Das war das Spielejahr 2019: Tolle Comebacks, aber auch absolute Enttäuschungen

Special Maria Beyer-Fistrich
Das war das Spielejahr 2019: Tolle Comebacks, aber auch absolute Enttäuschungen
Quelle: PC Games

Das Jahr 2019 ist schon wieder vorbei. Grund genug, um gemeinsam mit euch die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Wir blicken zurück auf tolle Comebacks, aber auch absolute Enttäuschungen. So lief unser Spielejahr 2019!

2019 war- und darauf können wir uns in der Redaktion ausnahmsweise alle einigen - ein eher durchwachsenes Spielejahr. Kein Wunder, denn die aktuelle Konsolengeneration wird in 2020 abgelöst. Die ganz großen Kracher sind da traditionellerweise spärlich gesät. Dennoch ist auch in 2019 viel passiert. Wir blicken zurück auf die Highlights, Enttäuschungen, Aufreger und Überraschungen des Gaming-Jahres.

Von: Matthias Dammes, Johannes Gehrling, Sascha Lohmüller, Marcel Naeem-Cheema, Katharina Pache, Matti Sandqvist und Lukas Schmid

Was läuft falsch bei Bioware?

Bioware Logo Quelle: Bioware Was läuft falsch bei Bioware?

Bioware: Einst ein Name, welcher gleichbedeutend war mit hochwertiger Rollenspielkost, dutzenden bis hunderten Stunden Spielspaß und generell einfach Erlebnissen, welche die Spielwelt nachhaltig prägten. Man denke nur an Baldur's Gate, Neverwinter Nights, Star Wars: Knights of the Old Republic oder das erste Dragon Age. Der Stern des Studios ist durch Umschichtungen, Besitzerwechsel (Bioware gehört inzwischen Electronic Arts) und die Tatsache, dass sich das Team heute komplett anders zusammensetzt als einst, aber schon seit einigen Jahren im Sinken begriffen. Das zutiefst mittelmäßige Mass Effect: Andromeda von 2017 und dessen überschaubarer Erfolg waren offenbar noch nicht Weckruf genug. 2019 erreichte das Studio mit Anthem seinen qualitativen Tiefpunkt, der auch, aber nicht nur der Tatsache geschuldet war, dass man sich weg von einem RPG hin zu einem kooperativen Lootshooter begab. Belangloses Gameplay, technische Unzulänglichkeiten und mehr ließen hier kaum Freude aufkommen und diese Makel schlugen sich auch in den Verkaufszahlen deutlich nieder, die hinter den Erwartungen von Publisher und Entwickler zurückblieben.

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Inzwischen ist Anthem mehr oder minder eine Softwareleiche, da mag Bioware auch noch so intensiv beteuern, dass man das Spiel noch nicht aufgegeben habe. Flüchtende Chefentwickler, eine abgesagte Roadmap und andere Unsicherheiten sprechen eine deutliche Sprache. Und im Hintergrund machte Bioware durch Berichte über ausgeprägte Crunch­perioden, bei denen Entwickler teilweise doppelt so lange wie erlaubt im Büro waren, und die völlige Planlosigkeit bei der Konzeption inklusive der Enthüllung der Tatsache, dass man bei der ursprünglichen Ankündigung von Anthem noch nicht einmal wusste, was für ein Spiel es werden würde, von sich reden. Inzwischen geht die Angst um, dass Bioware das nächste Opfer einer Reihe von Studioschließungen EAs in den letzten paar Jahren sein könnte. Der Erfolg oder Misserfolg des bereits angekündigten Dragon Age 4 wird wohl über diesen Umstand entscheiden.

Spiele satt: Xbox Game Pass für PC

Spiele satt:  Xbox Game Pass für PC Quelle: Microsoft Spiele satt:  Xbox Game Pass für PC

