Boston macht es vor: Von diesem eSports-Event kann Deutschland noch was lernen!
Kolumne
Entertainment, Gaming und Community - eSports ist mehr als nur digitaler Sport, und Deutschland gerät ins Hintertreffen.
Der eigentliche Star des Invitationals ist für mich aber gar nicht mal das Spiel, sondern das Rahmenprogramm. Natürlich ist so ein klassisches Sport-Event ähnlich aufgebaut: Unten sitzen die Star-Spieler, die um eine siebenstellige Summe spielen, ringsherum hocken die Fans und feuern ihr Team an. Nur ist hier alles etwas nahbarer.
Das Event fand in der MGM Music Hall statt, einer Kracher-Location direkt neben dem Stadion der Boston Red Sox. Normalerweise gibt's hier Konzerte, doch die Location machte sich auch super als eSports-Kessel. Spätestens als ein Orchester das Wochenende und später das Finale eröffnete, war klar: Hier wird's episch.
Erst recht, als die donnernden Schüsse durch die Halle wummerten. Besonders in Shootern ist der Sound extrem wichtig. Umso beeindruckender, dass die Übertragung des Sounds so stark umgesetzt wurde.
Quelle: PC Games
Doch nicht nur technisch wusste das Event zu überzeugen. Auch wenn kein deutsches Team an diesem Wochenende dabei war, tat das meiner Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ich war sogar froh, den Faze-Clan im Finale zu sehen und mich von der Stimmung mitreißen zu lassen.
BDS hatte fast schon Heimvorteil, obwohl die Franzosen über den großen Teich mussten. Die ganze Halle stand hinter ihnen - zumindest, nachdem Unwanted aus dem Turnier geflogen war. Mit "Dream" hatten die einen absoluten Fan-Liebling auf ihrer Seite. Einstudierte Jubelgesänge, tanzende Brasilianer und "Dream is sexy"-Rufe bestimmten den Finaltag.
Bevor es richtig zur Sache ging, konnte sich eSports wieder als besondere Art des Entertainments zeigen. Ähnlich wie bei anderen Spielen wie Valorant gab es vor dem Finale ein Show-Match mit Influencern und Überraschungsgast Dream. Statt klassisch wurde mit eigenen Regeln gespielt: Gewann ein Team, durfte es den Gegnern einen fiesen Nachteil verpassen. Aufgaben wie "Nicht nachladen" oder "Stehen bleiben, wenn der Moderator sich umdreht" sorgten für ordentlich Chaos.
Am Ende sicherte sich Faze den Weltmeister-Titel. Für mich ein netter Bonus, weil ich die Truppe früher schon in Call of Duty und Counter-Strike mochte. Im Grunde war das aber egal, weil für mich das Event, der Trubel, die Fans und die Unterhaltung im Vordergrund standen.
Quelle: PC Games
Leider gab es davon in letzter Zeit zu wenig in Deutschland. Die ESL One ist Geschichte und vereinzelte, kleine Events bestimmen das Bild. Mittlerweile haben sich wieder einige größere Veranstaltungen nach Deutschland verirrt, gerade im Bereich Counter-Strike und Dota.
Es muss ja nicht gleich die Olympiahalle sein, aber ich wünsche mir ein paar Leuchttürme, auf die man sich freuen kann. Ich bin zwar kein großer Fan des eSports-Gedankens in EA Sports FC, aber Fußball ist doch der einfachste Einstieg.
Gebt uns Public Viewing großer Events in Kneipen, mehr Leidenschaft und Spaß an unserem Hobby und vor allem: Gebt uns Struktur für den eSports in Deutschland. Sonst werden die starken europäischen Teams ihrer Rolle bald nicht mehr gerecht.
Transparenzhinweis: Ubisoft zahlte die Anreise für das Event.
