langer Weg
Zu Beginn aber erst einmal die Formalitäten: Wie während Inside Xbox bekannt gegeben wurde, soll Scorn (jetzt kaufen / 9,49 € ) exklusiv für den PC und die Xbox Series X erscheinen. Wann genau, das steht allerdings noch nicht fest. Für den Release gibt Microsoft bisher nur ein grobes Fenster. In einer Pressemitteilung heißt es, das Spiel sei für den Launch-Zeitraum der neuen Konsole geplant. Es darf also davon ausgegangen werden, dass Scorn irgendwann zwischen Weihnachstgeschäft 2020 und Frühjahr 2021 in den Regalen stehen wird. Oder zumindest spätestens dann, wenn sich die Entwickler in der Lage sehen, auch wirklich "liefern" zu können - wie sie es zuletzt in einem Blogpost formulierten.
Quelle: Ebb Software
Das Horror-Adventure Scorn in der Vorschau. (3)
Apropos Entwickler: Der ist auch ganz interessant anzuschauen. Für Scorn verantwortlich zeichnet nämlich Ebb Software - ein kleines serbisches Studio, das bisher noch so gut wie gar nicht auf der Bildfläche erschienen ist. Was aber nicht bedeuten soll, dass es über sie nichts zu erzählen gibt. Gegründet wurde das Team ursprünglich im Jahr 2013, seitdem haben sich die mittlerweile gut 40 Mitarbeiter im Belgrader Hauptsitz voll und ganz ihrem bisher ersten und einzigen Projekt verschrieben. Das wurde 2017 über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter mit über 190.000 Euro finanziert. Einige Wochen später folgten dann ein erster Trailer sowie eine spielbare Alpha-Demo, die sich Kollegin Paula seinerzeit sogar mal zu Gemüte geführt hat. Zwar bekam man in der Anspielversion gerade einmal 15 Minuten Gameplay zu sehen, die gaben aber bereits einen guten Eindruck dazu, was einen in Scorn erwartet.
Horror im Giger-Stil
Scorn ist ein First-Person-Horror-Abenteuer der alten Schule: reiner Singleplayer, kein unnötiger Schnickschnack. Stattdessen will sich der Titel auf eine atmosphärische Spielwelt konzentrieren, die ihre Inspirationen besonders aus den Werken von H.R. Giger bezieht. Den Schweizer Künstler kennt man vor allem für seine Verschmelzung von Mensch und Maschine in einer Art kalter biomechanischer Symbiose. Prominentestes Beispiel dafür ist wohl das groteske Alien aus Ridley Scotts gleichnamigem Film, für das Giger und sein Team später sogar mit einem Academy Award für Beste Visuelle Effekte ausgezeichnet wurden.
Entsprechend verstörend zeigt sich das Leveldesign: blutige Fasern, pulsierende Adern, grotesk verformte Körper. Scorn bietet einen absonderlichen Mix aus Fleisch, Stahl und scheinbar Außerirdischem, der am Ende aber irgendwie undefinierbar bleibt. Es scheint, als hätten die Entwickler einmal tief in die Albtraumkiste gegriffen und alles in eine matschig-organische Form gepresst. So habt ihr ständig den Eindruck, ihr würdet euch durch eine riesige lebendige Entität hindurchbewegen - was wohl auch die Vision der Entwickler war. Die betonen, die Umwelt sei quasi ein "eigener Charakter", der seinen Teil zum Environmental Storytelling beiträgt.
Quelle: Ebb Software
Das Horror-Adventure Scorn in der Vorschau. (9)
Über die Geschichte von Scorn ist indes noch gar nichts bekannt. Bisher wissen wir nur, dass wir mit unserer Spielfigur - einem abstoßenden hautlosen Humanoiden, der so auch eins-zu-eins einer "Körperwelten"-Ausstellung entsprungen sein könnte - die atmosphärische Horror-Kulisse erforschen. Wo oder wer genau wir sind, geschweige denn, was wir an diesem gottverlassenen Ort wollen, erschließt sich aber noch nicht. Ihr werdet einfach ohne jeden Kontext in diese absonderliche Welt geschmissen, wodurch sich ein schauriges Gefühl von Isolation und Verlorenheit breitmacht.
Was zum Teufel mache ich hier?
