Resident Evil: Retro-Special zum Horror-Klassiker

Special Marco Cabibbo Lukas Schmid
Resident Evil: Retro-Special zum Horror-Klassiker
Quelle: PC Games

Vor knapp 22 Jahren lehrte Capcom uns mit Resident Evil erstmals das Fürchten. Wir haben uns für euch ins gruselige Herrenhaus des ersten Spiels begeben und erklären, warum Fans auch heute noch sehnsuchtsvoll auf das Original zurückblicken.

Resident Evil (jetzt kaufen ) ist ein ziemlich dummer Name." So lautet typischerweise die erste Antwort, wenn man Shinji Mikami nach seiner Meinung über Capcoms Horror-Serie Biohazard befragt. Gerade der Japaner muss es wissen, ist er doch maßgeblich an der Entstehung des Spiels beteiligt gewesen, welche außerhalb von Japan den für uns eher bekannten Titel Resident Evil trägt und erstmals 1996 für die Sonys Playstation erschien.

Doch ganz egal, bei welchem Namen man das Kind nun nennt: Resident Evil/Biohazard gilt als eines der wegweisendsten Spiele seiner Generation und machte nicht nur das Genre des Survival-Horror massenmarkttauglich, sondern verhalf auch Capcom selbst nach einem bedrohlichen Tief wieder zu neuen Höhen.

Ein Sommerausflug

Resident Evil auf dem Game Boy Color lässt sich jetzt in einer fast fertigen Version spielen. Quelle: PC Games Der Albtraum hat begonnen: Sonderlich freundlich sieht dieser Zeitgenosse, den ihr im Herrenhaus findet, ja nicht gerade aus. Wie sich schnell herausstellt, sprechen die Zombies in Resident Evil nur die Sprache der Gewalt. Blickt man heute auf den Entstehungsprozess von Resident Evil zurück, unterscheidet sich das Spiel so ziemlich von allem, womit Capcom in den Jahren zuvor sein Geld gemacht hat. Ob nun Mega Man, Street Fighter oder die unzähligen Disney-Versoftungen: Mit Resident Evil hatte der japanische Konzern etwas völlig Neues und sehr Erwachsenes in der Mache. Im Jahr 1998 kommt es in der Umgebung der fiktiven US-Kleinstadt Raccoon City zu schreckenserregenden Mordfällen, mit denen selbst die Polizei nicht fertig wird.

Als eine Spezialeinheit namens S.T.A.R.S. (Special Tactics And Rescue Service) entsendet wird, um in den Wäldern nach dem Rechten zu sehen, stoßen die Mitglieder dort auf ein geheimes Anwesen. Und sie sind nicht alleine: Zombieartige Kreaturen streifen durch die Gänge und machen Jagd auf die überlebenden Kameraden, welche die Flucht ins Herrenhaus überstanden haben. Schnell ist klar, was zu tun ist: dem Geheimnis dieses real gewordenen Albtraums auf die Spur kommen und irgendwie einen sicheren Weg nach Hause finden. Doch das gestaltet sich schon bald schwieriger als gedacht, gibt es doch kaum Anzeichen dafür, wo man mit der Suche beginnen soll.

Der Überlebenskampf beginnt

Ein Schockmoment im richtigen Augenblick lässt so manchen Controller durchs Zimmer fliegen. Resident Evil verstand sich meisterlich in dieser Tugend. Quelle: PC Games Ein Schockmoment im richtigen Augenblick lässt so manchen Controller durchs Zimmer fliegen. Resident Evil verstand sich meisterlich in dieser Tugend. Resident Evil überlässt es zu einem Großteil euch selbst, welche Bereiche des Herrenhauses ihr als Nächstes erkundet. Viele Bereiche sind anfangs noch verschlossen oder werden von den untoten Bewohnern des Anwesens bevölkert, weshalb ihr euch schleunigst auf die Suche nach Schlüsselgegenständen, neuen Waffen und Munition machen müsst. Der Verlauf eurer Überlebens-Odyssee hängt dabei stark von der anfangs gewählten Spielfigur ab. Entscheidet ihr euch für die Mechanik-Spezialistin Jill Valentine, könnt ihr nicht nur mehr Items tragen, sondern mit eurem Werkzeug sogar einige verschlossene Türschlösser knacken.

