Größeres Studio, kleinere Spiele: Quantic Dream tritt die Flucht nach hinten an

Special Antonia Dreßler
Größeres Studio, kleinere Spiele: Quantic Dream tritt die Flucht nach hinten an
Quelle: Quantic Dream

Beim Studiobesuch bei Quantic Dream stellt der Entwickler sein neues Publishing-Label vor und will von Star Wars Eclipse erst mal nichts hören.

Augenscheinlich ein Paradies

Als Besonderheit nennt Guillaume, dass sie gerade an einer eigenen Technik zur Gesichtsaufnahme via Helmkamera arbeiten, die etwas anders funktionieren soll als das, was es bisher gibt. Ein wenig skeptisch frage ich nach, warum man Geld in die Erforschung einer Sache steckt, die so schon längst existiert. "Manchmal ist es besser, mehr zu investieren und eigene Erkenntnisse zu gewinnen. Das kostet zunächst zwar mehr, zahlt sich aber auf lange Sicht aus." Das klingt alles zu gut, um wahr zu sein? Ja, so ging es mir auch. Immerhin hat das Studio auch noch eine Dachterrasse mit eigenem Gemüseanbau, Gemeinschaftsräume mit Flipper, Co-Working-Spaces und auf dem Dach gibt es natürlich Bienen und einmal im Jahr bekommen alle Mitarbeiter ein Glas Honig geschenkt. Die hauseigene Kantine, die mit ausschließlich regionalen Zutaten kocht, brauche ich an der Stelle eigentlich nicht mehr zu erwähnen.

Und wie bei anderen Indie-Studios der Marke Devolver, Annapurna oder Nacon sind die angegliederten Entwickler natürlich ebenfalls wahnsinnig glücklich mit ihrem Publisher.

Klar, hier fließt das Geld, das den Karrieresprung ermöglicht. Die aktuellsten Titel sind erstens Under the Waves, das wir bereits im Rahmen der letzten Gamescom beleuchtet haben.

Mann auf Meeresgrund, im Hintergrund ein Wal Quelle: Quantic Dream

Neuer Publisher für kleine Spiele

Zweitens er bereits angekündigte Titel Dustborn, über den wir aber noch nichts weiter sagen dürfen und Lysfanga, ein ehemaliges Studentenprojekt aus Paris. Letzteres erinnert auf den ersten Blick an eine Mischung aus Hades und Prince of Persia - also das Gegenteil von innovativ -, birgt aber erstaunlich tiefgreifendes Gameplay, das so gar nichts mit den vermeintlichen Inspirationsquellen zu tun hat.

In der Iso-Perspektive kämpfen wir in Arenen gegen Monster und drehen dabei die Zeit zurück, um mit neuen Klonen alle Monster taktisch klug, möglichste schnell auszuschalten.

Das entpuppt sich als ein lineares Abenteuer, dass sich ein wenig wie ein Puzzlespiel anfühlt und erstaunlich viel Hirnschmalz voraussetzt. Zwar darf ich über Dustborn noch nichts sagen, aber in der Kombination mit Lysfanga und Under the Waves stellt sich das Indie-Publishing-Laber von Quantic Dream direkt zu Beginn stark auf - wenn denn die Spiele ihrem Ersteindruck gerecht werden sollten.

Frau mit Schwert und Schild vor einem mythischen Wesen Quelle: Quantic Dream So wie ich das sehe, hat das französische Studio das Label zwar nur gegründet, um über etwas anderes reden zu können, bis die Entwicklung von Star Wars Eclipse weiter vorangeschritten ist - aber dafür, dass es sich um ein reines Ablenkungsmanöver handelt, stellen sich Quantic Dream beziehungsweise Spotlight gut an, wenn es um die Spieleauswahl und Umsetzung geht.

Allerdings würde ich meine Hand noch nicht dafür ins Feuer legen, dass das rote Q tatsächlich ein Qualitätsmerkmal für Indie-Spiele wird, wie man es sich ganz offensichtlich im Pariser Bürogebäude wünscht. Denn auch, wenn alles einen positiven Schein hat, so steckt Quantic nun mal leider immer noch in der Position, dass man zuallererst einen skeptischen Blick auf das Unternehmen wirft und viele andere aspekte daneben untergehen.

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