Outward: Der Aufstieg zum Helden will gelernt sein - Vorschau zum RPG-Survival-Mix

Special Giordano Braun
Outward: Der Aufstieg zum Helden will gelernt sein - Vorschau zum RPG-Survival-Mix
Quelle: Nine Dots Studio

Mit dem Ziel, Rollenspiel und Elemente des Simulations- beziehungsweise Survival-Genres zu kombinieren, haben sich die Entwickler von Nine Dots Studio ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Noch vor Release konnten wir einen kleinen Blick darauf werfen, wie gut sich diese Mischung wohl spielen wird.

Outward (jetzt kaufen 31,87 € ) ist uns tatsächlich nicht gänzlich neu. Zur letztjährigen Gamescom durften wir uns bereits in den Mix aus Rollenspiel und Survival-Simulation von Nine Dots Studio stürzen.

Allerdings war unser Ausflug von kurzer Dauer und wir mussten nach nur 30 Minuten die Spielwelt wieder verlassen. Wie der Kollege David Benke in seiner Gamescom-Vorschau zu dem Spiel schrieb, war die halbe Stunde wohl ausreichend, um ihm Lust auf Mehr zu machen. Nun haben wir jedoch die Möglichkeit bekommen, uns Outward noch einige Wochen vor dem offiziellen Release wesentlich genauer anzuschauen. Outward wandert auf Pfaden von Spielen wie Gothic, Risen sowie Dark Souls und übernimmt dabei sowohl deren Ecken, als auch Kanten.

Outward: Auf den Spuren von Divinity

Im recht spärlich ausgestatteten Charakter-Editor dürft ihr euren eigenen Recken erstellen. Quelle: PC Games Im recht spärlich ausgestatteten Charakter-Editor dürft ihr euren eigenen Recken erstellen. Doch beginnen wir am Anfang - wortwörtlich. Im Spiel übernehmen wir die Rolle eines zunächst unbedeutenden Charakters, den wir in einem recht spärlich ausgestatteten Editor selbst erstellen dürfen. Zunächst sind wir auf das Küstenstädtchen Cierzo beschränkt. Dieses müssen wir allerdings schon bald verlassen, um unser Glück in der Welt zu machen und uns einer der drei Fraktionen im Spiel anzuschließen. Diese sind jeweils in einer der Städte von Outtward angesiedelt und verfolgen ihre ganz eigene Agenda. Die Auswahl ist - wie vieles andere im Spiel auch - endgültig, da es lediglich einen automatischen Spielstand gibt.

Allzu weit sind wir in unserem Durchgang zwar nicht in der Hauptstory gekommen, aber das bisher Gesehene war leider nur ein Einheitsbrei aus Fetch-Quests sowie dem obligatorischen Töten bestimmter Gegner in einem Bereich. Das alles wird lose mit einer Geschichte verknüpft, die in ihrer Konzeption sehr stark an die Geschehnisse aus Divinity erinnert. So gibt es eine uralte Plage, welche die Welt heimsucht und einen gottgewordenen Menschen, der die Menschheit aus dieser dunklen Zeit führen soll, aber möglicherweise doch gar nicht so vertrauenswürdig ist, wie ursprünglich angenommen. All das wird dem Spieler dabei durch trockene Texte und mit nur stellenweiser Vertonung vermittelt. Natürlich könnte die Story im weiteren Verlauf noch deutlich an Fahrt aufnehmen, jedoch scheint dies ausgehend von unseren bisherigen Eindrücken eher unwahrscheinlich.

Outward: Ein Niemand in der Fantasy-Welt

Viele der Dungeons sind oftmals sehr eintönig gestaltet, doch lassen sich manchmal durchaus interessante Orte darin entdecken. Quelle: PC Games Viele der Dungeons sind oftmals sehr eintönig gestaltet, doch lassen sich manchmal durchaus interessante Orte darin entdecken. Man bekommt allerdings relativ schnell den Eindruck, dass Outward nicht mit einer originellen Story zu bestechen versucht, sondern mit seinem Gameplay. Unser Charakter ist kein kampferprobter Veteran oder ein Auserwählter mit besonderen Kräften, sondern ein stinknormaler Mensch. Wir müssen stets darauf achten, dass unser Rucksack nicht zu viel wiegt, da wir sonst nur noch dürftig bis gar nicht ausweichen können, müssen uns entsprechend der Wetterbedingungen kleiden und auf Essen respektive Trinken sowie regelmäßigen Schlaf achten. Die Survival-Elemente rücken dabei aber eher in den Hintergrund und sind während des Spielens nur selten nervig gewesen.

