Stilsicher, düster und abwechslungsreich: Persona 3 Reload bringt einen JRPG-Klassiker auf die aktuellen Plattformen und ist ein fast perfektes Remake!
Auch der Velvet Room unterscheidet sich ein wenig von dem, was wir noch aus Persona 5 im Gedächtnis haben: Im Remake handelt es sich wie im Original um einen Fahrstuhl anstatt eines Gefängnisses. Außerdem werden die Personas im Rahmen der Fusionen, mit der neue, stärkere Varianten erschaffen werden, nicht mehr exekutiert. Stattdessen werden die Wesen von Tarotkarten symbolisiert, die der Velvet-Room-Leiter Igor dem Protagonisten durch den Kopf jagt - vor der Symbolik des Todes gibt es wirklich kein Entkommen.
Wie stylish soll das Remake werden? JA!
Die größten und gleichzeitig offensichtlichsten Änderungen im Remake sind die Grafik und der Stil. Alles wurde basierend auf der Vorlage von Grund auf neu gemacht und der unfassbar stylishen Benutzeroberfläche von Persona 5 nachempfunden. Aber natürlich nicht als stumpfe Kopie, vielmehr wurde sie als Inspiration genutzt und in einem eigenen Farbschema neu umgesetzt.
Diese liebevolle Neugestaltung zieht sich durch vom Menü über die Charaktermodelle und Sprites bis hin zu ganz neuen Zwischensequenzen. Es liegen grafische Welten zwischen dem Original und Persona 3 Reload. Durch den neuen und dennoch bekannten Stil haben wir uns sofort wie zuhause gefühlt. Es mag qualitativ nicht wie ein Blockbuster-Titel wie Horizon: Forbidden West aussehen, aber das ist bei der Anime-Optik eh weder realistisch noch zwangsläufig notwendig.
Quelle: Atlus/Sega
Die ebenfalls neue englische Synchronisation ist hervorragend gelungen und sorgt dafür, dass wir uns die stellenweise ausschweifenden Dialoge immer gerne anhören. Doch nicht nur die Stimmen der Charaktere wurden neu eingesprochen, auch die Sängerin ist nun eine andere. Der neu abgemischte Soundtrack gliedert sich bestens ins Spiel ein.
Wenn ihr Persona 3 bereits gezockt habt, wisst ihr, was euch im Kern erwartet: Das damalige Spiel in einem komplett neuen Gewand und mit neuen Features getreu dem Motto "Persona 3 but make it Persona 5!". Einen kleinen Dämpfer gibt es bei aller Freude dann allerdings doch: Es handelt sich im Endeffekt um ein Remake der ersten Fassung. Änderungen und Eigenheiten aus der Portable- und den FES-Version(en) sind nicht vorhanden.
Selbst Meisterwerke sind nicht fehlerfrei
Dementsprechend gibt es zum Beispiel keine Möglichkeit, die weibliche Hauptfigur oder den später hinzugefügten Epilog zu spielen. Einzelne Elemente wie der Social Link für einen bestimmten Charakter, den es bisher nur in Persona 3 FES gab, oder die Möglichkeit aus Portable, alle Gruppenmitglieder im Kampf zu steuern, haben es dennoch hineingeschafft.
Quelle: Atlus/Sega
Bei dem Aufwand, der in das Remake geflossen ist, wundern wir uns schon darüber - schließlich hätte Atlus hiermit die ultimative Version des Spiels erschaffen können. Wir sehen das mehr als eine Designentscheidung, die wichtig zu erwähnen ist, als einen großen Kritikpunkt. Dennoch können wir nachvollziehen, wenn alte Persona-Hasen enttäuscht davon sind, auf bereits existierenden Content verzichten zu müssen.
Ansonsten haben wir kaum etwas an der neuen Umsetzung zu bemängeln. Gelegentlich passt die englische Synchronisation nicht zu den deutschen Texten, das bezieht sich allerdings auf einzelne Formulierungen und nicht generell auf die Dialoge. An einzelnen Stellen fehlt mal ein Komma oder ein Buchstabe wurde klein- anstatt großgeschrieben, bei der schieren Masse an Gesprächen verbuchen wir das allerdings als Flüchtigkeitsfehler.
Bei der Erkundung des Tartarus beginnt ihr die Kämpfe mit einem Schwerthieb, sofern die Gegner euch nicht vorher erwischen. Die Attacken fühlen sich gelegentlich aber unpräzise an, was manchmal dazu führt, dass der Schatten euch umwirft, während ihr erfolglos in der Gegend rumfuchtelt. Das ist dann aber auch Jammern auf hohem Niveau.
Von Mementos in den Tartarus
Wem würden wir Persona 3 Reload nun empfehlen? Ganz klar jedem, der sich vorstellen kann, an einem JRPG dieser Art Spaß zu haben! Falls es euch wie uns geht und ihr mit dem Remake zum ersten Mal die Dark Hour erlebt, zuvor aber viel Zeit in Persona 5 verbracht habt, möchten wir euch noch die wichtigsten Unterschiede mit auf den Weg geben.
Einige Punkte haben wir bereits angeschnitten, wie den wohl größten Aspekt: Der Tartarus ist keine Ergänzung zu den Palästen, sondern der einzige Dungeon. Wenn ihr Spaß in Mementos hattet, sollte das kein Problem darstellen - schließlich ist der Tartarus auch in die Handlung eingebunden und verbirgt mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.
Obwohl Persona 3 nicht wie Teil 5 durch die Paläste in Kapitel unterteilt ist, haben die Entwickler sich damals dennoch ein Konzept überlegt, wodurch ein größerer Handlungsrahmen gegeben ist. Der funktioniert auch heute noch gut und sorgt stattdessen für das ebenfalls befriedigende Gefühl, einen großen Aspekt der Spielwelt nach und nach aufzudecken.
