Pioneers of Pagonia im Test: Dank Kampagne das bessere Siedler-Erlebnis?
Test
Im Test zu Pioneers of Pagonia zeigt sich, wie ein kleines deutsches Studio unter Führung des Serienschöpfers Volker Wertich das bessere Siedler-Spiel macht als Ubisoft.
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Fast genau zwei Jahre nach seinem Start in den Early Access hat Pioneers of Pagonia jetzt mit der Kampagne das am meisten gewünschte Feature und damit auch die Release-Reife erhalten. Aber auch sonst hat sich in den letzten zwei Jahren einiges getan im Indie-Aufbauspiel des Siedler-Schöpfers Volker Wertich. Wir prüfen im Test, wie viel Spaß der Aufbau mit den Pionieren macht, und gehen natürlich auch der Frage nach, die den meisten auf der Seele brennt: Wie viel Siedler steckt da eigentlich drin?
Wenn man über Pioneers of Pagonia (jetzt kaufen 31,49 € ) spricht, kommt man sowieso nicht daran vorbei, auch über Ubisofts Aufbaureihe zu sprechen. Immerhin gäbe es Pagonia ohne das Fiasko gar nicht, das bei Die Siedler: Neue Allianzen abgelaufen war. Denn eigentlich sollte Volker Wertich die gebeutelte Marke zusammen mit Ubisoft Blue Byte wieder zu alter Stärke führen. Der verließ das Projekt dann aber mitten in der Entwicklung wegen kreativer Differenzen. Was genau vorgefallen ist, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Aber wenn man sich Neue Allianzen so ansieht, hängt das sicher mit dem seltsamen Fokus auf Echtzeitstrategie, Live-Service-Aspekte und Premiumwährung zusammen, die man sich für Echtgeld kaufen kann.
Endlich mit Kampagne
Stattdessen hat sich Volker Wertich mit seinem Entwicklerstudio Envision Entertainment seiner Vision eines modernen Siedler-artigen Aufbauspiels gewidmet. Das Ergebnis ist gleichzeitig eine klare Hommage an die wuselnden Siedler, geht aber auch eigene Wege, um sich ausreichend davon abzuheben. Und durch das Early-Access-Modell und einen offenen Austausch mit der Community haben die Entwickler sichergestellt, dass es nicht an der Zielgruppe vorbeientwickelt wird wie sein Ubisoft-Pendant.
Der beste Beweis dafür ist die jetzt mit dem Release hinzugekommene Kampagne, die seit Beginn ganz oben auf der Wunschliste der Spieler stand. Die umfasst sieben Levels und führt Spieler stückweise in die Mechaniken und Gebäude im Spiel ein. Außerdem erfahren wir darin mehr über die Geschehnisse, wieso die Welt von Pagonia in einzelne Inseln aufgebrochen und von einem mysteriösen Nebel eingehüllt wurde. Dabei reisen wir von Insel zu Insel, helfen den dortigen Einwohnern und kommen einer im Verborgenen agierenden Macht auf die Schliche.
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Die Handlung wird dabei in unvertonen Textboxen präsentiert, die zuweilen etwas arg ausarten. Und die Story selbst? Joa, die ist nichts Besonderes, dient aber ohnehin nur als Beiwerk. Denn was viel wichtiger ist, sind die Missionen selbst, und da liefern die Entwickler gute Arbeit mit einer ordentlichen Portion Abwechslung ab. Jedes Level führt neue Gegnertypen ein, konfrontiert uns mit anderen Herausforderungen oder bietet irgendwelche Besonderheiten.
Gelungene Kampagnen-Missionen
Auf einer Insel finden wir zum Beispiel eine verlassene Siedlung, die wir dann übernehmen, was uns die anfängliche Bauphase erspart. In einer anderen Mission müssen wir dagegen andauernd die Wälder abholzen, um an dringend nötigen Bauplatz zu kommen, weil die Bäume auf magische Weise deutlich schneller wachsen. Und weil das noch nicht genug ist, haben wir es auch noch mit Werwölfen zu tun, die nur zu gerne unsere Bewohner als Mitternachtssnack vernaschen.
