Resident Evil 3 im Test: Spektakulär und spannend, aber nicht so gut wie der Vorgänger
Test 35,99 €
Am 3. April ist es bereits soweit: Raccoon City öffnet seine virtuellen Pforten und Capcom stellt euch nicht nur jede Menge Zombies entgegen, sondern hetzt auch noch die Bio-Waffe Nemesis auf euch. Wir haben das Remake von Resident Evil 3 sowie den ebenfalls entahltenen Multiplayer-Modus Resistance getestet und verraten euch, warum der Titel verdammt gut ist, aber nicht an Resi 2 herankommt.
Nur etwa 14 Monate nach dem großartigen und extrem erfolgreichen Remake von Resident Evil 2 veröffentlicht Capcom auch schon die Neuauflage des dritten Teils, dessen Original Anfang des Jahres 2000 in Europa erschien. Trotz des geringen Zeitraums zwischen den beiden Resi-Remakes erwarten die Fans der Reihe natürlich, dass auch dieser Survival-Horror-Klassiker mit Sinn und Verstand in die Moderne gebracht wird, ohne das Flair des Originals einzubüßen. Dies ist auch weitestgehend gelungen, dennoch kann Resident Evil 3 nicht ganz so sehr überzeugen wie der Vorgänger. Da hilft auch nicht der ebenfalls enthaltene asymmetrische Multiplayer-Modus Resistance.
Resident Evil 3 im Test
Stadt der Verdammten
Quelle: PC Games
In Resident Evil 3 übernehmt ihr die Rolle von Jill Valentine, die aus Raccoon City flüchten muss.
Wie schon im Original übernehmt ihr in Resident Evil 3 (jetzt kaufen / 35,99 € ) die Rolle von Jill Valentine, die Serienfans schon aus dem ersten Teil bekannt ist. Nach den Geschehnissen im Herrenhaus des ersten Resident Evil wurde Jill von ihrem Posten in der Polizei-Sondereinheit S.T.A.R.S. suspendiert und ermittelt nun auf eigene Faust gegen die Umbrella Corporation, welche für den zombiefizierenden Virus im Herrenhaus verantwortlich war und offenbar noch ganz andere Experimente durchführt.
Jill wird allerdings gezwungen, aus Raccoon City zu fliehen, denn der T-Virus hat die Stadt erreicht und verwandelt die Einwohner in blutdürstige Untote. Nun regiert Chaos auf den Straßen. Das ist jedoch nicht die einzige Herausforderung für Jill, denn Umbrella möchte sämtliche verbliebenen S.T.A.R.S.-Mitglieder beseitigen. Dafür entsenden sie die Bio-Waffe Nemesis nach Raccoon City. Der extrem mutierte Tyrant ist enorm widerstandsfähig, intelligent genug, um schwere Waffen zu nutzen, und heftet sich an Jills Fersen. Glücklicherweise trifft Jill auf den Söldner Carlos Oliveira, der ihr hilft. Allerdings gehört Carlos zu einem von Umbrella beschäftigten Einsatzteam. Kann Jill Carlos und seinen Kameraden trauen?
Quelle: PC Games
Dank der RE Engine ist auch das Remake von Resi 3 ein Augenschmaus. Das Licht-und-Schatten-Spiel ist wunderschön.
Schöne Lichter, fiese Bisse
Genau wie das Remake des zweiten Teils und davor schon Resident Evil 7 setzt auch die Neuauflage von Resi 3 auf Capcoms eigene RE Engine, die auch hier wieder für eine schöne Optik und vor allem für hervorragende Lichteffekte sorgt. Im Vorgänger ergab das gerade zu Anfang eine tolle Gruselstimmung, da ein einzelner Lichtschein im Dunkel des Polizeireviers verkündete, dass irgendwo vor einem etwas lauern könnte.
