Der Preis der Spiele: Was taugen Videospiele als Wertanlage?

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Der Preis der Spiele: Was taugen Videospiele als Wertanlage?
Quelle: Medienagentur Plassma

Für unsere Eltern waren es Briefmarken und Münzen, die sie zum Sammeln animierten. Heute sind es zunehmend alte Computer- und Videospiele, die immer begehrter werden. Handelt es sich um einen kurzfristigen Trend oder könnte man mit dem Sammeln wertvoller Games womöglich seine Rente sichern? Unser Report klärt auf.

Wer in den 1990er-Jahren aufwuchs, dem stand eine große Auswahl an Modulen für Sega Mega Drive und Super Nintendo zur Verfügung. Selbst gewöhnliche Läden wie Karstadt, Fuhr oder Kerber führten ein stattliches Sortiment, das regelmäßig ausgedünnt wurde. Sprich: Es landeten Spiele in der "Ramschkiste". Dort kosteten sie anstatt 100 bis 140 D-Mark gerne mal 70, 40 oder gar 20 Mark. Zur Orientierung für Spätgeborene: Ihr müsst diese Beträge halbieren, um einen ungefähren Euro-Vergleichswert zu erhalten.

Wir reden wohlgemerkt nicht von alten Sportspielen, die aufgrund ihrer jährlichen Neuauflagen dramatisch an Wert verlieren. Gemeint sind ein Hagane (1994) für 50 Mark, ein Demon's Crest (1994) für 40 Mark oder ein Keio Flying Squadron (1993) für 30 Mark, allesamt mit Verpackung und Anleitung. Heute sind diese Sachen äußerst begehrt und erzeugen auf Ebay und Co. Preise um die 200 bis 400 Euro.

Vom ungeliebten Entlein zum teuren Schwan

Da stellt sich die Frage: Wann und warum werden Spiele wertvoll? Die Antwort ist eigentlich simpel: je niedriger die Produktionsauflage, desto höher die Chance einer langfristigen Wertsteigerung. Dies passiert beispielsweise bei obskuren Spielen mit ungewöhnlichen Konzepten, wie dem Kult-Rollenspiel Earthbound (1994) für Super Nintendo oder dem total irren LSD: Dream Emulator (1998) für die erste Playstation. Ähnlich kostspielig werden Nischentitel mit einer fanatischen Fanbasis, allen voran Shoot'em-Ups à la R-Type 3 (1993) oder Radiant Silvergun (1998). Keine andere Konsole hat so viele und so geniale Shoot'em-Ups hervorgebracht wie das Mega Drive. Leider ist kaum noch eines davon zum Schnäppchenpreis erhältlich, was natürlich auch für das grandiose Musha Aleste gilt. <br> &nbsp; Quelle: Medienagentur Plassma Keine andere Konsole hat so viele und so geniale Shoot'em-Ups hervorgebracht wie das Mega Drive. Leider ist kaum noch eines davon zum Schnäppchenpreis erhältlich, was natürlich auch für das grandiose Musha Aleste gilt.
 

Gleichermaßen prädestiniert für langfristig hohe Preise sind technisch erstklassige Titel, die kurz vor Ende einer Hardware-Generation erscheinen. Zum Release ist das Interesse eher gering, weil viele ihr Geld für die nächste Konsole reservieren. Erst im Laufe der Jahre erlangen solche Spätstarter an Beliebtheit - und irgendwann übersteigt die Nachfrage das Angebot.

Eines der besten Beispiele hierfür ist Rendering Ranger (1995), eines der teuersten Super-Nintendo-Module überhaupt. Kein Wunder: Je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenkt, wurden davon nur 7.500 bis 10.000 Exemplare produziert. Es erschien ausschließlich in Japan, obwohl es vom Deutschen Manfred "Turrican" Trenz programmiert wurde und rasch Kultstatus unter den Liebhabern von Run'n'Guns erlangte. Wer es heute mitsamt Verpackung für unter 1000 Dollar findet, der sollte sofort zuschlagen. Realistischer ist nämlich das Doppelte!

