Reverie Knights Tactics im Test: Ein Twist macht noch kein gutes Spiel - Seite 2

Test Ronja Häußer Lukas Schmid
Reverie Knights Tactics im Test: Ein Twist macht noch kein gutes Spiel - Seite 2
Quelle: PC Games

Für ihr erstes Spiel, Reverie Knights Tactics, wagt sich 40 Giants Entertainment mit neuen Ideen an ein altes Genre. Ob ihnen das gelingt, zeigt unser Test.

Man kann die Folianten auch wieder entzaubern und bekommt dafür einen Anteil der investierten Cogni zurück. Je teurer die Folianten, desto besser sind sie natürlich. Allerdings fühlt sich das System trotzdem ausgewogen an und es gibt keinen einzelnen Folianten, der alle anderen unnötig machen würde. Mit den aus der Oberwelt zurückgebrachten Gegenständen kann man zum einen Kampfgegenstände basteln und zum andern verschiedene Rezepte zubereiten.

Das alles geht per Knopfdruck und ist mehr ein Aspekt der Kampfvorbereitung als ein eigenes Spielelement. Findet man auf seinen Erkundungen unbekannte Gegenstände, kann es auch durchaus sein, dass man neue Rezepte bekommt. Das Lager selbst kann man ebenfalls nach Gegenständen durchforsten (und nebenbei eine Anspielung auf ein bestimmtes tentakeliges Lovecraft-Monster finden). Zu guter Letzt ist es natürlich auch ein Ort, um mit Charakteren zu interagieren und mehr über sie zu erfahren.Das Problem ist, dass es nicht wirklich etwas zu erfahren gibt. Die Charaktere kommen einem so vor, als hätte man sie so oder ähnlich schon zigmal in anderen Spielen gesehen. So etwa den Kapitän, auf dessen Schiff wir zu unserem Abenteuer aufgebrochen sind. Er ist ein rauer Trunkenbold, der unter seiner Unhöflichkeit ein gutes Herz verbirgt.

Kennen wir uns?

<em>Stattet man dem Koch im Lager einen Besuch ab, kann man verschiedene Rezepte zubereiten- wobei ein Keks aus Samen und Pilzen doch etwas fragwürdig klingt.</em><br> &nbsp; Quelle: PC Games Stattet man dem Koch im Lager einen Besuch ab, kann man verschiedene Rezepte zubereiten- wobei ein Keks aus Samen und Pilzen doch etwas fragwürdig klingt.
 
Hinzu kommt, dass - auch innerhalb der Hauptgruppe - manchen Charakteren wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als anderen. Besonders Fren, der Elf, der sich der Gruppe als Wegeleiter anschließt, scheint es den Entwicklern angetan zu haben. Er ist der Einzige, dessen Hintergrund kontinuierlich weiter ausgearbeitet wird.

Das ist schade, denn es wirkt eigentlich schon so, als würde das Spiel einen Fokus auf Charakterentwicklung legen wollen. Aktiv beeinflussen kann der Spieler die Entwicklung der Protagonistin Aurora. An bestimmten Punkten in der Handlung kann man Entscheidungen treffen, die die Tempelgelehrte entweder in Richtung Ordnung oder in Richtung Chaos steuern.

<em>Teil des Chaos/Ordnung-Systems sind auch erlernbare Fähigkeiten, die jeweils mit der einen oder anderen Richtung korrespondieren.</em><br> &nbsp; Quelle: PC Games Teil des Chaos/Ordnung-Systems sind auch erlernbare Fähigkeiten, die jeweils mit der einen oder anderen Richtung korrespondieren.
 
Je nachdem, wie sie sich verhält, werden ihre zukünftigen Aktionen sowie Interaktionen mit anderen Charakteren beeinflusst. Das kann die Handlung beeinflussen, ein Richtig oder Falsch gibt es aber nicht. Allerdings kann sich das System aufgrund der kurzen Kampagne kaum entfalten. Wenn man nicht stringent der einen oder anderen Richtung folgt, bekommt man einen Mischmasch aus Reaktionen, das sich nicht wirklich nachvollziehen lässt.

Ähnliches gilt auch für die Entwicklung der Charaktere. Das Spiel spricht große Themen wie Angst, Rache und Verantwortung an. Das geschieht aber so häufig und so überdeutlich, dass es sich anfühlt, als würden die Charaktere sich gegenseitig (und damit auch dem Spieler) einreden wollen, sie hätten sich am Ende alle völlig weiterentwickelt. Die Tatsache, dass sich die ganze Haupthandlung über etwa einen Tag zu erstrecken scheint, verleiht dem noch weniger Glaubwürdigkeit.

Große Reichweite und zu wenig Zeit

Das ist ein Problem, dass sich auch auf den Plot, aber vor allem auf das World-Building erstreckt. Die Grundprämisse ist zunächst eingängig - besonders, wenn man sich schon einmal mit dem Genre Fantasy befasst hat. Die von den Elfen erbaute glorreiche Stadt Lenórienn wird von Koboldleuten erobert und zur Stadt der Waldschrate, Rarnaakk.

