Meta und X geht's an den Kragen: Auch bald Steam betroffen?

Special Antonia Dreßler
Meta und X geht's an den Kragen: Auch bald Steam betroffen?
Quelle: PC Games

Desinformation und Marktmacht: Die EU stemmt sich gegen die Online-Riesen. Wie sieht's mit Auswirkungen auf die Gaming-Landschaft aus?

Keine Macht den Giganten - der DMA

Der DMA (Digital Markets Act) soll dafür sorgen, dass große Plattformen und Anbieter nicht den Markt beherrschen, nur weil sie die größte Reichweite haben. Die EU hat ähnlich zu den VLOPs sogenannte Gatekeeper ausgerufen, zu denen Services von Alphabet (Google), Apple, Microsoft, Meta, Amazon und ByteDance (Tiktok) zählen. Konkret bedeutet das, dass Giganten wie Apple, Microsoft und Co. Ihren eigenen Produkten keinen Wettbewerbsvorteil mehr einräumen dürfen. Vorinstallierte Apps und Browser müssen so zum Beispiel deinstallierbar sein - dazu zählen auch Widgets wie die Google Search Bar auf Android Phones oder eben der Safari-Browser auf dem IPhone.

Richtig interessant wird es, wenn wir in Richtung installierbarer Apps schauen: Laut EU-Verordnung muss nämlich sogenanntes Sideloading erlaubt sein, also dass man Apps nicht nur aus den offiziellen Stores herunterladen kann, sondern auch über alternative Anbieter. Damit würde das gesamte Geschäftsmodell von Apple aufgebrochen, und mindestens ein Videospiel-Hersteller reibt sich darüber jetzt schon die Hände.

Das alte Lied von Apple vs. Epic

Während Apple und Epic Games nach wie vor im Streit sind und ihre langjährige Fehde Ende September 2023 vor den Supreme Court trugen, in dem es darum geht, dass man Fortnite des App-Stores verwies - nachdem Epic versucht hatte, die Gebühren zu umgehen, die Transaktionen auf Apple-Geräten mit sich bringen.

Der Digital Markets Act sorgt dafür, dass Epic nicht nur ihre App auf das Gerät ihrer Nemesis bringen könnte, sondern gleich eine ganze Storefront. Auch für Anbieter wie Steam wäre es eine Möglichkeit ihre Plattform Mobile-Fähig zu machen - schon längst sind Handys nicht mehr nur in der Lage, Match-3-Titel abzuspielen, sondern auch Perlen wie Oxenfree oder Terra Nil findet man auf Smartphones.

Dass Apple erst ankündigte, dass auch Blockbuster wie Assassin's Creed Mirage auf dem neuesten IPhone laufen sollen, würde ein solches Vorhaben natürlich noch attraktiver machen. Auch im Hinblick auf Cloud-Gaming öffnet der DMA neue Pforten: So könnte es mölich sein, Apps herunterzuladen, die dann Zugriff auf das Streaming von Spielen ermöglichen - weitestgehend unabhängig von der genutzten Hardware.

Was auf Android-Plattformen bereits möglich ist (siehe Xbox Games Pass), verhindert Apple. Ihrem Zwang, dass jede App einzeln herunterladbar sein muss, macht eine Bündelung eines Spiele-Streaming-Services damit noch unmöglich.

Für Nutzer könnte das bedeuten, dass sie in Zukunft mehrere Stores auf dem Handy installieren müssen, wenn sie auf bestimmte Apps zugreifen wollen. PC-Spieler kennen das Prozedere bereits: Aus nur Steam wurde irgendwann Steam, Epic, Origins, Battlenet, Xbox Launcher, GOG, Ubisoft Connect... ob man die gewünschten Apps gebündelt haben kann oder am Ende etliche Stores auf dem Handy landen, wird sich in Zukunft zeigen.

Es ist aber vorstellbar, dass Unternehmen mit genügend Geld zunächst eigene Stores herausbringen und sich mit der Zeit ein paar wenige halten können und der Rest in der Vergessenheit verschwindet. Genauso, wie wir es auch bei Streaming-Anbietern wie Netflix und Co. erleben.

Finanzieller Einbruch

Die Summen, die dabei im Raum stehen, sind nicht unerheblich. Während des Gerichtsverfahrens zwischen Apple und Epic stellte das Wall Street Journal eine Analyse auf, laut der Apple mehr Geld mit Videospielen verdiente als Sony, Microsoft, Nintendo und Activision zusammen. Immerhin gehen bei jeden getätigten Kauf, sowohl für die Apps im Gesamten als auch für Ingame-Käufe, 30 Prozent des Geldes an Apple.

Doch selbst wenn man als App-Entwickler so die Gebühren der Gatekeeper umgehen kann, ist es trotzdem fraglich, wie viele Unternehmen tatsächlich versuchen, sich in solche etablierten Strukturen als Wettbewerber reinzuhängen. Denn nur weil man einen Markt betreten kann, heißt das nicht, dass man dort erfolgreich ist, vor allem da die meisten Nutzer sicherlich weiterhin auf die etablierten Stores zurückgreifen werden.

Bis dahin muss der Plan stehen

Seit September 2023 werden noch weitere Plattformen untersucht, um Gatekeeper zu bestimmen, die dann im Februar 2024 ausgerufen werden. Die bereits benannten Gatekeeper müssen bis März 2024 die neuen Strukturen eingeführt haben, bis dahin erfahren wir dann auch, wie die genau auszusehen haben.

Geht die EU-Kommission so rigoros vor, wie beim Digital Service Act, dann erwarten wir noch einige deftige Briefe und Gemurre in den Führungsstäben der großen und mächtigen Anbieter. Inwiefern unsere liebsten Gaming-Plattformen darunter fallen und was das für Auswirkungen auf die Spieler hat, haben wir zurzeit bei der EU-Pressestelle angefragt und warten derweil noch auf Antworten.

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