Outward im Test: RPG mit interessanten Ansätzen, aber mangelhafter Umsetzung

Test Giordano Braun
Outward im Test: RPG mit interessanten Ansätzen, aber mangelhafter Umsetzung
Quelle: Deep Silver

Survival Elemente im Rollenspiel? Mit Outward möchten die Entwickler von Nine Dots Studio das Beste aus Rollenspielen und Survival-Titeln zusammenführen. Outward ist für PC, PS4 sowie Xbox One verfügbar. Ob es mit seiner ambitionierten Zielsetzung einen Erfolg verbuchen kann, klären wir in unserem Test.

Um heutzutage noch wirklich auf dem Spielemarkt überzeugen zu können, müssen gerade kleine Entwickler kreativ werden, damit sich genügend Spieler für ihren Titel begeistern. Gegen Rollenspiele wie The Witcher 3 oder auch älteren Vertretern des Genres wie zum Beispiel Dragon Age: Origins, denen es gelingt, in fast allen Bereichen zu brillieren, sehen sich Indie-Titel zumeist völlig unterlegen.

Wie also von der Masse an anderen Spielen abheben? Indem man eine sehr spezielle Nische von Spielern bedient. Zwar schlägt Outward (jetzt kaufen 31,87 € ) eine ähnliche Richtung wie auch Dark Souls ein, welches sich - wenn auch äußerst beliebt und erfolgreich - ebenfalls nicht an jede Art von Spieler richtet. Jedoch will Outward noch einen Schritt weiter gehen. Neben harten Kämpfen sollen Spieler durch die Kombo aus Survival- sowie Rollenspiel-Elementen, zusätzlich herausgefordert werden. Ebenso hat Outward noch eine weitere Besonderheit parat: Ihr könnt die gesamte in einem Splitscreen-Modus spielen. Nach unserer Vorschau zu Outward, war es uns nun möglich, den Titel ausgiebig zu testen, um zwei wichtige Fragen zu beantworten: Weiß das Indie-RPG zu begeistern und für wen könnte er womöglich interessant sein?

From Zero to Hero

Der Reiz an Outward soll die Schwäche der eigenen Figur darstellen. Unser Charakter ist kein Auserwählter, erfahrener Krieger oder gar Gott, sondern einfach nur ein normaler Typ. Ja gut, er mag in einer Fantasy-Welt voller Magie und Monstren leben, doch er selbst ist nichts Besonderes - zunächst. Nun liegt es nämlich am Spieler, die eigene Figur von einem Niemand in eine lebende Legende zu formen. Innerhalb der Story hat man die Wahl zwischen drei verschiedenen Fraktionen, welche mit ihrem jeweils eigenen Verlauf der Haupthandlung aufwarten. Allerdings ist der Plot selbst zu banal - wie auch sehr viele der zugehörigen Quests. Dennoch ist die Rahmenhandlung von Outward sehr stringent, was nicht viel Spielraum für ausufernde Freiheit mit dem eigenen Charakter gewährt. Wer also eine Spielerfahrung à la dem Indie-Spiel Kenshi erwartet, wird enttäuscht werden.
Um euren Charakter langsam aber sicher in einen Helden zu formen, habt ihr die Möglichkeit spezielle Fertigkeiten zu erwerben. Quelle: PC Games Um euren Charakter langsam aber sicher in einen Helden zu formen, habt ihr die Möglichkeit spezielle Fertigkeiten zu erwerben.

Monotonie in der offenen Welt

Mit Aurai hält Outward eine relativ große Welt bereit, die sich aus vier unterschiedlichen Maps zusammensetzt. Diese umfassen unter anderem Wüsten- oder Sumpflandschaften und beinhalten jeweils eine große Stadt. Die Welt wirkt anfangs recht interessant, was alsbald den Erkundungsdrang des Spielers weckt. Dies führt jedoch zur Offenbarung von einer der hauptsächlichen Schwächen in Outward: Das Ausmaß der Welt wird kaum genutzt.

Größtenteils fühlt sie sich leer an und es stellt sich schnell ein "Copy-Paste-Gefühl" ein. Durch Quests der Marke "Begib dich von A nach B und besiege X", werden wir ständig über die Maps gescheucht, was jene Problematik im Laufe des Spieles immer offensichtlicher werden lässt. Ohne jedwede Schnellreisefunktion müssen wir daher des Öfteren ewig lange Laufwege in Kauf nehmen. Doch abseits aller Missionen sieht man sich ebenfalls schnell mit der Tristesse konfrontiert. Im seltensten Fall findet man etwas Interessantes in der Spielwelt. Auch die Suche nach rarer Ausrüstung, um unseren Charakter stetig zu verbessern, weiß auf Dauer nicht zu motivieren.

