Ein Gamer-Museum, das man definitiv nicht verpassen sollte

Kolumne Antonia Dreßler
Ein Gamer-Museum, das man definitiv nicht verpassen sollte
Quelle: Hi-Scorre

Einen echten Zugang zu Retro-Spielen hatte ich bis jetzt nie und lange geglaubt, dass ich halt zu jung bin, um nostalgisch zu sein. Ein Museumsbesuch später hat sich meine Meinung komplett geändert.

Ich liebe Videospiele. Und ich liebe Museen. Eine Mischung aus beidem müsste also logischerweise die perfekte Freizeitbeschäftigung sein. Doch irgendwie hat mich noch kein Videospielmuseum so richtig aus den Socken gehauen. Was ich genau vermisse, ist schwer zu sagen, immerhin gehe ich nicht aus den gleichen Gründen in verschiedene Arten von Museen. Naturkundemuseen sind etwas zum Staunen und Starren da. Große Dinoskelette und beeindruckende prähistorische Lebewesen, die zehnmal so groß sind wie ich, sind halt einfach cool, egal ob ich den Namen der überdimensionierten Eidechsen aussprechen kann oder nicht.

Kunstmuseen erzählen Geschichten aus den jeweils gezeigten Epochen und geben einen Einblick in die jeweiligen Welten der Künstler und ihrer Zeit. Die Bilder in ihrer tatsächlichen Größe zu sehen und die Pinselstriche darauf, schaffen für mich eine Nähe, die ich über Screenshots im Netz nicht spüre. Und Zukunftsmuseen sind in der Regel super interaktiv und fühlen sich wie ein Spielplatz an. Alles darf, nichts muss, und die dort gezeigte Technologie ist selten zweckmäßig, sondern macht hauptsächlich Spaß.

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Videospiele und Museen - eine schwierige Kombination?

Und gerade diese Interaktivität vermisse ich manchmal in Videospielmuseen. Ich verstehe, dass alte Geräte wertvoll sind und deswegen nicht unbedingt zum Spielen geeignet, aber was bringen sie sonst? Alte Konsolen, die in Massenabfertigung produziert wurden, haben nicht den emotionalen Mehrwert wie das einzige Original eines Künstlers. Vor allem, wenn man sie nie selbst gespielt hat. Und sie hauen mich auch nicht so aus den Socken wie ein 20 Meter langer Dino-Wal, der von einer Museumsdecke baumelt.

So hat sich in mir das Vorurteil aufgebaut, dass Museen für Gamer nur etwas für die älteren Generationen sind. Solche, die einen Atari 2000 von einem Atari 3000 unterscheiden können und nicht erst googeln müssen, welche Modelle es überhaupt gegeben hat. Wenn mir jemand sagt, dass er noch auf einem Commodore gespielt hat, weiß ich nicht, welche Spiele das waren, sondern nur, wie viel jünger ich offenbar bin.

Retro nur für die Alten

Mit meinen 28 Jahren sind die ältesten Geräte, an denen ich gespielt habe, ein N64 meines großen Bruders und der erste Game Boy meines Vaters. Sobald ich selbst Kohle hatte, habe ich mir neuere Konsolen und Handhelds geholt, mit besserer Grafik, Bedienbarkeit und Spielen. Ich wusste nicht einmal, dass es davor schon Konsolen gab, mir hat niemand davon erzählt und das Internet war damals auf dem Dorf tatsächlich noch Neuland.

Ein Herz für Retro-Spiele hatte ich also nie.

Deswegen bin ich die letzten Jahre davon ausgegangen, dass Museen voller Retro-Games halt einfach nichts für mich sind. Ich bin schlicht die falsche Zielgruppe. Dachte ich zumindest, bis ich eine großartige Entdeckung gemacht habe. Als mein Kollege Tobi und ich auf der Gamevasion in Hannover waren, haben wir nämlich auch einen Blick ins Hi-Score geworfen. Ein Museum, das aus alter Hardware, vor allem aber aus Arcade-Automaten, besteht.

Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber irgendwas ist in diesen Räumen mit mir durchgegangen. Mein inneres Kind hat sich jahrelang angestaubten Ballast von den Schultern gestreift, um endlich zur Oberfläche durchzubrechen. Kurz gesagt: ich war der schlimmste Besucher, den man sich nur vorstellen kann. Unsere Führung wurde mehrmals dadurch unterbrochen, dass ich unbedingt alle Automaten ausprobieren musste.

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