Kämpfe, Starter, Kanto, Koop, Spätere Inhalte, Fazit
Test
Ein Jahr ist es her, seitdem die Pokémon-Spiele Ultrasonne und Ultramond für den 3DS erschienen sind. Nun hat auch die Switch endlich ihre eigenen Serienableger erhalten. Mit Pokémon: Let's Go, Pikachu! und Evoli! will Nintendo neue wie alte Fans vor den Bildschirm locken. In unserem Test zeigen wir euch, ob der Spagat zwischen den doch sehr unterschiedlichen Fronten gelungen ist.
Auf dieser Seite
Ich will der Allerbeste sein
Quelle: PC Games
Das alte Rundenprinzip macht eine Menge Spaß. Leider fehlen viele Funktionen, zudem sind die Kämpfe kaum herausfordernd.
An den Trainer-Kämpfen wurde indes auf den ersten Blick wenig gerüttelt. Eure Pokémon treten wie immer in mehreren Runden gegen die eures Gegners an. Mit dem Einsatz geschickter Attacken versucht ihr, die Lebenspunkte eures Gegenübers zu reduzieren. Wer Pech hat, wird mit schädlichen Effekten belegt oder fällt dank kampfunfähiger Pokémon in Ohnmacht. Damit dieser Fall eintritt, muss man sich jedoch schon arg dämlich anstellen - Pokémon: Let's Go! mangelt es nämlich erheblich an einer anständigen Herausforderung. Dass sowohl Pikachu als auch Evoli relativ früh im Spielverlauf sehr mächtige, individuelle Attacken erlernen, verstärkt diesen Effekt leider noch zusätzlich.
Quelle: PC Games
Acht Arenaleiter warten in Kanto auf euch. Die Arenen dürft ihr nur betreten, wenn ihr die entsprechenden Anforderungen erfüllt.
Alteingesessenen Kämpfern fällt natürlich unweigerlich auf, dass eine Menge Kernfunktionen aus den regulären Hauptspielen fehlen. Dazu gehören die Fähigkeiten der Pokémon, das Halten von Items im Kampf sowie die Wettereffekte. Angesichts der neuen Zielgruppen ergeben diese Einschränkungen durchaus Sinn und fallen ehrlich gesagt im normalen Spielverlauf kaum auf. Kampferprobte Trainer-Veteranen, die in ihrer Freizeit mit Fleißpunkten jonglieren, sind dadurch jedoch bei Pokémon: Let's Go! an der völlig falschen Adresse. Ihr habt zwar die Möglichkeit, die Statuswerte eurer Schützlinge im Austausch gegen seltene Objekte zu maximieren und das Wesen der fangbaren Pokémon vorab zu bestimmen, dafür könnt ihr jedoch unter anderem keine Pokémon züchten. Wer für ernsthafte, kompetitive Kämpfe brennt, sollte daher wohl eher auf das nächste Spiel der Hauptreihe, das 2019 erscheint, warten.
Evoliliebe und Pikachuchu
Quelle: PC Games
Evoli beziehungsweise Pikachu lieben Streicheleinheiten.
Während sich beim Fang- und Kampfsystem aber letztlich die Meinungen spalten werden, sind die beiden Starter-Pokémon Evoli und Pikachu ohne Frage zwei absolut niedliche Reisegesellen. Wer mag, krault seinem Liebling das Fell und füttert ihn mit leckeren Beeren. Auch den anderen Pokémon schenkt ihr Zuneigung, solange sie hinter euch herlaufen. Je inniger die Beziehung zu euren Monstern, desto öfter weichen sie in Kämpfen aus und befreien sich selbstständig von gegnerischen Schadenseffekten. Das ist eine überaus bequeme wie triviale Funktion, die leider aus den Hauptspielen übernommen wurde und den bereits sehr leichten Kämpfen den restlichen Pep nimmt.
Immerhin müsst ihr dank eures Starters auch in Pokémon: Let's Go! keines eurer Pokémon den berühmten virtuellen Maschinen, kurz VMs, opfern. Wollt ihr Büsche zerschnippeln, auf Wellen reiten, Steinblöcke schubsen, Licht ins Dunkel bringen oder in andere Städte fliegen, braucht ihr also keine besonderen Attacken-Slots zu verschwenden. Leider ist es bis zum Schluss sehr fraglich, wozu genau man all diese Spezialfähigkeiten überhaupt braucht, da Kanto nicht ganz so vielfältig ist, wie es zu Beginn vielleicht scheint.
Auf den zweiten Blick
Quelle: PC Games
Euer Starter-Pokémon lernt sogenannte geheime Techniken, die viele wohl als „VMs“ kennen. Wie in Sonne/Mond belegen die Fähigkeiten keine Attacken-Slots.
