Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne

Kolumne Lukas Schmid
Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne
Quelle: Naughty Dog

Die PS5 ist da, und in ein paar Jahren ist es vielleicht auch mal soweit, dass man sie ohne Probleme kaufen kann. Schon jetzt verfügbar: jede Menge tolle Exklusivtitel, plus die fast komplette PS4-Bibliothek. Und der Ausblick in die Zukunft verheißt auch viele Hits. Trotzdem sieht Redakteur Lukas Schmid ein Problem: Kreativ ist an den vorhandenen und kommenden Spielen wenig.

Zum Start möchte ich ein kleines Missverständnis aus dem Weg räumen, welches sich angesichts meiner Kolumne aus der letzten Woche ergeben hat. Dort ermutige ich Entwickler dazu, auf Kreativität zu pfeifen und stattdessen fröhlich von anderen Herstellern zu klauen, um schlussendlich ein besseres Spiel abzuliefern. Dazu stehe ich und das meine ich so. Was ich aber keineswegs damit meinte, was aber bei manchen Lesern so ankam, ist, dass ich deswegen einen generischen Einheitsbrei möchte.

Ich denke, Kreativität entwächst sehr oft aus der Neuinterpretation und Neueinordnung des Bekannten. Wie jemand unter meinem Artikel anmerkte, ist etwa da hochgelobte Zelda: Breath of the Wild nicht dadurch toll, dass es Dinge neu erfindet; jeden Aspekt des Abenteuers hat man so ähnlich schon mal in anderen Titeln gesehen. Nein, es ist deswegen einzigartig und eben auch kreativ, weil es SICH, also die Zelda-Serie, neu erfindet und weil es einfach die bekannten Spielelemente so hervorragend und aufeinander abgestimmt einsetzt, dass es für viele Leute, mich eingeschlossen, eines der besten Videospiele der letzten Jahre war und ist.

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Damit komme ich zu meinem diesmaligen Thema, und diesen Text kann man gerne als zweiten Teil der Kreativitäts-Kolumne betrachten. Denn nun gehe ich in die andere Richtung und sage: Sony, traut euch mal ein bisschen mehr Kreativität!

Die Sony-Formel

Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (1) Quelle: Naughty Dog Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (1) Hier sei gesagt: Wie so viele andere Menschen auf der Welt bin ich großer Fan der Playstation-Exklusivspiele. Uncharted 1 bis 4, God of War, The Last of Us 1 und 2, Ghost of Tsushima und Co. gehören mit zum Besten, was der Spielemarkt zu bieten hat. Weil ich aber ein niemals zufriedener Nörgler bin, gucke ich mir diese Spiele an und sage: Zahlreiche tolle Abenteuer, die sich im Kern alle ein wenig ähnlich sind - ist das alles?

Im Prinzip tun die Sony-Games genau das, was ich möchte. Sie vereinen bekannte Elemente so, dass häufig genug etwas Großartiges rauskommt. Damit fährt Sony mehr als gut. Doch es ist eben dieser Ähnlichkeits-Aspekt, der mich stört. Wenn man Ubisoft schon eine Ubisoft-Formel vorwirft, so finde ich, dass eine Sony-Formel auch nicht wirklich geleugnet werden kann. Klar, das eine Ding ist Open World, das andere linear, eines verfügt über Rollenspielelemente, das andere nicht; im Endeffekt fühlen sich die Sony-Titel aber immer sehr vertraut an, sobald man den Dualshock 4 bzw. jetzt eben den Dualsense in Händen hält.

Alte Marken, neu gedacht

Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (3) Quelle: YouTube Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (3) Höchstwahrscheinlich ist das beabsichtigt, der Mensch an sich mag Vertrautes, da fühlt man sich gleich wohl und muss nicht zu lange überlegen. Trotz dieses Umstands und der unbestreitbaren Qualität der Spiele würde ich mir aber einfach mal wieder Spiele wünschen, welche die Sony-Komfortzone ein wenig verlassen. Klar, es gibt sie, siehe Astro's Playroom, Sackboy: A Big Adventure oder, ganz aktuell, Destruction Allstars. Erstens sind das aber Ausnahmen, zweitens gute, aber trotz anderer Grundthematik sehr sicher entwickelte Abenteuer und im Falle eines Destruction Allstars jetzt auch nicht gerade der größte Wurf aller Zeiten.

