Sable im Test: Ein atemberaubendes Paradies der Langeweile - wie schneidet der "Breath of the Wild"-Klon ab?

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Sable im Test: Ein atemberaubendes Paradies der Langeweile - wie schneidet der "Breath of the Wild"-Klon ab?
Quelle: Raw Fury I Shedworks

Seit der emotionalen Ankündigung auf der Xbox-Show 2018 zählt das bezaubernde Open-World-Indiespiel Sable für viele zu den ausgefallensten neuen Videospielen - besonders aufgrund des handgezeichneten Sci-Fi-Looks. Der "Breath of the Wild"-Klon ist nun endlich für PC und Xbox erschienen, zeichnet jedoch in unserer Review ein sehr durchwachsenes Bild. Auf der einen Seite begeistert die melancholische Abenteurerstimmung, auf der anderen Seite zeigt sich eine herbe technische Enttäuschung.

Auf dem Papier klingt Sable wie ein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Nur zwei Entwickler wagen sich an ein Open-World-Abenteuer jedoch ohne jegliche Action. Darüber hinaus möchten sie sich mit einem der besten Spiele der letzten Zeit messen: The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Das Nintendo-Spiel nehmen wir als Vorlage omnipräsent während unserer ca. 20-stündigen Spiele-Session wahr. Ein Vergleich ist somit unvermeidbar, auch wenn der natürlich in Bezug auf die Größe der Produktion unfair wirkt
Wir klären im Test, an wen sich der experimentelle Zelda-Klon Sable richtet, was die Faszination ausmacht und wo im Sand jede Menge Stolpersteinchen stecken.

Story: Der Fremde gewachsen

Die persönliche Geschichte des Reise-Adventures stellt das junge Mädchen Sable (jetzt kaufen 9,18 € / 6,81 € ) in den Fokus, die eine für ihren Stamm übliche Selbstfindungsreise auf einem futuristischen Gleiter antreten muss. Klingt im ersten Moment nicht sonderlich ausgefallen... ist es auch nicht. Doch die dünne Geschichte fügt sich gut in das Gesamtwerk Sable ein und stellt sich nie unnötig in den Vordergrund. Stattdessen geht es um das Erkunden und Erforschen der Spielwelt Midden. Dabei wichtig zu erwähnen: Es gibt keine Verheerung, die wir aufhalten sollen. Es gibt auch keinen übermächtigen Gegenspieler, der die Welt unterjochen möchte. Nicht mal Feinde. Insgesamt bietet Sable auf den ersten Blick recht wenig, doch mit jeder Spielstunde steigt die Faszination und wer sich durch das etwas monotone einstündige Tutorial beißt, der wird belohnt - zumindest all jene, die ein Herz für solch ungewöhnliche Spiele haben.

<strong>Manchmal meisterlich:</strong> In seinen besten Momenten gehört Sable tatsächlich zu den tollsten Spielen des Jahres, doch die werden oftmals durch die grafischen Probleme überschatttet. Quelle: PC Games Manchmal meisterlich: In seinen besten Momenten gehört Sable tatsächlich zu den tollsten Spielen des Jahres, doch die werden oftmals durch die grafischen Probleme überschatttet. Neben einigen Gemeinschaften, die der leblosen Spielwelt eine Identität geben, gibt es auch unzählige alte Raumschiffe und Fragmente zu entdecken. Die servieren mehr narratives Futter über den Untergang und die letzten Stunden einer gefallenen Zivilisation. Beispielsweise finden wir mehrere Stationen einer intakten K.I. in der weiten Wüste, die einen interessanten Einblick in die Vergangenheit der mysteriösen Welt gibt. Es lässt sich nur erahnen, wie die Wüste vor hunderten von Jahren aussah, doch die riesigen Skelette und die vom Sand versteckten Bruchteile schüren unsere Fantasie. Eine Sprachausgabe gibt es übrigens nicht, wer sich also in Sables charmante Heimat einarbeiten möchte, der muss lesen - und selbst dann bleibt einiges ein Fragezeichen. Zwar sind Lokalisierungen in einigen Sprachen geplant, unter anderem in Deutsch Spanisch und Französisch, die folgen aber erst in den nächsten Monaten. Laut dem Entwicklerteam möchte man diese bis Ende 2021 veröffentlichen.

