Scars Above: Warum Mittelmaß auch gut sein kann

Special Antonia Dreßler
Scars Above: Warum Mittelmaß auch gut sein kann
Quelle: Prime Matter

Warum Mittelklasse-Spiele wie Scars Above regelmäßig unterschätzt und nicht genug gewürdigt werden

Liebe fürs Mittelmaß

Und das sollte auch der Anspruch an Mittelklasse-Spiele sein. Denn im Gegensatz zu den ganz großen Studios hängt hier noch richtig Herzblut an den Projekten. Für Mad Head Games ist Scars Above so etwas wie ihr Baby. Zwar existiert das serbische Unternehmen schon seit 2011, es verdiente sich seine Eisen bisher aber primär durch Mobile-Spiele. Mit Pagan Online gelang ein erster Schritt in Richtung Casual Core, wie Ivan Zorkic es benennt. Aber wo Pagan Online also Top-Down-Hack&Slash nur einen Zeh ind kalte Wasser steckte, ist Scars Above nun das gewagtere Hineingleiten.

Von einer mutigen Arschbombe ist Mad Head Games hingegen weit entfernt. Sie erfinden das Rad nicht neu und tun auch nicht so, als ob sie große Innovatoren wären. Beim Aufeinandertreffen mit den Teammitgliedern sehe ich keine Businessprofis, sondern Spieler, die einfach nur ihre Geschichte erzählen wollten. Die wissen, dass Scars Above nur Mittelklasse ist. Und trotzdem sind sie stolz auf ihre Leistung. Und das können sie auch sein, denn wenn man sich den Mittelklasse-Markt anschaut, dann ist die Geschichte um Kate gar nicht mal so schlecht aufgestellt. Die Frage ist am Ende des Tages, ob sich ein Double-A-Spiel mit einem Triple-A-Titel überhaupt messen können muss. Bei sehr viel weniger Budget und Mitarbeitern werden nun einmal Abstriche gemacht.

Die Verantwortlichen müssen sich entscheiden, wo sie ihre Schwerpunkte setzen und im Falle von Mad Head Games war die Wahl eine mutige. Statt etwa voll auf eine überbordende Grafik zu gehen, die aber doch niemals hätte mit viel teureren Produktionen mithalten können, entschied man sich für die Geschichte als Kern des Spiels.


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Die Herausforderungen für Scars Above

Double-A, AA-Spiele oder einfach Mittelklasse-Produktionen sind die Sandwichkinder der Spieleindustrie. Weit entfernt von den Budgets enormer Blockbuster-Titel, müssen kleine Studios mit wenig haushalten, sind aber trotzdem an die Erwartungen und Deadlines der Publisher gebunden. Und das ist letztlich auch der Nachteil gegenüber Indie-Studios, die deutlich unabhängiger arbeiten können. Scars Above: Warum Mittelmaß auch gut sein kann (6) Quelle: Prime Matter Scars Above: Warum Mittelmaß auch gut sein kann (6) Monetär sieht es dort zwar meist noch mal ein ganzes Stück magerer aus, dafür sind die Projektzeiten oft realistischer. Hinzu kommt, dass Indie-Entwickler manchmal noch einen Hauptjob haben und nur nebenbei entwickeln - so lange, bis sie mit dem Endergebnis zufrieden sind.

Auch darf man nicht unterschätzen, dass Mittelklasse-Produktionen unter einem festen Publisher bereits in Firmenstrukturen eingebunden sind, in denen nicht der Vorteil von kurzen Kommunikationswegen besteht. Das Double-A-Segment schlägt sich also mit vielen Faktoren herum, die sich direkt auf die Spiele auswirken können.

Es sind die ersten Gehversuche in Richtung Blockbuster, gleichzeitig steckt sehr viel mehr Liebe von den Entwicklern in ihren Werken. Bloß: Anders als bei vielen Indies muss man die Seele der Spiele manchmal erst suchen.

Scars Above muss wie so viele andere Mittelklassevertreter nicht jedem gefallen. Es ist ein Spiel für Liebhaber. Für Wertschätzer des guten Willens und der Leistung von kleinen Studios, die trotz aller Widrigkeiten ihr Bestes geben.

Meinung

Scars Above soll am 28. Februar für PC, Playstation und Xbox (alte und aktuelle Generation) erscheinen. Der Titel ist aktuell bereits für rund 40 Euro vorbestellbar und reiht sich so auch preislich in das Mittelklasse-Segment ein. Das Third-Person-Action-Adventure erzählt die Geschichte um Kate Ward und wurde vom serbischen Studio Mad Head Games entwickelt.

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