Pokémon vorm Abgrund: Kommt die 10. Generation oder das Ende einer Ära?

Special Annika Menzel
Pokémon vorm Abgrund: Kommt die 10. Generation oder das Ende einer Ära?
Quelle: Nintendo

Pokémon Karmesin und Purpur hatten nicht nur viele Probleme, sondern machen auch deutlich, wie die Pokémon Company mit ihrer Marke umgeht. Die nächsten Spiele müssen den angeknacksten Ruf wiederherstellen.

Selbst Videospielfans, die normalerweise nicht im Nintendo-Kosmos unterwegs sind, dürften letztes Jahr von dem Desaster namens Pokémon Karmesin und Purpur gehört haben. Das erfolgreichste Franchise der Welt, das neben den Spielen auch Sammelkarten, einen Anime und weitere Bereiche umfasst, ruht sich auf seinem Erfolg aus und liefert den Fans ein grafisch miserables Spiel mit massiven Performance-Problemen - und verdient sich dennoch eine goldene Nase mit der neunten Generation. Unter all den Problemen und Kritikpunkten steckt zwar ein gelungenes Abenteuer, das die Spielwelt Paldea zur offenen Spielwiese für Pokémon und Trainer gleichermaßen macht, der Inhalt rechtfertigt allerdings nicht den technischen Zustand. Titel wie The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom sind der erfolgreiche Beweis dafür, dass es nicht an der Hardware der Nintendo Switch liegt, sondern an den Entscheidungen der Pokémon Company. Mit der nächsten Generation hat das Unternehmen noch einmal die Chance, die Reihe zurück auf den richtigen Weg zu führen, oder es besiegelt ihr Schicksal endgültig.

Die Anzugträger hinter den Taschenmonstern

Im Jahr 1996 erschienen mit Pokémon Rot und Pokémon Grün die ersten beiden Editionen in Japan. In den folgenden 27 Jahren entstand daraus eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen: Pokémon ist das erfolgreichste Medien-Franchise aller Zeiten. Neun Generationen der Hauptreihe, zahlreiche Ableger, das Sammelkartenspiel, der Anime rund um Ash Ketchum und Attraktionen wie Pokémon Cafés und Shops voller Merchandise sorgen dafür, dass die kleinen Taschenmonster weiterhin fleißig Geld in die Kassen spülen.

Davon profitiert nicht nur Nintendo, auf deren Konsolen die Spiele seit jeher zu Hause sind, sondern ein Zusammenschluss aus mehreren Unternehmen. Der japanische Hersteller rief 1998 gemeinsam mit Creatures Inc. und Game Freak die Pokémon Company, damals noch unter anderem Namen, ins Leben. Die kümmert sich um alles, was mit der Marke und entsprechenden Lizenzen zu tun hat.

Meisterdetektiv Pikachu trinkt einen Kaffee Quelle: Nintendo Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück Nintendo selbst ist für die Herstellung und den Verkauf der Spiele zuständig. Creatures Inc. befasst sich unter anderem mit den Sammelkarten und kleineren Spieleprojekten beziehungsweise wird bei größeren unterstützend tätig. Ins virtuelle Leben holt die Pokémon-Editionen dann aber letztendlich das Entwicklerstudio Game Freak.

Auch wenn dessen Name in erster Linie mit Pikachu und seinen über 1000 Monsterkumpanen assoziiert wird, gehört das Studio nicht zu Nintendo und hat in der Vergangenheit bereits einige andere Projekte umgesetzt. Die waren zwar eher klein und keine riesigen Erfolge, allerdings konnte das Team so beweisen, dass es noch mehr auf dem Kasten hat.

Project Bloom: Ein Studio blüht auf

Nach all den Jahren scheint bei Game Freak auch langsam die Luft rauszusein und das Interesse an anderen Aufgaben zu steigen. Im Frühjahr kündigte der Publisher Private Division, der zu Take-Two Interactive gehört, eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Entwicklerstudio an.

Viele Infos zu dem anstehenden Projekt gibt es bisher nicht, allerdings schlägt es eine gänzlich andere Richtung ein als seine bisherigen Werke. Bei Project Bloom handelt es sich um eine neue IP aus dem Genre der Action-Adventures, zu der es bisher lediglich ein Bild mit Concept Art gibt.

Darauf ist ein Samurai auf einem sanft leuchtenden Waldstück zu sehen, über dem zahlreiche Glühwürmchen umherschwirren. Da sich die Entwicklung noch in der Anfangsphase befindet, gibt es noch kein Veröffentlichungsdatum. Allerdings erwartet der Publisher, dass das Spiel im Geschäftsjahr 2026 seinen Weg in die Regale finden wird - das würde einen Release zwischen April 2025 und März 2026 bedeuten.

Auf dem Concept Art von Project Bloom steht ein Samurai auf einem Waldstück mit warmen Licht und Glühwürmchen Quelle: Game Freak/Private Division Project Bloom Doch nicht nur die konkreten Pläne bezüglich des Spiels und das Erscheinungsdatum bleiben vorerst ein Rätsel, sondern auch die Plattform, für die das Action-Adventure erscheinen soll. Durch die Zusammenarbeit mit Private Division ist Game Freak nicht auf die Nintendo Switch angewiesen. Uns erwartet also möglicherweise ein Abenteuer auf PC, Playstation oder Xbox.

Die Concept Art vermittelt einen sehr angenehmen, fast schon magischen Eindruck, jedoch gilt es abwarten, wie genau Project Bloom später einmal aussehen wird. Die neue IP sorgt aber nicht nur aufgrund des Konzepts für Neugierde, sondern wirft die Frage auf, wie sich die Entwicklung auf die nächste Generation von Pokémon auswirken könnte.

Pokémon 10 und die Switch 2

Schließlich ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob sich das gesamte Studio dem neuen Projekt widmet und die nächsten Editionen damit in weite Ferne rücken. Genauso gut ist es möglich, dass die Arbeiten mit verschiedenen Teams parallel ablaufen und nur ein Teil der Mitarbeiter für das Action-Adventure eingespannt ist.

Bildergalerie

Dazu kommen der bereits lange Lebenszyklus der Nintendo Switch und die hartnäckigen Gerüchte über einen Nachfolger. Nach dem Release von Schwert und Schild sowie Karmesin und Purpur ist es gut möglich, dass die nächste Generation erst für die nachfolgende Konsole erscheinen wird. Außer, die Pokémon Company plant ein ähnliches Vorgehen wie bei Sonne und Mond, die gerade mal fünf Monate vor dem Release der Switch für den 3DS auf den Markt kamen.

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