State of Play für PS5 und PS4 - diese Show war ein Trauerspiel

Kolumne Antonia Dreßler
State of Play für PS5 und PS4 - diese Show war ein Trauerspiel
Quelle: PC Games

Schon mit der Ankündigung der letzten State of Play hatte Sony niemanden vom Hocker gehauen. Von vorneherein war klar, dass sie sich nur um Third-Party-Spiele drehen und bloß 20 Minuten dauern würde. Während sich die Erwartungen also bei vielen schon in Grenzen hielt, stürzte die Stimmung während und nach dem Livestream in den Keller. Ein Trauerspiel, findet Redakteurin Toni.

Digitale Presseveranstaltungen, Showcases und Livestreams voll toller neuer Spiele sind inzwischen der normale Alltag eines jeden Gamers, der up-to-date sein will. Darunter mischt sich auch seit einigen Jahren die State of Play, eine Show, die oft dafür gedacht ist, neben Blockbustern auch kleinen und mittelgroßen Projekten eine Plattform zu geben.

Während immer auch kleine Indie-Highlights dabei waren und man sich freute, diese zu sehen, kann die aktuelle State of Play kaum etwas vorweisen, dass des Schauens würdig ist. Gleichzeitig schafft es Sony diejenigen Spiele, auf die ich mich eigentlich freue, super lahm darzustellen.

Die Spiele der State of Play

Deathverse ist ein Battle-Royal-Spin-off des Survival-Spiel Let it Die, das wohl niemand braucht. Quelle: Grasshopper Manufacture Deathverse ist ein Battle-Royal-Spin-off des Survival-Spiel Let it Die, das wohl niemand braucht. Den Start macht ein Spiel, das den Namen "Schon wieder ein Battle Royal" verdient hätte. Deathverse: Let it Die sieht weder gut aus, noch bietet es etwas, worauf man sich freuen kann. Das neue Gimmick ist eine Art Social-Media-Show und man bekommt für jeden Treffer eine Like-Anzeige.

Das ist spielmechanisch nichts Bahnbrechendes, denn Style-Punkte gibt es schon lange in Spielen, wie zum Beispiel in Devil May Cry. Und auch als Handlungsrahmen wirkt es abgekupfert. Nicht nur von Hunger Games, sondern auch von bestehenden Battle-Royal-Titeln wie Darvin Project. Die Mischung aus einer dreckigen Welt und bunter Action wirkt so plump, dass der Titel - wie viele andere Genrevertreter - zum Vergessen einlädt.

Eine echte Band mit echten Liedern! Alles in einem Spiel! Klingt mehr nach Crossmarketing als nach Spielspaß und neu ist die Idee auch nicht. Quelle: Team OFK Eine echte Band mit echten Liedern! Alles in einem Spiel! Klingt mehr nach Crossmarketing als nach Spielspaß und neu ist die Idee auch nicht. Das gilt auch für We Are OFK. Ein Spiel, bei dem man eine echte Band begleitet und ihre echten Lieder inszeniert. Das klingt spielerisch nicht so wahnsinnig interessant und ist auch an dieser Stelle auch keine neue Idee, wie das Spiel Rocketboad - Pilot zeigt.

Andere Spiele des Genres wie Unbeatable sehen zudem bedeutend besser aus, und so präsentiert sich der Indie-Pop-Titel weniger als spaßiger Zeitvertreib, sondern eher als Marketing-Tool.

An diesem Punkt der State of Play schleicht sich bereits die Ahnung ein, dass es sich hier um Ankündigungen handelt, die man ansonsten nicht mit der Kneifzange anfassen würde. Die ganze Präsentation steht unter der Überschrift "wir sind irrelevant - vergesst uns nicht" und so geht es mit einem lahmen DLC für Bugsnax weiter.

Lahme Fortsetzung statt neuer Indie-Perlen

Im DLC zu Bugsnax tragen die Käfersnacks jetzt Hüte! Na dann lohnt sich der Kauf ja. Quelle: ,Young Horses Im DLC zu Bugsnax tragen die Käfersnacks jetzt Hüte! Na dann lohnt sich der Kauf ja. Die Tatsache, dass in dem DLC namens Bigsnax groß angekündigt wird, dass die essbaren Käfer jetzt Hüte tragen, sagt schon viel aus. So wirklich hübsch ist das Spiel nicht und wer bis jetzt noch keine Muße hatte, es auszuprobieren, wird es jetzt sicherlich auch nicht tun. Werden keine neuen, interessanten Indie-Titel für Playstation entwickelt? Kaum vorstellbar.

Five Nights at Freddy's mag für Fans der Serie interessant sein, ist aber auch keine Ankündigung wert, weil es schon längst jeder gesehen hat, der sich dafür interessiert. Neues Gameplay und ein Releasedatum wirken zwar ganz nett, hätten aber unabhängig einer State of Play genauso gut funktioniert.

