Prominente in Spielen: Mehr Spielspaß durch Stars und Sternchen?

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Prominente in Spielen: Mehr Spielspaß durch Stars und Sternchen?
Quelle: Moby Games

Norman Reedus, Vin Diesel, Mark Hamill und viele andere Stars erobern nicht nur die Leinwand, sondern auch den Videospielbildschirm. Wir verraten, warum Prominente und Games voneinander profitieren können.

Was haben Elijah Wood (Der Herr der Ringe), Mark Hamill (Star Wars) und Norman Reedus (The Walking Dead) gemeinsam? Richtig: Diese drei Herren sind nicht nur aus Kinofilmen und TV-Serien bekannt, sie suchen ihr Glück auch im Videospielgeschäft. Norman Reedus tauchte zuletzt in Hideo Kojimas polarisierendem Action-Adventure Death Stranding auf und übernahm dort die Rolle der Hauptfigur Sam Porter Bridges. Mark "Luke Skywalker" Hamill kennen Videospiel-Veteranen als Darsteller aus Wing Commander 3: Heart of the Tiger oder auch als die englische Synchronstimme des Jokers in Titeln wie Batman: Arkham Asylum oder Batman: Arkham Knight. Elijah Wood tat es Hamill gleich und sprach unter anderem den Protagonisten Spyro im Hüpfabenteuer The Legend of Spyro, hatte aber auch beim von seiner Produktionsfirma SpectreVision für Ubisoft entwickelten VR-Titel Transference seine Finger im Spiel.

Games und prominente Namen besitzen eine lange Tradition. Und speziell in den vergangenen Jahren wurden die einstmals verpönten Video- und Computerspiele für Stars und Sternchen zu einer zweiten Bühne.

Tennisschläger und Kanonen

Dass uns Schauspieler, Sportler und andere Promis von den Bildschirmen entgegengrinsen, ist jedoch kein neuer Trend. Bereits in den frühen 1990ern hatten Stars in Spielen diverse Auftritte. Mit der wachsenden Popularität unseres Lieblingsmediums witterten auch Prominente die Chance, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und obendrein noch ein wenig Geld mit ihrem eigenen Namen zu verdienen.

Kampfsportkünstler Bruce Lee gehörte - auch nach seinem Tod im Jahr 1973 - zu den ersten Stars, die im Plattformer Bruce Lee von 1984 in Bits und Bytes gebannt wurden. Doch mal abgesehen von der Pixelgrafik im Titelbildschirm war der Martial-Arts-Athlete im eigentlichen Spiel kaum zu erkennen. Das sollte sich erst mit der Kampfsportsimulation EA Sports UFC (2014) ändern. Darin war Lee nämlich als Bonuscharakter mit von der Partie und konnte durch das Beenden des Karrieremodus freigeschaltet werden.
Eigentlich hätte Shaq Fu von 1994 zunächst ein Basketballspiel werden sollen. Doch NBA-Star Shaquille O'Neal bestand als großer Mortal-Kombat-Fan auf die Entwicklung eines Prügelspiels. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Eigentlich hätte Shaq Fu von 1994 zunächst ein Basketballspiel werden sollen. Doch NBA-Star Shaquille O'Neal bestand als großer Mortal-Kombat-Fan auf die Entwicklung eines Prügelspiels.
 

Der Boxer Mike Tyson hatte in Mike Tyson's Punch Out!! (später in Punch Out!! umbenannt) zumindest in Sachen Grafik mehr Glück. Der einstigen Schwergewichtsweltmeister war im 1987 veröffentlichten Prügelspiel für das Nintendo Entertainment System allein an seiner charakteristischen Zahnlücke überdeutlich auszumachen. Tyson fungierte im Spiel als Endgegner und gilt bis heute als einer der knackigsten Bosse der Games-Geschichte. Er kassierte im Zeitraum zwischen 1987 und 1990 pro Jahr angeblich 50.000 US-Dollar für die verschiedenen Ableger der Punch-Out-Serie.

