Fallout 76: Wastelanders und Co. - Warum NPCs die besseren Menschen sind!

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Fallout 76: Wastelanders und Co. - Warum NPCs die besseren Menschen sind!
Quelle: Electronic Arts

Bethesda rüstet auf: Mit der kostenlosen Erweiterung Wastelanders ziehen endlich Nicht-Spieler-Charaktere in Appalachia ein. Warum nicht nur Fallout 76 von NPCs profitiert - und wieso echte Menschen in Videospielen manchmal nur stören!

Eine tote Spielwelt, lediglich bevölkert von Robotern und wenigen menschlichen Spielern? Das klingt verdächtig nach Fallout 76. Als das Online-Rollenspiel im Winter 2018 erschien, plagten es nicht nur jede Menge Bugs und Designfehler. Gerade langjährige Fallout-Fans ärgerten sich auch über das müde Storytelling und die erzwungene Interaktion mit anderen Spielern.

Fallout 76 sollte - wie etwa das Zombie-Survival-Spiel DayZ - seine eigenen Geschichten erzählen. Doch dieser Versuch misslang und führte auch mir seinerzeit überdeutlich vor Augen: Ich habe keine Lust auf fremde Menschen in "meiner" Spielwelt. Wenn es um Questdesign und erlebte Geschichten geht, dann kommt für mich nichts an altmodischen NPCs (Abkürzung für "non-player character", auf Deutsch "Nicht-Spieler-Charakter") vorbei.

Das zeigt übrigens auch die kürzlich veröffentlichte Gratis-Erweiterung Fallout 76: Wastelanders. Diese führte nämlich Computercharaktere und eine Storykampagne in das Online-Rollenspiel ein. Und siehe da: Fallout 76 ist zwar noch immer nicht perfekt, zumindest bringen die Wastelanders-Missionen aber ein wenig Fallout-Feeling zurück.
Ähnlich wie in Fallout 3 haben unsere Charakterwerte in Fallout 76: Wastelanders auch Einfluss auf die Dialoge. So können wir beispielsweise diesen „freien Radikalen“ mit Stärke oder mit Glück überzeugen und lösen so womöglich neue Dialogoptionen aus. <br> &nbsp; (1) Quelle: Bethesda/Medienagentur plassma Ähnlich wie in Fallout 3 haben unsere Charakterwerte in Fallout 76: Wastelanders auch Einfluss auf die Dialoge. So können wir beispielsweise diesen „freien Radikalen“ mit Stärke oder mit Glück überzeugen und lösen so womöglich neue Dialogoptionen aus.
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Die Anonymität des Kampfes

Bis heute blieb mir eine Begegnung aus den Anfängen von Fallout 76 im Hinterkopf. Bei einer Erkundungstour durch Appalachia stieß ich auf einen anderen Spieler, der sich mit Mutanten herumärgerte. Als freundlicher Vault-Bewohner eilte ich ihm zur Hilfe, und gemeinsam besiegten wir die Angreifer. Zum Abschied winkte ich ihm noch kurz zu, doch kurze Zeit später zischten mir bereits die Kugeln um die Ohren. In geistiger Umnachtung schoss ich zurück, unterlag aber am Ende dem Übeltäter. Danach hatte ich erstmal keine Lust mehr und war fertig mit der Welt.

Im Gegensatz zu Computer-Angreifern sorgen menschliche Kontrahenten für eine extreme Unberechenbarkeit. Das verspricht zwar Spannung, kann aber - wie in meinem Fall - auch massiven Frust hervorrufen. Eine "Niederlage" gegen einen anderen Spieler wiegt für mich immer noch schwerer als der tausendste Bildschirmtod in einem Bossfight. Kämpfe mit Computermonstern oder Cyber-Soldaten sind anonym. Wenn ich verliere, startet die Routine wieder von neuem. Und egal, ob Playstation 4, Xbox One, Switch oder PC - der Programmcode hinter dem Gegner vollführt im Inneren der Maschine ganz sicher keinen Freudentanz auf. Für mich als Spieler bedeutet das: Aufstehen, Kanone durchladen und einen neuen Versuch starten.
Raider-Anführer Roper lässt sich von harten Worten nicht beeindrucken. Stattdessen schlägt er euch einen Deal vor. Alternativ könnt ihr ihn aber auch einfach angreifen, bekommt es dann aber mit seinem Bodyguard zu tun. <br> &nbsp; Quelle: Bethesda/Medienagentur plassma Raider-Anführer Roper lässt sich von harten Worten nicht beeindrucken. Stattdessen schlägt er euch einen Deal vor. Alternativ könnt ihr ihn aber auch einfach angreifen, bekommt es dann aber mit seinem Bodyguard zu tun.
 
Ganz anders dagegen bei "geteilten Spielerfahrungen": Wenn ich einen anderen Spieler schlage, freue ich mich diebisch und triumphiere lauthals vor dem Bildschirm. Auf der anderen Seite ärgere ich mich deutlich mehr, wenn ich von anderen Menschen ausgetrickst oder gar übertölpelt werde. Nichts kratzt so sehr an meiner Spielerehre wie eine Niederlage gegen einen anderen Gamer. Zu meiner Schande muss ich aber auch gestehen, dass mir selbst Begegnungen und freundschaftliche Interaktion mit anderen Spielern oft schwerfällt beziehungsweise mich beim Eintauchen in die Spielwelt stören. Nicht selten stellen sie nämlich einen Bruch zu Stimmung und zum Geschehen dar.

