Die Gescheiterten: Nicht jede Konsole war ein Hit - wir blicken zurück

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Die Gescheiterten: Nicht jede Konsole war ein Hit - wir blicken zurück
Quelle: Medienagentur plassma

Normalerweise ist eine neue Konsolengeneration ein Grund zur Freude. Doch bei all dem Hype rund um Playstation 5 und Xbox Series X sollte niemand vergessen, dass nicht jedes Gerät bereits am ersten Tag ausverkauft war. Ganz im Gegenteil: Im Laufe der letzten Jahrzehnte kamen ein paar außergewöhnliche Flops auf den Markt.

"Es gab zu wenig Spiele": Kaum eine Erklärung dürfte derart einleuchtend sein, warum eine Konsole letztlich gefloppt ist. Schließlich kann die Technik noch so fortschrittlich und ein Konzept noch so vielversprechend sein - wenn es am Ende nicht genügend Games für eine Plattform gibt, hat niemand etwas davon. Mit dieser goldenen Regel wurde selbst der erfahrene Branchenriese Nintendo überrollt, als er 1996 mit dem Nintendo 64 in den Markt drängte. Zwar war die Konsole keineswegs ein Flop, jedoch verloren die Japaner ihre sicher geglaubte Vormachtstellung an den damaligen Neuling Sony und dessen erste Playstation. Der Hauptgrund: Die veraltete Modultechnologie des N64 schränkte Spieleentwickler unnötig ein, weshalb vor allem versierte Rollenspiel-Hersteller wie Squaresoft (Final Fantasy) oder Enix (Dragon Quest) das Lager wechselten und lieber für Sonys CD-Konsole produzierten.

Zum Glück hatte Nintendo stets genügend Ausdauer, konnte sich dank vorbildlicher Umsätze im Handheldsektor locker über Wasser halten und sich spätestens mit Wii sowie Switch nahezu vollständig erholen. Doch schon unser nächster Fall zeigt, dass ein solcher Konkurrenzkampf auch ganz anders ausgehen kann ...

Keine Puste mehr

Sega zählte einst zu den beliebtesten Konsolenherstellern, auch wenn die Japaner ständig neue Fehlschläge in Kauf nehmen mussten. Das sowohl in Europa als auch den USA begehrte Mega Drive war beispielsweise in Fernost kein großer Hit, während umgekehrt der Saturn hierzulande wie Blei in den Regalen liegen blieb. Das 3DO glänzte bereits 1993 mit voll texturierten Polygon-Spielen wie Total Eclipse und kam somit der PlayStation ein Jahr zuvor. (1) Quelle: Medienagentur plassma Das 3DO glänzte bereits 1993 mit voll texturierten Polygon-Spielen wie Total Eclipse und kam somit der PlayStation ein Jahr zuvor. (1)

Trotzdem wollte Sega nicht so schnell aufgeben und zog mit der Dreamcast seine letzte Trumpfkarte. Die Konsole erschien in Japan bereits Ende 1998 und schlug in puncto Technik alle bis dato erhältlichen Konkurrenten um Längen. Leider erfolgte die Veröffentlichung für den westlichen Markt erst ein Jahr später, und der zeitliche Vorsprung war dahin. In der Zwischenzeit hatte Sony offiziell die Playstation 2 angekündigt und lockte mit einem damals revolutionären Feature, das sich als echter Game Changer entpuppte: Die schwarze Kiste war imstande, DVD-Filme abzuspielen - im Gegensatz zur Dreamcast, auf der ein exotisches GD-ROM-Laufwerk zum Einsatz kam.

Weil Sega es obendrein nicht verstand, die Dreamcast mit markanten Werbesprüchen an Mann und Frau zu bringen, verlor der Hersteller erneut gegen die geballte Marketingpower von Sony und etwas später auch gegen Microsoft und die erste Xbox. Selbst die zahlreichen Hits von Power Stone über Crazy Taxi bis Shenmue, die man ursprünglich nur auf der Dreamcast spielen konnte, verhinderten nicht, dass sich Sega als Hardware-Hersteller verabschiedete und sich künftig auf das Entwickeln von Spielen konzentrierte.

Nie eine echte Chance gehabt

Unser nächster Kandidat hat einen ähnlichen Werdegang wie Sega durchgemacht, nur dass er das Kunststück mit einer und nicht mit drei Konsolen vollbrachte. Die Rede ist von NEC und der PC Engine: Das Gerät erschien 1987 inmitten des Wechsels von der 8-Bit- zur 16-Bit-Generation und konnte grafisch wie musikalisch erstaunlich gut mit dem ein Jahr später folgenden Mega Drive mithalten. Dank fähiger Entwickler wie Hudson, Namco und Irem profitierte die Konsole von höchst beeindruckenden Arcade-Adaptionen, darunter R-Type, Galaga 88 oder Mr. Heli.

