Strengere Regulierung von Videospielen: EU-Parlament stimmt zu
Special
Kürzlich hat EU-Parlament getagt, um über einen Bericht zur Regulierung von Videospiele zu diskutieren und abzustimmen. Nun folgt der Gesetzesentwurf.
Inwiefern sich zukünftige Regulierungen auf solche Videospielmechaniken auswirken, lässt sich erst bei Vorlage eines konkreten Gesetzesentwurfs ausmachen. Relativ klar ist aber, dass es eine harmonische Regelung innerhalb von Europa geben wird, die dann alle Länder betrifft. Sondergänge wie von den Niederlanden und Belgien, die Lootboxen generell verbieten oder stark einschränken, wird es dann aller Voraussicht nach nicht mehr geben. Was allerdings alles unter Dark Patterns fällt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt, denn ab wann man eine Mechanik oder Praxis als manipulativ einstuft, ist kaum abgesteckt - vor allem im Gaming. Ob dazu Engagement Optimized Matchmaking gehört, das den Spieler absichtlich in Matches steckt, die er wahrscheinlich gewinnt oder verliert; und ob etwa auch Battlepasses dazu gehören, die das bekannte FOMO-Syndrom (Fear of Missing Out) hervorrufen.
Verfahren bis zur Gesetzgebung
Bis es so weit kommt, fließt aber noch eine ganze Menge Wasser den Berg hinab, denn so eine Gesetzgebung auf EU-Ebene ist eine sehr langwierige Angelegenheit. Die ersten Schritte bis dahin sind aber bereits erledigt:
- Es wurde von einem Parlamentsmitglied ein Antrag auf einen Bericht gestellt.
- Das Sekretariat der EU-Kommission hat ausgewählt, an welchen Berichten gearbeitet wird.
- Es werden in den entsprechenden Komitees zuständige Berichterstatter gewählt und der Bericht wird erstellt.
- Das hauptverantwortliche Komitee stimmt über den Bericht ab und dann geht er ans Parlament.
Damit ist bereits ein ganzes Jahr ins Land gegangen. Das federführende Komitee im vorliegenden Report ist übrigens das für den europäischen Binnenmarkt und Verbraucherschutz. Das ist laut unseres deutschen Pressereferenten so ziemlich die wichtigste Gruppe auf dieser Ebene, da sie über wirtschaftliche und konsumentenbetreffende Inhalte tagt.
Da die Abstimmung im Parlament erfolgreich war, muss die EU-Kommission sich nun mit dem Bericht auseinandersetzen und entweder eine umfangreiche Begründung dafür liefern, warum sie nicht weiter handeln, oder einen Gesetzesentwurf vorlegen. Letzteres ist deutlich wahrscheinlicher und geht dann wieder zurück an das Parlament und zusätzlich an den Europäischen Rat.
Beide Gremien entscheiden anschließend darüber, ob die Regulierungen dann eingeführt werden oder nicht. Dabei handelt es sich um das ordentliche Gesetzgebungsverfahren. Dieser Prozess wird voraussichtlich noch etwas über ein Jahr dauern, wie man uns mitteilte.
Dass Änderungen in der europäischen Gesetzgebung kommen, ist eigentlich schon fest geschnürt. Wie die aussehen, weiß aktuell vermutlich noch nicht einmal die EU-Kommission. Eine weitere Frage wird zudem sein, wie sich solche Regelungen auf die deutsche Gesetzgebung auswirken und welche Konsequenzen die Spiele davontragen.
Spieleversionen ohne Lootboxen in ganz Europa oder andere Einschnitte ins Gamesdesign gegenüber dem restlichen Weltmarkt sind ein zweischneidiges Schwert, denn andere Spieler hätten immer noch Zugriff auf Inhalte, die uns dann einfach verwehrt blieben.
Als Konsument bleibt aber am Ende nur wenig Spielraum, sein Interesse kund zu tun, immerhin handelt es sich hier vornehmlich um eine Abwägung zwischen wirtschaftlichen Interessen eines möglichst freien Markts und Kindeswohl - und nicht etwas um die persönlichen Wünsche erwachsener Spieler.
Zumindest liest sich der vorliegende Report so. Auf Nachfrage bei Frau Maldonado López versicherte und sie EU-Abgeordnete aber, dass sämtliche Regulierungen auch zum Wohl der erwachsenen Konsumenten getroffen werden sollen. So liege der Schwerpunkt zwar auf Kindern, der Rest profitiere allerdings ebenfalls.