Die Entwickler nutzen dafür gekonnt die bereits aus dem Freien Spiel bekannten Mechaniken. Wir müssen also mal mit anderen Dörfern handeln, mal Außenposten mit Waren beliefern, mal bestimmte Gebiete in unser Territorium bringen und mal Gegnercamps ausräuchern oder Bosse bezwingen.
Ja, ganz recht, eine große Besonderheit der Kampagne in Pioneers of Pagonia sind Bossgegner mit besonders vielen Lebenspunkten. Um die zu besiegen, brauchen wir nicht nur eine große Armee mit den richtigen Einheiten, meistens müssen wir auch bestimmte Dinge tun, um sie erst zu schwächen. Die Bosse sind sinnvoll im Rahmen eines Aufbauspiels umgesetzt und sorgen für interessante Herausforderungen als Finale einer Karte. Auf normaler Schwierigkeit haben wir für die Kampagne übrigens 23 Stunden gebraucht, wer sehr gemütlich spielt, kann aber auch das Doppelte an Zeit einplanen.
Quelle: PC Games
Welche Pflanzen gut auf Feldern wachsen, hängt von der Bodenbeschaffenheit unter ihnen ab.
Und wenn man gar keine Lust auf Herausforderung hat oder Pagonia nur wegen des Aufbaus spielen möchte, kann man zum Story-Modus greifen. Da werden Kämpfe auf ein Minimum reduziert. Oder man teilt sich die Aufgaben einfach auf und spielt die Kampagne im Koop mit bis zu drei Mitstreitern.
Siedler, bist du's?
Aber wie spielt sich Pioneers of Pagonia überhaupt? Die kurze Antwort: im Grunde wie Die Siedler, nur ohne richtige KI-Gegner. Die deutlich längere Antwort: Wir starten jede Karte auf einer in Nebel gehüllten Insel mit einem Grundstock an Rohstoffen, Trägern und Handwerkern. Wie viel wir zu Beginn haben, hängt von den Einstellungen der Karte ab. Wer es knackig haben möchte, fängt mit dem sogenannten Neustart an. Da müssen wir mit einer kleinen Gruppe Pioniere loslegen und komplexere Gebäude erst mal durch die Erschließung besserer Baumaterialien freischalten. Ein zügiger Start mit deutlich mehr Möglichkeiten vom Fleck weg ist aber auch möglich.
In jedem Fall geht es darum, eine florierende Wirtschaft aufzubauen, die Insel zu erkunden und je nach Einstellungen bestimmte Ziele zu erfüllen. Oder im Sandboxmodus einfach ganz entspannt vor sich hinzubauen, inklusive optionaler Zierobjekte. Wir errichten also Wachgebäude, damit unsere Wachen die Grenzsteine unseres Reichs verschieben und so neues Bauland und Rohstoffe sichern. Gleichzeitig senden wir Erkunder aus, um wichtige Orte aufzudecken, neutrale Siedlungen zu erspähen oder Bedrohungen in Form von Gegnercamps ausfindig zu machen.
Gut gekontert ist halb gewonnen
Klassische KI-Gegner, die eigene Siedlungen aufbauen, gibt es nicht in Pagonia. Die Lager mit Dieben, Geistern, Werwölfen und anderen Widersachern schicken stattdessen in regelmäßigen Abständen Truppen aus, um uns auf den Keks zu gehen. Richtig cool dabei ist, dass jeder Gegnertyp andere Gemeinheiten parat hat, um uns auf Trab zu halten. Die geisterhaften Schemen erschrecken beispielsweise beinahe alle Pagonier, inklusive unserer Elitesoldaten, wodurch ihre wertvolle Ausrüstung verloren geht. Die industriellen Scavs sind dagegen dick gepanzert und expandieren als einzige ihre Grenzen von ihren Bollwerken aus, um so viele Bodenschätze wie möglich an sich zu raffen. Auf der nächsten Seite gehen wir weiter auf die Kämpfe ein und erläutern unter anderem, wie viel Siedler drinsteckt.
