Pro Evolution Soccer 2017 ​Test: Wenn auch virtueller Fußball jubeln lässt

Test Thomas Szedlak
Es müllert! 
Die Jubelaktionen sind schön anzuschauen - und erstaunlich Clipping-frei. (PS4)
Quelle: Games Aktuell

Keine Revolution, aber eine konsequente Evolution bringt Pro Evolution Soccer 2017 auf den virtuellen Rasen.

Pünktlich zum bundesligafreien Wochenende Anfang September erreichte uns die Testversion, sodass wir am Samstag um 15:30 Uhr nicht traurig vor der schwarzen Mattscheibe hocken mussten, sondern fröhlich die virtuellen Konami-Kicker über selbige jagen konnten - und trotz nahender Abgabe Zeit für unzählige Matches hatten. Gut so, denn PES 2017 wartet zwar nicht mit revolutionären Features wie einer Virtual-Reality-Pressekonferenz oder einem Story-Modus auf (genug der Absurditäten), dafür aber mit vielen Gameplay-Details, die sich zum Teil erst nach vielen Matches erschließen.

Mut zum Makel

So paradox das klingen mag, aber es sind die unsauberen Aktionen, die unpräzisen Pässe oder die misslungenen Schüsse, die PES 2017 besser machen als den Vorgänger. Weil es realistisch ist, wenn man unter Bedrängnis, bei mäßigem Timing und mit überschaubaren Skills keine perfekte Aktion ausführt. Viele Faktoren spielen eine Rolle, doch dank der hervorragenden, verzögerungsfreien Steuerung hat man es buchstäblich selbst in der Hand, es nach und nach besser zu machen.

Zack-Bumm-Tor! 
Dank der lagfreien Steuerung gelingt das Direktspiel noch besser als beim Vorgänger. (PS4) Quelle: Games Aktuell Zack-Bumm-Tor! Dank der lagfreien Steuerung gelingt das Direktspiel noch besser als beim Vorgänger. (PS4) Abwehrwand: 
Gut zu sehen, wie die Verteidigung mit dicht gestaffelter Viererkette und den beiden Sechsern das Zentrum dicht macht. (PS4) Quelle: Games Aktuell Abwehrwand: Gut zu sehen, wie die Verteidigung mit dicht gestaffelter Viererkette und den beiden Sechsern das Zentrum dicht macht. (PS4) Übersteiger, Sidesteps oder andere Tricks mit dem rechten Stick sind keine Kabinettstückchen für die Galerie, sondern lassen sich flüssig und sinnvoll ins Angriffsspiel integrieren. Wer das gelungene Training mit Herausforderungen in allen Bereichen absolviert hat, kennt noch längst nicht alle Moves. Diese verbergen sich in der Befehlsliste, die unglaublich lang ist und zeigt, dass man Monate damit verbringen kann, sich stetig zu verbessern und alle Steuerungs-Feinheiten zu verinnerlichen.

Die gegnerische Verteidigung agiert kompakter als im Vorjahr, die Viererkette steht eng vor dem Strafraum und verschiebt gut. Wirkliche KI-Bugs haben wir keine erlebt, allerdings fällt es gegen den Computer etwas zu leicht, eine Führung zu verteidigen - in der Realität würde eine knapp in Rückstand liegende Mannschaft einfach offensiver spielen als sie es in PES 2017 macht.

Gespannt waren wir auf die "Adaptive KI", die dafür sorgen soll, dass der Gegner sich auf eure Spielweise einstellt und Gegenmaßnahmen entwickelt. Nach vielen, vielen Testmatches würden wir das Ganze eher als Marketing-Gag einstufen, denn davon war überhaupt nichts zu merken. Dass der Computer auf Gegentore reagiert - also in Rückstand offensiver agiert - ist klar, aber das war früher auch nicht anders und hat mit adaptiver KI nichts zu tun.

Guardiola lässt grüßen

Selbst hat man - wie es im modernen Fußball nun mal an der Tagesordnung ist - viele Möglichkeiten, auf veränderte Spielsituationen zu reagieren oder für Überraschungsmomente zu sorgen. Per Knopfdruck könnt ihr die Offensiv/Defensiv-Ausrichtung verändern, zwischen drei vorher festgelegten Taktiken (4-5-1, 3-5-2 etc.) wechseln sowie festlegen, wie tief oder hoch eure Abwehr stehen soll.

Erweiterte Anweisungen: 
Ihr legt Taktik-Kniffe auf das Steuerkreuz und dürft diese dann während des Matches aktivieren. (PS4) Quelle: Games Aktuell Erweiterte Anweisungen: Ihr legt Taktik-Kniffe auf das Steuerkreuz und dürft diese dann während des Matches aktivieren. (PS4) Standard: 
Die neuen Eckstoßstrategien legen fest, wie sich eure Kameraden im gegnerischen Strafraum verhalten sollen. (PS4) Quelle: Games Aktuell Standard: Die neuen Eckstoßstrategien legen fest, wie sich eure Kameraden im gegnerischen Strafraum verhalten sollen. (PS4) Neu sind die sogenannten erweiterten Anweisungen, von denen ihr vier auf die Steuerkreuz-Tasten legen und jederzeit - auch in Kombination - aktivieren könnt. Bringt das was? Auf jeden Fall! Wenn die gegnerische Abwehr steht wie ein Bollwerk, dann aktiviert "Offensive Außenverteidiger" und knackt die Verteidigung über die Flügel. Bringen euch die präzisen langen Bälle des Gegners zur Weißglut? Dann wählt "Druck auf die Aufbauspieler" und sogleich werden diese automatisch von euren KI-Kameraden angelaufen, wenn sie den Ball bekommen.