Die Crafting-Menüs sind euer ständiger Begleiter. In ihnen stellt ihr Dinge wie Waffen und Nahrung her oder versucht euch an der Alchemie. Quelle: PC Games Die Crafting-Menüs sind euer ständiger Begleiter. In ihnen stellt ihr Dinge wie Waffen und Nahrung her oder versucht euch an der Alchemie. Um den Realismus-Aspekt im Spiel zu steigern, haben sich die Entwickler ein paar interessante Ideen ausgedacht. Sind wir beispielsweise mit zu schwerem Gepäck unterwegs, dürfen wir dieses abwerfen, um uns im Kampf agiler zu bewegen, dürfen dann aber natürlich nicht vergessen, es danach wieder aufzusammeln. Auch Magie wirken wir nicht durch einen simplen Tastendruck, sondern die Zauber müssen erst durch Vollführung eines Rituals mit Manasteinen aktiviert werden. Dieses Gefühl des Realismus in einer Fantasy-Welt vermittelt Outward recht gut, scheitert jedoch daran, das Gameplay auch ansprechend zu gestalten. Kämpfe wirken noch zu unbeholfen und sind meist einzig mit physischen Angriffen zu bewältigen. Ein sehr willkommener Fakt, denn das Schießen mit Bogen beziehungsweise Pistole gestaltet sich träge sowie ungenau. Der Einsatz der Magie hingegen ist oftmals präzise, benötigt allerdings viel zu viel komplexe Vorausplanung, um effektiv - in den ohnehin wenig fordernden Kämpfen - eingesetzt zu werden.

Die Gegner-KI ist für ein ausgeklügeltes Kampfsystem auch bei Weitem nicht intelligent genug. Sobald man im Bereich der Gegner ist, rennen diese einfach stumpf auf einen zu und attackieren. Statt zu kämpfen, kann man daher die Gegner auch schlicht umgehen, indem man an ihnen vorbeirennt. Dies wird bisher aktiv vom Spiel unterstützt, da es keinen richtigen Anreiz dazu gibt, nicht questrelevante Gegner zu besiegen. Der Loot, den diese hinterlassen, ist nämlich in den wenigstens Fällen die Gefahr wert, in welche man sich durch den Kampf begibt. Zudem wird ebenso auf das rollenspieltypische Aufleveln des Helden verzichtet. Daher lässt sich der Charakter nur durch entsprechende Ausrüstung sowie erwerbbare Fähigkeiten aufrüsten. Sollte ein Kampf dann also doch einmal Probleme bereiten, bleibt lediglich die Möglichkeit, taktisch zu kämpfen oder Gegner zu vermeiden.

Der Online-Koop-Modus funktioniert tadellos und sorgt für deutlich mehr taktische Möglichkeiten in Kämpfen. Quelle: PC Games Der Online-Koop-Modus funktioniert tadellos und sorgt für deutlich mehr taktische Möglichkeiten in Kämpfen. Lobend können die einzelnen Maps hervorgehoben werden, die stimmig designt sind und mit einigen einzigartigen Strukturen beziehungsweise Orten den Entdeckerdrang wecken. Dennoch exisitiert auch hier wieder ein dickes Manko: Vieles sieht zwar von Außen interessant aus, führt dann aber nur erneut in einen tristen Dungeon, der mit dem jeweiligen Gegner-Typ vollgestopft ist. Auch nervig sind die ewig langen Laufwege innerhalb der Maps, die sich dank fehlender Schnellreisefunktion sowie der Menge an Quests der Marke "Begib dich von A nach B" ewig in die Länge ziehen. Das alles soll jedoch nicht heißen, dass das Gameplay von Outward grundsätzlich schlecht ist. Der Grundbaustein für viele interessante Mechaniken, die den Simulations-Charakter des Spieles unterstützen, wurde bereits gelegt. Die Entwickler müssen künftig aber gerade in dem Bereich noch ordentlich nachliefern, damit es eben nicht einzig bei einem guten Fundament bleibt.

