Stundenlang gespielt: Prince of Persia - The Lost Crown wird mein erstes Highlight für 2024
Special
Das neue Prince of Persia soll ein Reinfall sein? Von wegen! Felix hat The Lost Crown stundenlang gespielt und gibt Entwarnung: Ubisofts Metroidvania macht sehr viel richtig.
Wie leicht man eine Ankündigung gegen die Wand fährt, hat Ubisoft im letzten Juni bewiesen. Der erste Trailer zu Prince of Persia: The Lost Crown sollte die Fans begeistern, stattdessen zogen sich Spott und Häme durch die Kommentare: Unsympathischer Held, falsches Genre, Ubisoft habe den Draht zur Zielgruppe verloren - das waren nur einige der Vorwürfe, und ich stimme keinem von ihnen zu.
Nur in einem Punkt gebe ich den Kritikern völlig recht: diese furchtbar unpassende Musik! Sie hat den Ankündigungstrailer ruiniert und einen völlig falschen Eindruck vom Spiel vermittelt. Besonders bei einigen Prinzenfans, die sich ein Comeback des genialen Sands of Time gewünscht hatten, ist das Spiel seitdem unten durch.
Ich sage: Das hat es nicht verdient.
Fast vier Stunden lang habe ich Prince of Persia: The Lost Crown (jetzt kaufen 29,99 € ) gespielt, von Anfang an und ohne Einschränkungen. Mein Ersteindruck: Das wird was! Als Prince of Persia mag es neue Wege gehen, doch wer auf gute Metroidvania-Plattformer steht, sollte sich den 18. Januar schon mal im Kalender markieren.
Gefangen in der Zeit
Streng genommen spielt ihr in The Lost Crown gar keinen persischen Blaublüter, stattdessen müsst ihr einen retten: Ihr steuert den Krieger Sargon, den es nach einem turbulenten Intro auf den verfluchten Berg Qaf verschlägt.
Dort soll er sich eigentlich auf die Suche nach dem entführten Prinzen Ghassan machen, muss aber schnell einsehen, dass er noch ganz andere Sorgen hat: Die Zeit auf dem Berg folgt ihren eigenen Gesetzen, untote Soldaten und verfluchte Kreaturen erheben sich aus dem Sand - der Berg und seine weitläufigen Tempelanlagen entpuppen sich als eine Art riesiges Zeitgefängnis.
Ab hier erkundet man in bester Metroidvania-Tradition: Aus der Seitenansicht flitzt Sargon durch eine zusammenhängende Spielwelt, die schon in den ersten Stunden eine ganze Menge Geheimnisse, Abkürzungen und Abwechslung zu bieten hat.
Damit ihr den Überblick behaltet, gibt's eine ordentliche Kartenfunktion, auf der ihr Notizen und sogar Screenshots anheften dürft. Praktisch! Denn viele Secrets und Pfade könnt ihr genretypisch erst erreichen, wenn ihr später die nötigen Fähigkeiten erhalten habt.
Flüssiges Gameplay
Bei der Steuerung haben die Entwickler gute Arbeit geleistet: Der neue Held turnt mit geschmeidigen 60 Fps durchs Bild - ein Wert, der übrigens auf allen Plattformen erreicht werden soll, sogar auf der betagten Switch. (Hoffen wir mal, dass die Qualität nicht zu sehr darunter leidet!) Sargons Bewegungsrepertoire ist zwar nicht neu, aber gelungen: Egal ob ihr rennt, springt, über den Boden schlittert, Wandsprünge hinlegt oder schnell durch die Luft dasht, alles geht präzise von der Hand.
Das Leveldesign erinnert nicht nur optisch an frühere Prince of Persia-Abenteuer, auch die vielen Gruben, Stachelfallen und anderen Tötungsapparate dürften Fans des Perserprinzen vertraut vorkommen.
Einzig diese wundervoll-märchenhafte Stimmung aus Sands of Time habe noch etwas vermisst - aber vielleicht kommt das ja noch im späteren Spielverlauf. Dann soll Sargon übrigens auch wieder mehrere Zeitkräfte erhalten, doch in den ersten Spielstunden ist davon noch wenig zu sehen. Das Erkunden der Spielwelt macht trotzdem Laune, auch weil mich unterwegs immer wieder Seitenpfade von meinem eigentlichen Ziel weglocken.
Quelle: Ubisoft
Schnell lande ich da zum Beispiel in einem malerischen Wald, später geht's noch in eine Kanalisation, in ein Gefängnis und in ein magisches Archiv - alles übrigens ohne Ladezeit, die Welt scheint hübsch aus einem Guss zu sein. (Nur bei der Schnellreise fallen kurze Ladezeiten an!)
Laut Ubisoft soll die Map sehr umfangreich sein, die Entwickler peilen 20 bis 25 Spielstunden an. Für ein Metroidvania wäre das weit über der Norm. Das schließt auch Nebenquests mit ein, von denen ich schon einige entdeckt habe.
Zum Beispiel bin hinter einer brüchigen Wand auf einen verängstigten Soldaten gestoßen, der sich nach seinem (toten) Kameraden sehnt. Die Aufgabe ist blitzschnell erledigt, doch für Stimmung sorgt sie trotzdem - da macht sich auch die deutsche Sprachausgabe bezahlt.
Hin und wieder lande ich in Räumen, in denen kleine Puzzles auf Sargon warten. Einmal muss ich zum Beispiel mit einer Wurfscheibe mehrere Schalter betätigen, sodass sich ein Mühlrad im Hintergrund mit Wasser füllt und dadurch mehrere Plattformen in die richtige Position gedreht werden. Nicht schwer, aber gut gemacht - hoffentlich gibt's später noch mehr der Sorte!
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Überraschend fordernd
Obwohl Sargon anfangs nur mit Säbeln bewaffnet ist, holen die Entwickler einiges aus dem Kampfsystem raus. Fast wie in einem Brawler reiht man Angriffe zu flüssigen Kombos aneinander, man kann nach oben schlagen, Gegner in die Luft befördern oder zu Boden donnern, es gibt eine Ausweichbewegung und einen Block, aus dem sich neue Konterattacken ergeben. Anfangs merkt man davon noch nicht viel, doch nach einer Spielstunde trifft Sargon auf einen seiner Kameraden, der ihn dann in die Tiefen des Kampfsystems einweiht. Der Trainingsmodus ist freiwillig und nicht wirklich spannend, lohnt sich aber - denn es gibt überraschend viel zu lernen.