Gerade unter Sportlern war das Verkaufen des eigenen Namens schon vor vielen Jahren ein beliebter Nebenverdienst. Ob bei Jimmy Connors Pro Tennis Tour (1989), Lothar Matthäus Super Soccer (1995), Tony Hawk's Pro Skakter oder Tiger Woods PGA Tour (beide ab 1999) - viele Athleten zierten bereits Spiele-Cover. In diesem Zusammenhang ist auch NBA-Star Shaquille O'Neal erwähnenswert, der mit Shaq Fu 1994 sein eigenes Beat'em Up erhielt, welches bis heute eine treue Fangemeinde besitzt. 2018 bekam es mit Shaq Fu: A Legend Reborn sogar ein - leider nur mäßiges - Remake spendiert.

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Musiker in Videospielen

Neben Sportlern wagten auch Musiker immer wieder den Ausflug in Computer- und Videospiele. Zum 1988 veröffentlichten Musikfilm Moonwalker mit dem "King of Pop" Michael Jackson in der Hauptrolle veröffentlichte Publisher U.S. Gold 1989 mehrere gleichnamige Spiele. Und der Midway-Shooter Revolution X (1994) drehte sich nach einigen Entwicklungsproblemen ausschließlich um die US-Rockband Aerosmith. Die Mitglieder der Kultkombo sprachen beispielsweise kurze Samples ein, die dann etwa beim Aufsammeln von Power-Ups eingespielt wurden. Zudem gab es kurze Videoeinspieler, in denen etwa Frontmann Steven Tyler einige weise Worte an die Spieler richtete.
Actionfilm-Mime Vin Diesel spielte nicht nur die Hauptrolle in The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay (2004) und The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena (2009), er gründete 2002 auch die Tigon Studios – mit eher überschaubarem Erfolg. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Actionfilm-Mime Vin Diesel spielte nicht nur die Hauptrolle in The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay (2004) und The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena (2009), er gründete 2002 auch die Tigon Studios – mit eher überschaubarem Erfolg.
 
Aerosmith sind indes nicht die einzige Kapelle, die in Spielen zu sehen war. Die Beastie Boys betraten den Basketball-Court in NBA Jam, Limp-Bizkit-Frontmann Fred Durst war ein spielbarer Charakter in der Filmumsetzung Fight Club, die Mittelalter-Band In Extremo spielte in Gothic einen virtuellen Gig und der verstorbene David Bowie steuerte für das von Quantic Dream entwickelte Action-Adventure The Nomad Soul nicht nur den Soundtrack bei, sondern hatte dort auch einen längeren Cameo-Auftritt.

Wer nach Musikern in Videospielen sucht, der kommt außerdem nicht an dem von Double Fine Productions entwickelten Brütal Legend (2009) vorbei: Schauspieler und Tenacious-D-Sänger Jack Black diente dem Hauptcharakter als Synchronstimme und offensichtliches Vorbild, des Weiteren waren auch altgediente Rock- und Metal-Legenden wie der verstorbene Lemmy Kilmister von Motörhead oder Ozzy Osbourne im Spiel vertreten. Brütal Legend gilt bis heute als eine Liebeserklärung an die Rock- und Metal-Kultur, wurde aber leider nie fortgesetzt.

Ein zweiter Karriereweg

Doch insbesondere für Schauspieler avancierten Video- und Computerspiele in den vergangenen 30 Jahren zunehmend zu einer rentablen Einnahmequelle. Im bereits zu Beginn angesprochenen Wing Commander 3: Heart of the Tiger von 1994 spielten neben Mark Hamill auch Hollywoodgrößen wie Malcolm McDowell (Uhrwerk Orange, Star Trek: Treffen der Generationen) oder John Rhys-Davies (Indiana Jones, Der Herr der Ringe) mit. Dank neuer Aufnahmetechnik verknüpften Entwickler Spiele und Filme stärker miteinander. Das steigerte den Wiedererkennungswert und hob die Inszenierung der interaktiven Geschichten auf die nächste Stufe.
Ellen Page übernahm im Action-Abenteuer Beyond: Two Souls die Rolle von Jodie Holmes. Die Geschichte des nichtlinearen, aber dennoch sehr storylastigen Spiels rankt sich um Jodies Beziehung zum Geisterwesen Aiden. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Ellen Page übernahm im Action-Abenteuer Beyond: Two Souls die Rolle von Jodie Holmes. Die Geschichte des nichtlinearen, aber dennoch sehr storylastigen Spiels rankt sich um Jodies Beziehung zum Geisterwesen Aiden.
 
