Meinung: Wieso jährlichen Spieleserien Pausen guttun!

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Meinung: Wieso jährlichen Spieleserien Pausen guttun!
Quelle: Activision

Und jährlich grüßt das Update: FIFA, Call of Duty und viele andere Spieleserien erscheinen im Zwölf-Monatsrhythmus. Wieso Pausen mancher Spieleserie gut täten, aber eher unwahrscheinlich sind - darüber schreibt unser Autor Olaf Bleich.

Mir blutete das Herz: Als WWE 2K20 am 22. Oktober 2019 für PC, Playstation 4 und PC herauskam, war die Wrestling-Simulation ein einziger Scherbenhaufen. Abstürze, Bugs und andere Probleme geisterten durchs Netz. Das über Jahre bei der Fangemeinde aufgrund von Ideenarmut und Stagnation in der Kritik gestandene Showkampf-Spektakel war endgültig an seinem Tiefpunkt angekommen. Die Folge? Miserable Testwertungen und erboste Käufer. Auch die hastig nachproduzierten Patches konnten nichts mehr retten. Die Zukunft der Marke hing in der Schwebe.

Ende April folgte dann die Ansage von 2K Games: In diesem Jahr wird es keinen weiteren Ableger von WWE 2K geben. Man wolle einen klaren Neustart und schiebt stattdessen den Arcade-Prügler WWE 2K Battlegrounds dazwischen. Die Hauptserie aber bekommt die längst überfällige Ruhepause. Und genau diese Konsequenz wünsche ich mir auch bei anderen jährlich erscheinenden Marken. Eine Pause tut nicht nur den Spielen und ihren Entwicklern gut! Auch die Spieler können verschnaufen und endlich wieder so etwas wie Vorfreude aufbauen.
Assassin's Creed: Unity patzte mit unzähligen Bugs und Programmfehlern. Erst nach Monaten bekam Ubisoft die Probleme in den Griff. Doch da war der Ruf der Serie bereits (vorerst) ruiniert. Quelle: Ubisoft Assassin's Creed: Unity patzte mit unzähligen Bugs und Programmfehlern. Erst nach Monaten bekam Ubisoft die Probleme in den Griff. Doch da war der Ruf der Serie bereits (vorerst) ruiniert. Selbst schuld!

Wir sind doch alle Gewohnheitstiere. Wir mögen es, wenn wir Dinge bereits weit im Voraus planen können. Als Videospieler wissen wir: Irgendwann im Spätsommer startet EA Sports die Spieleoffensive, und spätestens Ende September liegt das nächste FIFA auf dem Tisch. Ja, oft tut sich nur sehr wenig und der ständige Neustart beim FIFA Ultimate Team nervt - aber gekauft wird's trotzdem. Shooter-Freunde auf der anderen Seite verdammen Call of Duty, freuen sich aber dennoch auf ihre alljährliche Dosis Ego-Shooter. Die Liste ist endlos, zeigt aber: Die alljährlichen Updates und die damit einhergehenden Resultate sind teils ein selbstgemachtes Problem.

So sehr wir Spieler über den Mangel an Ideen und die Ausbeutermethoden schimpfen, so sehr fördern wir den alljährlichen Rhythmus auch, indem wir die Spiele kaufen. Aber wieso eigentlich? Viel zu oft erwartet uns doch nur dieselbe aufgewärmte Suppe des Vorjahres. Und doch fallen wir immer wieder darauf herein. Hier spielen sicherlich verschiedene Faktoren mit hinein: Zum einen die angesprochene Gewohnheit und Vertrautheit. Man kennt Produkt, Hersteller und Gameplay. Das Spielen eines Nachfolgers fühlt sich deshalb angenehm vertraut an und weckt trotzdem den "Was ist eigentlich neu?"-Forscherdrang in uns.
Mit Assassin's Creed: Origins glückte Ubisoft 2017 der Neuanfang. Zudem setzte man ein wichtiges Zeichen: für besseres Qualitätsmanagement und gegen Innovationsarmut. Quelle: Ubisoft Mit Assassin's Creed: Origins glückte Ubisoft 2017 der Neuanfang. Zudem setzte man ein wichtiges Zeichen: für besseres Qualitätsmanagement und gegen Innovationsarmut. In der heutigen Zeit darf man auch die soziale Komponente nicht unterschätzen. Zockt ihr Call of Duty in einem Clan oder FIFA im Pro Club mit Freunden? Dann kommt ihr um das nächste Update vermutlich nicht herum. Kurz gesagt: Es ist eine Mischung aus Vertrautheit, Neugierde und Gruppenzwang, die sich Entwickler und Publisher hier zunutze machen. Deshalb funktionieren alljährliche Updates, und deshalb waren sie über Jahre ein Garant für Einnahmen - sofern die Qualität stimmte.