Solche Beispiele werden nur noch von Modulen getoppt, die für Demostationen oder Wettbewerbe gedacht waren. Darunter zählt beispielsweise die berühmte NES-Cartridge von Nintendo World Championship 1990, die Verkäufern bereits fünfstellige Auktionsbeträge einbrachte. Solche Exoten sind jedoch ausschließlich für Hardcore-Sammler von Belang, weil sie nur ein paar ausgewählte Levels der Originale und spielerisch betrachtet rein gar nichts Neues beinhalten.

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Demzufolge sollte klar sein, dass manchem Sammler die Qualität eines Spiels völlig egal ist - Hauptsache, es ist selten! Ansonsten würden Rohrkrepierer wie die Zelda-Spiele für Philips CD-i keinen Cent wert sein, und niemand hätte Interesse an dem mittelmäßigen Tetris für Mega Drive, von dem angeblich nur zehn Exemplare existieren. Der wunderschöne Shooter Wild Guns ist ebenfalls heute dank Nintendo Switch Online verfügbar. Zudem hat Natsume vor ein paar Jahren eine liebevoll gemachte Neuauflage für die Playstation 4 herausgebracht. Quelle: Medienagentur Plassma Der wunderschöne Shooter Wild Guns ist ebenfalls heute dank Nintendo Switch Online verfügbar. Zudem hat Natsume vor ein paar Jahren eine liebevoll gemachte Neuauflage für die Playstation 4 herausgebracht.

Überhaupt existieren viele Perlen für Super Nintendo und Mega Drive, nach denen sich der Retro-Liebhaber von heute die Finger leckt. Das Gemeine: In den 90ern waren Videospiele eine belächelte Randerscheinung, die der Mainstream nicht ernst nahm - insbesondere hier in Europa. Nehmt noch die Tatsache hinzu, dass viele Käufer nichts ahnend Verpackung und Anleitung in den Mülleimer warfen, und ihr merkt schnell: Es gibt immer mehr Sammler, die auf ein immer kleiner werdendes Kontingent zugreifen müssen. Wer würde schließlich solche alten Spiele heute nochmal neu produzieren? Nun, so verrückt das auch klingt: Genau das passiert inzwischen!

Hersteller wie Limited Run Games oder iam8Bit verkaufen in der Tat alte Spiele in neuem Gewand, beispielsweise Street Fighter 2 für Super Nintendo, Aladdin für Mega Drive oder diverse Star-Wars-Titel für PC, Game Boy sowie NES. Besonders lukrativ wird die Idee bei richtig seltenen und gleichzeitig begehrten Games wie Maijyuuou: Das Action-Jump'n'Run erschien 1995 nur in Japan für das Super Famicom und erlangte erst gut ein Jahrzehnt später an Aufmerksamkeit. Dank bunter Grafik und abgefahrenem Horror-Setting avancierte es schnell zu einem Geheimtipp, den jeder SNES-Fan haben musste.

Entsprechend schossen die Preise bei Ebay in die Höhe und landeten im vierstelligen Bereich, sofern Anleitung und Verpackung mit dabei waren. 2018 geschah jedoch ein kleines Wunder: Unter dem Label Columbus Circle erschien eine offizielle Neuauflage, die für faire 5580 Yen (umgerechnet um die 40 bis 45 Euro) verkauft wurde. Interessanterweise hat dies den Wert der Originalauflage kaum gemindert, womit alle Beteiligten zufrieden waren: die Sammler, die ihr teures Exemplar in Ehren halten, und die Neukunden, die einfach nur das Spiel erleben möchten.
Das harmlose Puzzlespiel Solomon's Key 2 (in den USA als Fire 'N Ice bekannt) ist extrem teuer, jedoch seit kurzem Teil der Nintendo-Switch-Online-Bibliothek und ganz legal für alle Mitglieder des Abo-Services verfügbar. Quelle: Medienagentur Plassma Das harmlose Puzzlespiel Solomon's Key 2 (in den USA als Fire 'N Ice bekannt) ist extrem teuer, jedoch seit kurzem Teil der Nintendo-Switch-Online-Bibliothek und ganz legal für alle Mitglieder des Abo-Services verfügbar.

