Outcast 2 ist fantastisch und ambitioniert - zumindest auf dem Papier. Doch im Test zeigen sich auch etliche Schnitzer. Muss man sich daran stören? Update: Jetzt mit Video-Review!
Wie, der Name "Outcast" sagt euch nichts? Sollte er aber! Denn vor 25 Jahren war das Spiel ein echter Knaller: Mit seiner legendären Voxel-Optik ließ es damals Spielerherzen und Prozessorkerne schmelzen. Viele Fans und Kritiker feierten die wunderschönen Landschaften, das zugängliche Gameplay, die lebendigen Charaktere, diese orchestrale Musik. So ein stimmungsvolles Action-Abenteuer hatte man bis dato nicht auf dem PC erlebt!
Doch danach kam lange, lange Zeit... gar nichts. Ein Nachfolger war in Arbeit, er sollte sogar für die PS2 erscheinen. Doch den Entwicklern ging das Geld aus, das Projekt ging baden. Auch mehrere Fan-Arbeiten liefen ins Leere, so verblasste die Marke im Laufe der Zeit. Erst 2014 meldeten sich ein paar der Originalentwickler von Appeal zurück, sie polierten den Voxel-Klassiker nochmal auf, brachten später sogar ein vollwertiges Remake auf den Markt. Das war zwar kein großer Hit, kitzelte aber zumindest wieder die alten Hoffnungen wach:
Würde es diesmal endlich für einen richtigen Nachfolger reichen? Wird Outcast 2 (jetzt kaufen ) nach so vielen Jahren doch noch Realität?
Heute können wir sagen: ja!
Outcast: A New Beginning ist ein anständiges Outcast 2 geworden. Es bringt zwar nicht alle, aber zumindest viele alte Stärken zurück. Außerdem haben die Entwickler eine Open World, ein cooles Jetpack und schicke Unreal-Grafik draufgepackt - alles hübsch modern. Doch es wäre natürlich nicht Outcast, wenn es nicht auch zig Ecken und Kanten gäbe. Wo die liegen, klären wir im Test zu Outcast: A New Beginning.
Willkommen zurück, Ulukaï
Fandazma, Daoka, Shamaz, Zort - wer Outcast nicht kennt, dürfte sich anfangs schwertun, den Nachfolger mit seinem sympathischen Alien-Vokabular und seinen vielen Namen und Orten richtig einzuordnen. Einen ordentlichen Rückblick auf den ersten Teil haben sich die Entwickler nämlich gespart, stattdessen landet man mittendrin im Geschehen. Zwar werden im späteren Spielverlauf noch ein paar Hintergründe beleuchtet, doch Neueinsteigern hilft das natürlich herzlich wenig. Ein paar Vorkenntnisse schaden also nicht!
Ihr schlüpft wieder in die Haut von Cutter Slade, einem Ex-Navy-Seal, der schon im letzten Spiel den exotischen Planeten Adelpha gerettet hat. Die Bewohner feierten ihn damals als den prophezeiten Ulukaï, einen legendären Freiheitskämpfer. Doch jetzt kehrt Cutter durch mysteriöse Umstände zurück - und schnell lernt er auch warum, denn auf Adelpha brennt mal wieder der Baum: Unbekannte Invasoren haben sich über die Heimatwelt der Talaner hergemacht, das Land wird ausgebeutet und Roboter-Soldaten machen Jagd auf die letzten Widerständler.
Quelle: PC Games
Blechbüchsen wegballern, Invasoren vertreiben und alles ist geritzt? So leicht machen es euch die Autoren nicht! Denn genau wie im Vorgänger hat die Geschichte ein paar nette Überraschungen auf Lager, die sich in 20 bis 30 Spielstunden entfalten. Die Entwickler inszenieren das Ganze wieder mit Unmengen, wirklich Unmengen an Dialogen, aber diesmal kommen auch sehr viel mehr Zwischensequenzen zum Einsatz. Manche davon sind auch ganz ordentlich gemacht und sorgen für Stimmung.
Andere Sequenzen wirken aber auch altbacken, das gilt vor allem für die letzten Stunden, in denen sich die Ereignisse nochmal so richtig überschlagen. Da kann die Dramaturgie leider nicht so ganz mit den ambitionierten Ideen der Autoren mithalten.
Bei den Yods, diese Freiheit!
Überhaupt wirkt Outcast 2 manchmal wie ein Spiel, das auf dem Papier noch ziemlich brillant klingt, bei der Umsetzung aber öfter mal ins Straucheln gerät. Was aber nicht heißt, dass das Spiel keinen Spaß machen kann, ganz im Gegenteil.
Das fängt schon bei der wunderschön gestalteten Spielwelt an, die ihr nach einer knappen Stunde völlig frei erkundet. Das ist wörtlich gemeint, hier dürft ihr wirklich auf jeden Berg klettern und in jeden See tauchen. Dank Cutters neuem Jetpack könnt ihr auch im Affenzahn über den Boden heizen oder euch von den höchsten Gipfeln hinabstürzen, um dann entspannt über die Landschaft zu segeln. Besonders in diesen Momenten kommt dann auch der wundervolle Orchester-Soundtrack so richtig zur Geltung, der wieder aus der Feder von Komponist Lennie Moore stammt. Seine gefühlvollen Stücke stehen dem ersten Spiel in nichts nach und verpassen dem Abenteuer eine unverwechselbare Atmosphäre.