Outward: Tod ist eine Tür, Zeit ein Fenster

Die Dynamic Defeat Scenarios sind eines der Highlights von Outward. Leider gibt es jedoch zu wenige Variationen von ihnen. Quelle: PC Games Die Dynamic Defeat Scenarios sind eines der Highlights von Outward. Leider gibt es jedoch zu wenige Variationen von ihnen. Besonders gefallen konnten die sogenannten Dynamic Defeat Scenarios, die dem Spiel einen eigenen Charme verleihen. Sollte die Spielfigur - aus welchen Gründen auch immer - das Zeitliche segnen, bedeutet dies nie wirklich das Ende. Man wird nicht nur mit einem Respawn ins Spiel zurückverfrachtet, sondern erhält immer ein zufälliges Ereignis, das im Zusammenhang mit der Art beziehungsweise dem Ort des Todes steht. Bricht man vor Erschöpfung in der Wildnis zusammen, so wird man beispielsweise von einem Samariter gerettet und in die nächstgelegene Stadt gebracht. Wohingegen man sich nach einem verlorenen Kampf gegen Banditen, - all seiner Sachen beraubt - in einer kleinen Sklaven-Kolonie wiederfindet, aus der es alsbald zu entkommen gilt. Diese Ereignisse sind eines der Highlights von Outward. Leider hat man nach wenigen Malen schon die meisten dieser Ereignisse gesehen und dem virtuellen Tod geht damit auch ein wenig an Bedeutung verloren. Es wäre trotzdem wünschenswert, wenn künftig in dem Bereich noch mehrere Variationen eingebaut werden würden.

Outward: Ein Spiel für Zwei

Auch an nur einem PC dürfen wir zu zweit im Splitscreen spielen. Dann und wann kann man dabei aber auch mal die Übersicht verlieren. Quelle: PC Games Auch an nur einem PC dürfen wir zu zweit im Splitscreen spielen. Dann und wann kann man dabei aber auch mal die Übersicht verlieren. Das weitere große Highlight von Outward ist der Koop, welcher den Spaßfaktor nochmal erheblich steigert. Wahlweise wird an einem PC per Splitscreen oder auch online gespielt. Der Ein- beziehungsweise Ausstieg des Mitspielers ist dabei denkbar einfach gestaltet und verlief immer völlig problemlos. Ein Mitspieler übernimmt immer die Quests des Hosts, während seine Eigenen bis zum Wiedereintritt in sein Spiel pausiert werden. Items können untereinander getauscht werden und verbleiben nach Beenden der Session beim jeweiligen Spieler. Ebenfalls ist lobend hervorzuheben, dass alle Gegenstände, die in die Spielwelt abgeworfen wurden, sowie auch besiegte Gegner - im Solo- wie im Koop-Modus - bisher auf unbestimmte Dauer an ihrem Platz verbleiben. So kann also auch der Loot eines Gegners, der vor Stunden besiegt wurde, oder ein Item, für welches zuvor kein Platz im Inventar war, noch nachträglich eingesammelt werden.

Outward Vorschau: Angestaubte Technik

Man sollte sich im Voraus bewusst sein, dass mit Outward kein technisches Meisterwerk auf einen zukommt. Das Indie-Studio hat seine wenigen Ressourcen eindeutig in andere Bereiche gesteckt. Charaktermodelle sowie Texturen sind altbacken und die Maps wirken einfach viel zu leer. Dennoch gelingt es Outward, in sich stimmig auszusehen. Es kann sowohl in Bereichen wie dem Koop-Gameplay, als auch bezüglich der Integration von realistischen Gameplay-Elementen überzeugen. Während unseres Durchgangs konnten wir keine Probleme mit der Performance feststellen. Einzig ein paar Bugs und Abstürze konnten wir verzeichnen. Bis zum Release werdeb diese aber hoffentlich noch ausgebessert.

Meinung

Meinung

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk