Nicht PC und Streaming: Die Zukunft gehört dem Konsolen-Gaming
Kolumne
Wie sieht die Zukunft der Videospiele aus? Die einen sagen: Nun bricht endgültig das Zeitalter des PC-Gaming an! Die anderen sagen: Ein bisschen noch, dann werden wir eh nur noch über Streaming spielen! Als Konsens gilt, dass das Spielen auf Konsolen ein nahendes Ablaufdatum hat. Redakteur Lukas Schmid ist da aber anderer Meinung. Jetzt auch mit Vdeo!
"Da tauschst du einfach die Grafikkarte aus, lädst dir die neuen Treiber runter und fertig."
So oder so ähnlich wird einem von PC-Selbst-Zusammenbastlern gerne erklärt, was zu tun ist, wenn man seinen uralten Stand-Otto nach zig Jahren dann doch mal aufrüsten will, um wenigstens Blobby Volley in all seiner Pracht erleben zu können, ergänzt oft um ein heiteres "wenn du Blöcke in einen Formenwürfel stecken kannst, schaffst du das auch." Einfach mal den Nippel durch die Lasche ziehen.
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Darauf folgt meistens ein verzweifelter Blick des um Hilfe Bittenden, und darauf das leicht genervte Stöhnen des Bastlers, der die Aufgabe dann doch rasch selbst für einen erledigt.
Ich sehe mich persönlich dann doch eher in der Rolle des verzweifelten Bittstellers, und wenn ich doch auch zustimme, dass viele Schritte des Bastelns meistens relativ einfach umzusetzen sind, so ist die Easy-Peasy-Attitüde dann doch meist nicht vollkommen angebracht. Da will dann der Treiber nicht wie man selbst, irgendein Anschluss passt nicht oder sonst ein Detail, welches einem Kenner nur ein müdes Lächeln abringt, sorgt bei einem selbst für einen mittleren Nervenzusammenbruch. Die lieben Kollegen von der PC Games Hardware, die mir schon einige Male zur Hilfe geeilt sind, können von solchen Situationen ein Liedchen singen. Es tut mir ein bisschen Leid.
Und darum sage ich: Konsolen werden auch in Zukunft relevant bleiben!
Über den Autor
Quelle: Lukas Schmid
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Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.
Kleine Hürde, große Wirkung
Quelle: PCGH
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Ok, das war jetzt vielleicht eine etwas vorschnelle Konklusion, aber ihr könnt ihr euch denken, wo ich mit meiner Einleitung hinwill. PC-Gaming ist tatsächlich kein Hexenwerk. Es erfordert nur ein bisschen Einarbeitungszeit und eine Spur Bastelwillen, dann kann man sich da Geräte zusammenschrauben, die über Jahre hinweg mehr leisten, als es jetzt auch die aktuellen Konsolen tun.
Das Problem daran: Es erfordert ein bisschen Einarbeitungszeit und eine Spur Bastelwillen.
Videospiele sind jetzt schon richtig, richtig lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und mit etwas, das von Oma Hedwig und Opa Günni genauso genossen wird wie von Cousine Susi und Schwippschwager Torben, geht eben auch die Notwendigkeit einher, dass dieses Etwas so simpel wie nur möglich zu verwenden ist.
So simpel wie möglich
Darum fällt es mir schwer, jenen zuzustimmen, die sagen, PC-Gaming sei die Zukunft des Mediums, weil auf Dauern günstiger, weiter verbreitet, weil fast jeder einen PC hat, und schlussendlich leichter adaptierbar. Das ist alles wahr, aber eben nur in der Theorie. In der Praxis ist der für jemanden, der sich mit der Materie auskennt, nur als kleiner Stolperstein angesehene Aufwand dahinter für einen Laien eine unüberwindbare Hürde. Und in Zeiten vom Touchscreen-Geräten ist es auch nicht mehr so, dass automatisch in jedem Haushalt ein Rechner oder ein Laptop stehen.
Es kommt nicht von ungefähr, dass mit Smartphones und davor der Wii das Gaming so einen extremen Schub hinein in den "Blue Ocean" der potenziellen Käufer erlebt hat. Daraus entwickelte sich eine neue Zielgruppe, die zwar nach und nach anspruchsvollere Spiele will, deswegen aber eben trotzdem nicht gewillt oder in der Lage ist, technische Hürden drumherum in Angriff zu nehmen.
Reinstecken und Spaß haben
Quelle: Nintendo
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Bestes Beispiel meine Schwiegermutter: Von hektischem Herumgezapple in Animal Crossing und Endless Ocean auf der Wii hat sie sich hinentwickelt zu Rollenspielen, Action-Adventures und Co., die sie inzwischen ziemlich souverän meistert; auf ihrer Switch, in ihrem Haushalt ohne Internet, sodass ich immer wieder mit Updates via Handy-Hotspot aushelfen muss, und vielleicht der vagen Erinnerung daran, dass sie mal vor vielen Jahren einen PC aus der Ferne gesehen hat.
