Retro-Spiele gehören ins Museum - Und jeder sollte hin

Kolumne Antonia Dreßler
Retro-Spiele gehören ins Museum - Und jeder sollte hin
Quelle: Hi-Scorre

Einen echten Zugang zu Retro-Spielen hatte ich bis jetzt nie und lange geglaubt, dass ich halt zu jung bin, um nostalgisch zu sein. Ein Museumsbesuch später hat sich meine Meinung komplett geändert.

Verpasste Kindheit nachholen

Das Krasse am Hi-Score ist nämlich, dass alles funktioniert und man jedes Gerät ganz ohne Geld so oft spielen kann, wie man will. Das reicht von Flipperautomaten über Großgeräte, in denen man auf einem Motorrad sitzt bis hin zu sehr verwirrenden japanischen Exponaten, in denen ein kleiner Tisch verbaut ist, den man im richtigen Moment flippen muss.

Während mich Retro alle die Jahre immer kaltgelassen hat, haben bereits ein paar Stunden im Hi-Score genügt, damit ich nun doch meine nostalgische Ader entdeckt habe. Fünf Minuten im G-LOC Deluxe Cabinet und ein Rennen im Manx TT Super Bike, und schon hatte ich mich in Sega verliebt. Und ich musste feststellen, dass ich riesiger Fan von Stepmania und Dance Dance Revolution bin, weil ich alle anderen Leute im Museum beim Tanzduell fertiggemacht habe. Etwas, womit ich in jedem meiner zukünftigen Artikel versuchen werde, anzugeben.

Person auf einem Stepmania Automaten Quelle: Hi-Scorre Ich hätte nie gedacht, dass Retro so viel Spaß machen kann und hatte nicht geahnt, was ich alles in meiner Kindheit verpasst habe. Ich könnte heulen bei dem Gedanken, dass ich schon vor 20 Jahren mit solchen Maschinen in Berührung hätte kommen können. Aber dafür habe ich jetzt natürlich den Vorteil, solche Automaten in Deutschland kostenlos spielen zu können - am Ende habe ich also doch gewonnen.

Einfach aus Freude am Spielen

Und eine Besonderheit kommt ebenfalls dazu, die das Hi-Score für mich absolut einmalig macht. Hinter der Einrichtung steht ein gemeinnütziger Verein, ohne den der Betrieb gar nicht möglich wäre. Aber hinter dem Verein stehen wiederum zwei Personen, ohne die es das Museum gar nicht geben würde. Marko und Regine Silbermann hatten nicht nur die Idee beigesteuert, sondern auch die monetären Mittel. Auf die Frage, wie das alles finanziert wird, antwortete Marko mir mit einem fröhlichen: "durch mich!". Auch nach zweimaligem irritierten Nachhaken erhielt ich die gleiche Antwort. Das ist umso beeindruckender, bedenkt man, dass einige der über 180 Spielekisten mehrere Tausend Euro kosten. Einfach aus Leidenschaft hat sich Marko über die Jahre eine riesige Sammlung an Automaten und Figuren zugelegt, die er jedem zur Verfügung stellen will.

Aber das Paar steht natürlich nicht allein da. Der Verein im Hintergrund hat ebenfalls überall seine Hände im Spiel. So entwickelt sich im ständigen Dialog die Ausstellung weiter und überall finden sich Easter Eggs. Seltene Konsolen werden gemeinsam erspäht und die Restaurierung wird vorangetrieben, auf der Bühne im Hi-Score finden Rockstar-Konzerte statt.

Das heißt: Demnächst wieder, denn aktuell ist das Museum noch geschlossen, seitdem es in ein neues, größeres Zuhause umgezogen und dadurch das offiziell größte Videospielmuseum Deutschlands ist.

Eine Feier zur Neueröffnung gab es zwar schon, aktuell wird allerdings noch auf die Behörden gewartet, damit sie einen öffentlichen Betrieb freigeben. In den nächsten Wochen sollte es dann aber endlich so weit sein, dass man das Hi-Score regulär besichtigen kann. Für mich heißt das, dass ich Zukunft wohl mehr Zeit einplanen muss, wenn ich in den Norden von Deutschland reise, um wenigstens kurz meiner verpassten Gamer-Kindheit zu frönen.

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