Das Beste dieser Generation - Teil 7: The Last of Us - Düsteres und brutales Endzeit-Epos

Special Matthias Dammes

Im Sommer 2013 setzten die Entwickler von Naughty Dog mit The Last of Us den krönenden Abschluss auf die PS3-Generation. Mit dem Action-Adventure liefern die Kalifornier nach drei Teilen der Uncharted-Reihe ihr Meisterstück ab, das mit einer bewegenden Geschichte, erstklassigen Charakteren und ganz viel Emotionen überzeugt. Noch nie war die menschliche Endzeit so schön und so brutal zugleich.

Für die gesamte Lebensdauer der Playstation 3 war der Name Naughty Dog untrennbar mit der Uncharted-Reihe verknüpft. Drei herausragende Abenteuer des Schatzjägers Nathan Drake haben die kalifornischen Entwickler zwischen 2007 und 2011 veröffentlicht. Zum Ende der Generation wagten sich die Macher mit The Last of Us jedoch an etwas völlig neues - und lieferten damit ihr Meisterstück ab. Das Action-Adventure stellt die Krönung der Leistungsfähigkeit der PS3 dar und überzeugt daher mit optisch beeindruckenden Bilder, die die Entwickler nutzen, um eine mitreißende Geschichte über den Überlebenskampf von Joel und Ellie in einer post-apokalyptischen Welt zu erzählen.

Die Menschheit ist in The Last of Us Opfer einer mysteriösen Pilzinfektion geworden, die Milliarden Tote gefordert hat und die Infizierten als willenlose Zombies durch die Welt streifen lässt. Die Idee dafür haben sich die Entwickler aus der Natur abgeschaut, wo der tatsächlich existierende Cordyceps-Pilz in der Regel Insekten befällt. Im Spiel mutiert der Pilz zu einer Plage, die auch Menschen befällt. Die wenigen überlebenden Menschen versuchen sich auch 20 Jahre nach der Katastrophe notdürftig über Wasser zu halten. In Quarantänezone der großen Städte werden die Überlebenden unter einem rigorosen Regime des US-Militärs eingesperrt, was zur Bildung der Widerstandsgruppe der Fireflies geführt hat.

Diese kämpfen gegen die Autorität des Militärs und haben nie aufgegeben ein Gegenmittel gegen die Infektion zu finden. Joel ist ein gerissener Schmuggler in der Quarantänezone von Boston und wird beauftragt das 14-jährige Mädchen Ellie zu einer Fireflies-Zelle im Zentrum der Stadt zu bringen. Das folgende Abenteuer durch die menschenleere USA erinnert dabei nicht zufällig an den Hollywood-Film I am Legend, nur dass es doch noch ein paar mehr Menschen gibt. Die Stimmung ist jedoch ebenso düster, brutal und irgendwie auch Hoffnungslos. Glückliche Momente sind dabei eher selten, was nicht zuletzt durch die Story gefördert wird, die die Charaktere immer wieder vor schwere Prüfungen stellt. Nicht zuletzt, wenn wieder ein geliebter Charakter an die Seuche verloren wurde.

Knappheit bestimmt das Leben

Die sogenannten Clicker sind harte Gegner. Entweder schleicht ihr euch an oder ihr schaltet sie aus der Entfernung aus. Quelle: Sony Die sogenannten Clicker sind harte Gegner. Entweder schleicht ihr euch an oder ihr schaltet sie aus der Entfernung aus. Genre-typisch steuert ihr Joel in der Third-Person-Perspektive durch die Spielwelt. In Kämpfen bekommen es die beiden Protagonisten nicht nur mit den Infizierten zu tun, sondern auch mit Plünderern und anderen feindlich eingestellten Überlebenden. Zur Verteidigung stehen euch verschiedene Schusswaffen wie Pistole, Gewehr und Bogen, aber auch Nahkampfwaffen und selbst gebastelte Bomben zur Verfügung. Da Munition jedoch knapp ist und wildes rumgeballere außerdem viel Lärm verursacht ist es in der Regel jedoch ratsam lautlos vorzugehen. Dazu könnt ihr euch an Gegner anschleichen, sie von hinten erwürgen oder mit dem Messer zur Strecke bringen.