Menschen sind Idioten
Zugegeben, diese Überschrift klingt hart. Aber es ist (leider) oft die Wahrheit. Wo auch immer zu viele Spieler zusammenkommen, da wächst die Chance, dass Möchtegern-Spaßvögel dabei sind. Zuletzt gesehen in Death Stranding: In den zerklüfteten Bergen parkte jemand seinen Lastwagen so "gekonnt" vor einem Eingang, dass ich den anvisierten Bunker nicht erreichen und dadurch die Mission nicht beenden konnte. In Ermangelung eines Playstation-Pannenservices musste ich den Boliden selbst mühevoll umparken und ausreichend Platz schaffen. Auch in den ersten Tagen von Tom Clancy's The Division erfreuten sich Spieler in Social-Hub-Levels daran, anderen den Ausgang zu versperren. Ja, diese Probleme können findige Entwickler mühelos ausbügeln. Aber sie zeigen auch: Gebt Spieler nicht zu viele Freiheiten. Denn viele nutzen diese aus, um anderen den Spielspaß zu verderben.
In den Kohleminen seid ihr auf der Suche nach den Geschwistern Sol und Polly. Was hier noch nicht klar ist: Polly ist ein Roboter und wurde von Verbrannten übel zugerichtet. <br> &nbsp; Quelle: Bethesda/Medienagentur plassma In den Kohleminen seid ihr auf der Suche nach den Geschwistern Sol und Polly. Was hier noch nicht klar ist: Polly ist ein Roboter und wurde von Verbrannten übel zugerichtet.
 
In einer Spielwelt, die lediglich von "künstlichen" Bewohnern bevölkert wird, weiß ich, was ich bekomme. Die Spielerfahrung ist trotz oftmals eingestreuter dynamischer Ereignisse auf einen möglichst reibungslosen Ablauf zugeschnitten. Kleine Ungenauigkeiten können aufgrund von Programmfehlern oder meinem unkalkulierbaren Verhalten natürlich immer mal vorkommen. Doch mit NPCs an meiner Seite, weiß ich wenigstens, dass es keine böswillige Absicht, sondern höchstens ein Bug ist, der mir den Spaß verhagelt.

Ich will meine eigene Geschichte erleben
Damit sind wir dann eigentlich auch schon beim wichtigsten Argument für NPCs in Videospielen: dem Storytelling. So intensive, kuriose und manchmal auch emotionale Geschichten die Interaktion mit anderen Spielern auch schreibt, so bevorzuge ich doch das Erleben meiner ganz eigenen Abenteuer. Egoistisch wie ich bin, will ich diese Augenblicke für mich selbst haben und nicht mit anderen teilen.
Im Spielverlauf vom Jedi: Fallen Order schart Padawan Cal Kestis eine ganze Reihe Verbündeter um sich. Der kleine Druide BD-1 ist immer mit dabei. Er ist nicht nur unfassbar niedlich, sondern hilft auch mit Hinweisen und Stimpacks weiter. <br> &nbsp; Quelle: Electronic Arts Im Spielverlauf vom Jedi: Fallen Order schart Padawan Cal Kestis eine ganze Reihe Verbündeter um sich. Der kleine Druide BD-1 ist immer mit dabei. Er ist nicht nur unfassbar niedlich, sondern hilft auch mit Hinweisen und Stimpacks weiter.
 
Ich möchte vor dem Monitor sitzen und mich wie etwa in Fallout 76: Wastelanders über witzige Dialoge freuen. Ich will aber auch mit liebgewonnenen Figuren mitleiden wie im Falle von Ellie und Joel in The Last of Us. Und ich möchte emotionale Achterbahnfahrten erleben und mich anschließend über Figuren wie den Baron aus The Witcher 3: Wild Hunt aufregen. Abhängig davon, ob ich mit NPCs oder mit anderen Online-Spielern interagiere, variiert das Spielerlebnis enorm. Fallout 76: Wastelanders zeigt mir einfach, dass NPCs oftmals dann doch die besseren Menschen sind.

Die Ausnahme von der Regel
Allerdings führte mir Wastelanders auch eine Ausnahme vor Augen: Wenn es um Koop oder Begleiter geht, dann benötige ich einfach Freunde und Kollegen an meiner Seite. Spiele wie The Division 2 oder auch World of Warcraft, die extrem auf Teamwork ausgelegt sind, machen auch nur mit menschlicher Komponente so richtig Freude. Funktioniert so etwas mit Fremden? Manchmal ... aber längst nicht immer. Aber mit Freunden erschafft man so ebenfalls denkwürdige Augenblicke, die allerdings eine ganz andere emotionale Komponente mitbringen als klassische NPC-Missionen und Events.

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Doch ganz egal, ob Nicht-Spieler-Charaktere, Koop-Partner oder zufällige Begegnungen in einer offenen Spielwelt - die Hauptsache ist doch, dass uns Videospiele bewegen und einzigartige Momente kreieren. Im Falle von Fallout 76 gelingt dies aber erst nach der Wastelanders-Erweiterung. Zumindest bei mir!

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