Spielwelt: Ein atemberaubendes Plätzchen Nichts

Wer keine Lust auf solch ein Story-Modell hat, der kann sich auch dem eigentlichen Herzstück Sables hingeben: Der atemberaubenden Spielwelt und dem Erkunden der Fremde, die auf eine ganz besondere Art und Weise verzaubert. Die intime Spielerfahrung, die auf Entspannung, Ruhe und Melancholie setzt, knüpft tatsächlich in ihren besten Momenten an die Faszination des zerstörten Hyrules an. Wie bereits erwähnt steht Sables Selbstfindung im Zentrum. Doch was wäre Selbstfindung ohne jegliche spirituelle Komponente, richtig? Die kommt in Form unseres Gleitgeräts "Simoon", dem eine Art Seele innewohnt, mit der wir über den Verlauf unseres Abenteuers eine tiefere Bindung aufbauen sollen.

<strong>Mit guter Musik durch die Nacht: </strong>Zum Soundtrack der Indie-Band 'Japanese Breakfest' durch die Sci-Fi-Wüste von Sable zu brausen ist ein fantastisches Gefühl, dass uns selbst nach Stunden noch begeistert. Quelle: PC Games Mit guter Musik durch die Nacht: Zum Soundtrack der Indie-Band "Japanese Breakfest" durch die Sci-Fi-Wüste von Sable zu brausen ist ein fantastisches Gefühl, dass uns selbst nach Stunden noch begeistert. Fliegen wir auf unserem unzerstörbaren Hoverbike durch die karge Wüste, so kommen einem sofort Erinnerungen zu Reys Aufenthalt auf dem Star-Wars-Planeten Jakku in den Sinn oder ganz frische Kino-Erinnerungen an das Sci-Fi-Epos Dune von Denis Villeneuve (lest hier unsere ausführliche Filmkritik). Ebenso das Playstation-Meisterwerk Journey hat durchaus seine Parallelen zu Sable. Doch was macht man denn jetzt eigentlich, abgesehen vom Gleiten, wenn es keine Kämpfe gibt? Rätseln zum Beispiel: Neben den kleinen zerstörten Raumschiffen in Midden finden sich ebenso riesige Wracks, die große Puzzle im Stile der Zelda-Schreine aus Breath of the Wild bieten. Die Kopfnüsse fallen zwar keinesfalls so gelungen und komplex aus, die Dungeons haben aber durch ihre imposante Größe und den wunderschönen Look eine magische Note, die man nicht von der Hand weisen kann.

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Missionen & Gameplay: Kot sammeln, ausbrechen und ermitteln

Darüber hinaus gibt es in den vielen Nomaden-Siedlungen und Außenposten jede Menge Quests zu erledigen. Mal sollen wir den Kot von Riesenkäfern sammeln, indem wir ihnen nach der Fütterung frech auf den Rücken springen.

<strong>Imposante Wracks, mickrige Rätsel:</strong> Überall in Midden finden sich riesige alte Raumschiffwracks, in denen komplexe Rätsel auf uns warten. Die fallen aber leider nie wirklich gut aus und sind meist eher öde. Quelle: PC Games Imposante Wracks, mickrige Rätsel: Überall in Midden finden sich riesige alte Raumschiffwracks, in denen komplexe Rätsel auf uns warten. Die fallen aber leider nie wirklich gut aus und sind meist eher öde. An anderer Stelle möchte ein Ziehvater von Waisenkindern, dass wir mithilfe einer sagenumwobenen und gefürchteten Maske ein Kind aus einem Gefängnis befreien. Den Missions-Höhepunkt erreicht Sable, wenn es um eine komplexe Ermittlungsarbeit geht, in der wir Beweise sammeln um einen Täter zu finden. Zugegeben, dass sind noch die ausgefalleneren Missionen, die meiste Zeit beschränken die sich nämlich rein auf simple "Fetch-Quests", also Abholaufträge. Die Entwickler möchten uns nicht spielerisch herausfordern, sondern schlicht durch die Wüste jagen. Das kann ein großer Kritikpunkt sein, kommt jedoch auch darauf an, was man sich von Sable erhofft. Manchen wird das Spielprinzip nämlich enorm zusagen, da es so anders, so erfrischend und so mutig ist.