Die PC Engine erlangte unter Videospielfreaks insbesondere in Deutschland echten Kultstatus. Das lag auch vor allem an der umfangreichen Berichterstattung der damaligen Spielemagazine Aktueller Software Markt (kurz ASM) und Power Play, die alle wichtigen PC-Engine-Highlights testeten und starke Games wie Gunhed oder Final Match Tennis mit außergewöhnlich hohen Wertungen ehrten. Zudem folgte bereits 1988 ein CD-ROM-Laufwerk für die Konsole. Und auch wenn die ersten CD-Titel wie Fighting Street alles andere als perfekt waren, so begeisterten im Laufe der Jahre fantastische Spielspaßperlen wie Ys Book 1 & 2, Dracula X: Rondo of Blood oder Seirei Senshi Spriggan.
Die Spiele für das 3DO wurden sowohl in kleinen Jewel Cases als auch in schön großen Schachteln verkauft. Quelle: Medienagentur plassma Die Spiele für das 3DO wurden sowohl in kleinen Jewel Cases als auch in schön großen Schachteln verkauft.

Nun gab es an der ganzen Sache jedoch einen richtig blöden Haken: die PC Engine ist nie in Deutschland erschienen! Zunächst einmal setzte NEC den US-Release voll in den Sand: Dort debütierte die Konsole unter dem Namen TurboGrafx erst Mitte 1989 und somit nur wenige Wochen vor dem Mega Drive, womit NEC den Vorsprung aus Japan komplett verspielt hatte. Zum anderen steckte das Unternehmen viel zu viel Geld in die Vorproduktion, was ein 2014 bei Gamasutra veröffentlichter Artikel sehr ausführlich erläuterte. Demzufolge pochte die NEC-Chefetage zum Erscheinungstermin auf 750.000 Einheiten, sodass kaum Geld für solides Marketing übrigblieb.

Aus diesen Gründen floppte die TurboGrafx in den USA, und an eine nachträgliche Veröffentlichung in Europa war nicht mehr zu denken. Die Konsole wurde offiziell nur in einzelnen Ländern wie England, Frankreich oder Spanien verkauft, allerdings in Form eines lieblos vermarkteten Imports. Der Gipfel der Demütigung: Obwohl gerade viele deutsche Spielefans aufgrund der damaligen Berichterstattung in ASM und Power Play nach wie vor ein großes Herz für die PC Engine haben, wurden sie Anfang 2020 erneut übergangen. Zu diesem Zeitpunkt erschien nämlich die gelungene Mini-Variante PC Engine CoreGrafx, die nahezu alle wichtigen Spiele-Highlights vereint und zu den liebevollsten Konsolennachbauten gehört. Das Menü der PC Engine Mini platzt regelrecht vor genialen Spielen. Trotzdem wurde das Gerät genau wie die Ursprungskonsole niemals offiziell in Deutschland vermarktet. Quelle: Medienagentur plassma Das Menü der PC Engine Mini platzt regelrecht vor genialen Spielen. Trotzdem wurde das Gerät genau wie die Ursprungskonsole niemals offiziell in Deutschland vermarktet.

Ataris verzweifelte Versuche zurück zur Marktführerschaft

Bis hierhin haben wir uns auf Konsolen konzentriert, die trotz enttäuschender Umsätze einen guten Ruf genießen. Das gilt jedoch nicht unbedingt für die vielen Versuche des ehemaligen Branchenpioniers Atari, der sich innerhalb von gut einer Dekade selbst zersägte. Der erste große Schlag erfolgte 1982, als die Führungsriege eine unsinnige Entscheidung nach der anderen fällte. Aufgrund einer Überproduktion von Atari-2600-Modulen als auch dem eher leidlich verbesserten Nachfolger Atari 5200 machte der US-Konzern herbe Verluste. Gezeichnet durch den damit zusammenhängenden großen Videospiel-Crash, wurde die Atari-Abteilung für Heimcomputer und Videospielkonsolen vom ehemaligen Commodore-Chef Jack Tramiel gekauft.
In den hübsch gestalteten Atari-Jaguar-Packungen schlummerten neben dem Modul und der Anleitung oftmals kleine Pappkärtchen. Diese klemmte man über die kleine Tastatur des Joypads und konnte anhand der Symbole auf den ersten Blick erkennen, welche Taste welche Funktion auslöste. Quelle: Medienagentur plassma In den hübsch gestalteten Atari-Jaguar-Packungen schlummerten neben dem Modul und der Anleitung oftmals kleine Pappkärtchen. Diese klemmte man über die kleine Tastatur des Joypads und konnte anhand der Symbole auf den ersten Blick erkennen, welche Taste welche Funktion auslöste. Mit dem Atari ST folgte 1985 zumindest ein ordentlicher Computer, wohingegen der Atari 7800 in keiner Weise mit dem technisch starken Nintendo Entertainment System mithalten konnte. Parallel dazu hatte der Spieleentwickler Epyx eine bahnbrechende Idee und konzipierte ein tragbares Videospielgerät, den Handy. Doch leider steckten die Kalifornier in finanziellen Schwierigkeiten und benötigten deshalb einen Partner. Während die japanischen Topfirmen allesamt absagten, blieb am Schluss nur einer übrig: Atari.