Limitierte Sammlerfreuden

Solche Neuveröffentlichungen von alten Spielen sind im Kommen, aber bislang noch eine Randerscheinung. Schließlich sind Unternehmen wie Limited Run Games, Strictly Limited Games oder Super Rare Games vorrangig damit beschäftigt, physische Editionen beliebter Indie-Hits zu produzieren Auf dem Mega Drive sorgen sowohl Shoot'em-Ups als auch Run'n'Guns für hohe Preise. Zudem erscheinen immer mal wieder neue, interessante Titel wie Pier Solar oder Xenonauts, die ebenfalls zu beliebten Sammlerobjekten heranwachsen. Quelle: Medienagentur Plassma Auf dem Mega Drive sorgen sowohl Shoot'em-Ups als auch Run'n'Guns für hohe Preise. Zudem erscheinen immer mal wieder neue, interessante Titel wie Pier Solar oder Xenonauts, die ebenfalls zu beliebten Sammlerobjekten heranwachsen.

Die Idee dahinter klingt nobel: Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung sorgen sich Sammler, ob moderne Spiele in 30 Jahren überhaupt noch spielbar sind. Wer weiß denn schon, ob Steam noch funktioniert oder man über seine alte Playstation 3 Zugriff zu den Sony-Servern hat, um sich seine Spiele erneut herunterladen zu können? Sogar der eine oder andere Triple-A-Titel könnte seinen Dienst verweigern, falls er ohne Day-One-Patch nicht vernünftig läuft.

Limited Run Games möchte jedenfalls unsere Ängste nehmen und verkauft deshalb Spiele wie "früher": In final gepatchter Form auf CD/DVD (PC), Blu-ray (PS4) oder Cartridge (Vita, Nintendo Switch). Allerdings hat die Sache einen Haken, was bereits im Namen der Firma steckt: Es handelt sich um limitierte Auflagen.

In den Anfangsjahren beschränkte sich Limited Run Games bei jedem Titel auf eine vorgegebene Stückzahl von ein paar tausend Exemplaren. Diese waren - je nach Beliebtheit des Spiels - innerhalb von wenigen Tagen bis ein paar Sekunden (!) komplett ausverkauft.

Das jüngste Beispiel für ein solches Drama ist Papers, Please für Playstation Vita. Der Verkauf wurde wie gewohnt zu zwei verschiedenen Uhrzeiten freigegeben - und wir können leider aus eigener Erfahrung bestätigen, dass selbst eine direkt auf die Sekunde genau erfolgte Bestellung nicht zwingend zu einem erfolgreichen Kauf führte. Einige der wertvollsten C64- und Amiga-Unikate vereint. Besonders aufregend: die Female-Edition von Alter Ego, in der ihr im Gegensatz zum Original das Leben einer Frau anstatt eines Mannes spielt. Quelle: Medienagentur Plassma Einige der wertvollsten C64- und Amiga-Unikate vereint. Besonders aufregend: die Female-Edition von Alter Ego, in der ihr im Gegensatz zum Original das Leben einer Frau anstatt eines Mannes spielt.

Aktuell ist Papers, Please nur über Scalper auf Ebay erhältlich, die sofort das Dreifache des ursprünglichen Preises verlangten. Allerdings fällt auf, dass seither keine Wertsteigerung mehr stattfand. Sprich: Obwohl das Spiel sehr begehrt und nur für einen sehr kurzen Zeitraum erhältlich war, stagniert der Preis. Deshalb ist es schwer zu sagen, wie wertvoll Papers, Please langfristig sein wird.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist der Service von Limited Run Games zum Glück breiter geworden und es steht Kunden meist ein Zeitfenster von vier Wochen zur Verfügung, innerhalb derer so viele Vorbestellungen wie gewünscht erfolgen. Trotzdem wandern die Spiele immer noch direkt nach Beendigung der Aktion auf Ebay, natürlich mit einem deutlich gestiegenen Preis. Entsprechend bleibt die Kritik, dass hier eine künstliche Wertanlage geschaffen wird.