Resident Evil 3 ist da anders. Diesmal bewegt man sich eben hauptsächlich durch eine Großstadt, die selbstverständlich trotz des grassierenden T-Virus mehr Lichtquellen bietet als das RPD-Quartier, in dem der Strom abgestellt wurde. Wenn man von den Neonlichtern der Reklame angestrahlt wird und sich die grellen Farben auf dem nassen Asphalt spiegeln, wird einem direkt eine andere Atmosphäre vermittelt.
Das ist auch passend, denn Resi 3 unterscheidet sich auch hinsichtlich des Spielgefühls vom Vorgänger. Statt des sich langsam anschleichenden Horrors, der einen in die Irre führt, mit Ängsten spielt und schließlich in einem großen, Panik auslösenden Moment gipfelt, konfrontiert euch Resident Evil 3 mit Terror. Die Straßen von Raccoon City sind natürlich weitläufiger als die Gänge im Vorgänger und selbstverständlich konnte der Virus hier mehr Opfer finden, sodass euch auch viel mehr Gegner erwarten.
Quelle: PC Games
Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Splatter- und Gore-Faktor etwas zurückgefahren. Köpfe zerplatzen seltener.
Dadurch hat natürlich auch das Spieltempo angezogen. Man kann die Untoten nicht alle abwehren, weil sonst die Munition ausgeht. Zudem sind sie sogar oft so zahlreich, dass sie einen einkesseln können. Also nutzt man explosive Fässer oder nimmt die Beine in die Hand, rennt geschickt zwischen den Zombies durch und nutzt die Ausweich-Funktion auf der rechten Schultertaste. Betätigt man diese, führt man einen Ausweichschritt aus.
Drückt man sie genau im richtigen Moment, bevor ein Gegner mit einer Attacke treffen kann, führt Jill eine Rolle aus, die für größeren Abstand zwischen ihr und dem Feind sorgt. Die Aktion ist teilweise jedoch etwas fummelig und reagiert nicht immer so, wie man es eigentlich möchte. Gerade zu Beginn des Spiels wirft man sich teilweise aus Versehen den Gegnern in die Arme. Das ist besonders blöd, da man Bisse eigentlich gar nicht mehr abwehren kann.
Im Vorgänger konnte man dafür die Messer nutzen, die aber mit der Zeit kaputt gingen. Nun zeigt das Messer zwar keinerlei Verschleiß, lässt sich in diesen Momenten aber nicht mehr einsetzen. Man wird zwar vom Spiel aufgefordert, auf die Aktionstaste zu hämmern, aber man wird trotzdem jedes Mal gebissen und büßt so Lebensenergie ein, die man serientypisch mit Kräutern oder Erste-Hilfe-Spray auffrischen muss. Die Beißerei nervt deshalb schon mal. Gerade da es im späteren Spielverlauf ein paar Stellen gibt, in denen man einem Gegner nicht ausweichen kann, wenn man die Szene nicht schon bereits kennt.
Quelle: PC Games
Trotz der kurzen Spielzeit verschlägt es euch an mehrere Orte. Hier kämpfen wir uns durch die Kanalisation.
Schneller als der Tod
Trotz dieser Ärgernisse macht das Gameplay von Resident Evil 3 viel Spaß. Das Gunplay ist immer noch so gut wie im Vorgänger, obwohl das Treffer-Feedback nicht mehr ganz so toll ist, da der Splatter- und Gore-Faktor ein wenig zurückgeschraubt wurde. Schädel explodieren nicht mehr so häufig wie im Resi-2-Remake und auch Körperteile lassen sich nicht mehr gezielt abtrennen. Resident Evil 3 ist aber natürlich immer noch hart. Das Blut spritzt und die Gegner sehen herrlich widerlich und furchteinflößend aus.
Die Kämpfe machen auch deshalb Spaß, da Resi 3 euch nach und nach viele verschiedene Kreaturen entgegenstellt, die teilweise auch unterschiedliche Schwachpunkte haben. Neben Normalo-Zombies trefft ihr beispielsweise auch auf Drain Deimos in deren Insektennest, Hunter Gammas in der Kanalisation oder garstige Tentakel-Mutationen. Diese Gegner trifft man bereits zu Anfang und über weitere Kreaturen und Schauplätze bewahren wir lieber Stillschweigen, um euch die Überraschung nicht zu verderben.