Kämpfe spielen wie bereits erwähnt keine Rolle. Auch die wenigen Tiere, die es zu entdecken gibt, haben es nie auf uns abgesehen. Selbst wenn wir von der Spitze einer riesigen Ruine springen, bekommen wir keinen Schaden. Das wird zwar durch unsere magische Schwebekugel erklärt, ähnlich wie das Parasegel von Link, ist aber dennoch sehr gewöhnungsbedürftig. Nichts in Midden will oder kann uns schaden. Und hier ist wieder die Frage, ob man das als Kritik wertet. Denn auf der einen Seite fehlt es tatsächlich über einen längeren Zeitraum an Aufregung, Gefahr oder Dynamik, aber im selben Atemzug ist das auch wirklich toll! Statt sich ständig mit Fledermäusen oder Goblins herumzuschlagen, atmen und genießen wir die Kulissen und Szenerien. Sable belohnt mit seiner Schönheit. Steht man inmitten der Wüste und erblickt wunderliche Berghänge oder fliegende Inseln, so kann man es kaum erwarten, sich schrittweise nach oben zu klettern. <strong>Link lässt grüßen:</strong> Wie auch im offensichtlichen Vorbild Breath of the Wild ist es uns möglich, mithilfe von Sammelgegenständen unsere Ausdauer zu verbessern um somit höher Punkte in der Spielwelt zu erreichen. Quelle: PC Games Link lässt grüßen: Wie auch im offensichtlichen Vorbild Breath of the Wild ist es uns möglich, mithilfe von Sammelgegenständen unsere Ausdauer zu verbessern um somit höher Punkte in der Spielwelt zu erreichen.

Motivation & Antrieb: Schickes Outfit, schnelles Gefährt

Ein Skill-System oder Möglichkeiten, Sables Fähigkeiten weiterzuentwickeln, gibt es nicht. Außer in Bezug auf unsere Ausdauer, die wie beim Zelda-Vorbild fürs Rennen und Klettern essenziell ist. Überall in Midden finden sich sogenannte "Chum-Eier". Die können wir zur Chum-Königin bringen, die uns mit einem neuen Ausdauerbalken belohnt - wieder einmal lässt Breath of the Wild also grüßen. Um uns dennoch an der Stange zu halten gibt es viele Kleidungsstücke und Masken, die wir uns bei den verschiedenen Nomadenstämmen verdienen. Die haben zwar keinen Rüstungswert - der wäre ja ohnehin in Midden ziemlich unsinnig -, gefallen aber durch ihre unterschiedlichen Looks oder Geräusche. So gibt es beispielsweise ein ausgefallenes Outfit mit Kristallen, das bei jedem Schritt klirrt. Apropos Klirren: Es gibt natürlich auch eine Währung in Midden. Mit der können wir unseren treuen Gleitpartner mit neuen Teilen versehen. Die machen unser Fluggerät schneller, wendiger oder schlicht schicker.

<strong>Man will ja schick aussehen:</strong> Selbst in einer weitestgehend ausgestorbenen Wüste steht Mode im Vordergrund. Bei den unzähligen Stämmen in Midden können wir uns mit unterschiedlichen Klamotten eindecken und hübsch machen. Quelle: PC Games Man will ja schick aussehen: Selbst in einer weitestgehend ausgestorbenen Wüste steht Mode im Vordergrund. Bei den unzähligen Stämmen in Midden können wir uns mit unterschiedlichen Klamotten eindecken und hübsch machen.

Audio & Sound: Wunderschöne Graphic Novel zum Nachspielen

Die offensichtliche Stärke, die bereits seit der Ankündigung auf dem Xbox-Show 2018 begeistert, ist der atemberaubende Art-Style von Sable. Dem Studio Shedworks ist es toll gelungen, Sable wie eine interaktive und wunderschöne Graphic Novel wirken zu lassen. Einen offensichtlichen Einfluss verkörpert der herausragende französische Cartoonist Jean "Moebius" Giraud. Für einen zusätzlichen "Zeichentrick-Stil" sind die Bewegungen und Animationen der Charaktere reduziert, was im Gesamtbild eine so originelle Erscheinung herbeizaubert, dass es uns mehrfach zum Staunen bringt. Gepaart mit dem speziell fürs Spiel geschriebenen Soundtrack der Indie-Band "Japanese Breakfest" und der allgemein wundervollen Audiountermalung ergibt sich ein audiovisuelles Prachtstück, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt.