Ich erwarte mir wie eingangs erwähnt nicht, dass Sony Genres neu definiert oder gar erfindet. Aber wie wäre es mal mit einer Rückbesinnung auf Marken, die man schon lange nicht mehr gesehen hat und welche mit modernem Twist das PS5-Portfolio definitiv bereichern würden? Ich denke da zum Beispiel an Paradebeispiel Parappa the Rapper, aber auch an so etwas wie das von mir damals heißgeliebte Primal, an ein neues Medievil (das bitte besser ist als das lahme 1:1-Remake), an Twisted Metal, Ape Escape, Wipeout, Syphon Filter, Dark Chronicles, ein neues Jak & Daxter, so etwas wie Dog's Life, Eyetoy, Ghosthunter und, und, und.

Kann das nicht jemand anderes machen?

Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (6) Quelle: jp.playstation.com Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (6) Klar, einige dieser Spiele würden in ein ähnliches Schema fallen wie die modernen Sony-Spiele, viele wären wohl, wie Destruction Allstars, keine Meisterwerke. Ich bin aber der Meinung, dass Sony vor allem zu PS1- und PS2-Zeiten einfach wesentlich stärker Genrevielfalt und abstruse Ideen zelebrierte. Das fehlt mir heutzutage, da, anders als bei der Übernahme von Ideen aus anderen Spielen, sehe ich fehlende Kreativität auf lange Sicht als Problem.

Das bedeutet freilich nicht, dass keine schrägen Spiele auf der Playstation zu Hause sind, etwa Dreams. Das ist aber eine Ausnahme, die meisten davon kommen nicht von Sony selbst. Ein Persona 5, welches das JRPG-Genre durch seinen Style in neue Sphären bringt, ein Inside, ein Overcooked, ein Celeste, ein Nier: Automata - da muss man sich bei Drittherstellern und bei Indie-Studios umsehen. Die entwickeln dann zwar oft genug (zeit-)exklusiv für die Sony-Konsole, Sony selbst scheut sich aber, hier mit First-Party-Projekten selbst Fußabdrücke zu hinterlassen.

Ist das nun Nörgeln auf hohem Niveau? Ohne jede Frage, auf allerhöchstem Niveau, denn schlussendlich geht eben Qualität vor, und da macht Sony so schnell niemand was vor. Außerdem ist die gelebte Vorsicht, was durchgeknallte Ideen angeht, ja kein Sony-exklusives Problem, sondern einfach die Richtung, in die sich die Spielebranche entwickelt. Man sehe sich nur Nintendo an, die über Zelda, Mario und ein paar andere Marken hinaus ihre Serien auch nur auf Sparflamme fortsetzen, wenn überhaupt.

Good guy Microsoft

Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (7) Quelle: .Double Fine Altbekanntes auf der PS5: Sony hat ein Kreativitäts-Problem - Kolumne (7) Der Indie-Markt ist da natürlich das Leuchtfeuer in der Dunkelheit, meiner Meinung nach aber auch positiv mit dabei ist der dritte Große im Konsolen-Trio: Microsoft. Vielleicht auch dadurch, dass man sich mit der Xbox ohnehin weg vom Konsolen- und hin zum Service-Gedanken entwickelt, ist das Xbox-Portfolio zwar qualitativ meiner Überzeugung nach weniger gut als jenes von Sony, aber dafür deutlich bunter; viele der wilderen Ideen gibt's durch Studio-Zukäufe, aber es hat ja niemand Microsoft dazu gezwungen, ein Team wie jenes von Double Fine zu kaufen, die mit Psychonauts 2 wohl definitiv keinen Multi-Millionenseller abliefern werden. We Happy Few, Microsoft Flight Simulator, State of Decay, die beiden Ori-Hüpfer - manche, nicht alle dieser Spiele sind großartig, doch mit ihnen bewegt sich Microsoft auch mal aus der 2021er-Blockbuster-Komfortzone hinaus.

Ich will keineswegs, dass Sony aufhört, Marken wie Uncharted oder God of War zu entwickeln, ebensowenig, dass man nicht mehr auf toll gemachte Neuentwicklungen wie Ghost of Tushima setzt. Aber die kleine, renitente Stimme in meinem Kopf schreit "früher war mehr Lametta!". Und sollte der Playstation-Konzern irgendwann zusätzlich zu den Kugeln eben Lametta, aber auch noch Süßigkeiten, bunte Lichter oder auch mal ne Bratwurst an den PS5-Weihnachtsbaum hängen, dann bin ich vollends zufriedengestellt.

Wie seht ihr das? Teilt ihr meine Gedanken oder findet ihr, ich befinde mich auf dem falschen Dampfer? Diskutiert in den Kommentaren!

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