Um Lenórienns Wissen zu bewahren, bricht eine Expedition in Richtung des "Wilden Königreichs" Lamnor auf. Auroras Adoptivvater war Teil dieser Gruppe, und als der Kontakt zu ihr abbricht, wird Aurora mit der Rettungsmission beauftragt. Auf ihrer Reise stößt die Heldin natürlich noch auf die restlichen drei Mitglieder der Kampftruppe sowie ein paar weitere Charaktere.

Eine kleine Gruppe mit einem klaren Auftrag eignet sich erstmal ganz gut für eine kurze Kampagne. Nur bleibt es nicht dabei, denn immer wieder werden Aspekte aus einem größeren Ganzen aufgegriffen, ohne weiter ausgeführt zu werden. So deutet die Eröffnungssequenz an, dass die Geschichte der Kobolde sich auf die Handlung auswirken könnte und diese über einen interessanten Story-Hintergrund verfügen. Im tatsächlichen Spiel sind sie einfach nur die wohlbekannten Fantasy-Kobolde - stumpf und böse eben.

Richtig verwirrend wird es aber im Finale. Hier werden plötzlich völlig neue Akteure, McGuffins und Bedrohungen vorgestellt, bevor dann alles einfach abrupt endet. Ob das jetzt bedeutet, dass es mit der Handlung weitergeht oder ob man einfach wissen muss, worum es in der Metahandlung geht, bleibt dabei unklar.

Das Spiel basiert immerhin auf einem Table-Top-RPG namens Tormenta, das der absolute Renner in Brasilien ist, aber von dem die meisten Spieler hierzulande noch nichts gehört haben dürften. Da solche Welten über Jahre ausgearbeitet und weiterentwickelt werden, gibt es dementsprechend Unmengen an Lore.
Neben einem Guide für Kämpfe, enthält das Glossar Informationen zu Charakteren, Orten und Monstern. Bringt man etwas Neues in Erfahrung, werden die Einträge erweitert. Quelle: PC Games Neben einem Guide für Kämpfe, enthält das Glossar Informationen zu Charakteren, Orten und Monstern. Bringt man etwas Neues in Erfahrung, werden die Einträge erweitert.
Allerdings ist das Material, auf das man, wenn man kein Portugiesisch spricht, keinen Zugriff hat. Auch sind die Hintergründe viel zu umfassend für die etwas mehr als zehn Stunden, die man braucht, um die Handlung abzuschließen. Es kann Spaß machen, sich ohne große Erklärungen Welten selbst zu erschließen, aber das braucht etwas mehr als ein paar Nebeneinschübe und kurze Glossar-Einträge.

Was das Gefühl des Unverständnisses noch verstärkt, ist ein umständlicher und anstrengend zu lesender Schreibstil. Dieser wird in der deutschen Übersetzung von einigen auffälligen Fehlern bezüglich Rechtschreibung, Grammatik und Lexik begleitet. Will man einen Raum verlassen, steht da nicht etwa "Raum verlassen" oder "Gehen", sondern "Geh weg". Auch scheint man sich in den Tutorials nicht einig geworden zu sein, ob man Spieler jetzt mit Du oder Sie ansprechen will.

Insgesamt erfüllt die Präsentation ihren Zweck, aber auch nicht mehr. Die scharfen Linien und kräftigen Farben wirken in den Umgebungen noch relativ charmant und erinnern an ein ausgemaltes Bilderbuch. Die Charaktere allerdings lassen sie kantig und oft auch unsympathisch wirken. Ähnliches gilt für die an Minnegesang erinnernden Melodien, die im Hintergrund dahindudeln. Sie fallen weder negativ noch positiv sonderlich auf - besonders, wenn man sich auf das Gameplay konzentriert.

Meinung

Wertung zu Reverie Knights Tactics (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Reverie Knights Tactics (PS4)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Reverie Knights Tactics (PS5)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Reverie Knights Tactics (NSW)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Reverie Knights Tactics (XBO)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Reverie Knights Tactics (XSX)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Cleverer Twist für rundenbasiertes GameplayVielzahl an möglichen Herangehensweisen bei KämpfenInteraktive KampfrasterZum Experimentieren anregende ZieleBeiden Schwierigkeitsgraden eigene Vorteile
Enttäuschende RätselRestriktive und langweilige OberweltKlischeehafte CharaktereErzwungene CharakterentwicklungSchwer überschaubares Chaos/Ordnung-SystemUnklare Andeutungen in der HandlungUmständlicher, schwer zu lesender SchreibstilPräsentation nicht ansprechend
Fazit

Eigentlich gelungenes Kampfpaket mit zu viel Verpackung

Reverie Knights Tactics wurde am 25. Januar 2022 von dem polnischen Publisher 1C Entertainment veröffentlicht. Erhältlich ist das Spiel für PC, PS5/PS4, Nintendo Switch, XBOX X/S und XBOX One. Es ist spielbar in den Sprachen Japanisch, Deutsch, Russisch, Chinesisch, Portugiesisch und Englisch.

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