Bis heute erinnern sich viele Strategiespielfans noch an die Zwischensequenzen der frühen Ableger von Command & Conquer. Brachte etwa der erste Teil Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt von 1995 vor allem den bis dato unbekannten Joseph D. Kucan als charismatischen Anführer Kane hervor, setzte die Serie später auf prominentere Namen. In Command & Conquer: Tiberian Sun (1999) standen etwa Michael Biehn (Terminator, Aliens) und James Earl Jones, die Stimme von Darth Vader, vor der Kamera. In Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 (2008) traten schließlich gestandene Stars wie Peter Stormare (Fargo - Blutiger Schnee) oder Oscar-Preisträger J. K. Simmons (Whiplash) und mit ihnen Nebendarsteller wie Star-Trek-Kultfigur George Takei, Wrestling-Legende Ric Flair oder Knight-Rider-Held David Hasselhoff auf.

An dieser Stelle wollen wir auch Apocalypse (1999) mit Bruce Willis nicht unter den Tisch fallen lassen: Der Stirb-langsam-Protagonist sprach zumindest einige Tonaufnahmen für das Playstation-exklusive Actionspiel ein. Motion-Capturing-Aufnahmen fanden jedoch mit ihm nie statt, stattdessen pappten die Entwickler von Neversoft kurzerhand Willis' Konterfei auf einen Polygonkörper. Fun Fact am Rande: Auf Basis der Grafik-Engine von Apocalypse entstand 1999 schließlich Tony Hawk's Skateboarding.
Brütal Legend ist das Kultspiel für alle Liebhaber harter Gitarrenmusik! Der von Double Fine Productions entwickelte Actiontitel steckt voller Anspielungen auf die Metal-Kultur und ist gespickt mit prominenten Gästen wie Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Brütal Legend ist das Kultspiel für alle Liebhaber harter Gitarrenmusik! Der von Double Fine Productions entwickelte Actiontitel steckt voller Anspielungen auf die Metal-Kultur und ist gespickt mit prominenten Gästen wie Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister.
 
Unsere Beispiele verdeutlichen: Für viele Stars wurden digitale Spiele zum zweiten Standbein - mal als Hauptdarsteller, mal als Synchronsprecher. Nach Wing Commander 3 etwa vertonte Mark Hamill noch über 30 Spielecharaktere, darunter den Joker in verschiedenen Batman-Titeln oder Meister Eraqus im Rollenspiel Kingdom Hearts. Der britische Darsteller Tim Curry machte es Hamill nach, zierte sogar das Cover des interaktiven Films Frankenstein: Through the Eyes of the Monster (1995) und übernahm später Sprecherrollen in Dragon Age: Origins oder Brütal Legend.

Christopher Walken (Die durch die Hölle gehen, Pulp Fiction) zeigte sich 1996 sowohl im Cyber-Abenteuer Ripper als im Weltraumspiel Privateer 2: The Darkening und übernahm später auch noch Sprecherrollen in True Crime: Streets of LA (2003), Codename: Panzers - Phase 1 (2004) und True Crime: New York City (2005).
Apropos Quantic Dream: Die 2016 verstorbene Pop-Ikone David Bowie feierte 1999 in The Nomad Soul (englischer Originaltitel: Omikron: The Nomad Soul) einen Cameo-Auftritt und steuerte in Zusammenarbeit mit Komponist Reeves Gabriel acht Songs zum Soundtrack bei. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Apropos Quantic Dream: Die 2016 verstorbene Pop-Ikone David Bowie feierte 1999 in The Nomad Soul (englischer Originaltitel: Omikron: The Nomad Soul) einen Cameo-Auftritt und steuerte in Zusammenarbeit mit Komponist Reeves Gabriel acht Songs zum Soundtrack bei.
 

Der Fall Vin Diesel

Actionstar Vin Diesel beschritt ebenfalls gleich mehrere Pfade in der Spieleindustrie. Im Jahr 2002 gründete er nämlich das Unternehmen Tigon Studios. Bei dem von Starbreeze entwickelten Action-Abenteuer The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay (2004) und dem 2009 veröffentlichten Nachfolger Assault on Dark Athena fungierte er als Hauptdarsteller, zudem arbeitete er hinter den Kulissen als Executive Producer. Beide Teile entstanden in Kooperation von Tigon Studios und Starbreeze. Allen voran Escape from Butcher Bay gilt als eine der besten Spieleumsetzungen zu einer Filmvorlage und beeindruckte mit toller Technik und einem gekonnten Mix aus Stealth- und Action-Gameplay.

