30 Jahre PC Games: Eine Reise durch die Heftgeschichte - Teil 3
Special
Drei Jahrzehnte, 362 Hefte, Dutzende Autoren, Hunderte Kollegen, unzählige Spiele - das ist die bewegte Geschichte der PC Games. Wir laden euch ein auf einen Trip in die Vergangenheit, von unseren Anfängen bis in die Gegenwart. Im dritten Teil unserer großen Rückblick-Serie brechen neue Zeiten an: Valve und World of Warcraft verändern die PC-Gaming-Szene, starke Konsolen erobern den Markt und wir stellen unser Team mehrmals komplett auf den Kopf.
Im Jahr 2005 wird Computec Media mehrheitlich durch die Schweizer Firma Marquard Media übernommen. In der Chefetage kommt es zu Personalwechseln, Ende des Jahres brechen dann auch für die PC Games weitreichende Änderungen an. Ansgar Steidle und Stefan Weiß, die schon lange als Tipps-Experten hinter den Kulissen mitmischen, wechseln nun rüber in die Stammredaktion. Auch Felix Schütz, Verfasser dieser Zeilen, hatte bislang vor allem Tipps zu World of Warcraft geschrieben. Nun wird er dauerhaft ins Team integriert (und trauert Azeroth bis heute keine Träne nach).
Schlechter Plan, schlechte Laune
Nachdem wir Age of Empires 3 im Heft 12/2005 auf aberwitzigen 20 Seiten testen (machen wir nie wieder, versprochen!), folgt eine Ausgabe später dann die offizielle Ankündigung: PC Games und PC Action, bislang zwei völlig getrennte Teams, werden zu einer Einheitsredaktion verschmolzen. Synergieeffekt, so lautet das Zauberwort - wir sollen dadurch mehr Themen bei weniger Aufwand umsetzen, da künftig nicht zwei Kollegen das gleiche Spiel beackern. Zu diesem Zweck werden die intern gefürchteten Ressorts gegründet, die sich auf Action, Abenteuer, Strategie und Sport aufteilen. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, sorgt hinter den Kulissen für mächtig Frust: Da manche Ressorts mehr Leute umfassen als andere, wird die Arbeitslast immer wieder ungerecht verteilt. Zwei Leute für Rollenspiele? Spätestens im Oblivion-Zeitalter eine richtig, richtig schlechte Idee.
In diesem Artikel
- Seite 1 30 Jahre PC Games: Eine Reise durch die Heftgeschichte - Teil 3
- Seite 2 30 Jahre PC Games: Eine Reise durch die Heftgeschichte - Teil 3
- Seite 3 30 Jahre PC Games: Eine Reise durch die Heftgeschichte - Teil 3
- Seite 4 30 Jahre PC Games: Eine Reise durch die Heftgeschichte - Teil 3
- Seite 5 Bildergalerie
Im Zuge der Umstrukturierung wird auch das sogenannte Gamelab geschaffen - ein Rechnerpark, mitten im Verlagsgebäude, der allen Redakteuren als neue Testumgebung dienen soll. Die liebevoll getaufte "Legebatterie" entpuppt sich als Albtraum mit Ansage, ganz besonders für die Redakteure, die es seit Jahren gewohnt waren, in Ruhe an ihrem eigenen Arbeitsplatz zu spielen. Auch die Belastung steigt pro Kopf deutlich: Man steckt viel Energie in die Erstellung der PC Action, was sich oft bis in die späten Abendstunden hinzieht. Die PC Games dagegen wird im Eilverfahren produziert. Nach langen Protesten und ein paar heftigen Wortgefechten hat die Führung schließlich ein Einsehen und bereitet dem Wahnsinn ein Ende: Die Einheitsredaktion wird nach ein paar Monaten rückgängig gemacht und die Hefte wieder getrennt. Beide Teams atmen merklich auf und die Hefte gewinnen wieder an Identität zurück. Gut für uns: Mit Oliver Haake gewinnen wir ganz nebenbei noch einen ausgewiesenen Experten für Strategie- und Actionspiele.
Quelle: PC Games
Für die Sneak Peek laden wir uns jeden Monat Leser ein, um ein brandneues, noch nicht erhältliches Spiel auszuprobieren.
Das Gamepad wird Pflicht
Quelle: PC Games
Ärgerlich: Viele Spiele ab 2005 (darunter auch Mass Effect) werden lange als konsolenexklusiv beworben.
Nach Monaten des Stillstands will man nun in anderen Bereichen ansetzen, um die Verkäufe anzukurbeln und die Marke PC Games zu stärken. So wird unsere Website nach einem aufwendigen Relaunch Stück für Stück verbessert. Auch wenn sie noch längst nicht an dem Punkt ist, an dem wir sie gerne hätten, beginnt PC Games endlich damit, online wieder Fuß zu fassen. Auch beim Heft klotzen wir ran, viele Previews wirken nun so aufwändig gestaltet, dass man sie glatt mit der Packungsrückseite eines Spiels verwechseln kann. Zu dieser Zeit werden die Redakteure immer stärker in die Artikelgestaltung einbezogen, oft dauert das Planen von Extrakästen und Beschäftigungselementen länger, als schlussendlich den Text zu schreiben. Das macht Spaß, kostet aber auch Unmengen an Zeit und Energie. Starke Coverthemen wie Oblivion heben die Stimmung, die ersten Szenen aus Crysis und Command & Conquer 3 sorgen im Team für Begeisterung: So darf es auf dem PC liebend gerne weitergehen!
Ab 2005 sind Xbox 360 und PS3 in aller Munde, doch zu dieser Zeit trennen wir PC- und Konsolenspiele noch scharf. Im Editorial der PCG 03/2006 stellt Petra Fröhlich sogar klar: "Keine Sorge - wo PC Games draufsteht, ist auch in Zukunft 100 Prozent PC drin." Natürlich erkennen wir aber die Zeichen der Zeit: Auf der E3 sind viele Demos ausschließlich mit Xbox-Controller spielbar. Für uns kein Problem, da die meisten Kollegen bereits eine Konsole zuhause stehen haben. Aber es bringt uns auch vor neue Herausforderungen: Viele Spiele zu dieser Zeit werden als Exklusivtitel für Xbox 360 und PS3 angekündigt, der PC wird oft erst nach Monaten oder sogar deutlich später bedient. Als Redaktion haben wir darum oft keine Wahl, als hochspannende Themen wie Mass Effect erst mal sausen zu lassen, bis sie endlich für den PC angekündigt werden. Zur Erinnerung: Früher war nicht alles besser!
