Stilsicher, düster und abwechslungsreich: Persona 3 Reload bringt einen JRPG-Klassiker auf die aktuellen Plattformen und ist ein fast perfektes Remake!
Das Spiel verschafft einem aber stets das Gefühl, solche Elemente nicht willkürlich zu verwenden, sondern sie im Gesamtkonzept eines übergeordneten Themas zu integrieren. Es gibt als Ausgleich für die schwierigen Aspekte allerdings auch viele lockere, unterhaltsame Momente, vor allem wenn die Gruppenmitglieder gemeinsam unterwegs sind.
Coming of Age: Der ganz normale Wahnsinn
Als wäre es noch nicht genug, nachts gegen eine für die meisten Menschen unbekannte Bedrohung zu kämpfen, seid ihr nebenbei noch ein ganz normaler Schüler! Es wäre schließlich nicht Persona ohne die Teenager-Simulation, in der ihr zur Schule geht, mit Freunden abhängt und verschiedenen Hobbys sowie Nebenjobs nachgeht.
Das macht ihr nicht nur aus Spaß an der Freude - wobei, eigentlich schon, aber dazu gleich mehr -, sondern weil euch jede Aktivität Vorteile verschafft. Gönnt ihr euch eine Schüssel Ramen, erhöht sich euer Charme. Verbringt ihr Zeit mit einem anderen Charakter, verbessert sich eure Beziehung und eure Personas werden zukünftig stärker.
Quelle: Atlus/Sega
Es sind nicht immer alle Aktivitäten verfügbar und auch die besten Freunde brauchen mal eine Pause, aber die Auswahl ist groß. Bessere Werte hin und her, bei alldem steht dennoch die Lebenssimulation im Vordergrund. Die Social Links, wie eure Beziehungen mit anderen Figuren genannt werden, bieten zahlreiche Szenen und Events, die euch euer Gegenüber näherbringen.
Alle Figuren haben eine andere Geschichte, Beweggründe und Dinge, die sie mit euch unternehmen wollen. Mit wem ihr Zeit verbringt und welche Beschäftigungen ihr wählt, ist ganz euch überlassen. Genau darin liegt nicht nur die Stärke, sondern auch die Einzigartigkeit der Persona-Reihe: Eine ernste Geschichte gepaart mit einem unterhaltsamen Kampfsystem und einer großen Portion Alltag, weshalb der Abspann jedes Mal für Trennungsschmerz sorgt.
Wir haben, wie schon bei Persona 5, ziemlich schnell vergessen, dass wir theoretisch aufgrund der Vorteile mit unseren Schulkameraden abhängen sollen, und uns voll und ganz auf unsere Rolle als Oberschüler eingelassen. Auch wenn der männliche Protagonist optisch nicht angepasst werden kann und die Dialogoptionen zwar einen Einfluss auf die Social Links, jedoch keine großen Konsequenzen haben, konnten wir uns in ihn hineinversetzen.
Der Wolkenkratzer der Unterwelt
Damit das Ganze auf Dauer nicht eintönig wird, gibt es noch das bereits erwähnte Herzstück des Spiels: den Tartarus. Der besteht aus sehr, sehr vielen Ebenen, die zufällig generiert werden und sich jeden Tag wieder verändern. Er ist wie Mementos aus Persona 5, bloß dass er hier keine Ergänzung zu handgefertigten Palästen, sondern der einzige Dungeon ist.
Quelle: Atlus/Sega
Kämpfen könnt ihr bis auf wenige Ausnahmen nur im Tartarus, dem ihr im Regelfall abends einen Besuch abstatten könnt. Der Turm lässt sich erst im Laufe des Spiels vollständig erkunden, da mit der Zeit neue Abschnitte verfügbar werden. Die verschiedenen Bereiche unterscheiden sich zwar optisch, innerhalb der Abschnitte sind sich die Ebenen allerdings extrem ähnlich und werden dadurch auf Dauer repetitiv.
Wäre Persona 3 Reload ein ganz neuer Teil, würden wir es ihm als großen Kritikpunkt ankreiden. Aber es ist eben ein Remake eines 18 Jahre alten Spiels, weshalb es absolut nachvollziehbar ist, dass keine neuen Dungeons geschaffen wurden, die massiv in die Struktur des Originals eingegriffen hätten.
Nichtsdestotrotz hat sich Atlus den fünften Teil zum Vorbild genommen und viele Verbesserungen und einige Änderungen implementiert, um das Spiel zu modernisieren. Das fängt bei Kleinigkeiten an, wie zum Beispiel der hinzugefügten Sprintfunktion oder das Angleichen der Persona-Fusionen an das aktuelle Vorbild.
Quelle: Atlus/Sega
Es wurden aber auch neue Fähigkeiten hinzugefügt. Trefft ihr die Schwachstelle eures Gegners, könnt ihr eure zusätzliche Angriffsmöglichkeit an einen eurer Teamkameraden abgeben - in Persona 5 gab es das unter anderem Namen auch. Außerdem können die Mitglieder von S.E.E.S. einzigartige Spezialangriffe einsetzen, die ein bisschen an die Showtime-Angriffe erinnern, wenn auch etwas weniger imposant.
Das Kampfsystem funktioniert ansonsten wie gehabt: Jeder Charakter verfügt über eine Persona, der Protagonist kann sogar zwischen verschiedenen wechseln. In den rundenbasierten Kämpfen müsst ihr dann die Schwachstellen der Gegner aufdecken, sie zu Boden werfen und ihnen mit einem Großangriff den Rest geben.
Im Gegensatz zum fünften Teil könnt ihr nicht mit den Schatten verhandeln und sie so in euer Team holen. Stattdessen gibt es im Anschluss an jeden Kampf die Wahrscheinlichkeit einer Shuffle Time. Dabei werden euch Karten mit verschiedenen Effekten angeboten, von denen ihr euch eine aussuchen müsst. Auf diese Weise erhaltet ihr neue Personas, mehr Geld, Erfahrungspunkte oder andere Boni.