Catch me if you can

Outward bietet einige unterschiedliche Gegner-Arten, doch macht das Kampfsystem nicht wirklich Spaß. Quelle: PC Games Outward bietet einige unterschiedliche Gegner-Arten, doch macht das Kampfsystem nicht wirklich Spaß. Die Kämpfe in Outward machen nämlich keinen Spaß. Wie in so vielen anderen Rollenspielen, bestreiten wir die Kämpfe in Echtzeit. Mit den Maustasten greifen wir an und blocken die Attacken der Gegner. Zudem können wir auch Fertigkeiten einsetzen sowie mit Magie gegen die Feinde vorgehen. Ziemlich schnell wird es offensichtlich, dass der Grundgedanke des Kampfsystems darin liegt, dass die Auseinandersetzungen extrem fordernd sein sollen. Doch bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Kämpfe eigentlich komplex sein sollen und sich befriedigend anfühlen müssten. Da Outwards Mechaniken aber zu großen Teilen sehr simpel und zugleich auch misslungenen sind, kam zunehmend Demotivation bei uns auf. Zum einen lässt der physische Kampf jedwedes Feedback missen, was zu einem lustlosen Schlagabtausch führt. Zum anderen sieht man im Gefecht mit mehr als einen Gegner - trotz aller Vorbereitung - zumeist kein Land mehr. Ebenfalls gelten für den eigenen Charakter andere Regeln, als für den Rest. Feinde laufen etwa im Gegensatz zu uns mühelos Abhänge hoch und erhalten auch keinerlei Fallschaden.

Zudem ist die unterdurchschnittliche gegnerische KI für das unbefriedigende Kampferlebnis verantwortlich. Diese untergräbt den gewünschten Realismus in Outward zum Teil extrem. Feinde stört weder die Lanze in der Brust, noch das Fangspiel, das regelmäßig zwischen ihnen und dem Spieler entsteht. Außerdem lässt sich die KI viel zu leicht austricksen. Gegner, deren Sichtbereich wir betreten haben, laufen uns fortan in gerader Linie hinterher. So können ganze Dungeons vollkommen ohne Gefechte bewältigt werden, indem man jeden ausmanövriert. Des Weiteren haben wir keinen Grund dafür gefunden, sich in den Kampf mit nicht quest-relevanten Feinden zu stürzen. Denn eine Niederlage zieht meist Mali wie Blutungen, Krankheiten, oder viele weitere nach sich. Diese negativen Statuseffekte sorgen zum Beispiel fortan für einen wesentlich geringeren Ausdauervorrat des Charakters und können nur mühsam wieder geheilt werden.

Ein erfrischend interessanter Aspekt von Outward ist hingegen das Inventar-System. Bei Überladung des Rucksacks werden Geschwindigkeit und Effektivität der Ausweichrolle eingeschränkt. Der Rucksack kann aber abgeworfen werden, um jene Werte wieder zu steigern. Was man aber tunlichst nicht vergessen sollte: Den Rucksack wieder einzusammeln. Ebenfalls löblich: Das Magie-System ist sehr ausgeklügelt und benötigt diverse Voraussetzungen sowie Materialien, um Zauber überhaupt wirken zu können. Doch erweist sich das System als zu träge und unpraktisch, um in Windeseile und effektiv gegen die Feinde eingesetzt werden zu können.

Survival in der Fantasy-Welt

Ein weiterer wichtiger Teil von Outward ist der Survival-Aspekt, welcher sich in den meisten Fällen sehr gut in das Spiel integriert. Das Verwalten von Hunger, Durst, Schlaf, Krankheit und vielen anderen Nöten, nervt während des Spielens nur selten und fügt sich gut in das Setting ein. Eine Ausnahme stellen jedoch die oben erwähnten Mali dar, die nach einem verlorenen Kampf auftreten. Dadurch ergibt sich nämlich meist die Situation, dass wir Gefechte nicht umgehend fortsetzen können. Sofern man nicht zufällig die passenden Items parat hat, welche die diversen negativen Statuseffekte heilen, gehen die Chancen auf einen Sieg über den Feind gegen Null.
Solltet ihr doch einmal in der Wildnis zusammenbrechen, könntet ihr euch in einer äußerst unangenehmen Situation wiederfinden. Quelle: PC Games Solltet ihr doch einmal in der Wildnis zusammenbrechen, könntet ihr euch in einer äußerst unangenehmen Situation wiederfinden. Da solche spezifischen Gegenstände nur in geringer Menge während des freien Erkundens der Spielwelt zu finden sind, müssen wir die ziemlich teuren Items bei Händlern erwerben. Einzig längerfristiges Schlafen bleibt als kostenlose Alternative, um die Mali komplett zu kurieren. Doch wird man dadurch immer wieder aus dem Spielfluss gerissen und einzelne Kämpfe können so gegen Standardgegner noch länger dauern, als sie es sollten. Einerseits gehört das zu der Essenz eines Survival-Spieles, andererseits ist es für die Kombination mit einem Rollenspiel ein wenig zu penetrant, um nicht auf Dauer zu einem Frustfaktor zu werden.