<strong>Ein Paradies für Entdecker:</strong> Die Wüste Midden, die an Sci-Fi-Werke wie Star Wars und Dune erinnert, wirkt zwar auf den ersten Moment etwas öde, doch mit jeder Spielstunde zeigen sich neue atemberaubende Kulissen und Umgebungen, die es so nur selten in Open-World-Spielen zu sehen gibt. Quelle: Microsoft Ein Paradies für Entdecker: Die Wüste Midden, die an Sci-Fi-Werke wie Star Wars und Dune erinnert, wirkt zwar auf den ersten Moment etwas öde, doch mit jeder Spielstunde zeigen sich neue atemberaubende Kulissen und Umgebungen, die es so nur selten in Open-World-Spielen zu sehen gibt.

Technik & Performance: Sci-Fi-Dünen voller Bugs

Sable setzt zusätzlich auf ein Tag-Nacht-System, bei dem sich die erste der großen Schwächen präsentiert. Die sorgfältig ausgewählten Farbpaletten der insgesamt sieben Weltbereiche können eigentlich durch die Bank überzeugen, bei Nacht verwandelt sich das gezeigte Bild aber schnell in eine eintönige und matschige Enttäuschung. Berge wirken aus der Entfernung eigenartig halbtransparent, Schatten präsentieren sich nur selten wie sie sollten und allgemein gibt es diverse Grafikfehler und Framerate-Einbrüche, die für Unmut sorgen. Während das noch auf dem PC oder der Xbox Series X und S für Hartgesottene verkraftbar ist, fallen die Probleme auf der Xbox One oftmals so stark aus, dass man kaum eine Chance hat, in den magischen Gameplay-Flow von Sable zu rutschen. Laut des Entwickler-Duos ist man sich der Probleme bewusst und verspricht, diese in den nächsten Wochen auszumerzen. Wir möchten nicht zu streng mit dem Erstlingswerk des Londoner Studios Shedworks sein, sollten sich die vielen grafischen Ärgernisse tatsächlich mithilfe einer Patches minimieren, so würden wir das in unserer finalen Wertung mit einberechnen.

Fazit: Für manche ein Meisterwerk, für andere ein Graus

Nun kommen wir zur alles entscheidenden Frage: Wie gut ist Sable und an wen richtet sich das emotionale Reise-Abenteuer? Kann man experimentellen Spielen etwas abgewinnen, so findet man in der Wüste Midden unzählige Dinge, die sich langfristig einbrennen. Sollte man jedoch seine Schwierigkeiten mit eher ruhigen und minimalistischen Geschichten haben und sich ein ähnlich abwechslungsreiches und intensives Abenteuer wie Breath of the Wild erhoffen, so könnte man ziemlich auf die Schnauze fallen. Sable ist ein Kleinprojekt mit jeder Menge Herz, dass nur funktioniert, wen man tatsächlich bereit ist, sich der Leere und Ruhe hinzugeben. Zwischen den vielen Raumschiffwracks, den Außenposten und Dünen liegen nämlich magische Momente, die es verdienen, entdeckt zu werden.

Sable ist seit dem 23. September 2021 im Xbox Game Pass. Für PC, Xbox One und die Xbox-Series-Konsolen kostet der intime Wüstenspaß knapp 25 Euro. Wer keinen Game Pass besitzt und dennoch via Xbox One in Midden eintauchen möchte, dem raten wir aufgrund der technischen Probleme zum aktuellen Zeitpunkt davon ab. Wie gefällt euch die melancholische Sci-Fi-Reise? Schreckt euch die Spielwelt ab oder kann euch Sables Abenteuer mitreißen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

Wertung zu Sable (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Eine atemberaubende und originelle SpielweltCharmante Charaktere und FigurenEinzigartiges Spielgefühl mit viel Emotionalität und MelancholieJede Menge tolle Orte zu entdeckenFantastischer Soundtrack, der toll die Welt einfängtFantastischer Art-Style, der sich neu anfühltViele Möglichkeiten, das eigene Gleitgerät und die Spielfigur anzupassen
Jede Menge Bugs und GrafikfehlerHeftige Framerate-Einbrüche, besonders auf der Xbox OneBei Nacht und Dunkelheit weitaus weniger eindrucksvollRätsel sind oftmals zu einfach und unkreativ gestaltetMonotones Gameplay, das viele Spieler*innen abschrecken könnte
Fazit

Sable ist abseits der technischen Probleme ein fantastisches Videospiel voller toller Momente, doch sicher nicht für jeden Spielertyp.

Meinung

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