Mit dem Xbox Game Pass scheint Microsoft genau ins Schwarze getroffen zu haben. Der 2017 gelaunchte "Netflix-for-video-games"-Service erfreut sich großer Beliebtheit und kann mit einer Spieleauswahl punkten, bei der man nicht anders kann, als euphorisch mit den Ohren zu wackeln. Neben einer Vielzahl an Indie-Titeln und Drittanbieter-Spielen finden sich auch alle Xbox-Exklusivtitel auf der Abo-Plattform - und zwar sofort ab Launchtag! Laut Phil Spencer (Head of Xbox) selbst ist die Absicht des Game Passes, "auf allen Plattformen vertreten zu sein, auf denen Leute spielen." Ganz besonders die Stärke, Spielern Titel näherzubringen, die ansonsten möglicherweise ignoriert worden wären, hob Spencer lobend hervor. Im Mai 2019 kündigte Microsoft dann endlich den Game Pass auch für den Windows PC an. Der über 100 Spiele umfassende Beta-Service glänzt mit einer Spieleauswahl an Titeln wie Age of Empires 2: Definitive Edition bis hin zu Halo: The Master Chief Collection, die seit neuestem auch den beliebten Prequel-Teil Halo: Reach beinhaltet. Dabei wird, wie man es von der Konsolenversion des Dienstes gewohnt ist, das Portfolio ständig um neue Spiele erweitert. Zusätzlich bietet Microsoft mit diversen Abo-Kombinationen lukrative Angebote für Allround-Gamer. Der Xbox Game Pass Ultimate zum Beispiel bietet den Service für Konsolen und PC für insgesamt 12,99 Euro pro Monat. Das kann sich sehen lassen! Wie wichtig der Game Pass für Microsofts Zukunft und die Xbox Scarlett sein wird, werden wir spätestens zur E3 2020 erfahren.

Goodbye Human Head

Es kann nicht nur immer Gewinner geben - so auch im vergangenen Jahr. Das Studio hinter PC-Hits wie dem Action-Adventure Rune (2000) und Ego-Shooter Prey (2006) hat seine Pforten geschlossen. Schuld daran war die lang angekündigte und am Ende wohl zu teure Fortsetzung von Rune. Ein wenig merkwürdig ist aber, dass die Mitarbeiter sich gleich nach der Schließung unter dem Namen Roundhouse Studios neu formiert haben und nun Spiele für Bethesda entwickeln. Wie es schlussendlich um den Support für das am 12. November erschienene Rune 2 steht, ist weiterhin ungewiss. Zwar möchte sich der verantwortliche Publisher Ragnarok um wichtige Updates kümmern, aber da das Unternehmen aufgrund der Schließung von Human Head Studios keinen Zugriff auf den Quellcode des Spiels hat, fragen wir uns ein wenig, wie das klappen soll. So lässt sich am Ende sagen, dass auch die Käufer von Rune 2 zu den Verlierern des Jahres 2019 gehören - und das ist wirklich traurig.

Apex Legends: Aus dem Nichts wieder zurück ins Nichts?

Manchmal schaffen es Publisher, sogar erfahrene Redakteure noch zu überraschen. Etwa EA Anfang Februar 2019, als man uns nach L.A. einlud, um uns dort einen noch unangekündigten Shooter zu präsentieren. Nachdem wir Lukas per Luftpost losgeschickt hatten, ging das Spekulieren los. Ein neues Star Wars: Battlefront? Nee, zu früh. Ein neues Battlefield? Noch viel zu früher ... vielleicht ein neues Titanfall? Oh, das könnte sein. Am Ende zeigte man uns vor Ort jedoch erstmals Apex Legends, ließ Lukas gleich ein paar Matches "battleroyalen". Und am Ende hieß es dann: Ach ja, das Spiel erscheint übrigens Montag. Es war ein Freitag. Den Rest der Geschichte kennt man: Apex Legends schlug ein wie eine Bombe, von einer Gefahr für Fortnite war die Rede. Zu Recht, wie sich anfangs zeigte, denn nach einem guten Monat war man bei 50 Millionen Spielern angelangt. Bei Twitch zählte der Shooter mehrere Wochen lang zu den absoluten Highlights. Auch bei uns in der Redaktion war Apex eine Weile ein heißes Thema, einige Redakteure verbrachten jede freie Minute auf dem Schlachtfeld, allen voran Video-Chef Dominik und Print-Onkel Sascha, bei letzterem steht der Spielzeit-Zähler bei 113 Stunden - bis Juli. Seitdem flaute das Interesse jedoch etwas ab, nicht zuletzt aufgrund der enttäuschenden Season-1-Inhalte oder der zurecht kritisierten Iron-Crown-Lootboxen Anfang August. Dennoch versorgen die Entwickler das Spiel regelmäßig mit neuen Inhalten und eine nach wie vor große Fan-Basis hält ihm die Treue. Man darf auf die Zukunft gespannt sein.
Apex Legends: Aus dem Nichts wieder zurück ins Nichts? Quelle: Respawn Entertainment Apex Legends: Aus dem Nichts wieder zurück ins Nichts?