Trotz des Deals war Epyx noch im selben Jahr bankrott. Plötzlich hatte Atari im wahrsten Sinne des Wortes ein technisch äußerst fortschrittliches Wunderkind in der Hand. Es besaß ein farbiges Display und einen sehr leistungsfähigen Grafikchip, der Objekte stufenlos vergrößern oder verkleinern konnte - wohlgemerkt ein Jahr vor dem Super Nintendo! Zwar fiel die Auflösung mit 160x102 Pixeln recht gering aus, dieses Manko konnten gewitzte Spieleentwickler dank der satten Farbpalette jedoch ausgleichen.
Grottenschlechte Spiele wie Trevor McFur in the Crescent Galaxy (1993) sorgten dafür, dass der Atari Jaguar von Anfang an einen miesen Ruf hatte. Quelle: Medienagentur plassma Grottenschlechte Spiele wie Trevor McFur in the Crescent Galaxy (1993) sorgten dafür, dass der Atari Jaguar von Anfang an einen miesen Ruf hatte. Der Handy wurde schlussendlich in Atari Lynx umbenannt und hätte eigentlich ein riesiger Erfolg sein können. Doch leider hatte die tolle Technik einen hohen Preis, sodass Atari für das klobige Handheld zum US-Release Ende 1989 knapp 180 US-Dollar und im Folgejahr in Deutschland stolze 399 D-Mark veranschlagte. Obendrein gab es Probleme mit dem Stromverbrauch; je nach verwendeten Batterien gingen dem Lynx innerhalb von ein bis vier Stunden die Lichter aus.

All das wäre halb so wild gewesen, wenn nicht zeitgleich Nintendo den Markt mit dem Game Boy aufgemischt hätte. Zwar konnte der kleine graue Kasten nur eine Handvoll Grüntöne darstellen, doch dafür hielten die Batterien bis zu 15 Stunden am Stück, die Anschaffungskosten waren halb so teuer und zahlreiche Top-Titel wie Tetris oder Super Mario Land sprachen ungewöhnlich viele Nicht-Spieler an. Zudem war der Game Boy im Gegensatz zum Lynx schön klein und kompakt, weshalb man ihn viel leichter überallhin mitnehmen konnte.

Noch schlimmer traf es Atari allerdings mit dem berühmt-berüchtigten Jaguar, mit dem man der kommenden Konsolengeneration in Form von Playstation, Sega Saturn und Nintendo 64 ernsthaft Konkurrenz machen wollte. Diesmal setzten die Amerikaner auf den Zeitvorteil gegenüber den Japanern und drückten die Konsole bereits 1993 auf den Markt. Mit einer aggressiven Werbekampagne wollte man potenzielle Käufer auf die vermeintliche 64-Bit-Fähigkeit verweisen, setzten doch Sony, Sega und Co. noch auf schnöde 32-Bit. Doch am Ende spielte der technische Aspekt keine Rolle, weil der Laie den Unterschied sowieso nicht verstand und - viel schlimmer - die Spiele definitiv nicht besser aussahen.

Nicht zuletzt scheiterte der Atari Jaguar an seiner viel zu kompliziert designten Hardware. Kurzum: Es war ein Grauen, ein Spiel für das Gerät zu entwickeln oder von einem anderen System umzusetzen. Zwar erschienen mit Tempest 2000 oder Alien vs Predator einige technisch sehr kompetente Titel. Doch unterm Strich war das Angebot viel zu dürftig, um gegen die geballte Macht aus Fernost zu bestehen.
Die Dogfight-Simulation Warbirds (1991) gehörte zu den technisch beeindruckendsten Spielen für das Atari Lynx. Die Entwickler nutzten den fortschrittlichen Grafikchip des Handhelds hervorragend aus. Quelle: Medienagentur plassma Die Dogfight-Simulation Warbirds (1991) gehörte zu den technisch beeindruckendsten Spielen für das Atari Lynx. Die Entwickler nutzten den fortschrittlichen Grafikchip des Handhelds hervorragend aus.

