Das muss man doch kennen! Ein Plädoyer für Remakes, Reboots und Remaster - Kolumne
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Remakes und Reboots sind verschrien als Geldmache und Abzocke. Doch wenn die alten Klassiker nicht ab und an entstaubt und neu aufgelegt in den Verkaufsregale landen, wer soll sie dann noch spielen?
"Wer ist Solid Snake?", "Gordon Freeman? Habe ich noch nie gehört, kenne ich nicht." "Desmond... Wer? Altair? Sagt mir nichts." Bei diesen Worten werden sich bei einigen Gamern wohl die Nackenhaare aufstellen, schließlich handelt es sich bei diesen Namen um teils genredefinierende Protagonisten! Trotzdem geraten diese Helden nach und nach in Vergessenheit. Die alten Klassiker sind nämlich nicht nur nicht mehr zeitgemäß, sondern haben inzwischen genügend moderne Konkurrenz, um nur noch in nostalgischen Steam-Communities Thema zu sein.
Für einige undenkbar, ist das meine Spielerealität: Mit zarten 24 Jahren und Sprössling der Generation Z habe ich wirklich sehr viele Games nicht gespielt, die man laut Internet unbedingt erlebt haben muss. Als kleine Schwester war ich nämlich auf den Geschmack meines großen Bruders angewiesen und an welche Konsole ich seiner Meinung nach durfte.
Nicht die Spiele meiner Generation
Die meisten Spiele erlebte ich als "Über die Schulter"-Let's-Play, wenn ich meinem Bruder zuschaute. Bioshock, Assassin's Creed und Half-Life haben mich dahin gebracht, wo ich heute bin - vor meine Playstation, neben meine Xbox und etwas links davon steht der Gaminglaptop. Assassin's Creed habe ich bis Brotherhood nachgeholt, Bioshock immerhin den ersten Teil gespielt und Fallout nur den vierten, sowie den MMO-Ableger Fallout 76. An den restlichen Pile of Shame wage ich mich gar nicht erst ran, auch weil er dank Playstation Plus und Xbox-Gamepass ins Unermessliche steigt. Die Geister von Darksiders, Divinity 2 und Sacred spuken durch meine Spiele-Bibliotheken und warten nur darauf, endlich installiert zu werden. Mit Cyberpunk 2077, Immortals: Fenix Rising und Call of Duty: Black Ops Cold War können sie für mich aber nicht mithalten.
Quelle: Piranha Bytes
Ob Dragon Age Origins oder wie hier Risen nehmen sich in meinen Augen nichts. Das Spieldesign erinnert mich pausenlos daran, wie veraltet der Titel ist und dass ich mit modernen Spielmechaniken viel mehr Spaß habe.
Es wäre mir zudem egal, wenn die Gaming-Community nicht so ein verdammt nostalgischer Haufen wäre! Features über Monkey Island, ewige Vergleiche mit Gothic oder Fallout: New Vegas führen mir stets vor Augen, was ich alles an Gaming-Historie verpasst habe. Dabei wollte ich brav die Videospiel-Geschichts-Schulbank drücken und habe mir die Risen-Trilogie, sowie Dragon Age: Origins geholt. Doch nach insgesamt 15 Stunden Spielzeit in den beiden Oldtimern fand mein Bestreben ein Ende. Ohne die Nostalgie-Fanbrille sind die Klassiker für mich nicht spielbar: Von der klumpig-matschigen Grafik mal abgesehen, fühlt sich die Steuerung so unhandlich an, dass ich neben "Augenkrebs" auch ein paar Schreianfälle bekomme. Selbst-Diagnose: Grafikhure und besseres gewohnt.
Die Schatten der Vergangenheit
Die Lösung könnte nicht einfacher sein, schließlich kann ich ja einfach zu neueren Titeln greifen, die meinen Ansprüchen genügen. Aber mal ehrlich - wer will Borderlands 3 spielen, wenn er den ersten Teil verpasst hat? Genauso geht es mir mit The Witcher 3, Diablo 3 und demnächst Diablo 4. Schon besser macht es God of War, denn statt eine alte Handlung weiterzuführen, bekommt die Serie ein Reboot geschenkt. Ein neuer Start, der alte Fans abholt und einer neuen Generation den Einstieg so leicht wie möglich macht. Da kann man es Sony fast verzeihen, dass sie God of War 3 seiner Zeit als Remake verkauft haben, ohne die ersten beiden Teile miteinzubeziehen. Fast. Der bessere Reboot ist Tomb Raider, denn der Wegfall einer vorangehenden Handlung macht jegliches Vorwissen obsolet. Ohne Bauchschmerzen darf ich eine ikonische Videospielheldin spielen, deren Vorgeschichte ich nicht vorher im Internet recherchiert habe.
Ein Reboot muss es aber nicht immer sein, auch ein Remake kommt mir stets sehr gelegen. Dann aber bitte vom ersten Teil - Ja, God of War, du bist gemeint. Und wo Entwickler versagen, springen heutzutage zum Glück Fans ein: Black Mesa ist mein Märchenprinz auf weißem Pferd. Endlich kann ich Half-Life spielen und es sieht nicht wie Grütze aus, sondern erfüllt aktuelle Gamer-Ansprüche. Dass solche Projekte von Fans in ihrer Freizeit umgesetzt werden müssen, ist hingegen ein Armutszeugnis. Valve wird in diesem Leben zwar wohl keiner mehr überreden, ein Remake von Half-Life 2 zu entwickeln, doch auch andere Spiele brauchen, wenn schon keinen Reboot, wenigstens ein Remake.
Quelle: Crowbar Collective
Gott sei Dank haben sich einige fleißige Fans erbarmt ein Remake von Half Life zu entwickeln, andererseits würde ich mich wohl nie an den alten Klassiker wagen.
Nicht neu genug
Wo The Witcher 3 brilliert, verdienen die ersten beiden Teile der Reihe durchaus eine Generalüberholung. Ja, selbst die Enhanced Edition von The Witcher ist für mich nicht mehr aktuell genug. Das Remaster mag vor zehn Jahren eine Auffrischung gewesen sein, aber die klobige Steuerung gepaart mit stark schwankendem Schwierigkeitsgrad ist 2020 alles andere als zeitgemäß. Das heißt übrigens nicht, dass der Titel seiner Zeit nicht gut war. Stattdessen ist The Witcher gut genug, dass sich ein wirkliches Remake überhaupt lohnt.
Selbst von The Elder Scrolls dürfte es ein paar Remaster geben, die als Überbrückung zum sechsten Teil der Reihe sicherlich mehr hermachen als der siebte Port von Skyrim. Und bitte Bethesda, wenn ihr es irgendwann mal schafft eure Engine zu erneuern, dann kenne ich viele Spieler, die sogar für eine Remake von Fallout: New Vegas plädieren, der angeblich beste Teil der Reihe! Remakes, Reboots und Remaster müssen schließlich keine Abzocke sein und sind nicht immer ein Zeichen für fehlende Kreativität in der Gamingbranche, sie erhalten Spielwelten und /-helden am Leben, sodass auch Generation Z noch was von ihnen haben kann.