Pausen können guttun
Problematisch wird es erst, wenn Spiele nicht überzeugen. Ubisoft erlitt mit Assassin's Creed: Unity im Jahr 2014 Schiffbruch. Die Bilder von schwebenden Gegenständen, Slowdowns und dem gruseligen "No Face"-Bug verfolgen mich bis heute in meine Albträume. Doch letztlich war dies lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bereits zuvor stieß die Open-World-Serie an ihre Grenzen. Die Spielerschaft störte sich an den immer gleichen Abläufen. Die berüchtigte "Ubisoft-Formel" wurde zum Synonym für uninspirierte Sammelaufgaben und geistlose Nebenmissionen. Der Grind und weniger das Spiel stand im Vordergrund. Unity sorgte für helle Aufregung - und vor allem für einen wichtigen Denkanstoß: Nachdem Ubisoft im darauffolgenden Jahr noch das bereits in Entwicklung befindliche Assassin's Creed: Syndicate mit überschaubarem Erfolg auf den Markt warf, legte die Serie eine Pause ein.
Sportserien wie FIFA und NHL oder auch Konamis Pro Evolution Soccer (heute eFootball PES) erscheinen jährlich. Neben Gameplay- und Technik-Updates bringen die neuen Spiele vor allem die Lizenzdaten auf den neusten Stand. Quelle: Konami Sportserien wie FIFA und NHL oder auch Konamis Pro Evolution Soccer (heute eFootball PES) erscheinen jährlich. Neben Gameplay- und Technik-Updates bringen die neuen Spiele vor allem die Lizenzdaten auf den neusten Stand.

2016 erschien also kein großes Assassin's Creed. Stattdessen arbeitete Ubisoft an dem im Oktober 2017 erscheinenden Assassin's Creed: Origins. Ubisoft-Firmengründer Yves Guillemot erklärte in Interviews, dass man von der jährlichen Erscheinungsweise abgerückt sei, um den Entwicklern mehr Zeit für die Produktion zu gönnen. Origins bestätigte diesen Plan: Das Ägypten-Abenteuer brachte mit neuem Kampfsystem und Rollenspielelementen frischen Wind in die Reihe. Darauf baute auch der (wieder) ein Jahr später erschienene Nachfolger Assassin's Creed: Odyssey auf. Doch nachdem die Attentäter 2017 und 2018 wieder zwei Jahre in Folge die Welt bereisten, machten sie 2019 eine weitere Pause, ehe uns Assassin's Creed: Valhalla Ende 2020 in den hohen Norden entführen wird.

Ein Zeichen für die Zukunft
Assassin's Creed ist nur ein Beispiel dafür, dass die sogenannten Franchises - also Marken - von Pausen profitieren können. 2K Games zog seiner Wrestling-Simulation WWE 2K21 den Stecker, verspricht aber im gleichen Atemzug einen Neustart mit dem nächsten Serienableger. In diesem Fall war es die einzig logische Konsequenz aus einem unschönen Entwicklerwechsel und einem viel zu früh veröffentlichten Spiel. Wird dieser Schritt Schule machen? Ich bezweifle es stark.

Jährliche Updates spülen Millionen in die Kassen. Und gerade die großen Serien wie FIFA oder Call of Duty verkaufen sich weiterhin wie geschnitten Brot. EA Sports wäre dumm, würden sie von ihrem Goldesel und den damit verbundenen Einnahmen in FIFA Ultimate Team abweichen. Activision auf der anderen Seite fährt mit Call of Duty schon seit Jahren zweigleisig und lässt wechselnde Studios wie Infinity Ward, Treyarch oder auch Beenox und Raven Software ran. Dazu gibt es natürlich auch neben der Hauptserie mit Call of Duty Mobile und Warzone auch noch andere Baustellen.

So sinnvoll es sicherlich wäre, bestimmte jährliche Serien zugunsten von Kreativität und Qualität zu pausieren, so wenig wahrscheinlich ist dies aus wirtschaftlicher Sicht. Jährliche Fortsetzungen werden uns also auch in den kommenden Jahren weiterhin begleiten. Zumindest so lange es innerhalb der Entwicklungsprozesse keine massiven Ausschläge nach unten gibt und die Käuferschaft weiterhin brav für die bewährten Franchises zahlt.

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk