30 Jahre PC Games:Der Küken-Rückblick auf unser erstes Heft - Seite 2
Special
Wir haben eines der jüngsten Mitglieder unserer Redaktion vor unser 30 Jahre altes, erstes Heft gesetzt. Wie gut hat sich Ausgabe eins bis heute gehalten?
Falls ihr's noch nicht wusstet, erfahrt ihr in der News-Rubrik unter anderem, dass das französische Softwarehaus LORICIEL in den Sommerwochen umgezogen ist und sich nun an der 7 rue du Fossé Blanc, in F-92624 Gennevillies cedex befindet. Erreichbar sind die Jungs und Mädels telefonisch unter (1) 46 88 28 38 oder alternativ per Telefax unter der (1) 47 90 93 93. Damals mussten enttäuschte Fans Entwickler noch ganz klassisch über Faxgerät oder Telefon beleidigen, statt sie in wütenden Tweets zu taggen. Verrückt!
Außerdem verrät die News-Rubrik, dass wir auf einer Fachmesse namens Computer Shopper's Show in Köln einen Stand samt einem echten Ferrari Testarossa hatten, in dem man einen Fahrsimulator spielen konnte. Und zwar für den sehr schlanken Eintrittspreis von 17 DM für die komplette Messe.
In diesem Artikel
Vier D-Mark! Das sind ja zwei Euro! Das sind ja ...
Auch der "Eintrittspreis" für die PC Games war mit gerade mal 4 DM für 100 Seiten plus Diskette nicht von schlechten Eltern. Gefüllt ist das Heft vor allem mit Tests und Vorschauen, die bereits modern als "Reviews" und "Previews" bezeichnet werden. Weil ich nicht ganz vorurteilsfrei an den alten Schmöker rangegangen bin, hatte ich eher mit so etwas wie Telespielvorabberichterstattung und Heimrechnerprogrammrezension gerechnet.
Quelle: PC Games
Wer uns damals auf der Software-Messe in Köln besuchte, durfte sich in einen echten Ferrari Testarossa setzen.
Meine Berechnungen ergeben: Das hat Spaß gemacht
Bevor ich mich an das Golfspiel des Monats wage, versuche ich das Bewertungssystem zu verstehen. Praktischerweise gibt's dafür eine komplette Seite zur Erklärung: Die Gesamtwertung (hier Ranking genannt), eine schöne, leicht zu erfassende Zahl zwischen 1 und 100, setzt sich aus vier Aspekten zusammen. Neben Sound, Grafik und Gameplay wird die Originalität gewichtet, und zwar mit Faktor 0,1. Die anderen drei Werte werden je nach Genre unterschiedlich stark eingerechnet.
Quelle: PC Games
Specs & Tecs: Anglizismen konnten wir. Interessant ist auch, dass der Designer eines Spiels noch namentlich im Wertungskasten erwähnt wird.
Während Sound, Grafik und Gameplay bei Action-Adventures oder Jump & Runs gleich viel gelten, muss bei Denkspielen vor allem das Gameplay (Faktor 0,6) und bei Simulationen die Grafik (0,4) überzeugen. Dadurch soll maximale Objektivität gewährleistet werden. Ich erinnere mich, dass die Computer Bild Spiele ein ähnlich altertümliches System verwendete, mit noch filigraneren Werten und in Schulnotenform, und ich es dort schon für Quatsch hielt, weil sich besondere Qualitäten eines Spiels dadurch kaum in der Wertung abzeichnen. Sieht man sich nur den Wertungskasten an, muss man ihm aber lassen, dass man alle wichtigen Infos und Einschätzungen auf einen Blick bekommt - komplizierte Berechnung hin oder her.
Die alten Eisen tun's nicht mehr
Mit diesem geballten Wissen im Hinterkopf begreife ich nun aber auch die Topwertung von 93 für Links 386 pro, das wichtigste Spiel dieser Ausgabe. Mit einer Auflösung von 640 mal 480 Punkten, 256 Farben, dem akkurat fotografierten Harbour Town Golfplatz und einem Computergegner als neuem Feature puttete sich das Spiel direkt in unsere Herzen. Im Text werden auch gleich die Amiga-Besitzer veräppelt, die bei ihrer kurz zuvor veröffentlichten Nicht-Pro-Version von Links offenbar dachten, mit dem PC konkurrieren zu können.
Quelle: PC Games
Golfen war noch nie so schön wie in Links 386 pro auf einem Rechner mit dem gleichnamigen Prozessor.
Wer einen Rechner mit 386er-Power daheim stehen hatte, konnte darüber nur schmunzeln. Nachdem er oder sie am Champagnerglas genippt hatte, versteht sich, denn ein aktueller Top-Rechner, etwa der später im Heft vorgestellte Acrobat Stone, riss ein fast 5.000 DM großes Loch in die Brieftasche.
Ein anderes Spiel vom Cover, B-17 Flying Fortress, bringt es dagegen gerade einmal auf 69 Punkte. Zwei Erkenntnisse: Flugsimulatoren mit nur einem einzigen spielbaren Flieger waren damals gang und gäbe und die Motivations-Zeitangabe unter der Wertung wirkt ganz schön aus der Luft gegriffen. Das Super-Duper-Golfspiel motiviert zwei Monate lang, das offenbar ziemlich langweilige Steuern eines Bombers in Vektorgrafik dafür gleich drei?
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