Wie schon erwähnt, hat Resi 3 allgemein ein höheres Spieltempo als Teil 2. Ihr braucht aber keine Sorge haben, dass hier nur gehetzt wird. Die Story wird flotter erzählt, sodass man auch schneller zu neuen Schauplätzen gelangt, doch Capcom wechselt immer wieder das Pacing. Nach einem Abschnitt, in dem man durch die Stadt gejagt wird, folgt auch wieder eine ruhigere Passage, die etwas mehr auf Horror setzt und wo man wieder durch engere Gänge schleicht.
Quelle: PC Games
In den Abschnitten mit Carlos wird nicht nur geballert. Es gibt auch gruselige Passagen wie im Vorgänger.
Hier teilt sich das Gameplay auch ein wenig zwischen den beiden spielbaren Charakteren auf. Richtig gelesen: Ab und zu dürft ihr nämlich auch Carlos durch Raccoon City steuern. Mit dem schwer bewaffneten Söldner dürft ihr teilweise ordentlich losballern und eine ganze Zombiehorde endgültig ins Jenseits schicken. Allerdings gibt es auch echte Horror-Abschnitte mit Carlos, die an das ruhigere Tempo des Vorgängers erinnern. Dieses Zur-Ruhe-Kommen tut dem Spielablauf gut und bringt Abwechslung ins Spiel.
Jills Passagen spielen sich hingegen selbst in ruhigeren Momenten etwas gehetzter, da sie eben auch oft von Nemesis (zu dieser Bestie kommen wir gleich) verfolgt wird. Da sich Resident Evil 3 schneller von Abschnitt zu Abschnitt bewegt, gibt es keinerlei Leerlauf und auch das Backtracking wurde im Vergleich zum Vorgänger stark reduziert. Hauptsächlich im ersten Abschnitt muss man ein wenig hin und her laufen, um - klassisch Resident Evil - nach und nach benötigte und hilfreiche Items einzusammeln.
Quelle: PC Games
Im Gegensatz zum Resi-2-Remake gibt es hier kaum Rätsel. Die wenigen Knobeleien sind zudem extrem einfach zu lösen.
Ihr findet also Gegenstände, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder Türen zu öffnen, aber auch neue Waffen oder gar dringend benötigte Taschen, welche jeweils euer Inventar um zwei zusätzliche Item-Slots erweitern. Dennoch hat das angezogene Spieltempo auch ein paar Nachteile. So gibt es in Resi 3 kaum Rätsel und die vorhandenen sind auch noch viel zu einfach. Zudem ist das Spiel (genau wie schon das Original) ziemlich kurz. Selbst Zocker, die nicht riesige Resi-Fans sind, können den Titel auf dem zweiten von insgesamt drei Schwierigkeitsgraden beim ersten Anlauf recht problemlos in unter sechs Stunden durchspielen.
Wie schon beim Vorgänger hat sich Capcom wohl genau überlegt, was man vom Original überarbeiten, behalten und wegschmeißen kann. Resident Evil 3 hat hier einfach weniger "Fleisch" als Teil 2. Die Rätselkritik soll hier auch nicht so verstanden werden, dass man dadurch die Spielzeit hätte strecken sollen, denn das würde schließlich auch negativ auffallen. Es ist einfach so, dass man sie als Resi-Fan vermisst. Zudem wird eh schon Spielzeitstreckung betrieben, denn ein Abschnitt wurde komplett aus Resident Evil 2 recycelt. Das war auch schon im Original so, das fällt heutzutage aber natürlich negativer auf als damals. Immerhin erfährt man so ein paar nette Hintergrundinfos zum Vorgänger, denn Resi 3 spielt die meiste Zeit vor den Geschehnissen von Part 2.