Das sind nur einige von zahlreichen Beispielen dafür, wie vielfältig eure taktischen Möglichkeiten sind. Natürlich hat alles auch eine Kehrseite, aber dass offensive Außenverteidiger bei schnellen Kontern hinten fehlen und dass ständiges Rauf- und Runtergerenne an der Linie müde Beine macht, versteht sich von selbst.

Grafisch macht PES 2017 im Vergleich zum Vorgänger noch mal einen Sprung und sieht sehr gut aus. Buchstäblich jeder Grashalm wurde neu gerendert, hunderte neue Animationen hinzugefügt. Vor allem Zweikämpfe und Torwart-Aktionen wirken authentischer als im letzten Jahr. Klasse sehen auch die Spieler aus, wobei die Haut nicht ganz so natürlich wirkt wie beim Konkurrenten FIFA 17.

Das Licht-und-Schatten-Spiel bewegt sich auf hohem, aber ebenfalls nicht auf höchstem Niveau wie beim EA-Sports-Titel. Und es gibt für unseren Geschmack immer noch zu viele Spieler, die man nur erkennt, wenn der Name dabeisteht, was aber auch an der Lizenzproblematik liegen mag.

Gewollt, aber nicht gekonnt

Im letzten Jahr gab es ja einen Wechsel auf dem Kommentatoren-Stuhl, Wolff Fuss (jetzt bei FIFA) wurde durch Marco Hagemann abgelöst, was leider ein großer Rückschritt war. In PES 2017 klingt Hagemann (bekannt von RTL und Eurosport) zwar etwas natürlicher und engagierter, der Kommentar ist aber immer noch ein Schuss in den Ofen.

Tomaten auf den Augen? 
Herrlich, wie die Arsenal-Abwehr den Schiri bedrängt, weil der auf den Punkt gezeigt hat. Völlig zu Recht übrigens - die Leistungen der Unparteiischen sind wesentlich besser als beim Vorgänger. (PS4) Quelle: Games Aktuell Tomaten auf den Augen? Herrlich, wie die Arsenal-Abwehr den Schiri bedrängt, weil der auf den Punkt gezeigt hat. Völlig zu Recht übrigens - die Leistungen der Unparteiischen sind wesentlich besser als beim Vorgänger. (PS4) Viel zu oft passen die Sprüche nicht zum Geschehen und wenn Co-Kommentator Hansi Küpper zu seinen Taktik-Analysen ausholt, dann erkennt man zwar den ambitionierten Ansatz der Entwickler, aber auch die schlechte Umsetzung. Das platte Geschwurbel ist viel zu ausschweifend und oft weiß man gar nicht, über welche der beiden Mannschaften Küpper gerade referiert, weil der Vereinsname nur selten genannt wird - sind doch die meisten Vereinsnamen im Spiel verfremdet.

Auch beim Zuschauer-Sound müsste Konami mal den nächsten Schritt gehen. Klar freut man sich über bekannte Schlachtgesänge, aber der Extasegrad passt oft nicht. Ein 1:5-Ehrentreffer wird eben in der Realität nicht so laut bejubelt wie ein 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit.

Online-Gaming konnten wir mangels Server noch nicht ausprobieren. Erstmals wird aber die PES League integriert, sodass über einen besonderen Modus an Matches der offiziellen PES-Liga teilgenommen werden kann.

Entwickler: Konami | Hersteller: Konami | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 0


Licht und Schatten bei den Lizenzen

Mit Premium-Partnerschaften geht Konami neue Wege in Sachen Lizenzen - rangiert in dieser Disziplin aber trotzdem weit hinter FIFA.

Da stimmt (fast) alles: 
Borussia Dortmund ist eine von acht Mannschaften, die besonders originalgetreu ins Spiel implementiert wurden. (PS4) Quelle: Games Aktuell Da stimmt (fast) alles: Borussia Dortmund ist eine von acht Mannschaften, die besonders originalgetreu ins Spiel implementiert wurden. (PS4) Acht Mannschaften sind in PES 2017 in besonderem Maße vertreten - mit aktuellen Trikots und Symbolen, Gesichts-Scans der wichtigsten Spieler und einer besonders originalgetreuen Spielweise. Dazu zählen neben einigen südamerikanischen Teams auch der FC Barcelona, Liverpool sowie Borussia Dortmund.

Während das beeindruckende Camp Nou schon im Spiel ist, wird die Signal-Iduna-Arena nachgeliefert. Ansonsten fehlen trotz Lizenzen der Champions League und der Europa League die meisten Teilnehmer-Mannschaften. Aus Deutschland sind neben dem BVB noch Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach im Spiel. Die Bayern sind erstmals seit einigen Jahren nicht mehr dabei wegen eines Exklusivdeals mit FIFA. Auch nicht in verfremdeter Form, in der zum Beispiel viele Teams aus Spanien, Italien oder England den Weg ins Spiel gefunden haben.

Natürlich gibt es wieder den Editor und wer keine Stunden - na ja, eher Tage - in das Bauen von Gesichtern, Wappen und Teams investieren will, wartet auf die Editor-Dateien, die sicherlich wieder von Fan-Communitys wie "PESGalaxy" oder "PESgaming" ins Netz gestellt werden und die ihr ins Spiel importieren könnt. Einfach mal googeln.


Meinung

Wertung zu Pro Evolution Soccer 2017 (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Spielablauf wirkt noch echterSieht dank vieler neuer Animationen aus wie in der RealitätGroßartige Steuerung, leicht zu erlernen, schwer zu meisternPremium-Teams sehen klasse ausKeine Torwart-Aussetzer und KI-Bugs mehr
Zu viele Spieler sehen unecht ausKommentar immer noch schlecht
Fazit

Mit Detailliebe macht Konami PES noch authentischer, noch besser. Nur das Drumherum schwächelt etwas.

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