Redfall im Test: Ein Pflock ins Herz für alle Vampir-Fans (+Video)
Test 35,99 €
Der Loot-Shooter Redfall enttäuscht auf PC und Xbox Series in vielerlei Hinsicht. Wir haben den blutleeren Koop-Titel von Arkane Austin getestet.
Hochgeklappte Bordsteine
Wenn zumindest auf den Wegen zu den Quests ein wenig mehr los wäre, könnten wir das noch verschmerzen, doch die Straßen Redfalls sind so leer wie eine Strandpension auf Rügen bei -10 Grad. Wir müssen regelmäßig einige Minuten durch die Stadt laufen, um überhaupt auf einen Gegner zu treffen. Menschliche Feinde sind dann mit einem gezielten Schuss in den Kopf besiegt und auch Vampire können uns alleine relativ wenig anhaben. Schließlich bekommen wir recht schnell starke Waffen, mit denen auch die Blutsauger im Handumdrehen zu Asche zerfallen.
Es ist irgendwo nachvollziehbar, dass sich die Vampire nicht abnutzen sollen und daher nicht an allen Ecken und Enden auf uns warten, doch die Spielwelt von Redfall ist dadurch schlicht gähnend langweilig. Zumindest einige Häuser und Läden sind mit einem Schlüssel oder über Umwege übers Dach begehbar. Dort treffen wir meistens ebenfalls den ein oder anderen Gegner. Allerdings reagieren manche Blutsauger nur, sobald wir auf sie schießen und bis dahin haben sie schon einen Pfahl im Herz. Das liegt einerseits an einem schwachen Waffen-Balancing, andererseits aber auch an der katastrophalen KI, die ihren Namen absolut nicht verdient hat.
Dümmer als ne Horde Zombies
Wenn wir doch einmal auf einen feindlichen NPC treffen, sind die Kämpfe größtenteils zügig vorbei. Wie bereits geschrieben, erledigen wir menschliche Gegner mit einem Schuss in die Rübe. Das geht auch ganz einfach, denn viele Gegner reagieren viel zu spät auf uns.
Obwohl wir nur wenige Meter neben ihr einen Kollegen ausknipsen, bekommt es die KI teilweise nicht mit. Manche NPCs schalten sogar in den Pazifistenmodus und tänzeln um uns herum, ohne zu feuern. Und dann gibt es da noch die miserable Wegfindung. Türen oder halb heruntergelassene Rolltore sind für unsere Feinde unüberwindbar.
Dazu laufen sie auch noch gerne gegen Wände und kleinere Hindernisse am Boden, glitchen ineinander und schießen schlechter als ein halbstarker Teenager am Jahrmarktstand. Sogar in Bossfights reicht es häufig aus, sich hinter einer Säule zu verstecken, um nicht mehr getroffen zu werden.
Da es verschiedene Gruppierungen wie Soldaten, Kultisten und Vampire gibt, entdecken wir manchmal auch Kämpfe unter diesen Fraktionen. Das ist ein ziemlich cooles Feature, das allerdings auch wieder unter der schlechten KI leidet. Meistens mischen wir uns dann ein und machen dem Grauen eben ein schnelles Ende.
Lieber Pflocken als Blocken
Wie es sich für einen Loot-Shooter gehört, erhalten wir durch abgeschlossene Missionen, geknackte Safes und Waffenkisten regelmäßig frische Schießeisen. Handfeuerwaffen, Schrotflinten und Sturmgewehre sind bei den klassischen Waffen dabei. Außerdem stehen uns UV-Strahler und Pflockwerfer für die fiesen Blutsauger zur Verfügung.
Neben dem Pflockwerfer lässt sich auch beinahe jede Waffe mit einem Pflock aufrüsten, um den Vampiren den Gar auszumachen. Mit normalen Waffen funktioniert das nämlich nicht. Erst im späteren Verlauf des Spiels finden wir Knarren, die Graf Draculas Verwandtschaft direkt zu Asche verarbeiten.
Ausrüsten können wir jedoch nur drei Waffen gleichzeitig. Unser Inventar quillt mit insgesamt 40 freien Waffenslots dagegen komplett über. Während das Belohnungssystem gut funktioniert, schließlich freuen wir uns immer über neue Hilfsmittel im Kampf, stellt uns das Spiel beim Waffenwechsel vor größere Herausforderungen.
Möchten wir die ausgerüsteten Waffen tauschen, müssen wir umständlich ins Inventar gehen, um die Knarre zu wechseln. Der problematische Part dabei ist, dass das Spielgeschehen nicht unterbrochen werden kann und im Hintergrund weiterläuft. Gerade im Kampf gegen Vampire sind wir bis zum Waffenwechsel häufig schon gestorben. Ein Waffenrad wie in Dead Island 2 hätte hier deutlich mehr Sinn ergeben.
Zumindest das Kampfsystem macht über weite Strecken durchaus Laune. Das Pflocken der Vampire kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Perfekt ist es definitiv aber nicht. Bei den schnellen Bewegungen und Teleportationen der Blutsauger ist es nicht nur extrem schwierig, die Viecher zu erwischen, hin und wieder funktionieren auch die Hitboxen der Gegner nicht. Das Treffer-Feedback lässt ebenfalls stark zu wünschen übrig und Blocken können wir Angriffe auch nicht.
An viele Feinde können wir uns von hinten anschleichen, mehr als eine sehr dürftige und deplatziert wirkende Box-Animationen hat es aber nicht ins Spiel geschafft. Gerade bei einem Titel von Arkane ist es schon ein wenig erstaunlich, dass wir keine richtigen Stealth-Kills ausführen können. In unserer Basis gibt's außerdem unterschiedliche Händler, bei denen wir Heilmittel, Waffen und Ausrüstung kaufen können. Die Credits dafür werden direkt beim Einsammeln von Gegenständen umgewandelt. Das hat was und erspart nerviges Verkaufen.