Wer die zehn Städte und 25 Routen zum ersten Mal bereist, dem fällt womöglich gar nicht auf, dass das Kanto aus Pokémon: Let's Go! seiner Vorlage in vielen Aspekten hinterherhinkt. So mangelt es an den vielen, kleinen Rätseln, für die man einst gern mehrere Male die Gebiete durchgekämmt hat. Darüber hinaus kommt ihr auf eurer Reise an diversen kultigen Gebäuden vorbei, die sich auf den zweiten Blick jedoch als müde Attrappen herausstellen. Wozu gibt es den Fahrradladen, wenn man kein Fahrrad haben kann? Wozu die Spielhalle, wenn man nicht spielen kann? Warum wird der Go Park, in dem ihr eure aus Pokémon Go übertragenen Monster komischerweise wiederholt einkapseln müsst, irrtümlich als Safari-Zone angepriesen? Das mag, wie gesagt, neuen Spielern nicht auffallen, Nostalgikern bricht es aber womöglich das Herz. Überdies erscheint das Ausradieren all dieser abwechslungsreichen Minispiele und Örtlichkeiten im Zuge der Simplifizierung eher irrsinnig als notwendig.
Das erste Mal zu zweit
Quelle: PC Games
Spieler Zwei kann jederzeit dem Kampf beitreten. Leider ergeben sich dadurch unschöne 2v1-Konstellationen, die aus dem ohnehin schon anspruchslosen Spiel die restliche Luft herauslassen.
Dass man Kanto erstmals zu zweit unsicher machen kann, ist indes eine willkommene Neuerung. Der Koop-Modus, der laut Nintendo insbesondere Familien vor den Bildschirm locken soll, ist technisch einwandfrei. Sobald Spieler Zwei den zweiten Joy-Con schüttelt, fällt er aus dem Himmel zu euch herab und steht euch zur Seite. Leider hat euer Partner absolut keine Rechte in der offenen Spielwelt; er kann keine Schilder lesen, keine Pokémon berühren und auch keine Kämpfe starten. Es bleibt schlicht gesagt kaum ein Grund übrig, der dafürspricht, gemeinsam durch Kanto zu laufen. Immerhin kann euer Mitspieler jederzeit Fang- und Kampfsequenzen beitreten und euch unter die Arme greifen. Dabei übernimmt er in Konfrontationen automatisch das zweite Team-Pokémon. Dass man dadurch absolut jeden 1v1-Kampf in eine unfaire 2v1-Konstellation ummünzen kann, wirkt in Anbetracht des niedrigen Schwierigkeitsgrades recht banal. Der Koop-Modus ist daher in erster Linie für Spieler geeignet, die Kindern das Pokémon-Universum nahebringen möchten.
(K)ein Ende in Sicht
Wenn ihr die Haupthandlung abgeschlossen habt, steht es euch frei, die Arenaleiter sowie die Top Vier erneut zu bezwingen. Für weitere Spannung sorgen die neuen Meister-Trainer. Bei diesen handelt es sich um spezielle Gegner, die ein spezifisches Pokémon auf ein hohes Level trainiert haben. Erst wenn ihr dasselbe Pokémon an eure Teamspitze setzt, könnt ihr die Meister herausfordern. All diese Kämpfe sorgen letztlich doch noch für ein wenig Abwechslung und einen ordentlichen Schwierigkeitsgrad.
Zudem könnt ihr natürlich jederzeit euch bekannte Spieler online sowie lokal herausfordern. Dabei zieht ihr entweder mit einem freien Team in die Arena oder setzt den Erfahrungslevel eurer Pokémon temporär auf Stufe 50 fest, um eine faire Basis zu schaffen. Natürlich solltet ihr ebenfalls nicht vergessen, euren Pokédex vollends zu befüllen. Dabei kommen euch der bereits erwähnte Go Park sowie der Link-Tausch zugute. Die Übertragung der Pokémon aus Pokémon Go sowie die Online-Funktionen konnten wir bis Redaktionsschluss leider nicht testen. Beachtet jedoch, dass ihr für Letztere eine Nintendo-Online-Mitgliedschaft benötigt.
Vorsätze fürs neue Jahr
Quelle: Nintendo
Der Pokéball Plus ist ein wirklich gelungenes und hochwertiges Gadget. Womöglich sehen wir ihn im nächsten Spiel wieder – zu wünschen wäre es.
Pokémon: Let's Go! bringt einige Neuerungen in die kunterbunte Welt der Taschenmonster, die dem beliebten Spielprinzip eine neue Perspektive verleihen. Besonders das Fangsystem sowie die herumstreunenden Pokémon sorgen für eine eindringliche Trainer-Erfahrung. Auch die beschnittenen Kämpfe machen noch eine Menge Spaß, auch wenn sie euch kein großartiges Taktikverständnis abverlangen und für kompetitive Spieler kaum von Interesse sind. Bezüglich dieser Aspekte kann man also durchaus die Meinung vertreten, dass Nintendo der schwierige Spagat zwischen den Zielgruppen gelungen ist.
Leider zeichnen diverse andere Macken ein gänzlich anderes Bild. So wurde die einst so wunderbare Spielwelt im Namen der Vereinfachung um zahlreiche Details beraubt, die wohl auch neuen Spielern viel Freude gebracht hätten. Zurück bleiben gemischte Gefühle und die Hoffnung, dass sich Nintendo 2019 zwar wieder auf Altbewährtes besinnt, aber seinen Ausflug durch das neue, alte Kanto und die damit verbundenen frischen Ideen nicht vollkommen vergisst. Das Fangsystem, die Zwischensequenzen und einen besseren Koop-Modus sehen wir nämlich gerne wieder.