Während der Streifzüge durch die Ruinen der einstigen Zivilisation findet ihr immer wieder nützliche Gegenstände aus denen ihr Erste-Hilfe-Pakete, Nagelbomben und andere Überlebenshelfer herstellt. Besonders in hohen Schwierigkeitsgraden sollte ihr jedoch genauestens Überlegen, was ihr herstellt, da die Rohstoffe knapp sind. So wird während des gesamten Spiels ein glaubwürdiges Gefühl des Überlebenskampfes vermittelt. Allgemein wird der Alltag von der ständigen Knappheit bestimmt. Selbst Nahkampfwaffen wie Eisenstangen sind nach einer bestimmten Anzahl an Schlägen abgenutzt. Mit Hilfe von Flaschen und Ziegelsteinen, die zur Ablenkung dienen, könnt ihr daher vielen Kämpfen auch geschickt aus dem Weg gehen, sollten euch eure Vorräte zu wertvoll sein.

Gemächliches Tempo mit beklemmender Wirkung

Genau wie das Dörfchen Lincoln sind die meisten Städte der USA menschenleer. Quelle: Sony Genau wie das Dörfchen Lincoln sind die meisten Städte der USA menschenleer. The Last of Us legt während der gesamten Spielzeit ein eher gemächliches Tempo an den Tag. Während ihr auf euren Streifzügen nach überlebenswichtigen Vorräten sucht, wartet nicht an jeder Ecke eine neue Gruppe Gegner. Stattdessen belauscht ihr immer wieder die Dialoge der Protagonisten und beobachtet Ellie wie sie erstmals in ihrem Leben die Welt außerhalb einer Quarantänezone erkundet. Das geringe Tempo verstärkt auf diese Weise die beklemmende Realität einer Welt, in der kaum noch Menschen leben. Weiter Unterstrichen wir das noch durch zahlreiche sogenannte Artefakte, die ihr in der Spielwelt findet. Dabei handelt es sich meist um Briefe und Zettel mit Botschaften von ehemaligen Bewohner, die einen Einblick in persönliche Einzelschicksale gewähren.

Wie schon in der Uncharted-Reihe gelingen den Entwickler von Naughty Dog auch in The Last of Us stimmig gezeichnete Charaktere, die aufgrund des Szenarios jedoch eher menschenfeindliche oder seelisch gebrochene Personen darstellen. Mit The Last of Us gelingt Naughty Dog ein sehr interessanter Spagat zwischen der Funktion eines Spiels zu unterhalten und der düsteren Prämisse, die zum Nachdenken anregen soll. Besonders das Ende wird die meisten Spieler zunächst sprachlos zurücklassen und über die Moral der Geschichte und der Hauptfiguren nachdenken lassen. "Besonders diejenigen unter euch, die auf eine durchdachte Geschichte Wert legen, die mit tiefgründigen Charakteren mit eigenen Motivationen punktet, sollten sich diese Videospielperle nicht entgehen lassen", lautet das Fazit von Play3-Tester Sascha Lohmüller in diesem Sommer. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Infos zum Spiel

 - 2013/09/The_Last_of_Us_Playstation_3.jpg Entwickler: Naughty Dog
Publisher: Sony Computer Entertainment
Creative Director: Neil Druckmann
Musik: Gustavo Santaolalla
Release: 14. Juni 2013
Genre: Action-Adventure
Spielmodi: Singleplayer, Multiplayer
Plattformen: PS3
Engine: Hauseigene Engine
USK: Ab 18 Jahren
Play3-Wertung: 92
Metacritic: 95
Userscrore: 9,1
 

Das Beste dieser Generation - Überblick

Teil 1: Ein Rückblick auf das PS3- und Xbox 360-Zeitalter
Teil 2: Bioshock Infinite - Story-Meisterwerk mit fantastischen Charakteren
Teil 3: Heavy Rain - Der interaktive Film als Kunstform
Teil 4: Dark Souls - Fies, fordernd, aber irrsinnig faszinierend
Teil 5: Rayman Legends - charmant-kniffliges Jump & Run in bester 2D-Grafik
Teil 6: Uncharted 2 - Witz, Charme und Bombastoptik vereint
Teil 7: The Last of Us - Düsteres und brutales Endzeit-Epos

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