Wirklich faszinierend ist der Trailer zu Death's Door, einem Spiel, das schon längst für Xbox und PC erschienen ist. Während der Reveal-Trailer während des Devolver Digital Showcase mich damals gepackt hat, wirkt das Spiel in der State of Play deplatziert und langweilig. Liegt es nun am Spiel, dass ich eigentlich toll finde, oder färbt die Enttäuschung der ganzen Veranstaltung auf den gefiederten Protagonisten ab?

Warum existiert dieses Spiel? Anscheinend will Sony ein eigenes Mario Kart haben und hat das erstbeste Angebot angenommen, das ihnen geboten wurde. Quelle: Nexon Korea Warum existiert dieses Spiel? Anscheinend will Sony ein eigenes Mario Kart haben und hat das erstbeste Angebot angenommen, das ihnen geboten wurde. Irritation beschleicht einen beim nun folgenden Arcade-Racer, der versucht mit cooler Hintergrundmusik das Gefühl von Spaß zu vermitteln. "Mario Kart bei Wish bestellt" ist das, was einem in den Sinn kommt.

Während mir sogar der Name vor lauter Irrelevanz entfallen ist, merke ich mir, dass es eine kostenlose Beta geben wird, aus der das Spiel vermutlich nie herauskommen wird. So, hab nachgeguckt, Kartrider Drift heißt das Ding.

King of Fighters 15 ist hingegen eine echte Überraschung. Nicht nur, weil ich von der Reihe noch nie gehört habe, sondern auch, weil das ganze Konzept inklusive Grafik nicht sehr modern erscheinen. Auch das wirkt mehr wie etwas, dass Fans sicherlich interessieren mag, aber was hat das auf der State of Play zu suchen? Ich sehe kein Indie-Highlight, sondern den x-ten Teil einer Reihe, die aus der Zeit gefallen wirkt. Wenn das Spiel so interessant wäre, dann hätten wir einen der früheren Teile auf einer früheren Präsentation sehen müssen. Für mich fühlt sich der Titel nach Lückenfüller an.

Sony und ihre Verzweiflungstaten

Sonys lebensverlängernde Maßnahmen für halbtote IPs nimmt an dieser Stelle aber natürlich nicht sein Ende. So hat man im Sumpf der vergessenen Early-Access-Titel gegraben und First Class Trouble ist wie eine Wasserleiche frisch abgeschöpft in Sonys Livestream geschwappt.

First Class Trouble sieht aus wie Among Us aus Third-Person-Perspektive. Die Early-Access-Community ist aber nicht das, was man lebhaft nennen könnte. Quelle: Invisible Walls First Class Trouble sieht aus wie Among Us aus Third-Person-Perspektive. Die Early-Access-Community ist aber nicht das, was man lebhaft nennen könnte. Das Online-Social-Deduction-Game ist im Grunde Among Us in Third Person, inklusive schlechtem Balancing und einer kaum vorhandenen Early-Access-Community. Bereits dieses Jahr im November erscheint es auch via Playstation Plus und die zusätzliche Ankündigung im Stream stellt bestenfalls den Defibrillator dar, mit dem man First Class Trouble noch einmal eine Chance zu geben versucht.

Das vielleicht beste Spiel der State of Play ist der neue Teil von Star Ocean, dem es besser getan hätte, hätte man es abseits des Streams angekündigt. In Vorfreude auf FinalFantasy16 waren japanische Rollenspielfans wohl nicht sehr glücklich, etwas Anderes vorgesetzt zu bekommen.

Der Titel leidet unter der restlichen Show und kann das Ruder zu diesem Zeitpunkt nicht mehr rumreißen. Die Langeweile und die Genervtheit über die Veranstaltung überträgt sich nun auf alle Spiele - das Gegenteil von dem, was die State of Play eigentlich bewirken soll. Ich hätte mich in einem anderen Zusammenhang vielleicht über das Spiel gefreut und es zum Anlass genommen, es mit genauer anzuschauen, jetzt verbinde ich mit dem Titel, dass (mutmaßlich) so schlecht ist, dass es sich auf diese State of Play einreihen dürfte.

Ein Lichtblick

Das letzte Spiel, Little Devil Inside, das tatsächlich etwas Neues zeigte und vielleicht erst am Ende kommt, um die Zuschauer versöhnlich zu stimmen, geht quasi unter. Die Aufmerksamkeitsspanne für Spiele, die einen nicht interessieren, ist halt leider begrenzt und viel Anderes gibt es eben nicht zu sehen. Da kann Little Devil Inside noch so süß aussehen und cooles Gameplay präsentieren, der Zug war für diese State of Play abgefahren.

Natürlich kann man damit argumentieren, dass es sich ja nicht um einen Showcase für große neue Titel handelt, sondern eben um den Stand der aktuellen Spiele und in diesem Falle nur Third-Party.

Aber wenn der Stand so schlecht ist und man nichts von Belang zu zeigen hat - warum gibt es diese State of Play dann überhaupt und hätte man die Trailer nicht besser einzeln veröffentlicht? Sony wird sicherlich seine Gründe haben, aber als Zuschauer ist das Ding für den Eimer.

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