Diesel sollte auch noch in Midways eher mäßigem Actionspiel Wheelman (2009) die Hauptrolle bekleiden und als Producer am Mobile-Spiel Riddick: The Merc Files (2013) mitwirken. Für Tigon Studios blieben die ganz großen Erfolge leider aus, infolgedessen wurde das Unternehmen - trotz fehlender offizieller Bekanntgabe - offenbar geschlossen. Die Website führt aktuell, ebenso wie die URL vindiesel.com, zu einem Domain-Trader.

Kein neuer, aber ein logischer Trend

Ihr seht: Prominente in Video- und Computerspielen sind keine Erfindung der vergangenen zehn Jahre; diese Verbindung besteht schon fast seit Anbeginn des verspielten Mediums. Allerdings hat sich die Beziehung zwischen der Filmbranche und der AAA-Spieleindustrie gerade in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich intensiviert. Denn oftmals macht es einfach Sinn, dass bekannte Stars bestimmte Spielecharaktere verkörpern und für Hollywood-Flair und dichte Atmosphäre sorgen - was dank ausgereifter Motion-Capturing-Technologie und glaubwürdiger Gesichtsanimationen auch immer besser gelingt.

Siehe zum Beispiel das seit Sommer 2019 auch für den PC erhältliche Beyond: Two Souls vom französischen Studio Quantic Dream: Das Adventure wäre ohne die intensive Darbietung von Ellen Page (Juno, Inception) und Willem Dafoe (Platoon, Spider-Man) unserer Meinung nach deutlich weniger packend und atmosphärisch.
Schon wieder John Rys-Davies: Auch in Wing Commander 3: Heart of the Tiger tauchte der vielseitige Schauspieler an der Seite von Mark Hamill auf. Letzterer verkörperte den Helden des Spiels – Christopher „Maverick“ Blair. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Schon wieder John Rys-Davies: Auch in Wing Commander 3: Heart of the Tiger tauchte der vielseitige Schauspieler an der Seite von Mark Hamill auf. Letzterer verkörperte den Helden des Spiels – Christopher „Maverick“ Blair.
 
Doch auch große Marken wie Call of Duty, die sich wie Kino-Blockbuster zum Mitspielen anfühlen sollen, profitieren eindeutig von der Mitwirkung etwaiger Schauspielstars. Allein im Zombie-Modus von Call of Duty: Black Ops 3 spielen deshalb etwa Jeff Goldblum, Heather Graham, Neil McDonough und Ron Pearlman mit. In Call of Duty: Infinite Warfare mimte Game-of-Thrones-Star Kit Harrington den Bösewicht, und an den mittlerweile in Ungnade gefallenen Kevin Spacey aus Call of Duty: Advanced Warfare können sich wohl die meisten nicht nur wegen seiner toten Augen noch erinnern.

Und auch die Star-Besetzung von Death Stranding mit Norman Reedus, Mads Mikkelsen, Léa Seydoux und Troy Baker lenkte sicherlich die Aufmerksamkeit der Mainstream-Medien und vieler Gelegenheitsspieler auf ein Open-World-Abenteuerspiel, das nicht unbedingt für die breite Masse gedacht war.

Die in diesem Artikel genannten Spiele mit Star-Beteiligung sind freilich nur ein paar Beispiele, die sich noch um zahlreiche weitere ergänzen ließen. Etwa um das kommende Sci-Fi-Rollenspiel Cyberpunk 2077 von CD Projekt Red, in dem Keanu Reeves den zentralen Charakter Johnny Silverhand übernimmt. Sie sollten aber ausreichen, um zu verdeutlichen, dass die Symbiose aus Videospielen und Prominenten durchaus sehr fruchtbar sein kann. Wir meinen: Sind die Spiele dahinter hochklassig, ziehen letztlich alle beteiligten Parteien Vorteile aus dem Mitwirken von Stars und Sternchen und tragen Videospiele mitunter an neue Zielgruppen heran. Und das ist ja nicht das Schlechteste, oder?

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