Die zum Scheitern verurteilte Rebellion

Nahezu zeitgleich mit dem Jaguar-Debakel wollte noch anderes ins lukrative Videospielbusiness einsteigen: Trip Hawkins, der ehemalige Boss von Electronic Arts. Der Mann hatte nämlich einen Traum und gründete 1991 die Firma 3DO, um den Markt mit einer hochmodernen Konsole zu revolutionieren. Hawkins setzte vor allem auf das noch junge CD-ROM-Medium, das zum einen deutlich mehr Speicherplatz als ein gewöhnliches Modul zur Verfügung stellte und zum anderen dramatisch weniger Produktionskosten pro Stückzahl erforderte.

Hawkins wusste zudem nur allzu gut, wie hart umkämpft der Konsolenmarkt war. Also köderte er die Spieleentwickler mit einem sagenhaften Angebot und forderte für jede verkaufte CD läppische drei Dollar, während Nintendo oder Sega ein Vielfaches für ihre Module einstrichen. Blöderweise hatte man die Rechnung ohne die brutale Realität gemacht, schließlich verlangte die Konkurrenz nicht ohne Grund so viel Kohle. Denn nur so konnte man eine möglichst fortschrittliche Konsole zu einem möglichst niedrigen Preis auf den Markt bringen. Hawkins hingegen musste das Defizit durch den Gewinn bei den Hardwareumsätzen reinholen.
Die Spiele für das 3DO wurden sowohl in kleinen Jewel Cases als auch in schön großen Schachteln verkauft. Quelle: Medienagentur plassma Die Spiele für das 3DO wurden sowohl in kleinen Jewel Cases als auch in schön großen Schachteln verkauft. Hinzu kam die eher gewagte Idee, dass 3DO selbst gar keine Geräte produzieren sollte. Stattdessen verkaufte man die Lizenz an etablierte Elektronikhersteller wie Panasonic, Goldstar oder Samsung. Somit war es kein Wunder, dass am Ende ein abenteuerlich hoher Preis zustande kam - eine 3DO-Konsole war zum US-Release für knapp 700 Dollar zu haben. Zum Vergleich: Das Super Nintendo kostete zwei Jahre zuvor 200 Dollar, während zwei Jahre später selbst Segas Saturn mit 400 Dollar deutlich preisgünstiger gewesen ist.
Das 3DO wurde ungefähr zwei Jahre lang mit passablen Spielen versorgt, die vornehmlich von Electronic Arts stammten. Der Entwickler nutzte geschickt die technischen Vorzüge der Hardware, was unter anderem in der damals besten FIFA-Version resultierte. Außerdem feierten gar komplett neue Franchises wie die Rennspielreihe The Need for Speed ihr Debüt auf dem 3DO. Als 1995 Sonys PlayStation in Europa sowie den USA erschien und aus dem Stand heraus an 3DO vorbeizog, ließ EA seinen ehemaligen Chef allerdings gnadenlos im Regen stehen.
Nur auf dem CD-i könnt ihr das berüchtigte Link: Die Fratzen des Bösen von 1993 spielen. Zudem konnte das Geräte Video-CDs abspielen, gleichwohl je nach Serienmodul der zusätzliche Kauf einer Digital Video Cartridge nötig war. Quelle: Medienagentur plassma Nur auf dem CD-i könnt ihr das berüchtigte Link: Die Fratzen des Bösen von 1993 spielen. Zudem konnte das Geräte Video-CDs abspielen, gleichwohl je nach Serienmodul der zusätzliche Kauf einer Digital Video Cartridge nötig war.
Demzufolge scheiterte die Idee an ihren viel zu hochgesteckten Ambitionen und dem daraus resultierenden Anschaffungspreis, der so manchen Videospielenthusiasten zum Verkauf seiner alten Konsole mitsamt Spielen nötigte. Eine Entscheidung, die er gut 20 Jahre später bitter bereut haben dürfte, als er erstmals die aktuellen Ebay-Preise gut erhaltener Super-Nintendo-Module sichtete ...
Am Rande sei noch das Debakel rund um Philips CD-i erwähnt, das ebenfalls mit der CD-Technologie auftrumpfen und obendrein den Kunden mit hippen Multimedia-Fähigkeiten locken wollte. Philips gelang gar ein einmaliger Deal mit Nintendo und erhielt die Lizenzen von Mario und Zelda. Doch die exklusiv für das CD-i entwickelten Spiele waren im besten Falle langweilig (Hotel Mario) - und im schlimmsten unspielbarer Schrott (Link: Die Fratzen des Bösen). Schnell versank das CD-i in der Versenkung.

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