Ungeachtet dessen stellen diese Versionen einen starken Kontrast zur digitalen Vermarktung dar, die seit Jahren dominiert. Der Erfolg von Limited Run Games beweist, dass trotz aller entgegengesetzter Trends ein Markt für physische Spiele vorhanden ist.

Auf die Schachteln kommt es an

Ein weiterer Faktor für die Wertsteigerung ist der Beliebtheitsgrad der benötigten Hardware. Alte PC-Spiele sind beispielsweise deutlich günstiger, denn im Vergleich zu Konsolenspielen fällt ein großes Problem weg: Man kann die meisten Computerspiele-Klassiker auch heute über Steam oder GOG ohne Einschränkungen spielen. Nahezu jeder Teil der niedlichen Cotton-Shoot'em-Up-Serie ist unter Sammlern begehrt. Hier im Bild seht ihr die Arcade-Emulation für die Minikonsole Astro City: Sie ist bislang nur in Japan erschienen und dürfte im Laufe der Jahre preislich durch die Decke gehen. Quelle: Medienagentur Plassma Nahezu jeder Teil der niedlichen Cotton-Shoot'em-Up-Serie ist unter Sammlern begehrt. Hier im Bild seht ihr die Arcade-Emulation für die Minikonsole Astro City: Sie ist bislang nur in Japan erschienen und dürfte im Laufe der Jahre preislich durch die Decke gehen.

Das Sammeln von PC-Spielen hat also nur dann Sinn, wenn man auf die großen Originalschachteln und gedruckte Anleitungen steht. Nahezu komplett wertlos sind indes neuere Titel, die in einer mickrigen DVD-Packung ausgeliefert und nach Nutzung des Steam-Keys nicht mehr weitergereicht werden können. Dann darf man froh sein, wenn das Exemplar noch einen Euro einbringt.

Auch bei Playsstation 3 und 4 sowie Xbox 360 und Xbox One sind ein Großteil der erhältlichen Spiele preisgünstiger als zum Release. Das liegt schlicht daran, dass diese Konsolen recht jung sind, noch kein Retro-Interesse entfacht haben und viele Spiele in einer stattlichen Auflage produziert wurden. Wirklich teuer sind allenfalls dicke Sammlereditionen wie jene von The Last Guardian (2016), God of War (2018) oder Sekiro (2019) - allerdings haben euch diese bereits zum Erscheinungstag viel Geld abgeknöpft. Der Sandwurm ist genauso riesig wie die Preise, die ihr für ein Originalmodul von Hagane hinblättern müsst. <br> &nbsp; Quelle: Medienagentur Plassma Der Sandwurm ist genauso riesig wie die Preise, die ihr für ein Originalmodul von Hagane hinblättern müsst.
 

Ganz anders sieht es bei allem aus, auf dem Nintendo steht: Die Spiele der Japaner steigen im Preis schön sanft nach oben, was beispielsweise Webseiten wie Price Charting katalogisieren. Die gleiche Quelle deutet im Übrigen einen aktuellen Trend an, demnach seit gut einem Jahr Klassiker für die erste Playstation signifikant an Wert zu gewinnen scheinen.

Trotzdem müssen wir warnen: Die Daten, die Websites wie Price Charting sammelt, sind alles andere als vollständig und wasserdicht. In der Regel beziehen sich die berechneten Werte für lose Module, komplette Spiele oder eingeschweißte Exemplare auf abgelaufene Ebay-Auktionen, bei denen tatsächlich ein Kauf stattgefunden hat. Das hat jedoch bei vielen Titeln rein statistisch gesehen wenig Aussagekraft, weil von ihnen nur eine Handvoll abgeschlossener Auktionen existieren. Deshalb sehen einige Graphen, die die Preisentwicklung der letzten Jahre darstellen, wie ein Sägeblatt anstatt einer stetig ansteigenden Kurve aus.

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