Portal Knights: ​Ein verdienter Ritterschlag für die deutsche Spieleindustrie?

Test Katharina Pache
Portal Knights:Ein verdienter Ritterschlag für die deutsche Spieleindustrie? (1)
Quelle: Keen Games

Portal Knights von Keen Games wurde dieses Jahr als bestes deutsches Computerspiel auf dem DCP 2017 geehrt und stach damit sogar das überaus erfolgreiche Echtzeitstrategiespiel Shadow Tactics: Blades of the Shogun aus. Laut eigener Aussage haben die Entwickler sich von Minecraft, The Legend of Zelda und Dark Souls inspirieren lassen. Wir verraten, was wirklich in den Portal Knights steckt.

Minecraft ist immer noch aktuell, Minecraft ist immer noch Blaupause für Sandbox-Spiele, die sich durch Imitation und Neuinterpretation Erfolg versprechen. Portal Knights gehört zu den sympathischeren Vertretern dieser Mimikry, bleibt aber sehr viel oberflächlicher als die Vorlage. Nach einem Jahr Dasein in der Early-Access-Phase auf Steam will Keen Games Portal Knights stetig erweitern und verbessern. Eifer an der falschen Stelle: Schon jetzt verfügbar ist bezahlpflichtiger Day-One-Kostüm-DLC. Eine solche Update-Praxis ist heutzutage zwar üblich, aber dennoch unerfreulich.
Ab und zu finden Events im Spiel statt, die ein paar Stunden laufen. Hier überfallen Mumien gerade die Wüste. Quelle: PC Games Ab und zu finden Events im Spiel statt, die ein paar Stunden laufen. Hier überfallen Mumien gerade die Wüste.

Scherbenwelt

Anders als in Minecraft startet Portal Knights mit der Erläuterung der Hintergrundgeschichte in das Abenteuer. Böse Mächte haben die Welt in Einzelteile zersplittert, mit Hilfe von Portalen könnt ihr aber zwischen Wäldern, Wüsten und Steppen hin- und herreisen. Als Magier, Bogenschütze oder Krieger gilt es, eine Basis zu errichten und Monster zu bekämpfen. Die Story verabschiedet sich schnell nach Spielbeginn wieder, ab diesem Zeitpunkt steht das Craften und Kämpfen, alleine oder als Team, im Vordergrund. Ab und zu werden simple NPC-Quests und Bossgegner eingestreut. Die einzelnen Welten sind sehr viel kleiner als die Karte eines durchschnittlichen Minecraft-Areals, gepaart mit den teilweise erheblichen Rohstoffkosten von Crafting-Objekten habt ihr rasch ganze Inseln abgegrast. Und Vorsicht beim Buddeln: Unter euren Füße brodelt zwar keine Lava, aber alle Welten schweben in der Luft. Wenn ihr durch den Boden fallt, ist euer virtuelles Leben vorbei. Um zur nächsten Welt durch ein Portal zu reisen, müsst ihr Splitter in der entsprechenden Farben sammeln und an eurer Werkbank zu den passenden Blöcken umwandeln. Diese setzt ihr dann ins Portal und aktiviert so den Schnellreisepfad.

Schöne Splitter

Gegenüber der Schönheit von Portal Knights verblasst die (Vanilla-)Minecraft-Optik, das Farbenspiel der blockigen Umgebungen ist wundervoll und die gelungene Hintergrundmusik unterstreicht die entspannte Atmosphäre. Wenn etwa die Sonne langsam über einer Blumenwiese aufgeht, sieht das Spiel richtig gut aus. NPCs bitten euch gelegentlich um Hilfe bei einfachen Aufgaben. Da ein Questlog fehlt, verliert man oft den Überblick. Quelle: PC Games NPCs bitten euch gelegentlich um Hilfe bei einfachen Aufgaben. Da ein Questlog fehlt, verliert man oft den Überblick. So ganz wollen die sich eher rundlichen Figuren mit Anime-Einschlag zwar nicht in die kantige Umgebung fügen, doch das ist zu verschmerzen. Dafür hat man bei der Gestaltung der Charaktere von Anfang an (und auch ohne Kostüm-DLC) deutlich mehr Möglichkeiten als in Minecraft. Der hübsche Lack täuscht aber nicht über die Simplizität des Gameplay-Gerüstes hinweg. Zwar könnt ihr auch in Portal Knights Häuser bauen und Höhlen erforschen, die komplexeren Details wie etwa Schalter, Bewässerungsmechanismen oder Tierhaltung fehlen komplett. Sehr rudimentär ist auch das Kampf- und Levelsystem , und sollte euch mal ein Feind bewusstlos schlagen, verliert ihr lediglich ein paar der so gut wie wertlosen Münzen. Bald beschränkt sich euer Dasein als Portal Knight auf das Farmen von Materialien, um neue Ausrüstung zu craften, auf das Öffnen des nächsten Portals und der Wiederholung der gleichen Aktionen am neuen Ort. Ein freier Modus, in dem man nach Herzenslust dem Bauen fröhnt, existiert nicht.

Im Ritterorden

Die Kämpfe fallen sehr simpel aus. Ihr greift an und weicht aus. Konter oder Kombos existieren nicht. Quelle: PC Games Die Kämpfe fallen sehr simpel aus. Ihr greift an und weicht aus. Konter oder Kombos existieren nicht. Im Online-Modus mit Freunden - und nur mit Freunden, ihr müsst eure Mitspieler in eurer Kumpelliste führen - läuft das Spiel ähnlich ab, nur das Kämpfe noch einfacher sind, das Craften hingegen länger dauert. Ihr braucht nämlich nicht nur mehr Materialien, sondern seid auch als Gruppe an eine Welt gebunden. Team-Mitglieder können nicht schnell in eine benachbarte Welt reisen, um von dort eine benötigte Ressource zu holen - alle müssen mit. Effektive Arbeitsteilung ist somit unmöglich.
Was ist die Zielgruppe von Portal Knights? Wahrscheinlich Eltern von jungen Spielern. Die stören sich am flachen Spielprinzip und dem übersichtlichen Content sicher weniger als erfahrene Zocker. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit auch hoch, dass die Angehörigen der jungen Generation schon mindestens einmal Minecraft gespielt haben und dementsprechend einen ähnlichen Umfang vom Konkurrenten Portal Knights erwarten. Und der kann (noch?) nicht liefern.

Meinung

Wertung zu Portal Knights (PS4)

Wertung:

6.2 /10
Pro & Contra
Sehr schöne UmgebungenStimmungsvolle HintergrundmusikEignet sich gut für jüngere SpielerOptionaler, höherer Schwierigkeitsgrad bei BossenNiedliche Monster und Spielfiguren
Kein QuestlogMenüführung teilweise umständlichFehlender Tiefgang in allen BereichenKein Redstone, keine Nutztiere, nur PetsOhne freien KreativmodusRestriktiver MehrspielerpartAuf Dauer sehr eintönigKleine Welten
Fazit

Schöner Schein, wenig dahinter: Seichter Spaß für Sandbox-Fans.

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