Redfall im Test: Ein Pflock ins Herz für alle Vampir-Fans (+Video)
Test 35,99 €
Seit dem 02. Mai ist die Jagd auf Vampire mit Redfall eröffnet. Doch der Loot-Shooter für PC und Xbox Series enttäuscht in vielerlei Hinsicht. Wir haben den (Achtung Wortwitz!) blutleeren Koop-Titel von Arkane Austin getestet.
60 FPS? Von wegen!
Story, Spielwelt und Gameplay zeigen deutliche Schwächen, die Performance gibt Redfall den finalen großen Dämpfer. Auf dem PC sollte der Shooter mit 60 Bildern pro Sekunde laufen, in den meisten Fällen sind wir davon aber meilenweit entfernt. Nicht nur in Kämpfen oder beim Wechsel in ein anderes Stadtviertel gerät das Spiel gehörig ins Ruckeln, auch beim normalen Bummel durch die leeren Ortschaften sinkt die Framerate teilweise auf unter 30.
Dazu laden Texturen äußerst spät, Grafikfehler ploppen plötzlich ins Bild und bei jedem Betreten der Unterschlupfe sowie der Basis unterbrechen Ladezeiten das Geschehen. Außerdem zappeln die Leichen etlicher getöteter Gegner weiter am Boden herum. Die Performance ist ein Witz und ein Blockbuster-Titel wie Redfall hätte so nicht auf den Markt kommen dürfen. Auf der Xbox läuft das Ding standardmäßig mit lediglich 30 FPS. Erst durch einen Patch in der Zukunft soll auch diese Version flüssiger dargestellt werden. Ob das Spiel jedoch jemals auf durchgängige 60 Bilder pro Sekunde hinbekommen wird, zweifeln wir derzeit an.
Noch mehr Probleme im Koop-Modus
Vermutlich kommt es mittlerweile nicht mehr überraschend, wenn wir sagen, dass die Schwierigkeiten auch im Koop-Modus weitergehen. Bis zu vier Spieler können sich in den Vampir-Shooter stürzen. Der Host gibt die Gegnerstärke vor, ein richtiges Balancing der Feinde steht also nicht zur Verfügung.
Eine Lobby, in der wir uns Zufallsbekanntschaften anschließen können, suchen wir vergeblich. Bisher lässt sich die Kampagne also nur mit Freunden spielen. Die einzigen Unterschiede zur Solokampagne sind, dass wir nicht direkt sterben, sondern erst k.o. gehen und danach wiederbelebt werden können. Zudem entwickeln unsere Charaktere eine Verbindung zueinander. Für das Gameplay spielt das keine Rolle, wir hören einfach nur mehr Dialoge der Figuren untereinander.
Mehr Spielspaß als im Einzelspielermodus kommt daher auch nicht auf, denn die Stadt bleibt komplett leer. Eine Verständigung ohne Headset über ein Befehlsrad ist auch nicht möglich. Lediglich Wegpunkte lassen sich anpingen.
Vielleicht den Bug des Jahres hatten wir, als wir nach einer Koop-Session am nächsten Tag wieder zurück in den Solo-Part wechselten. Nach wie vor hörten wir Stimmen, Kampfgeräusche und Schritte der Charaktere unserer nicht mehr vorhandenen Mitspieler. Erst nach dem erneuten Schließen der Anwendung waren unsere Geisterfreunde für immer von uns gegangen.
Veraltete Grafik, nervige Einzeiler
Neben den riesigen Performance-Problemen sticht die Grafik ebenfalls nicht gerade positiv heraus. Die Stadt Redfall selbst sieht zwar schick aus und auch die Innenaustattungen können sich durchaus sehen lassen, aber die komplette Landschaft ist absolut steril. Außer Bäumen und Gräsern, die sich ganz leicht im Wind bewegen, tut sich nicht viel auf dem Bildschirm.
Manche Effekte sind zudem so lausig, dass wir unseren Augen nicht trauen wollten. Durch ein paar Kugeln können wir beispielsweise geparkte Autos und Quads zur Explosion bringen. Nach einem kurzen Knall sehen die Fahrzeuge jedoch beinahe unverändert aus. Andere Objekte wie Kisten oder Pylonen lösen sich nach einem Treffer mit einer Knarre wie durch Geisterhand auf.
Die Waffen klingen dabei wenigstens schön wuchtig. Allgemein haben wir am Sound des Spiels wenig auszusetzen. Die Effekte knallen ordentlich und die deutsche Vertonung ist ebenfalls gut gelungen. Vielmehr stören die nervigen Einzeiler, die sowohl die NPCs als auch unser Charakter in hoher Regelmäßigkeit von sich geben.
Quelle: Arkane Austin
Wenn wir alle fünf Minuten "Fahren wir den Adrenalinspiegel mal ein bisschen runter, ja?" hören, dann nutzt sich das schneller ab als Draculas Zahnseide. Das vor kurzem erschienene Dead Island 2 hat auch in diesem Punkt deutlich die Nase vorne. Redfall driftet dagegen häufiger ins Fremdschämen ab.
Warum es möglich ist, in unserer Basis mit unzähligen Leuten zu sprechen, die dann aber nichts außer "Hmmm" im Wortschatz haben, lässt sich ebenfalls nicht nachvollziehen. Der Titel wirkt an einigen Stellen einfach unfertig.
Selbst mit einigen Monaten mehr Entwicklungszeit hätte sich wohl nicht allzu viel an unserer Wertung verändert. Dafür liegt beim Shooter zu viel im Argen. Wir hoffen, dass zumindest die Performance in den nächsten Wochen durch einige Patches verbessert werden kann. Denn ein komplettes Desaster ist Redfall nun auch nicht. Es hakt nur an vielen Orten gleichzeitig.
Der Titel von Arkane Austin und Publisher Bethesda ist seit dem 02. Mai für PC und Xbox Series verfügbar. Für Besitzer des Game Pass gibt's das Spiel seit dem Releasetag gratis. Ansonsten kostet der Vampir-Shooter in etwa 70 Euro. Zwei weitere Charaktere und ein 60-FPS-Modus für die Xbox-Konsolen sollen in der Zukunft nachgereicht werden.