Am Boden, aber noch nicht besiegt

Eine Niederlage im Gefecht, werdet ihr somit des Öfteren erleiden. Da es nicht die Möglichkeit gibt, einen Spielstand aus dem Menü zu laden, könnt ihr aber die letzten Spielminuten nicht rückgängig machen. In Outward segnet ihr jedoch nie wirklich das Zeitliche, sondern erlebt die sogenannten Dynamic Defeat Scenarios. Diese variieren dabei von recht simplen Ereignissen bis hin zu solchen, die euch urplötzlich in eine komplett neue Ausgangslage versetzen.

Die Dynamic Defeat Scenarios sind eine sehr interessante Idee, doch mangelt es ihnen an Varianz. Zudem verliert der virtuelle Tod dadurch an Bedeutung. Quelle: PC Games Die Dynamic Defeat Scenarios sind eine sehr interessante Idee, doch mangelt es ihnen an Varianz. Zudem verliert der virtuelle Tod dadurch an Bedeutung. Ein gutes Beispiel für ein derartiges Szenario stellt die Begegnung mit einer Gruppe von Banditen dar. Man meint gut gerüstet zu sein, um sich ihnen zu stellen, wacht aber kurz nach einem verlorenen Gefecht fast nackt und aller Ausrüstung beraubt, in einer Mine auf. Ihr seid jetzt ein Sklave der Banditen und müsst für sie in der Mine schuften. Es sei denn, ihr ersinnt eine Möglichkeit zur Flucht. Diese Szenarien sind sehr interessant und bringen ein erfrischendes Gefühl in die sonstige Monotonie des Spieles. Die Varianz und Anzahl der Dynamic Defeat Scenarios lässt jedoch zu wünschen übrig, um sich deutlich genug vom simplen Reload abzuheben.

Zwei wie Pech und Schwefel

Während viele der bereits erwähnten Mängel in Outward den Spielspaß stören, sieht dies im Koop- beziehungsweise Online-Modus anders aus. Es kämpft sich um Längen spaßiger und teils finden dann sogar taktische Komponenten, wie etwa das Platzieren von Fallen, Anwendung. Der Ein- sowie Ausstieg in ein laufendes Spiel gestaltet sich dabei weitgehend problemlos. Der beigetretene Spieler übernimmt die Quests vom Host und kann mit ihm nach Belieben Items tauschen oder einfach Aurai erkunden. Nach Verlassen der Sitzung behalten alle Spieler die Gegenstände, die sie gesammelt haben und der ursprünglich beigetretene Spieler kann dort weiterspielen, wo er vor der Partie aufgehört hat.
Im Koop-Modus gestaltet sich die Reise durch Aurai um einiges unterhaltsamer und einfacher. Quelle: PC Games Im Koop-Modus gestaltet sich die Reise durch Aurai um einiges unterhaltsamer und einfacher. Hinsichtlich der Technik, darf man von Outward keine Meisterleistung erwarten. Der Fokus wurde definitiv auf eine stimmige Welt gesetzt. Allerdings lässt sich damit trotzdem nicht immer die in die Jahre gekommenen Grafik kaschieren. Zu der veralteten Optik gesellen sich auch einige heftige technische Probleme wie plötzliche Abstürze oder gar Game-Breaking-Bugs, die wegen des Fehlens einer manuellen Speicheroption weiteres Vorankommen unmöglich machen.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Outward (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Dynamic Defeat Scenarios...Sehr interessantes Inventar/Magie-MechanikenSpaßiger Koop-/Online-ModusGrößtenteils gute Integration der Survival-ElementeStimmige Spielwelt
...denen es an Variabilität mangeltKampf-System schlecht umgesetztGegner-KI ist unterdurchschnittlichEintönige Welt ohne viel Lohnenswertes zum ErkundenZu viele lange LaufwegeWenig Vertonung mit nur passablen SprechernGrafik wirkt teils sehr altbacken
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