Der Plug&Play-Faktor ist halt auch 2021 noch von immenser Bedeutung. Klar, da gibt es riesige Updates, Onlinezwang DLCs und allerlei andere Unannehmlichkeiten. Schlussendlich gilt aber noch immer: Kaufe ich mir ein Spiel für Playstation, Xbox oder Switch, weiß ich, dass das Ding auch funktioniert, egal ob digital oder als Retail. Nix da mit Systemanforderungen checken, Einstellungen hoch- oder runterschrauben und verzweifeln, weil die Bildauflösung nicht so will, wie man selbst. Verschiedene Darstellungsoptionen gibt es zwar bei den neuen Konsolen auch, aber immer nur optional.
Darum funktioniert auch der potenzielle Einwand nicht, dass man sich halt einen fertig zusammengeschusterten Rechner kauft und glücklich ist. Da wandert das sich Kümmern im Vorfeld der Anschaffung eben nach hinten, und sobald das erste Mal etwas nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat oder doch mal ein Upgrade ansteht, ist man als Laie schnell mit seinem Latein am Ende.
Deutschland, jetzt auch mit Internet
Quelle: Qualcomm
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Auch Streaming sehe ich aus ähnlichen Gründen nicht als neues heißes Ding in absehbarer Zukunft. Da fällt zwar das Auseinandersetzen mit der Hardware weg, aber dafür tun sich ganz neue Probleme auf. Erst einmal muss überhaupt anständiges Internet vorhanden sein, und das ist auch bei der technikaffinen Altersgruppe in Deutschland keineswegs überall der Fall. Bewegt man sich von der Stadt hinaus aufs Land oder auch nur ins Umfeld der Stadt, dann sieht die Situation schnell düster aus. Während im Berliner Regierungsviertel fröhlich von 5G-Plänen gefaselt wird, muss man mancherorts Urlaub nehmen, um ein Video auf WhatsApp zu verschicken.
Für Streaming brauchst du aber nicht nur schnelles, sondern auch stabiles Internet, und weder das eine noch das andere ist vielerorts gegeben. Alleine das ist schon ein großer Unterschied zum Film- und Musikstreaming, wo man dann vielleicht mal nicht auf 4K kommt oder gebuffert werden muss, aber schlussendlich diese dauerhafte Stabilität kein so relevanter Faktor ist.
Klar, Deutschland (plus mein Herkunftsland Österreich, wo die Situation sehr ähnlich ist) ist nicht die Welt, und andernorts geht der digitale Wandel deutlich schneller vonstatten. Man mag es nicht glauben, aber es gibt ja sogar Länder, die in Sachen Internet noch schlechter aufgestellt sind als wir! Konsole ans Netz und losgelegt, geht aber überall, und wenn eine weltweite Einheitlichkeit nicht zumindest größtenteils gegeben ist, kann man nicht davon ausgehen, dass eine neue Technik sich durchsetzt. Die Macher von Google Stadia hatten ja behauptet und vielleicht sogar wirklich gedacht, dass das mit dem Netzausbau schneller vonstattengehen würde, weil alle so scharf auf ihren Dienst wären - irgendwie fast schon süß.
Wo kommt da der Controller dran?
Quelle: Google LLC
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Und dann sind wir außerdem wieder beim Thema Plug & Play, nur halt in anderer Ausführung. Wenn es für mich als Spieler in meiner Hand liegt, mit welchen Geräten ich streame, welches Eingabegerät ich benutze, welche Einstellungen dafür getroffen werden müssen, dann sind wir bei vielen Leuten schon wieder an dem Punkt angekommen, wo der Ärger oder der Unwillen über die notwendige Beschäftigung mit der Infrastruktur gegenüber dem Willen, zu spielen, überwiegt. Über die unzähligen verschiedenen Anbieter und Abomodelle habe ich da noch gar nicht gesprochen.
Rise of the machines
Und darum eben: Konsole! Da mag das Ende der dezidierten Gaming-Geräte noch so oft herbeigeredet werden, ich sehe ihr Ende in einer Gesellschaft, in der so vieles gegen die Alternativen spricht, einfach nicht gegeben. Beschränktere Funktionen, fehlende Upgrade-Möglichkeiten und im Schnitt höhere Preise für Software sind Einschränkungen, die zahlreiche Leute in Kauf zu nehmen bereit sind und es meiner Überzeugung nach auch noch lange sein werden.
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