Playstation VR 2: Sony, das reicht einfach noch nicht! - Meinung
Kolumne
Während der State of Play mit Spielen für PS5 und PS4 spielte auch PSVR 2 eine Rolle. Aber die war nicht groß genug, findet Redakteur Lukas Schmid.
Wäre es nach dem gegangen, was die Hersteller von VR-Brillen uns seit dem Start der Technik vor einigen Jahren versprochen haben, würden wir heute wohl alle quasi ausschließlich in der virtuellen Realität Videospiele spielen. Ja, sogar weit mehr als das, eigentlich sollte unser ganzes soziales Leben inzwischen in VR stattfinden, inklusive Arbeit, Freizeit und allem dazwischen. Facebook, ähm, ich meine natürlich Meta und andere Metaverse-Gläubige setzen da ja sogar weiterhin drauf.
Hahaha, das Metaverse! Aber auch im Kernbereich Gaming dümpelt die Technik eher so vor sich hin. Ist halt doch umständlicher, Platz freizuräumen, den zudem nicht jeder hat, sich eine Brille aufzusetzen, herumzufuchteln und Kniescheiben und Wohnungseinrichtung in Gefahr zu bringen, als einfach Gamepad oder Maus und Tastatur zur Hand zu nehmen. Das sage ich als großer Verfechter von VR! Ich liebe meine Meta Quest 2, ich habe High-class-VR-Spiele wie Half-Life: Alyx sehr genossen und verbringe wohl mehr Zeit unter der VR-Brille als vor dem Fernseher und dem Bildschirm.
In diesem Artikel
Aber ich weiß auch, dass ich Teil einer Nische bin. Und soll diese Nische sich öffnen und Teil des Mainstreams werden, dann braucht es dafür erstens einen VR-Verfechter mit großem Namen, und zweitens extrem viel Einsatz, um die vielen notwendigen Kompromisse, die VR mit sich bringt, für eine breite Masse an Spielern akzeptabel zu machen.
Nun, einen großen Namen hat Sony, und es hat wohl einen Grund, warum jeweils teilweise weit mehr als 100 Millionen Exemplare von PS1, PS2 und PS4 in den Wohnzimmern dieser Welt stehen. Die machen schon echt viel richtig! Aber den notwendigen Einsatz für ein Anfachen von VR-Begeisterung? Den kann ich derzeit nicht ausmachen.
Quelle: Valve
Playstation VR 2: Sony, das reicht einfach noch nicht! - Meinung (1)
Damit beziehe ich mich jetzt primär auf die vergangene State of Play. Die wurde im Vorfeld quasi als PSVR-2-Show hochgejazzt, mit dem VR-Spin-off Horizon: Call of the Mountain als Fackelträger vor all den anderen großen Enthüllungen.
Und nicht falsch verstehen, da gab es schon einige coole VR-Dinger zu sehen! Call of the Mountain selbst sieht grafisch toll und nach einem spannenden Action Adventure aus, Resident Evil Village wird zum VR-Game, Resi 4 Remake bekommt auch ... irgendwas mit VR, und ... Joah, und. Abseits davon gab es noch No Man's Sky und Walking Dead Saints and Sinners Chapter 2 zu sehen. No Man's Sky gibt's auf anderen Plattformen schon lange in VR, das andere ist schon eine Weile für Meta Quest und Co. angekündigt.
Das ist per se eine schöne Handvoll Spiele. Aber nicht genug, um da irgendjemanden abzuholen, der VR nicht eh schon mag. Horizon wird wahrscheinlich toll, aber es ist erst einmal nur ein Spiel und auch keines, das so aussieht, als würde es VR irgendwie neu denken oder dramatisch nach vorne bringen. Village VR und der andere Kram, das kennt man schon oder es sind bewährte Konzepte, halt an große Namen gepappt.
Quelle: Hello Games
Playstation VR 2: Sony, das reicht einfach noch nicht! - Meinung (2)
Und das sehe ich als ein Problem, das ist einfach ein "Weiter so" nach demselben Muster wie bei PSVR 1, und das ist zu wenig. Das erste Playstation VR war ein kleiner Erfolg für Sony, aber halt auch immer nur ein Nebenprodukt, und denselben Weg sehe ich hier auch eingeschlagen. Dabei ist VR ja so genial, weil es so viele Möglichkeiten bietet, Gaming neu zu denken!
Ich erinnere mich noch, in den Frühzeiten von VR spielte ich irgendeine Tech-Demo, in der ich auf einem Stuhl auf einer Plattform kilometerweit über den Wolken saß. Das war ein unfassbares Gefühl, und so etwas kann nur VR!
Diese Begeisterung mit immer neuen Ideen hervorzurufen, immer wieder um die Ecke zu denken, dafür muss VR stehen!
Anders als beim normalen Videospielen, das halt so etabliert ist, dass hier eigentlich nur noch Evolution und nicht mehr Revolution möglich ist, ist VR ein Medium, das gerade erst aus dem Säuglingsstadium raus ist. Anstatt das als Ansporn zu nutzen, um sich ständig neu zu erfinden, ruhen sich zu viele VR-Entwickler aber bereits auf dem in den letzten Jahren Etablierten aus und machen halt das, was in der virtuellen Realität schon bisher funktioniert hat.
Das ist sehr schade, und dass Sony einen ähnlichen Weg einzuschlagen scheint, umso mehr. Der Punkt, der PSVR 2 wohl auszeichnen wird, ist starke Technik zu einem vergleichsweise kleinen Preis im Vergleich zur Anschaffung eines PCs, der VR vernünftig stemmen kann plus entsprechender Brille. Also genauso wie beim ersten PSVR.
