Größeres Studio, kleinere Spiele: Quantic Dream tritt die Flucht nach hinten an

Special Antonia Dreßler
Größeres Studio, kleinere Spiele: Quantic Dream tritt die Flucht nach hinten an
Quelle: Quantic Dream

Beim Studiobesuch bei Quantic Dream stellt der Entwickler sein neues Publishing-Label vor und will von Star Wars Eclipse erst mal nichts hören.

"Nein, wir zeigen kein Star Wars: Eclipse": Nichts, was man als Spieleredakteur hören will, wenn man von Quantic Dream nach Paris eingeladen wird. Statt sein großes Ding zu zeigen, will das französische Studio den Fokus auf die genau gegenteilige Sparte legen und präsentiert mir sein neues Indie-Label: Quantic Spotlight. Das bekannte Logo in Q-Form ist unter dieser Marke nun rot statt blau eingefärbt und mir wird mehrmals deutlich gemacht, dass, wenn ich diese Farbe sehe, ich nicht mit Star Wars zu rechnen brauche. Und obwohl es bei meinem Besuch im brandneuen Quantic-Dream-Headquarter gar nicht um den Krieg der Sterne geht, komme ich in fast jedem Gespräch mit den PR-Leuten auf das Thema zurück. Nicht etwa, weil ich so ein großer Star-Wars-Fan bin, sondern weil sich ein paar Mitarbeiter sehr dankbar bei mir darüber auslassen, dass sie einfach genug von dem Thema haben.

Nicht falsch verstehen, es freuen sich alle sehr auf ihr hauseigenes Abenteuer in einer weit entfernten Galaxis, aber wenn über 90 Prozent aller Anfragen genau das Spiel betreffen, das sicherlich nicht im nächsten Jahr fertig wird, dann hat man wohl irgendwann genug von dem Thema.

Und ja, vor 2024 brauchen wir nicht damit zu rechnen, mehr von Eclipse zu hören - ganz sicher wird es auch auf der diesjährigen Gamescom nicht um Star Wars gehen, zumindest nicht vonseiten Quantic Dreams.

Zwei verhüllte Gestalten Quelle: Quantic Dream

Mitarbeiter gesucht

Die Frage, warum ein Spiel so wahnsinnig früh angekündigt wird, wenn man doch weiß, dass es bis zum Release noch etliche Jahre dauert, liegt übrigens an der Art des Recruitings.

Für so ein Mammutprojekt braucht es schlicht und ergreifend eine ganze Menge Entwickler, die Lust auf die Idee haben. Und die bewerben sich vor allem dann, wenn sie wissen, worum es überhaupt geht. Na ja, das und natürlich wollte man bei Quantic Dream auch endlich darüber reden, dass man an einer so coolen Marke arbeitet, erfahre ich mit einem Augenzwinkern.

Und damit schafft es das Studio in Paris mit seinem zweiten Standort in Montreal auf insgesamt über 350 Angestellte. Gleichzeitig sieht sich der Entwickler mit sehr unschönen Vorwürfen konfrontiert.

Angedeutete rechtliche Streitigkeiten mit Schauspieler Eliot Page und die generelle Anschuldigung, eine rassistische und frauenfeindliche Arbeitsatmosphäre zu fördern - Quantic Dream hat zu dem Thema mehrere Statements veröffentlicht, streitet die Vorwürfe zum Großteil ab und war in der Angelegenheit bereits in mehrere Klagen verwickelt, die man teilweise gewann und teilweise verlor.

Das ist ein Thema, das im Zusammenhang mit Quantic Dream erwähnt werden muss. Nun aber schauen wir davon unabhängig auf aktuellen und auch positive Entwicklungen. So zum Beispiel das neue Studiogebäude, das sämtliche Pariser Teams beherbergt.

In Europas erstem zertifizierten Dolby-Atmos-Raum bekomme ich beim Eclipse-Trailer Gänsehaut und der Audio-Regisseur schärft mir und anderen europäischen Gästen ein, dass Kopfhörer ein echtes Heimkino nicht ersetzen können.

Bildergalerie

Und in Europas größtem Motion-Capturing-Studio zeigt Co-CEO und Head of Publishing Guillaume de Fondaumière, wie unkonventionell und zugleich langwierig die Arbeit seines Teams ist. So werden die Schaumstoffwaffen im Regelfall vor Ort gebastelt und für eine Woche Aufnahme gehen bereits im Vorhinein zehn bis 14 Tage Vorbereitung ins Land.

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