Scars Above: Warum Mittelklasse auch gut sein kann
Special
Spiele im Miitelklasse-Segment, auch Double-A oder AA-Spiele genannt, haben es in der Regel schwer auf dem Spielemarkt. Scars Above ist da keine Ausnahme. Dabei kann Mittelmaß auch gut sein und hat Anerkennung verdient.
Eine Frau im Weltraum, die sich gegen fiese Monster wehrt und einem Mysterium auf der Spur ist: Es ist nachvollziehbar, warum sich der Mittelklasse-Titel beziehungsweise Double-A oder AA-Titel Scars Above den Vergleich mit Returnal gefallen lassen muss. Nicht ganz zum Unmut der serbischen Entwickler von Mad Head Games: Denn die haben mit der Entwicklung schon vor Verkündung des Bullet-Hell-Rogue-likes gestartet. Und Scars Above beschreitet als Action-Adventure auch ganz andere Genre-Wege als Returnal. Doch der hinkende Vergleich ist nicht der Grund, warum es so gar keinen Hype um Scars Above (jetzt kaufen ) gibt. Das Problem ist vielmehr, dass der Titel einen sehr generischen Eindruck macht und das Gameplay in Trailern oftmals uninspiriert wirkt. Diesen Eindruck konnte das Spiel bei unserer Anspiel-Session nicht widerlegen und auch die Entwickler wissen um die Schwächen ihres Werks. Die große Stärke jedoch, so versicherte mir der Executive Producer Ivan Zorkic, ist die Geschichte, die das Team mit dem Spiel erzählen will.
Darum geht es in Scars Above
Die Story, über die nur wenig geredet wird, weil sämtliche Details als Spoiler gelten, ist einer von drei Pfeilern, auf die sich der Titel stützt. Kämpfen ist Gameplay-technisch der ganz klar größte Faktor, mit dem ich mich als Spieler herumschlagen muss. Research respektive Forschung spielt ebenfalls eine Rolle beim Verstehen der fremden Welt, auf der ich mich befinde oder vielmehr die Protagonisten Kate Ward gelandet ist.
Und dann ist da das große Mysterium, das es aufzudecken gilt und welches mich dazu bringt, immer weiter voranzuschreiten und mir sämtliche Audiologs anzuhören, über die ich regelmäßig stolpere.
Ob die Handlung am Ende tatsächlich einen Schocker bereithält, ist für mich nicht ersichtlich. Aber in den ersten Stunden fühle ich mich an Spiele wie Farpoint oder Outriders erinnert, die durchaus gute Handlungen hatten, aber sich stellenweise im Pathos ihrer Erzählung verloren. Dadurch litt jeweils die Atmosphäre und litten schlussendlich auch die Geschichten, die, nüchterner erzählt, sehr viel mehr Wirkung gezeigt hätten.
Quelle: Prime Matter
Scars Above: Warum Mittelmaß auch gut sein kann (2)
Solides Kampfsystem
Outriders ist ebenfalls ein gutes Stichwort, wenn ich mir die Kampfmechaniken so anschaue. Nein, ich aktiviere keine abgefahrenen Fähigkeiten in Scars Above: Kate ist zwar Wissenschaftlerin, aber nicht von der verrückten Sorte. Aber ähnlich wie in Outriders liegt der Fokus auf dem Spiel mit den Elementen. Sind die Gegner nass, ist Strom ein potenter Angriffsverstärker, Eis friert sie auf Dauer ein und manche Widersacher sind empfindlich gegenüber Feuerschaden: Die Idee ist gut, solide umgesetzt und wird sogar in einige Umgebungsrätsel eingebunden.
Synergien wie zum Beispiel in Genshin Impact und auch dessen Komplexität darf man aber nicht erwarten, stattdessen spielt sich Scars Above eher wie ein klassischer Third-Person-Shooter. Auch die genannten Umgebungsrätsel hauen mich leider nicht vom Hocker. Wo ich beim Anspielen von Deliver Us Mars geradezu euphorische Freudensprünge gemacht habe, wenn ich ein Rätsel gelöst hatte und mich klug fühlen konnte, ergeben sich Lösungen in Scars Above spätestens nach ein paar Versuchen von selbst.
Umgebungsrätsel ohne echte Herausforderung
Auch das zweite Standbein, die Forschung, hat bedauerlicherweise Schwächen. In diesem Zweig des Spiels geht es eigentlich nur darum, Sachen zu scannen und mehr über die Hintergründe des Planeten zu erfahren.
Die sind auch gut umgesetzt, und mir die Infos zu Flora und Fauna durchzulesen, stellt sich als interessant heraus.
Aber bedauerlicherweise können sämtliche Audiologs nur in ihrem Fenster abgespielt werden und laufen nicht weiter, wenn ich das Menü schließe. Ärgerlich bei Logs von teilweise rund einer Minute, die ich mir noch mal von ganz vorn anhören darf, weil ich sie natürlich doch im ersten Moment wegklicke.
Oft sind es dann genau diese Informationen, die auch eine Rolle spielen, wenn es darum geht, das Mysterium der ganzen Misere aufzudecken. Man merkt es dem Weltraum-Abenteuer an: Es ist ein Mittelklasse-Spiel. Und als solches sind die Ressourcen des Entwicklerstudios begrenzt. Dabei macht Scars Above trotzdem Spaß, und wenn ich mich dafür auf eine gut erzählte Story freuen darf, gebe ich mich auch mit mittelmäßigem Gameplay zufrieden.