Quantic Dreams goes PC

Obwohl Quantic Dream nie zu Sony gehörte und technisch gesehen schon immer ein unabhängiger Entwickler ist, war die Beziehung zwischen dem französischen Studio und dem japanischen Konsolenhersteller für ein Jahrzehnt so eng, dass sie schon fast als First-Party-Entwickler betrachtet wurden. Immerhin erschienen mit Heavy Rain (2010), Beyond: Two Souls (2013) und zuletzt Detroit: Become Human (2018) alle Werke des Studios von David Cage stets mit viel Tamtam als exklusive Aushängeschilder der Playstation-Plattform. In diesem Jahr haben sich die Umstände der Verknüpfung zwischen Sony und Quantic Dream aber stark geändert. Alles begann damit, dass im Januar bekannt wurde, dass der chinesische Konzern Netease einen kleinen Anteil am französischen Studio erworben hat. Schon damals wurde dabei über Entwicklungen auf mehreren Plattformen gesprochen. Auf der Games Developer Conference im März kündigten die Entwickler dann schließlich in Zusammenarbeit mit Epic Games an, ihre bisher Play­station-exklusiven Titel im Verlauf des Jahres auch für den PC zu veröffentlichen. Im Sommer bestätigte Studio-Chef David Cage in einem Interview, dass Quantic Dream "nicht mehr exklusiv für irgendeine Plattform" entwickelt.

Das bedeutete, dass zukünftige Projekte schon zum Release auf mehreren Plattformen erscheinen können. Diese Richtungsänderung des Studios soll vor allem dazu dienen, mehr Spieler zu erreichen. Denn trotz der hohen Qualität der Titel, sprachen die Spiele bisher doch eher ein Nischenpublikum an. Detroit: Become Human verkaufte sich auf der PS4 im ersten Jahr rund zwei Millionen Mal, was zwar ein Rekord für das Studio darstellt, im Vergleich mit anderen PS4-exklusiven Blockbustern aber überschaubar ist. Quantic Dreams Hits der letzten Jahre sind inzwischen alle für den PC über den Epic Games Store erhältlich. Story-Erlebnisse, die sich PC-Spieler mit einem Hang zu guten Geschichten und Charakteren nicht entgehen lassen sollten. Wir dürfen gespannt sein, was die Jungs und Mädels um David Cage als nächstes präsentieren und ob PC-Spieler diesmal von Anfang an dabei sein dürfen.

Retro-Shooter wieder voll im Trend

Früher war ja alles besser. Damals war ein Rockkonzert noch laut, ein Buch noch aus Papier und natürlich gab es auch mehr Lametta. Ebenso schwören einige ältere Semester auf das Leveldesign und Gameplay von klassischen Ego-Shootern der Neunzigerjahre - etwa im Falle von Duke Nukem 3D und Doom. Verwunderlich ist es also nicht, dass dieses Jahr zum Beispiel John Romero mit seiner kostenlosen Sigil-Mod id Softwares Shooter-Urgestein eine neue Episode mit insgesamt neun Levels beschert hat. Die sogenannte Megawad ist für Hardcore-Fans sogar in einer Sammleredition erhältlich, die nicht nur eine unglaublich schicke PC-Big-Box enthält, sondern obendrein von John Romero höchstpersönlich signiert wird.

Das kalifornische Entwicklerstudio Voidpoint hat hingegen sein heißersehntes Ion Fury am 15. August 2019 auf Steam veröffentlicht. Eigentlich hieß der Ego-Shooter in der Early-Access-Phase Ion Maiden, es kam aber zu Rechtsstreitigkeiten mit der Heavy-Metal-Band Iron Maiden. Trotz des neuen Namens kam Ion Fury sehr gut bei den Spielern an und hat aktuell 98 Prozent positive Bewertungen auf Steam. Ein Grund dafür dürfte das gelungene Leveldesign sein, aber ebenso der Fakt, dass die Entwickler das Spiel komplett mit der Build Engine gemacht haben, die schon bei diversen Klassikern wie Duke Nukem 3D zum Einsatz kam. Vom selben Publisher, sprich 3D Realms, erschien dieses Jahr auch die Early-Access-Version von Wrath: Aeon of Ruin. Das Spiel setzt auf die Quake-Engine, die ebenfalls mehrere Shooter-Urgesteine ermöglicht hat - in abgeänderter Form wurde der Grafikmotor zum Beispiel in Valves Half-Life eingesetzt. Spielerisch erinnert Wrath stark an Quake 1. Wir metzeln uns durch Grabkammern, verdorbene Tempel und schaurige Wälder mit dem Auftrag, die Wächter der Alten Welt zu jagen. Bisher hat die Pirsch bei uns einen sehr guten Eindruck hinterlassen, die finale Version soll dann im Sommer 2020 erscheinen.

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