Diverse Rätsel im Spiel müssen je nach Spielfigur anders gelöst werden. Chris Redfield etwa versteht nichts vom Klavierspielen, Rebecca hingegen schon. Quelle: PC Games Diverse Rätsel im Spiel müssen je nach Spielfigur anders gelöst werden. Chris Redfield etwa versteht nichts vom Klavierspielen, Rebecca hingegen schon. Chris Redfield hingegen versteht sich besser auf den Umgang mit Schusswaffen, hat dafür aber nur Platz für sechs Gegenstände. Einsteigern wird auch heute noch nahegelegt, ihren ersten Durchgang lieber mit Jill zu probieren, ehe sie sich am Szenario von Chris probieren. An der Story oder den erkundbaren Arealen - später durchforstet ihr auch einen Außenbereich, die Mannschaftsquartiere und eine unterirdische Geheimanlage - ändert sich durch die Wahl eurer Spielfigur aber nichts. Lediglich eine Handvoll Räume werden für einen der beiden Charaktere zum Lösen von Rätseln relevanter.

2D vor 3D

Lange Zeit ein Knackpunkt der Serie: das Inventarsystem. Kleine Schlüssel nehmen in euren Taschen genauso viel Platz weg wie eine fette Schrotflinte. Quelle: PC Games Lange Zeit ein Knackpunkt der Serie: das Inventarsystem. Kleine Schlüssel nehmen in euren Taschen genauso viel Platz weg wie eine fette Schrotflinte. Ursprünglich war für Resident Evil vorgesehen, das Projekt mit einer reinen 3D-Engine zu realisieren, welche sich aber mit der Hardware der Playstation nicht ansprechend genug umsetzen ließ. Stattdessen setzte Capcom daher auf 3D-Charaktermodelle mit vorgerenderten Hintergründen, die zu ihrer Zeit einen fast fotorealistischen Eindruck vermittelten. Die ungewöhnlich echt wirkende Optik trug großen Anteil an der enorm spannenden Atmosphäre, welche bei so manchem Spieler für einen unruhigen Schlaf sorgte. Für situativen Nervenkitzel sorgten zudem viele gemein gesetzte Kamerawinkel: Den Zombie konnte man zwar schon um die Ecke heranschlurfen hören, aber eben nicht sehen.

Die technische Ausrichtung sorgte mit ihren nicht frei justierbaren Kameraperspektiven allerdings auch für so manche Probleme, etwa bei der Steuerung. Um eure Figur nach vorne laufen zu lassen, musstet ihr das Steuerkreuz nach oben drücken - egal von welchem Winkel aus ihr eure Figur gerade betrachtet habt. Seitwärtsschritte waren nicht möglich, denn durch einen entsprechenden Tastendruck dreht sich der Charakter nur um die eigene Achse. So wurde Resident Evils Steuerung schon frühzeitig spöttisch als "Tank-Controls" bezeichnet. Ein Problem, das erst viel später mit der HD-Neuauflage des Remakes (siehe Extrakasten) gelöst wurde.

Rebecca, is that you?

Resident Evil: Retro-Special zum Horror-Klassiker Quelle: PC Games Resident Evil: Retro-Special zum Horror-Klassiker Auch wenn Resident Evil alles andere als perfekt war, traf es bei seiner Erstveröffentlichung genau den Nerv der Spieler und verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Natürlich erkannte Capcom schnell, was für einen Goldschatz sie da an Land gezogen hatten, und begann zügig damit, das Spiel auf andere Plattformen zu portieren. Bereits im Dezember des gleichen Jahres erschien eine inhaltsgleiche, technisch aber eher halbherzige PC-Umsetzung, im Juli 1997 eine akzeptable Fassung für den Sega Saturn. Ebenfalls im Jahr 1997, quasi als eine Art frühzeitiges Jubiläum (heute sagt man dazu "Game of the Year"-Edition), veröffentlichte Capcom den Resident Evil Director's Cut.

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