Spielerisch ist Scorn ein wenig Adventure und ein wenig Puzzler. Hauptaugenmerk liegt auf der Erkundung der Umwelt, die aus miteinander verbundenen Arealen besteht. Das labyrinthartige Netz aus Gängen und Räumen könnt ihr dabei komplett non-linear durchlaufen und zudem stetig neue Gebiete freischalten. Das funktioniert wohl hauptsächlich durch kontextuelle Rätsel, die über die Level verteilt sind. In der Demo galt es beispielsweise eine Art organische Fernbedienung (?) zu programmieren, um damit dann Türen zu öffnen. In Scorn ist also Köpfchen gefragt - zumal sich das Interface so spartanisch wie möglich gibt und selten Hinweise auf die nächsten Schritte liefert. Spieler sollten sich ihre Umgebung daher ganz genau anschauen.
Quelle: Ebb Software
Das Horror-Adventure Scorn in der Vorschau. (4)
Dort trefft ihr zeitweise auch auf ekelhafte dämonische Zeitgenossen, die euch mal mehr, mal weniger friedlich gegenüberstehen. Für den letzteren Fall Waffen geben euch die Entwickler zwar einige Waffen an die Hand, wesentlich einfacher wird euer Überlebenskampf dadurch aber nicht. Zum einen sind die Viecher nicht dumm. Ebb Software schreibt ihnen sogar so etwas wie eine eigene "Persönlichkeit" zu, sodass Gegner intelligent auf eure Handlungen reagieren und sich in Gruppen zusammentun, um den Spieler zu übermannen. Und zum anderen ist Scorn eben kein vollblutiger Ego-Shooter.
In bisherigen Spielszenen waren unter anderem eine Pistole und eine Art Shotgun zu sehen. Diese scheinbar organischen, mit einem Eigenleben ausgestatteten Ballermänner verfügen aber nicht über endlose Munition. In Scorn ist also Ressourcen-Management gefragt - auch mit Blick auf euer begrenztes Inventar sowie euer individualisierbares Skill-Set. Es sind demnach stets unterschiedliche Spielstile und Vorgehensweisen gefragt sein, wenn ihr vorankommen wollt. Und manchmal ist es eben einfach die beste Option, die Beine in die Hand zu nehmen.
Einmal Entwicklungshölle und zurück
Nach der 2017 veröffentlichten Demo wurde es allerdings erst einmal ruhig um Scorn: Der angepeilte Release für 2018 verstrich ergebnislos, genauso wie der für 2019. In der Zwischenzeit sicherten sich die Entwickler externe finanzielle Unterstützung von Humble Bunde sowie Kowloon Knights. Dann folgte erst eine Aufspaltung in zwei Teile, bevor der Titel doch wieder als eine geschlossene Spielerfahrung geplant wurde. Ein ziemliches Durcheinander.
Quelle: Ebb Software
Das Horror-Adventure Scorn in der Vorschau. (6)
Nun haben sich die Entwickler erstmals seit Dezember wieder in der Öffentlichkeit gezeigt und dabei aber ordentlich Eindruck hinterlassen. Neues Gameplay zeigt der gut zweiminütige Trailer, der während Inside Xbox gezeigt wurde, zwar nicht. Dafür wissen wir nun allerdings, dass Scorn optisch echt einiges hermachen wird. Ebb Software setzt bei seinem Erstling nach wie vor auf die Power der Unreal Engine 4. Mit der werden 4K-Auflösung, "bis zu" 120 Frames pro Sekunde, DirectStorage, hardware-beschleunigtes DirectX Raytracing "und vieles mehr" möglich sein. Abgesehen von cinematische Cutsenes, auf die verzichten die Macher nämlich komplett.
Auch sonst wurde noch ein wenig mehr über das Spiel selbst verraten: So haben die Verantwortlichen noch einmal an einigen Stellschrauben gedreht, um Spielern ein bestmögliches Horror-Erlebnis zu liefern. Das Inventar sowie die Schnellspeicher-Funktion wurden beispielsweise komplett überarbeitet, ebenso wie das Heilungssystem für den Hauptcharakter. Animationen sollen nun noch flüssiger laufen und so die "Full Body Awareness" verbessern. Scorn möchte schließlich so immersiv wie möglich sein. Entsprechend wird jede Interaktion mit der Umwelt realistisch ablaufen: Objekte werden mit euren Händen aufgenommen, statt einfach durch die Luft zu schweben und auch Maschinen werden alle manuell bedient.
Für die ultimative Erfahrung soll es wohl sogar einen VR-Modus geben, das versprachen die Macher zumindest auf ihrer Kickstarter-Seite. Im Interview verriet uns Game Director Ljubomir Peklar, dass man immer noch über VR nachdenkt, aber noch keine konkreten Aussagen treffen kann.
Wir verfolgen die Entwicklung von Scorn also gespannt weiter und hoffen, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis der spielbare Albtraum via Steam, Windows Store, GOG und Xbox Game Pass erscheint.
